Lesezeit ca. 7 Min.
arrow_back

Wirksamer Weihrauch


Logo von Gesundheits-Nachrichten
Gesundheits-Nachrichten - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 21.11.2022

Wenn jahrhundertelange traditionelle Verwendung und aktuelle Studien zusammenkommen, wird es meist interessant bei einem Naturheilmittel – so auch beim Weihrauch. Das Baumharz wurde in den vergangenen 30 Jahren intensiv auf seine pharmakologischen Effekte hin untersucht. Immer wieder stossen Forscher auf weitere mögliche Einsatzgebiete für Weihrauchextrakte. Zwei Reviews* von 2021 klingen spannend.

Eine Forschergruppe fand Hinweise, dass Boswelliasäuren/Boswellia serrata positive Effekte bei der Prävention und Behandlung von Typ-2-Diabetes und von Alzheimer haben könnten. Die therapeutische Wirkung ergibt sich aus den immunmodulierenden, entzündungshemmenden, antioxidativen und zellschützenden Wirkungen von Weihrauch.

Eine andere Gruppe von Wissenschaftlern stiess auf ein nicht zu unterschätzendes Potenzial von Weihrauch in der Behandlung von Covid-19 bei älteren

* wissenschaftliche Arbeiten, die ...

Artikelbild für den Artikel "Wirksamer Weihrauch" aus der Ausgabe 12/2022 von Gesundheits-Nachrichten. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gesundheits-Nachrichten, Ausgabe 12/2022

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Gesundheits-Nachrichten. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Erkenntnis und Wirkung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Erkenntnis und Wirkung
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Pflanzenstoffe und Probiotika helfen bei Infektionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Pflanzenstoffe und Probiotika helfen bei Infektionen
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Kuschelhormon: Auch gut fürs Herz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kuschelhormon: Auch gut fürs Herz
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Schnelle Hilfe für den Nacken. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schnelle Hilfe für den Nacken
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Schnelle Hilfe für den Nacken
Vorheriger Artikel
Schnelle Hilfe für den Nacken
Winterfrucht Kaki
Nächster Artikel
Winterfrucht Kaki
Mehr Lesetipps

... die Ergebnisse bereits bestehender Studien auswerten

Prof. Werz' Team und Kollegen der Louisiana State University (USA) ist es zudem gelungen, den Mechanismus der entzündungshemmenden Wirkung des Weihrauchharzes auf Molekularebene aufzuklären, wie 2020 berichtet wurde. Dabei spielt ein bereits bekanntes Enzym – die sogenannte 5-Lipoxygenase – eine Schlüsselrolle. Dieses Enzym wirkt normalerweise entzündungsfördernd, indem es die Bildung von Leukotrienen (Botenstoffe in den weissen Blutkörperchen, die für chronische Entzündungen verantwortlich gemacht werden) fördert. Erhöhte Konzentrationen von Leukotrienen findet man bei mehreren chronisch entzündlichen Erkrankungen, wie etwa bei Multipler Sklerose, im Körper. Durch den Naturstoff Weihrauch wird das Enzym 5-Lipoxygenase zu einem entzündungshemmenden Protein umprogrammiert.

Weihrauch als Therapiebegleiter

In vitro und bei Tierexperimenten konnte eine antitumorale Wirkung von Boswellia serrata nachgewiesen werden. Am Uniklinikum Freiburg im Breisgau legte eine kleine Patientenstudie nahe, dass der Einsatz von Weihrauch bei Patienten mit primären und sekundären Hirntumoren dazu beitragen könnte, dass durch Strahlentherapie verusachte Hirnödeme vermieden werden könnten. Die Ergebnisse dieser Studien wurden 2009 vorgelegt.

Dosis und Wirkung

Die Autoren der verschiedenen Reviews und Studien betonen, dass weitere Forschung nötig sei, um wirklich verlässliche Aussagen über die gesundheitliche Wirkung von Weihrauch treffen zu können. Was man als hoffnungsvolle Konsumentin respektive hilfesuchender Patient im Blick behalten sollte: Vieles von dem, was an Weihrauchprodukten frei verkäuflich erhältlich ist, ist nicht mit den hochdosierten und vor allem standardisierten Extrakten zu vergleichen, die in den wissenschaftlichen Untersuchungen zum Einsatz kommen. Doch die Dosierung ist ein ganz wesentlicher Faktor, damit Weihrauch wirksam und nicht etwa schädlich ist.

