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WIRD HOGWARTS LEGACY EIN ABSCHIEDSBRIEF AN HARRY POTTER?


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N-Zone - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 15.06.2022
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Bildquelle: N-Zone, Ausgabe 7/2022

In der sagenumwobenen Nacht, in der ein kleiner Junge mit seinem Leben und einer blitzförmigen Narbe davonkam, ahnten sie es bereits. Minerva McGonagall erklärte Albus Dumbledore, dass jedes Kind weltweit den Namen des Jungen kennen würde. Doch wenn sie gewusst hätte, was für Wellen der kleine Zauberer schlagen würde, hätten sie ihn vielleicht nicht auf der Türschwelle der Dursleys abgelegt. Denn sein Name ist weltweit bekannt – wenn auch nicht so, wie die Hexe es sich vorgestellt hat.

Die Rede ist natürlich von Harry Potter, dessen Geschichte eine ganze Generation beim Aufwachsen begleitet hat. Mitternachtsverkäufe für den nächsten Band, verkleidete Besucher im Kino und sogar Videospieladaptionen, die einen selbst aktiv werden lassen: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich für eine Weile hinter die sicheren Schlossmauern von Hogwarts zurückzuziehen. Doch auch eine so magische Welt, deren Helden ...

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... für Toleranz und Tapferkeit einstehen, ist nicht frei von Fehlern. Vor einiger Zeit begann die Fassade zu bröckeln, schuld daran ist einerseits die Autorin J.K. Rowling selbst, andererseits die schlechten Wertungen für die neuen Geschichten aus der Zauberwelt. Doch Ende dieses Jahres erwartet Fans eine Gelegenheit, auf die sie viele Jahre gewartet haben: In dem Videospiel Hogwarts Legacy geht es zurück in die berühmte Schule für Hexerei und Zauberei. Im Mittelpunkt steht diesmal nicht Harry und auch nicht der aus Phantastische Tierwesen bekannte Newt Scamander – sondern ihr.

Auf den ersten Blick scheint der Titel alles zu sein, was die Herzen höherschlagen lässt. Genau deshalb liegt die Vermutung nahe, dass uns damit das letzte große Werk aus dem Harry-Potter-Universum, ein krönender Abschluss, erwartet. Es könnte sich also um einen Abschiedsbrief an die Geschichte handeln, die viele von uns von klein auf begleitet und dabei sowohl viel Freude als auch Kummer beschert hat.

Reise mit dem Zeitumkehrer: vom Waisenkind zum Markennamen

Am 26. Juni 1997 erschien mit Harry Potter and the Philosopher’s Stone der erste Band der erfolgreichen Saga. Nachdem die Autorin J.K. Rowling zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt wurde, veröffentlichte Bloomsbury ihr Werk schließlich mit einer Auflage von 500 Exemplaren. Heute dürften sich viele Geschäftsführer ärgern, sich nicht die Rechte an der Kinderbuchreihe gesichert zu haben.

Doch mit dem Erfolg, den der elfjährige Waisenjunge haben würde, konnte damals wohl niemand rechnen. Es folgten sechs weitere Bände, bis die Geschichte mit dem siebten und letzten Teil, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes im Jahr 2007, ihr Ende fand.

Als der entsprechende Film vier Jahre später in die Kinos kam, benötigte er nicht einmal den Titel: Auf manchen Plakaten prangte neben Harry, Ron und Hermine bloß der simple Schriftzug „It all ends“. So viele Tränen, wie nach dem Abspann in den Sälen geflossen sein dürften, lassen sich wohl selbst mit Magie nicht zählen. Gegen manche Dementoren ist selbst die süßeste Schokolade machtlos.

Ob es nun die Sehnsucht der Fans oder profitorientierte Unternehmen waren, so schnell geriet die zauberhafte Welt nicht in Vergessenheit. Seit 2012 könnt ihr eine Tour durch die Filmstudios in Leavesden bei London machen und dabei durch die Winkelgasse schreiten, zahlreiche Requisiten bestaunen und alkoholfreies Butterbier trinken.

