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WIRD DUCATI WIEDER ZUM VIZE -WITZ?


Motorsport-Magazin.com - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 05.09.2019

DUCATI LÄUFT SEIT JAHREN VERGEBLICH EINEM WELTMEISTERTITEL IM MOTORRADSPORT HINTERHER. TROTZ STARKEM BEGINN GEHT DAS TEAM 2019 WOHL WIEDER LEER AUS - SOWOHL IN DER MOTOGP ALS AUCH DER SUPERBIKE-WM.


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Bildquelle: Motorsport-Magazin.com, Ausgabe 4/2019

Bautista dominierte die ersten Rennen 2019


In Spielberg durfte Dovizioso über den 2. Saisonsieg jubeln


Ducatis neue WSBK-Waffe: Die Panigale V4 R


Jubelstürme brechen in der Box von Ducati aus, als Andrea Dovizioso um 14:39 Uhr den Zielstrich vor der prall gefüllten Haupttribüne des Red Bull Rings im malerischen Spielberg überquert. Mechaniker hängen mit geballten Fäusten von der Boxenmauer, die Chefriege liegt ...

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... sich in der Garage gegenseitig in den Armen und der siegreiche Dovizioso rastet auf seiner Desmosedici komplett aus. Ein kurzer Videoclip des frenetisch jubelnden Davide Tardozzi, 60-jähriger Teammanager des Rennstalls, macht in den sozialen Medien rasch die Runde. Prädikat: sehenswert! Das Ausmaß dieses Jubels ist stellvertretend für den gigantischen Stein, der den versammelten Ducatisti an diesem 11. August in Österreich vom Herzen fiel. Es war ein Befreiungsschlag und vor allem die Genugtuung, nach Mugello (dort ist Ducati seit 2017 ungeschlagen) auch die zweite Ducati-Bastion im WM-Kalender gegen den Eroberer Marc Marquez verteidigt und dort den vierten Sieg in Folge eingefahren zu haben. Die überbordenden Emotionen zeigten aber auch, wie bitter nötig Ducati diesen Sieg hatte, denn so richtig viel zu jubeln gab es für die rote Rennfraktion aus Bologna zuletzt nicht - weder in der MotoGP, noch in der Superbike-WM. Die in höchstem Maß sportorientiere Marke droht auch in diesem Jahr an den eigenen hohen Erwartungen zu scheitern. Wird Ducati 2019 wieder einmal zum Vize-Witz? In den vergangenen Jahren wiederholte sich ein stets gleiches Prozedere. Im Januar bläst Ducati - oftmals in Form von Konzernchef Claudio Domenicali - zur großen Attacke auf die beiden wichtigsten WM-Titel im Motorradrennsport. Nur um spätestens Ende November mit leeren Händen dazustehen. Knapp dran waren die Italiener in den vergangenen Jahren mehrfach, am Ende reichte es aber eben immer doch gerade nicht. Wir erinnern uns noch an das MotoGP-Finale 2017, als sich Dovizioso erst beim letzten Rennen in Valencia Marc Marquez im Kampf um den Titel geschlagen geben musste. In den letzten vier Jahren wurde Ducati nicht weniger als elfmal Vizeweltmeister in den beiden wichtigsten Rennserien des Motorradstraßensports: Chaz Davies musste sich in diesem Zeitraum dreimal in der WSBK dem dortigen Dominator Jonathan Rea geschlagen geben, Andrea Dovizioso zweimal Marc Marquez in der MotoGP, wo Ducati im Vorjahr auch in der Konstrukteurs- und der Team-WM Zweiter wurde. Hinzu kommen vier zweite Plätze in der Weltmeisterschaft der Superbike-Konstrukteure binnen vier Jahren. Der letzte WM-Titel eines Ducatisti? 2011, als Carlos Checa WSBK-Champion wurde und die 1098R auch den Sieg in der Hersteller-Wertung davontragen konnte. Seither wartet die Mannschaft aus Bologna vergeblich auf einen großen Titel - seit mittlerweile fast acht Jahren. Noch immer ist Ducati in der Superbike-WM die erfolgreichste Marke mit 14 Gesamtsiegen in der Fahrer-Wertung (Honda & Kawasaki haben als erste Verfolger nur je 6) und 17 Titeln bei den Konstrukteuren (alle anderen Hersteller kommen zusammen nur auf 14). Doch seit dem letzten Erfolg 2011 räumten Aprilia und Kawasaki alle Titel ab. Ducati musste sich im Winter sogar der Schmach hingeben, die Panigale R als erstes Superbike ohne WSBK-Titel in den Ruhestand zu schicken. Zuvor hatten alle roten Renner zumindest einmal in der Gesamtwertung der seriennahen Meisterschaft triumphiert: Von der 888 über die 916 und 996, 999 sowie 1098 bis hin zur 1198R, mit der Checa Ducatis letzten Gesamtsieg einfuhr. In der MotoGP liegt der letzte Erfolg sogar schon mehr als ein Jahrzehnt zurück. 2007 triumphierte Casey Stoner und machte gemeinsam mit Loris Capirossi Ducati auch zum Weltmeister der Konstrukteure. Seither räumten die beiden großen japanischen Marken Honda und Yamaha jeden einzelnen Titel ab. Woran liegt es, dass Ducati einfach keinen Titel holen kann?

