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Wirbelsäule und Gelenke: Schnell wieder fit – ohne OP


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 20.02.2020

Statt aufs Skalpell setzen immer mehr Mediziner auf schonende Wege bei Arthrose und Schmerzen im Bewegungsapparat. Ein Experte nennt die sieben wichtigsten Innovationen


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 9/2020

Dr. Martin Marianowicz Orthopäde aus München


Noch wird in Deutschland häufig zu früh, zu schnell und zu oft an Rücken und Gelenken operiert. „Etwa 80 Prozent der Eingriffe an der Wirbelsäule zum Beispiel sind überflüssig“, sagt der renommierte Rücken- und Arthrose-Spezialist Dr. Martin Marianowicz, Marianowicz Medizin Zentrum für Diagnose & Therapie, München (www. marianowicz.de). „International, aber auch bei uns, setzt sich jedoch immer ...

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... stärker der Trend zur sogenannten bioregenerativen Medizin durch.“ Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Körper bei der Selbstheilung unterstützt. Auf Operationen bei Bandscheiben-Vorfällen oder Gelenkverschleiß kann so durch eine ganze Reihe innovativer, schonender Behandlungsmethoden gegen die Schmerzen gut verzichtet werden.

Neben Muskelverspannungen sind häufig Bandscheibenprobleme schuld an Rückenbeschwerden


BANDSCHEIBEN-PROBLEME

Am häufigsten treten Erkrankungen der Bandscheibe im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auf. Vorfälle in der Lendenwirbelsäule sind dabei um das Zehnfache häufiger als an der Halswirbelsäule.

1. Eigenblut-Therapie mit Plasma (PRP)

■ Der Arzt entnimmt dem Patienten per Spritze 10 bis 20 Milliliter Blut, gewinnt daraus in einer Zentrifuge fünf Milliliter Plasma mit Blutplättchen (engl.: „Platelet Rich Plasma“, kurz PRP). Das Konzentrat wird direkt in die kranke Bandscheibe gespritzt. „Es hemmt Entzündungen sogar noch stärker als Kortison, wird aber im Gegensatz dazu gut vertragen“, so der Orthopäde. Außerdem enthält PRP Wachstumsfaktoren, die die Bildung von Knorpelzellen anregen. Der Eingriff dauert unter Lokalanästhesie rund 60 Minuten. Wichtig ist, anschließend die Durchblutung z. B. durch Ausdauersport anzuregen. Die Injektionen wirken dann besser, es bilden sich schneller neue Zellen.
Geeignet für: verschlissene Bandscheiben, Schäden an den Wirbelkörpern.
Kosten: ca. 400 bis 500 Euro.

2. PLDD–Laserbehandlung

■ In mehr als 80 Prozent der Fälle lässt sich mit dieser Methode eine Bandscheiben-OP vermeiden. Der Orthopäde schiebt dabei durch eine ultradünne Kanüle eine Laserfaser in die Mitte der Bandscheibe vor. Die Hitze der Laserenergie schrumpft die geschädigten Bandscheiben-Anteile. Der Druck auf die Nervenwurzeln lässt fast sofort nach. Der Eingriff in örtlicher Betäubung dauert zwischen 20 und 30 Minuten. Der Patient kann direkt nach dem Eingriff aufstehen.
Geeignet für: chronischen Ischias-Schmerz durch vorgewölbte oder vorgefallene Bandscheiben, Schmerz auslösende Einrisse ihres Faserrings.
Kosten: Kassen zahlen.

3. Hydrogel-Injektionen

■ Durch Verschleiß der Bandscheibe wird dieser Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln flacher. Das führt zu einer höheren Druckbelastung, startet eine schmerzhafte Entzündungsreaktion. Der Orthopäde führt durch eine dünne Hohlnadel ein bis zwei, nur wenige Millimeter lange, sehr dünne, synthetische Stifte mit knorpelähnlichem Hydrogel ein. „Sie saugen sich voll mit Gewebeflüssigkeit, quellen um das bis zu 20-Fache auf“, erklärt Dr. Marianowicz. Das Bandscheiben-Polster wird dicker, nimmt seine Stoßdämpfer-Funktion wieder auf. Dieser Effekt hält Jahre an. Die Eingriffsdauer beträgt bei örtlicher Betäubung etwa 15 Minuten. „80 Prozent der Patienten spüren nach zwei Wochen eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden.“
Geeignet für: Verschleiß der Bandscheiben im Bereich der Lendenwirbelsäule, Vorwölbungen, Reizzustände der kleinen Wirbelgelenke.
Kosten: Die Kassen zahlen, wenn der Eingriff stationär erfolgt.