In den USA gibt es sogar einen ganzen Freizeitpark zu Ehren des Zauberschülers: In Orlando im Bundesstaat Florida bietet The Wizarding World of Harry Potter neben diversen Fahrgeschäften und Attraktionen auch ein nachgebautes Hogsmeade. Selbst eine kleine Version von Hogwarts lässt sich bestaunen.

Schlechte Wertungen & wo sie zu finden sind

Da ist es wenig verwunderlich, dass auch der Buchhandel und die Kinos mit Nachschub versorgt wurden. An den Erfolg der ursprünglichen Saga konnte J.K. Rowling allerdings nicht mehr anknüpfen.

Neben dem Theaterstück Harry Potter und das verwunschene Kind, dessen Skript selbst unter den treuesten Fans in Verruf geraten ist, startete mit Phantastische Tierwesen & wo sie zu finden sind eine neue Filmreihe. Mehrere Jahrzehnte, bevor Harry das Licht der Welt erblicken würde, begibt sich der fürsorgliche Newt Scamander auf eine Reise nach Amerika. Immer mit dabei, sofern sie nicht gerade Unruhe stiften: sein Niffler und der Bowtruckle namens Pickett.

Der Film präsentiert beeindruckende magische Wesen, von denen wir bisher nur im gleichnamigen fiktiven Sachbuch gehört haben. Doch die goldenen 20er haben auch ihre düstere Seite, da der böse Zauberer Grindelwald zusehends an Macht gewinnt. Newt beschert uns einige zauberhafte Momente, liebevoll gestaltete Tierwesen und unterdurchschnittliche Fortsetzungen. Der neue Teil Dumbledores Geheimnisse kann gerade mal einen Metascore von 47 aufweisen.

Eine langatmige Handlung, zu viele Charaktere und Nebengeschichten, keine klare Richtung: Für den dritten Film einer fünfteiligen Reihe sind das keine guten Voraussetzungen. Vielleicht lässt sich das Ruder noch einmal herumreißen, doch es scheint so, als wäre der Hogwarts-Express bereits abgefahren. Die Magie scheint auf der Strecke zu bleiben und es kommt unwillkürlich die Frage auf, ob die Welt nach fast 25 Jahren nicht langsam in den Ruhestand gehen sollte.

Problematische Äußerungen einer einst gefeierten Autorin

Unschuldig ist die Autorin an solchen Meinungen sicherlich nicht. Denn J.K. Rowling sorgte in der Vergangenheit aufgrund als transphob aufgenommener Äußerungen mehrfach für negative Schlagzeilen. Das enttäuschte hauptsächlich betroffene Potterheads, wie die eingefleischten Fans genannt werden, aber auch Teile der restlichen Community.

Harry und seine Freunde haben uns von klein auf gelehrt, für Gerechtigkeit einzustehen. Auch an Hermines Beispiel haben wir erlebt, wozu Hass gegenüber Minderheiten führen kann. Die Fans sind sich einig: Die von Rowling erschaffenen Figuren würden sich ihrer Meinung stark widersetzen. Viele Schauspieler aus den Harry-Potter-Filmen gingen danach an die Öffentlichkeit und sprachen sich für die Rechte von Transgender-Personen aus.

Nach der ersten kontroversen Äußerung im Jahr 2019 bestand noch die Hoffnung, dass es sich um eine einmalige problematische Aussage handle, die Rowling selbst bald bereuen würde. Seitdem fällt sie allerdings immer wieder durch ihre radikalen Ansichten auf. Die Welt von Harry Potter diente vie- len Kindern und Jugendlichen als ein Rückzugsort von der Realität. Umso schwieriger macht es die Situation für Betroffene, dass die Schöpferin dieser Welt, zu der viele damals aufblickten, ihre Identität infrage stellte und sogar aberkannte. Dazu kommt, dass einige Aspekte in den Büchern als rassistisch bewertet werden. Die Werke sind dementsprechend alles andere als fehlerfrei.

Ob man die Künstlerin vom Kunstwerk trennen kann, die Zaubererwelt nun gänzlich boykottieren sollte oder die Werke mit kritischem Blick konsumiert, kann niemand pauschal beantworten. Wie ihr damit umgeht, ist eine Entscheidung, die ihr allein für euch selbst treffen müsst. Eines ist aber sicher: Ein Verkaufsargument ist Rowling mittlerweile nicht mehr.