An Marc Marquez beißt sich Ducati die Zähne aus


IM JANUAR BLÄST DUCATI - OFTMALS IN FORM VON KONZERNCHEF CLAUDIO DOMENICALI - ZUR GROSSE EN ATTACKE AUF DIE BEIDEN WICHTIGSTEN WM-TITEL IM MOTORRADRENNSPORT. NUR UM SPÄTESTENS ENDE NOVEMBER MIT LEEREN HÄNDEN DAZUSTEHEN.


Ist Ducati einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Immerhin tritt das Team sowohl in der Superbike-WM als auch in der MotoGP gegen jene Männer an, die gerade drauf und dran sind, sämtliche Rekorde zu brechen. In der Superbike-WM hält Jonathan Rea bereits die Bestmarke für die meisten Siege in der Geschichte dieser Meisterschaft und sollte er 2019 zum fünften Mal in Folge triumphieren, wäre er auch in dieser Kategorie alleiniger Rekordhalter. Die langjährige Ducati-Speerspitze Chaz Davies wurde von Reas Konstanz bereits zermürbt, denn obwohl der Waliser in der Zeit der Rea-Regentschaft 26 Siege holte, konnte er den Titelkampf nicht ein einziges Mal bis zum Finale offenhalten. Was Rea in den vergangenen Jahren mit Davies gelang, schaffte er in der laufenden Saison auch mit Alvaro Bautista. Der MotoGP-Aussteiger feierte auf Ducatis neuer V4 einen spektakulären Einstand und gewann zu Beginn des Jahres nicht weniger als elf Rennen in Folge. Aus Phillip Island, Buriram, Aragon und Assen ging er ungeschlagen hervor und sah bereits wie der sichere Weltmeister aus. In einer unserer Ausgaben im Frühjahr titelten wir »Neuer Sheriff in der Stadt«. Doch während der Sheriff von Sieg zu Sieg eilte, hielt sich Rea als sein Deputy ebenfalls schadlos. Ganz im Stil eines großen Champions holte er das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus, ohne sich von Bautistas Dominanz entnerven zu lassen. Bei den elf Siegen des Spaniers stand Rea zehnmal als Zweiter und einmal als Dritter jedes Mal auf dem Podest neben Bautista. Als dieser zunächst in Jerez und dann in Misano jeweils im Sonntags-Rennen stürzt, ist der Champion zur Stelle. Als Bautista im Auftaktrennen in Donington erneut ohne Feindkontakt zu Boden geht, liegt Rea in der WM bereits wieder in Führung. In Laguna Seca erlebt Bautista unmittelbar vor der Sommerpause sogar sein Waterloo, als sich zu Stürzen auch noch technische Defekte gesellen und er in allen drei Rennen punktelos bleibt. Binnen zehn Läufen waren aus 61 Punkten Vorsprung 81 Zähler Rückstand geworden - einer der spektakulärsten Blowups der Superbike-Geschichte. Eine verlorene WM-Führung musste Ducati auch in der MotoGP in dieser Saison bereits hinnehmen - sogar zweimal. Denn sowohl nach seinem Auftaktsieg in Katar als auch nach dem Crash von Marc Marquez in Austin übernahm Andrea Dovizioso die Spitze in der Gesamtwertung. Sein Sieg in Spielberg bedeutete den sechsten