ARTHROSE

Mit 70 Jahren hat jeder von uns eine Arthrose, also einen altersbedingten Verschleiß in den Gelenken. Das bedeutet für rund fünf bis acht Millionen Menschen oft starke Schmerzen.

4. Bioregenerative Therapie mit Stammzellen

■ „Sie ist ein Meilenstein in der Arthrose-Behandlung mit der Chance auf Heilung“, sagt Dr. Marianowicz. Das innovative Verfahren der körpereigenen Stammzelltherapie ist bislang nur in wenigen deutschen Praxen zugelassen. Spezialisten injizieren dabei Vorläuferzellen aus dem Bauchfett in einen gelenknahen Fettkörper, z. B. am Kniegelenk. Diese Vorläuferzellen haben große Bedeutung für den Stoffwechsel, aber auch eine Schutz- und Dämpfungsfunktion im Gelenk. Zurzeit laufen z. B. in der Schweiz Studien, ob das Verfahren auch defekte Bandscheiben heilen kann.
Geeignet für: Arthrose, Knorpelabbau.
Kosten: ca. 3000 bis 3500 Euro

5. Hochmoderne Hitzesonde

■ Die neue, minimal-invasive Hitzestoß– Therapie („Cooled Radiotherapy“) verringert die Schmerzintensität im Durchschnitt um 60 bis 70 Prozent. Das Prinzip ist ganz einfach. „Die Hitzesonde verödet Nervenfasern, die z. B. ins Kniegelenk führen, unterbricht so die Schmerzweiterleitung“, erklärt der Experte. „Durch die geringere Temperatur von nur 65 Grad statt wie bisher 80 bis 90 Grad werden umliegendes Gewebe und Nerven wesentlich weniger belastet.“ Der Eingriff dauert nur ca. 20 Minuten.
Geeignet für: Menschen mit starken Schmerzen, die z. B. noch zu jung sind für einen Gelenkersatz am Knie. Oder bei Angst vor einer Vollnarkose.
Kosten: Die Kassen zahlen.

6. Zellfreies Eigenprotein-Serum

■ Aus dem Blut des Patienten werden antientzündliche Wirkstoffe gewonnen und anschließend vervielfacht. Der Arzt spritzt dann das hoch angereichertes Eigenprotein-Serum in das erkrankte Gelenk. „Es hemmt die Entzündung und aktiviert die körpereigenen Reparaturmechanismen“, sagt Dr. Marianowicz. „Operationen können so verzögert oder gar ganz vermieden werden.“
Geeignet für: Knorpelverschleiß, Arthrose-Schmerzen.
Kosten: ca. 400 bis 500 Euro.

7. Hyaluron-Doppelkammer-Spritze

■ Die zähflüssige Hyaluronsäure verhindert als Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit, dass die Knorpel aneinanderreiben. Doch mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Produktion dieser „Gelenk-Schmiere“ ab. Bei der neuartigen Therapie mit einer Hyaluron-Doppelkammer-Spritze (Renehavis) injiziert der Arzt zuerst niedermolekulares Hyaluron aus Kammer 1 in das Gelenk. Es legt sich wie ein Schutzfilm über die Innenhaut, lässt Entzündungen abklingen, kurbelt die Nährstoff-Produktion im Knorpel wieder an. Dann spritzt er hochmolekulares Hyaluron aus Kammer 2, dessen Moleküle Löcher im kaputten Knorpel füllen. „Der Therapie-Erfolg hält bis zu einem Jahr an“, sagt Marianowicz.
Geeignet für: Verschleiß der Gelenkknorpel, Schmerzen durch Gelenkentzündungen.
Kosten: Zwischen 200 bis 350 Euro.

So hilft die multimodale Schmerztherapie

Weil Schmerz in erster Linie im Kopf entsteht, sollte ein Ansatzpunkt der Therapie immer auch die Seele sein, erklärt Dr. Martin Marianowicz. Denn hinter Rücken- oder Gelenkschmerzen können häufig Einsamkeit, Trauer oder Stress stecken. Deshalb rät er vielen Dauerschmerz-Patienten zur sogenannten multimodalen Schmerztherapie. Dabei arbeiten Orthopäden, Neurologen, Radiologen, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Bewegungsanalytiker aber auch alternative Therapeuten wie TCM-Spezialisten zusammen, um den Patienten ganzheitlich zu behandeln. Zum Einsatz kommen z. B. Biofeedback, Schmerzbewältigungstraining, Tanz- und Musiktherapie oder Fitnesstraining an Geräten, gezielte Wirbelsäulen-Gymnastik und Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelrelaxation.


Text: Susanne Schütte; Fotos: Getty Images/Science Photo Library, Daniel Schvarcz, Shutterstock