Avalanche Software, die für die Entwicklung von Hogwarts Legacy verantwortlich sind, distanzieren sich ebenfalls von ihr. Auch wenn ihr Werk in derselben Welt spielt, handelt es sich doch um eine ganz eigene Geschichte. Und sie setzen ein deutliches Zeichen: Ihr könnt in dem Spiel einen Transgender-Charakter erstellen.

Accio Controller: Auf in die virtuelle Zauberschule

Spätestens jetzt wird klar: Wir haben es hier nicht mit einer weiteren lieblosen Story zu tun, die sich anders als Das verwunschene Kind nicht wie eine weit hergeholte Fanfiction voller Logikfehler anfühlt. Hier ist ein Team am Werk, dass nicht nur vollends hinter ihrem Projekt steht, sondern auch selbst Gefühle für die Zauberschule hegt. Es könnte das Spiel werden, auf das wir alle seit deutlich mehr als zwölf Jahren warten – immerhin saßen wir währenddessen nicht in Askaban.

In der Vergangenheit hatte sich Harry bereits seinen Weg auf die Konsolen und PCs gebahnt, denn zu jedem Teil wurde auch ein passendes Videospiel veröffentlicht. Während der Einfluss für Stein der Weisen sowohl aus dem Buch als auch aus dem Film stammte und sogar der Poltergeist Peeves auf dem Bildschirm auftauchte, orientierten sich die späteren Spiele stark an den Adaptionen.

Da Die Heiligtümer des Todes in zwei Teilen auf der großen Leinwand zu sehen war, erschienen damals auch zwei getrennte Spiele. Wirklich notwendig war diese Teilung nicht, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Meisterleistungen sind die Videospiele nicht. Während die ersten Teile noch ganz ordentlich abschnitten, erzielten die letzten beiden Umsetzungen geradezu unterirdische Wertungen: Den letzten Platz belegt die PC-Version von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 mit einem Metascore von gerade einmal 37. Das ist sogar für die größten Potterheads eine Zumutung, sodass selbst 100 Punkte Abzug für das Haus EA eigentlich nicht ausreichen würden.

Zum Glück ließ sich auch Lego die Chance nicht nehmen und brachte ebenfalls zwei Titel auf den Markt. Hier unterteilen sich die Spiele in die ersten vier und die letzten drei Jahre, die später noch gemeinsam als Collection erschienen. Die Bausteinwelt ging bereits etwas freier mit der Vorlage um und sparte nicht an dem typischen Humor.

Dadurch bot sich den Fans die Gelegenheit, die letzten Schuljahre von Harry doch noch in einer spaßigen Verpackung zu erleben. Sogar eine virtuelle Quidditch-Weltmeisterschaft ließ sich in dem eigens dafür entwickelten Spiel vom Sofa aus bestreiten; es wurde also sogar an die sportbegeisterten Nachwuchslehrlinge gedacht.

Nun steht jedoch eine Umsetzung an, die Harrys Geschichte komplett hinter sich lässt und an der Rowling selbst nicht beteiligt ist.

Darum ist Hogwarts Legacy der Traum aller Hexen und Zauberer

Hand aufs Herz: Habt ihr nicht auch sehnsüchtig auf euren Brief gewartet? Habt ihr nicht auch gehofft, dass euch eines Tages jemand in diese magische Welt mitnehmen würde? Die tatsächlich existieren könnte und wir wüssten es nur nicht, weil wir in Wahrheit Muggel sind?

Wem nicht das Glück vergönnt war, beim Live-Action-Role-Playing zumindest für eine Weile so zu tun, als ob Magie real wäre, der kommt dem Ganzen nun einen Schritt näher. Wenn Hogwarts Legacy am Ende hält, was es verspricht, und qualitativ überzeugen kann, werden alle Träume der Potter-Fans erfüllt.

Dafür sprechen zumindest die Kernelemente des Spiels: der individuelle Charakter, der Schulalltag und die magische Welt, die losgelöste Geschichte sowie ein zauberlastiges Kampfsystem. Jeder dieser Aspekte trägt dazu bei, zum potenziellen Abschied das Beste aus dem beliebten Universum herauszuholen.