Podestplatz im elften Rennen. Nie zuvor hatte der Italiener in der Königsklasse zu diesem Zeitpunkt der Saison mehr. Mit 172 Punkten hält Dovizioso ebenfalls einen neuen persönlichen Rekord nach elf Läufen. Doch Ducatis MotoGP-Spitze hat ein Problem: Er tritt mit Marc Marquez gegen den stärksten Fahrer der Gegenwart an, der im Laufe seiner Karriere sogar zum erfolgreichsten der Geschichte aufsteigen könnte. Teamkollege Danilo Petrucci nahm Dovizioso zuletzt daher in Schutz. »Es ist sehr hart für uns, denn wir kämpfen gegen einen der besten Fahrer der MotoGP-Ära«, antwortete der Italiener auf die Frage von Motorsport-Magazin.com, ob die Weltmeisterschaft 2019 für Ducati bereits verloren sei. »Jedes Jahr kommen neue Talente hinzu und das Niveau der Weltmeisterschaft wird immer höher. Es wird für uns jedes Jahr schwerer, dabei ist es schon schwierig genug, Marc zu schlagen. Wir werden es aber immer weiter versuchen.« Vor allem der unglückliche Crash von Jorge Lorenzo, der in Barcelona in den ersten Minuten neben Valentino Rossi und Maverick Vinales auch Dovizioso aus dem Rennen kegelte, liegt der Ducati-Fraktion noch im Magen. Denn wenn man schon gegen einen bärenstarken Marquez kämpfen muss, dann kann man derartige Unglücksfälle nicht gebrauchen. »Was in Barcelona passiert ist, war großes Pech. Solche Vorfälle sind auch für die mentale Seite nicht einfach, denn wenn du so leicht Punkte verlierst, fällt es noch schwerer den Rückstand in der Gesamtwertung aufzuholen. Dovi hat durch diesen Crash viele Punkte verloren und ohne dieses Unglück würde die Situation in der WM deutlich besser aussehen«, führte Petrucci aus. Deutlich besser wäre in diesem Fall aber relativ. Denn selbst wenn Dovizioso das Rennen gewonnen hätte, würde der Vorsprung von Marquez immer noch mehr als umgerechnet einen Sieg betragen. Die Realität sieht mit umgerechnet mehr als zwei Siegen Rückstand für Dovizioso freilich noch schlechter aus. Denn obwohl er so viele Punkte wie nie zuvor nach elf MotoGP-Saisonrennen auf dem Konto hat, steht auch Marquez so gut da wie selten zuvor. Zu diesem Zeitpunkt der Weltmeisterschaft hatte der Spanier in seinen sieben Jahren in der Königsklasse nur ein einziges Mal mehr WM-Punkte auf dem Konto: 2014, als er die ersten zehn Rennen allesamt gewinnen konnte. Überhaupt konnten sich nur zwei Fahrer in der MotoGP-Gesamtwertung jemals vor Marc Marquez platzieren: Valentino Rossi und Jorge Lorenzo, denen dieses Kunststück 2015 gelang, als er in jedem dritten Rennen eine Null anschreiben musste. Gegen Marquez zu verlieren, ist alles andere als eine Schande, doch nachdem er bereits zweimal Vizeweltmeister wurde, wollte Dovizioso 2019 eigentlich zur finalen Krönung ausholen.