Diesmal geht es nicht um Harry und seine Freunde. Auch Newt und seine Begleiter lebten im 19. Jahrhundert, in dem das Spiel angesiedelt ist, noch nicht. Es geht um euch und eure eigene Reise. Und ja, die führt euch durch das wohl detaillierteste Hogwarts, das wir je zu sehen bekommen werden. Ihr werdet Orte erkunden, die ihr bisher nur aus eurer Fantasie kanntet, da sie nicht einmal Einzug in die Filme gefunden haben. Eine originelle Geschichte, die der bunten Magie einen düsteren Gegenpart entgegensetzt, ist ebenfalls mit von der Partie. Doch die neue Abenteuerhandlung rückt schnell in den Hintergrund, wenn man beginnt, sich die wirklich wichtigen Fragen zu stellen.

Denn ja: Ihr dürft euch aussuchen, in welches Haus ihr wollt! Der sprechende Hut hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er die Wünsche des Trägers berücksichtigt. Ob euch ein fadenscheiniges Quiz erwartet, in dem zwischen Mut, Wissen, Loyalität und Ehrgeiz gewählt wird, oder ob ihr euch für eines der vier Wappentiere entscheiden müsst, weiß man noch nicht. Letztlich ist es aber auch egal, wie der Weg dahin aussieht, solange ihr am Ende entscheiden dürft, welchem Haus ihr beitreten wollt. Dadurch habt ihr auch die Wahl, ob ihr ein Abbild eurer selbst oder eine eigens erdachte Figur ins virtuelle Internat schicken wollt.

Schulalltag in Hogwarts: Der ganz normale Wahnsinn

Denn diese Entscheidung wird euch das ganze Spiel über begleiten. So wird es auch zum ersten Mal möglich sein, einen Blick in die Gemeinschaftsräume von Hufflepuff und Ravenclaw zu werfen. Die sind so unterschiedlich wie die Häuser selbst und trotzdem sorgen sie alle für ein vertrautes Gefühl, als wäre man schon hunderte Male durch die Tür oder das Porträt geschritten.

Das habt ihr zu diesem Zeitpunkt allerdings ganz und gar nicht getan: Ihr seid nämlich ein Nachzügler und stoßt erst im fünften Schuljahr dazu. Im Gegensatz zu euren Mitschülern, die bereits die Grundlagen der Magie erlernt haben, müsst ihr all das neben dem normalen Unterricht nachholen.

Auf eurem Stundenplan stehen neben Zauberkunst, Verteidigung gegen die dunklen Künste und Zaubertränke noch weitere Fächer. Aber lasst die Finger vom Zeitumkehrer und gönnt euch lieber regelmäßige Pausen, anstatt in die Vergangenheit zu reisen, um zusätzlich noch Wahrsagen zu belegen. Sonst seht ihr sowieso nur ständig den Grimm.

Welches Ausmaß der Unterricht in Hogwarts Legacy einnehmen wird, lässt sich noch nicht sagen. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht mit ein paar Minispielen und kurzen Lektionen getan ist, sondern dass wir wirklich das Gefühl bekommen, dort zur Schule zu gehen.

Unsere Vermutung ist, dass wir unseren Charakter ein Schuljahr lang begleiten werden – darauf deuten auch die wechselnden Jahreszeiten hin. Da bietet es sich an, zumindest in ein paar Fächern etwas detaillierten Unterricht zu geben. Sogar Prüfungen im Stil von Persona 5 würde der Ravenclaw in uns doch liebend gern ablegen und das eine oder andere Ohnegleichen absahnen. Hauptsache es wird kein Troll, sonst wird es schwierig mit der Fächerwahl im nächsten Jahr.

Auch, wenn eine reine Hogwarts-Simulation sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen dürfte, wird das Ganze mit einer Abenteuerhandlung kombiniert. Euer Charakter besitzt die Fähigkeit, eine uralte Form der Magie zu spüren, womöglich sogar zu kontrollieren. Zur gleichen Zeit tritt eine Gruppierung bestehend aus dunklen Zauberern und Kobolden auf, die sicher größere Pläne verfolgt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Protagonist ins Visier gerät.

Der Professor und der Auserwählte 2.0

Einige Szenen aus der State of Play im März erinnern stark an Der Halbblutprinz, wo Dumbledore und Harry gemeinsam auf die Suche nach Voldemorts Horkruxen gehen. In Hogwarts Legacy begebt ihr euch mit Professor Fig ebenfalls auf Reisen durch die Spielwelt, um herauszufinden, ob die Rebellion auch eine Bedrohung für die Zauberschule sein könnte.

Spoiler-Warnung: Um ein ganzes Spiel mit einer nachvollziehbaren Handlung zu füllen, können wir davon ausgehen, dass es sich um mehr als einen kleinen Zwischenfall handelt. Mit einer ähnlich großen Verschwörung wie in Zeiten von Grindelwald oder Voldemort ist dagegen wohl nicht zu rechnen.

Fun Fact: Auch wenn er anders geschrieben wird, teilt sich der Professor den Nachnamen mit der Squib Arabella Figg, die zu Harrys Zeit im Ligusterweg auf ihn aufgepasst hat, wenn die Dursleys ihre Ruhe haben wollten. Da Squibs von Hexen und Zauberern abstammen, selbst aber keine magischen Kräfte besitzen, könnte sie eine Nachfahrin des Professors sein.

Vielleicht handelt es sich aber einfach um einen ähnlichen Namen, auffällig ist es dennoch. Der Professor ist zudem nicht der einzige, mit dem ihr eure Zeit verbringen werdet. Es wurden bereits mehrere Charaktere aus verschiedenen Häusern vorgestellt, die allesamt ihre eigenen Geschichten und Fähigkeiten mitbringen. Freundet ihr euch mit einem von ihnen an, profitiert ihr irgendwann selbst von ihrem Können.

Auf den ersten Blick wirken Natsai Onai, Poppy Sweeting und Sebastian Sallow so unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber allesamt sympathisch. Besonders schön finden wir dabei, dass mit Sebastian ein Slytherin-Schüler ins Rampenlicht tritt, der im Gegensatz zu Draco und seinen Schergen ein ganz normaler Junge zu sein scheint. Rivalitäten sorgen für eine angenehme Spannung, die Feindseligkeit aus den Büchern haben sie allerdings zurecht hinter sich gelassen.

Zündende Zauber und unverzeihliche Flüche

Ein besonders spannender Punkt ist das Kampfsystem. Anders als in den meisten Action-Rollenspielen haben wir es hier nicht mit den typischen Waffen wie Schwert und Bogen zu tun, sondern mit einem verzauberten Ast. Die Zauberstäbe bestehen aus unterschiedlichsten Holzarten, weisen verschiedene Größen und Grade an Flexibilität auf und besitzen in der Regel einen Kern aus Phönixfeder, Einhornhaar oder Drachenherzfaser. Jeder ist so individuell wie die Person, zu der er gehört. Nicht umsonst beinhalten die Zauberstäbe von Harry und Voldemort eine Feder von demselben Phönix, da ihre Schicksale miteinander verflochten sind.

Nach 25 Jahren wurde die Welt von Harry Potter zusehends ausgeschöpft. Hogwarts Legacy könnte nun den Abschied der Geschichte bedeuten. Auch in den bisherigen Videospieladaptionen gab es genügend Gefechte, in denen sich die Beteiligten die Sprüche und Flüche nur so um die Ohren gehauen haben. Da die Spiele allerdings eher als unterhaltsame und mäßig gute Begleiterscheinung zum Film dienten, hielt sich die Komplexität in Grenzen. Bei Hogwarts Legacy haben wir es dafür mit einem System zu tun, das deutlich mehr Freiheit bieten möchte. Je nach Vorliebe lässt sich euer Charakter unterschiedlich ausrichten.

Vielleicht nehmt ihr euch den Tarnumhang zum Vorbild und schleicht euch an nichts ahnende Gegner heran, bevor ihr sie ausschaltet. Oder ihr bevorzugt kunstvolle Techniken gegenüber roher Schockzaubergewalt. Laut den Entwicklern soll es genügend Spielraum geben, um seinen eigenen Stil zu finden. Die ersten Gameplay-Szenen machen auf jeden Fall Mut, dass wir es hier mit einem durchdachten System zu tun bekommen, dass auf viele der altbekannten Zaubersprüche zurückgreift. Während Harrys Arsenal an Magie in erster Linie aus Expelliarmus und Stupor besteht, gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten.