Auf ihren Paradestrecken sind die Ducatisti siegfähig


Drei Mal WSBKVizeweltmeister: Chaz Davies


Davies musste sich auf der V4 R erst zurechtfinden


Gigi Dall‘Igna revolutionierte die Desmosedici in den letzten Jahren


ES GEHT NICHT MEHR DARUM, IN DER WELTMEISTERSCHAFT ZWEITER ODER DRITTER ZU WERDEN - DAS HABEN WIR SCHON ZWEIMAL GESCHAFFT.


Nach seinem fünften Platz am Sachsenring, Doviziosos schlechtestem Saisonresultat, saß der Frust besonders tief, denn dort hatte Marc Marquez soeben seinen zehnten Sieg in Folge in vollkommen ungefährdeter Manier geholt. »Es geht nicht mehr darum, in der Weltmeisterschaft Zweiter oder Dritter zu werden - das haben wir schon zweimal geschafft. Wir wollen um Siege und Titel kämpfen und müssen klar besser werden«, brachte es Dovizioso auf den Punkt. Der zumeist diplomatisch agierende Italiener ließ sich anschließend zu einer regelrechten Brandrede hinreißen, in der er das von Gigi Dall‘Igna angeführte Ingenieursteam in die Pflicht nahm: »Unser Rückstand ist zu groß. Wir wissen, dass der Sachsenring schlecht für unser Motorrad ist, aber schon in Assen hatten wir eine ähnliche Situation. Unser Speed ist nicht schlechter geworden, aber der Abstand auf unsere Konkurrenten ist größer als in der Vergangenheit. Das ist schlecht für die Weltmeisterschaft. Marc und Honda sind auf einem anderen Niveau, aber auch ohne ihn sind viele Fahrer aktuell schneller als wir. Das ist keine angenehme Situation. Ducati arbeitet hart, aber wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem wir uns auf das Kurvenverhalten konzentrieren müssen. Wir sind in vielen Bereichen gut, aber in diesem Bereich sind wir sehr schlecht. Wir zerstören unsere Reifen, aber das passiert deswegen, weil wir den Reifen mehr strapazieren müssen, um mithalten zu können. Wir sind in den Kurven zu langsam und der einzige Weg, wie wir schnellere Rundenzeiten fahren können, ist die Beschleunigungsphase. Aber wenn du aggressiver beschleunigen musst, strapaziert das den Reifen mehr.« Diese Achillesferse attestierte Dovizioso seiner Desmosedici schon vor Jahren, doch bis heute konnte Ducati keine Lösung für das sperrige Handling in den Kurven liefern. Konnte man dieses Manko in den vergangenen Jahren noch über den überlegenen Topspeed ausgleichen, so hat in diesem Bereich zumindest Hauptkonkurrent Honda aufgeschlossen. Selbst auf Ducatis Leib-und-Magen-Strecke Spielberg lag die Höchstgeschwindigkeit von Dovizioso und Marquez mit 316,7 km/h bei dem exakt gleichen Wert. Das bestätigte die mahnenden Worte aus der Brandrede am Sachsenring: »Wir brauchen dringend eine Strategie für die Zukunft! Etwas am Kurvenverhalten zu ändern, ist sehr schwierig, doch wir müssen endlich in die Gänge kommen, denn ich rede seit sechs Jahren über nichts anderes. Die letzten beiden Jahre waren gut, aber jetzt sind wir wieder an einem kritischen Punkt angelangt. Die Konkurrenz wird besser und besser. Man kann die Unterschiede sogar im Fernsehen sehen, wenn man uns mit den anderen Motorrädern in den Kurven vergleicht. Wir müssen etwas ändern und unsere Kräfte besser auf diesen Bereich konzentrieren als auf alles andere, denn wir verlieren in den Kurven zu viel. Für Vinales, Rins oder Quartararo wird es im Kampf um Platz zwei in der WM einfach, denn wir haben nicht deren Speed und es gibt noch viele Rennen. Dabei wollten wir eigentlich die WM gewinnen! Die Rennen sind sehr schnell geworden und um da mithalten zu können, müssen wir viel mehr unsere Hinterreifen strapazieren. Das mussten wir im vergangenen Jahr nicht.« In diesem Bereich steckt Ducati allerdings in einer Sackgasse, wie Dovizioso selbst ausführte: »Leider ist das die DNS dieses Motorrads, da geht es nicht um Fahrstil oder so. An dieser DNS hat sich in den letzten sieben Jahren nichts geändert und ich verstehe gar nicht, wie euch das vor den Bildschirmen nicht auffallen kann. Ich verstehe allerdings selbst nicht, warum die Ducati diese DNS hat. Das ist letzten Endes auch das Problem.«


»WIR BRAUCHEN DRINGEND EINE STRATEGIE FÜR DIE ZUKUNFT! ETWAS AM KURVENVERHALTEN ZU ÄNDERN, IST SEHR SCHWIERIG, DOCH WIR MÜSSEN ENDLICH IN DIE GÄNGE KOMMEN.«