Auch Zauber, die man nicht direkt in einem Kampf erwarten würde, ließen sich kreativ einsetzen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn ihr euren Gegner mit durch Lumos Solem heraufbeschworenem Sonnenlicht für kurze Zeit blendet? Oder mithilfe von Langlock die Zunge des Gegners im Zaum haltet, damit er keine Zauber wirken kann, die er aussprechen müsste? Wir haben jedenfalls eine Menge Ideen.

Dass das Spiel eine düsterere Atmosphäre als die anderen Adaptionen haben wird, wurde bereits angedeutet. In einem Trailer werdet ihr davor gewarnt, gefährliche Wege zu beschreiten, da sie euch auf den dunklen Pfad locken könnten. Von einem Moralsystem war in der Vergangenheit ebenfalls die Rede, auch wenn bisher nicht klar ist, wie stark sich dieses auf das Spiel auswirken wird.

Unter bestimmten Umständen seid ihr sogar in der Lage, unverzeihliche Flüche zu nutzen. Darauf steht eigentlich eine lebenslange Haftstrafe in Askaban, also seid nicht überrascht, wenn danach eine Horde an Auroren auftaucht und euch mitschleift. Allerdings hat sogar Harry ein paar Male während des Zaubererkrieges auf unverzeihliche Flüche zurückgegriffen.

Jenseits der Schlossmauern: Die offene Spielwelt

Wenn ihr erschöpft davon seid, die 142 Treppen in Hogwarts zu erklimmen, und gerade keine dunkle Bedrohung eure Aufmerksamkeit verlangt, steht euch eine offene Welt zur Verfügung. Wer braucht schon einen Portschlüssel, wenn ihr auf dem Besen oder mit einem Hippogreif durch die Welt reisen könnt?

In den Filmen und Büchern haben wir zwar diverse Schauplätze wie die Winkelgasse, den Fuchsbau oder das Zaubereiministerium zu Gesicht bekommen, aber was genau sich auf und hinter den Ländereien von Hogwarts verbirgt, blieb weiterhin ein Mysterium.

Wir kennen den See, den verbotenen Wald und den Weg zu Hagrids Hütte. Nach Hogsmeade durften wir Harry ab dem dritten Teil ebenfalls begleiten, wenn auch zunächst nur heimlich. Das magische Dorf in der Nähe der Schule wird auch in Hogwarts Legacy eine Rolle spielen. Dort könnt ihr eure Vorräte aufstocken, um im Raum der Wünsche weiter nützliche Tränke zu brauen und Ausrüstung herzustellen. Gebt jedoch auf euch Acht, da auch zwielichtige Personen dort ihr Unwesen treiben.

Doch auch auf den umliegenden Wegen und Feldern, die ihr Aussehen der aktuellen Jahreszeit entsprechend verändern, gibt es einiges zu entdecken. Unter anderem erwarten euch Händler, bei denen ihr nicht nur besondere Waren erwerben, sondern auch Aufträge annehmen könnt. Um es zu einem klas- sischen Action-Rollenspiel zu machen, dürfen natürlich auch Rätsel nicht fehlen. Diese findet ihr ebenfalls in der Spielwelt verteilt und fordern euren Gehirnschmalz; das ist im Gegensatz zum Ohrenschmalz allerdings keine Geschmackssorte von Bertie Botts Bohnen.

Ihr werdet außerdem auf verschiedene Tierwesen stoßen, manche davon brauchen eure Hilfe, während andere von dunkler Magie verdorben wurden. Im Raum der Wünsche, der euch als eine Art Basis zum Craften dient, könnt ihr auch euren eigenen kleinen Zoo aufbauen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um kleine Gehege für die faszinierenden Wesen, sondern eine richtige kleine Außenwelt, die ihr ganz nach eurem Geschmack bebauen könnt.

Der krönende Abschluss oder zu viel gewollt?

Was das Entwicklerteam mit Hogwarts Legacy vorhat, klingt erst einmal toll. Grafisch kann der Titel auf den ersten Eindruck auch überzeugen, insofern steht dem Erfolg eigentlich nichts im Weg.