Petrucci soll Dovizioso zum Titel verhelfen


Die Ducati-Stars müssen stets 100 Prozent geben


Erst im 25. Saisonrennen gelang Davies der erste Sieg


Stark begonnen, stark nachgelassen: Alvaro Bautista


Diese Spitze ging vor allem in Richtung von Technik-Boss Gigi Dall‘Igna, der sich zwar seit Jahren durch immer neue aerodynamische Konstruktionen profilieren kann, doch den grundsätzlichen Charakter der Desmosedici sichtlich nicht in Doviziosos Sinne verändert. Ducati gefiel sich in den vergangenen Jahren stets als Innovator des Motorradsports. Was mit der Einführung der Winglets begann, fand mit dem Spoiler an der Schwinge in diesem Jahr seinen bisherigen Höhepunkt. In einer Grauzone des Reglements angesiedelt, legten vier Konkurrenten Einspruch gegen die Konstruktion ein und sorgten somit wochenlang dafür, dass das Ergebnis nur provisorisch war. Als Honda zweimal die gleiche Konstruktion unter unterschiedlichen Wirkungsangaben beim Technischen Direktor vorlegte, einmal keine Genehmigung bekam, ein anderes Mal allerdings schon, nahm die Causa die Ausmaße einer Schmierenkomödie an. Doch Ducati scheint diesen Eiertanz auf dem sportpolitischen Parkett geradezu zu genießen. »Wir waren die ersten, die 2015 diese Form der Aerodynamik eingeführt haben und wir glauben noch immer an diese Entwicklung«, gab Davide Barana, Technischer Direktor des Teams, bei einer Pressekonferenz in Spielberg zu Protokoll. »Das Regelwerk wurde in den vergangenen Jahren in diesem Bereich straffer, aber wir werden weiterhin alles tun, um hier innerhalb des Reglements neue Entwicklungen zu bringen. Die MotoGP ist ein eine knallharte Serie und wir wollen nicht um jeden Preis die Pioniere in gewissen Bereichen sein. Aber all das, was man an unseren Motorrädern sieht, ist ein Resultat unseres hohen Anspruchs. Das Wort ‚unmöglich‘ existiert für uns nicht und wenn alle Puzzleteile perfekt zusammenpassen, dann kann man sich dadurch einen großen Vorteil verschaffen.« Auch in der Superbike-Weltmeisterschaft hebt Ducati die technologische Entwicklung auf ein neues Niveau. Die V4 R bedeutete für die Italiener nicht nur eine Abkehr von den V2-Motoren, sondern schlug durch ihre Bauweise auch die Brücke zu den Prototypen der Motorrad-WM. Auch die Winglets, die serienmäßig am neuen Superbike verbaut sind, resultieren aus dem MotoGP-Know-how. Die Konkurrenz bezeichnete die WSBK-Maschine daher als verkapptes MotoGP-Bike unter dem Deckmäntelchen eines Serien-Motorrads. So ganz Unrecht dürften sie damit nicht haben, denn bezeichnend war bereits im Winter, das MotoGP-Umsteiger Bautista sofort mit der V4 R zurechtkam, während der langjährige Ducati-Siegfahrer Davies nur um die hinteren Mittelfeldplätze kämpfen konnte. »Ich muss noch einmal alles komplett neu lernen«, sagte der dreifache WSBK-Vizeweltmeister nach den ersten Rennen. Der Lernprozess war im Juli abgeschlossen, holte Davies in Laguna Seca doch endlich seinen ersten Saisonsieg. Für die WM-Wertung muss sich die rote Rennfraktion aus Bologna allerdings auf Bautista verlassen, wobei man sich mit dem Spanier auf persönlicher Ebene in eine Sackgasse manövrierte, die am Ende eine entscheidende Rolle im Titelkampf gespielt haben könnte. Denn obwohl er die ersten Saisonrennen in beeindruckender Manier dominiert hatte, soll sich Ducati in den Vertragsverhandlungen für 2020 nicht gerade kulant gezeigt haben. Bautista strebte eine deutliche Gehaltserhöhung an, da die Erfolge seinen Marktwert massiv erhöht hatten. Anfang August erklärte Ducati-Sportchef Paolo Ciabatti die Gespräche für gescheitert: »Wir haben ihm ein Angebot für die nächsten zwei Jahre gemacht, das wir sehr fair fanden. Aber ich denke, dass er von einem anderen Hersteller ein besseres Angebot bekommen hat, denn er hat unseres nicht angenommen.« Diese Situation erinnert ein wenig an den missglückten Umgang mit Jorge Lorenzo im Vorjahr. Für eine kolportierte Jahresgage von 12,5 Millionen Euro verpflichtet, brauchte der Mallorquiner beinahe eineinhalb Saisons, ehe er auf die volle Renndistanz konkurrenzfähig war. Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung wollte man just in jenem Moment beginnen, als Lorenzo in Mugello endlich seinen ersten Sieg für Ducati einfahren konnte. Doch man kam zu spät, denn Honda hatte den fünffachen Motorrad-Weltmeister bereits für ein Drittel seiner Ducati-Gage abgeworben. Auch Bautista soll zu Honda abwandern, hört man aus dem WSBK-Paddock. Bei Personalentscheidungen fehlt ein sensibles Händchen, in der Entwicklung konzentriert man sich entgegen des Fahrer-Feedbacks auf radikale Lösungen und am Ende hat man mit den Kalibern Jonathan Rea und Marc Marquez die vielleicht besten Gegner der Geschichte. All diese Faktoren sorgen wohl auch 2019 dafür, dass Ducati wieder einmal nur die zweite Geige spielt.


FOTOS: LAT IMAGES, DUCATI

FOTOS: LAT IMAGES, DUCATI

FOTOS: LAT IMAGES, KTM

FOTOS: LAT IMAGES, DUCATI

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