Außer, ja außer Warner Bros. und Avalanche Software haben sich vielleicht etwas übernommen und wollen zu viel auf einmal. Auf dem Papier beinhaltet das Spiel alles, was die Fans wollen. Das allein macht es bereits schwierig, den Erwartungen gerecht zu werden, die genauso hoch sind wie der Astronomieturm der Zauberschule.

Wir bekommen ein detailliertes Hogwarts mit diversen versteckten Winkeln, vertrauten Räumen und Orten, die wir zum ersten Mal sehen. Der Raum der Wünsche verwandelt sich von einer praktischen Rumpelkammer in eine gemütliche Basis, auf die selbst Dumbledores Armee neidisch wäre. Obendrauf erwartet uns eine komplett neue Geschichte, eine offene Spielwelt, ein individualisierbares Kampfsystem mit Zaubersprüchen und der Alltag mit dem selbst kreierten Charakter. Wir hoffen wirklich sehr, dass sich die Entwickler hier nicht zu viel aufgehalst haben und jeder dieser Teile genügend Zeit und Aufmerksamkeit bekommt.

Ansonsten kann aus dem sehnlichst erwarteten Abenteuer im Handumdrehen eine herbe Enttäuschung werden.

Doch gehen wir mal davon aus, dass Hogwarts Legacy dem Hype gerecht wird. Ende des Jahres halten wir dann ein Spiel in den Händen, dass uns alle Träume erfüllt: Wir bekommen einen Schulalltag, der nicht in drei kurzen Videosequenzen abgehandelt wird. Wir schließen häuserübergreifende Freundschaften, die neue Quests und persönliche Geschichten mit sich bringen. Wir schlagen die Rebellion und damit die Bedrohung zurück – alles, während wir in der Schule unserer Träume leben. Und das mit dem interaktivsten Medium, das uns derzeit zur Verfügung steht. Doch was dann?

Tja, dann haben wir so ziemlich alles gesehen, was uns ein neues Werk aus dem Harry-Potter-Universum noch bieten kann. Bis dann doch noch der echte Brief eintrifft, werden wir keine Chance haben, näher am Geschehen dran zu sein.

Ein zweiter Teil von Hogwarts Legacy liegt zwar im Rahmen des Möglichen, jedoch könnte ein Nachfolger nicht mehr für das gleiche Maß an Magie sorgen. Denn bis auf einige Neuerungen lägen die Unterschiede primär in einer anderen Geschichte und die dürfte ohnehin eher zweitrangig sein. Die Eule bringt euch Ende des Jahres also nicht nur ein langersehntes Spiel, sondern womöglich auch den schönsten Abschiedsbrief, den wir uns wünschen können.

Hogwarts Legacy: Ein Abschiedsbrief per Eulenpost

Dazu kommt, dass die meisten Fans, die Harry von der Zeit im Schrank unter der Treppe an begleitet haben, mittlerweile erwachsen sind. Für die eigenen Kinder gibt es zahlreiche neue Geschichten, die sie in fantastische Welten führen, sodass der Liebling der Eltern von vor 20 Jahren vielleicht nicht mehr die reizvollste Gute-Nacht-Geschichte ist.

Die Zaubererwelt wird trotzdem stets ihren Platz in der Nostalgieecke unseres Herzens haben. Auch wenn uns noch zwei weitere Filme zu Phantastische Tierwesen erwarten, bleibt dafür nur zu hoffen, dass sie nicht dieselben Fehler wie die Vorgänger machen. Wir können uns daher gut vorstellen, dass Hogwarts Legacy der letzte große Release aus dem Potter-Universum ist.

Irgendwann ist es an der Zeit, loszulassen. Das bedeutet nicht, dass ihr eure Bücher wegwerfen und die Schuluniform den Motten überlassen sollt, sondern dass Hogwarts in seinen wohlverdienten Ruhestand geht.

Man soll bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Bevor wir noch mehr Skandalen, schlechten Filmen und anderen Versuchen, weitere Galleonen aus dem Goldesel zu quetschen, ausgesetzt sind, verabschieden wir uns also von der Geschichte, die uns so lange begleitet hat. Nach all dieser Zeit.

Annika Menzel