Generell gilt: Die Dosis sollte nicht zu gering sein. In den meisten Studien, bei denen die Wirkung von Weihrauch erfolgreich getestet wurde, betrug die Gesamtmenge pro Tag zwischen 1000 mg und 4000 mg. Nur eine ausreichende Menge des eigentlichen Wirkstoffs, der Boswelliasäuren, gewährleistet nachhaltig entzündungshemmende Effekte. Ist der Anteil an Boswelliasäuren zu gering, kann ihre Wirkung von anderen Stoffen überlagert werden, die ebenfalls in Weihrauch vorkommen und Entzündungen eher begünstigen als lindern.

Richtwerte: Bei Asthma werden ca. 1000 mg pro Tag empfohlen. Bei rheumatischen Erkrankungen (schmerzhafte Gelenkentzündungen) sollte die Tagesdosis zwischen 2400 und 3600 mg betragen. Bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn sollte man auf eine täglich Menge von 1000 bis 3600 mg kommen. Konkret heisst das: Enthält eine Kapsel 300–400 mg standardisierten Weihrauchextrakt, sollten Erwachsene zwei- bis dreimal täglich bis zu drei Kapseln einnehmen bzw. 30 bis 40 Tropfen eines Flüssigextrakts (bei starken Schmerzen bis zu dreimal täglich 60 Tropfen).

* biochemische Vorgänge in den Zellen des Körpers

Tipp: Weihrauchkapseln bzw. -tabletten mit ausreichend Flüssigkeit zum Essen oder kurz danach schlucken; dazu etwas Öl einnehmen, damit sich die fettlöslichen Wirkstoffe entfalten können und besser vom Körper aufgenommen werden.

Nebenwirkungen von Weihrauchprodukten

Bei Weihrauch-Kapseln kann es nach der Einnahme zu Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Aufstossen, Magensäure-Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) oder selten zu allergischen Reaktionen kommen. Auch einen Juckreiz beobachtete man vereinzelt.

Problematisch wird es, wenn man Blutgerinnungshemmer einnehmen muss. Weihrauch hemmt einige spezielle Enzyme wie die Cytochrom-P450-Enzyme. Die sind für die Sauerstoffanlagerung (Oxidation) von körpereigenen und körperfremden Substanzen (z.B. Medikamentenwirkstoffen) wichtig. Aus diesem Grund kann der Abbau verschiedener Medikamente durch Weihrauch verlangsamt oder beschleunigt werden. Darum: Bei der innerlichen Anwendung von Weihrauch (in Form von Fertigarzneimitteln) unbedingt einen Arzt hinzuziehen, damit möglicherweise vorhandene Entzündungsprozesse im Körper nicht verstärkt werden.

Weihrauch und Verordnungspraxis

Das wertvolle Heilmittel ist im rechtlichen Sinne kein Nahrungsergänzungsmittel, sondern ein Arzneimittel. Und ein solches kann nur im Rahmen eines individuellen Heilversuches vom Arzt verschrieben werden. Die Kosten dafür trägt der Patient selbst.

In der Schweiz erhält man Weihrauch vor allem als ayurvedisches Medikament in Tablettenform. Dies beschränkt sich jedoch auf die Region Appenzell-Ausserrhoden, da die kantonale Heilmittelbehörde AR das Medikament als Phytopharmakon eingestuft hat. Ausserhalb dieses Kantons ist Weihrauch nur gegen ein Arztrezept mit Sondergenehmigung der Swissmedic zu beziehen. Zugelassen im Vertrieb ist derzeit noch ein ayurvedisches Produkt, informiert Ingrid Möll, Kantonsapothekerin AR, Herisau.

Qualität von Weihrauchprodukten

Im Internet wird das Gummiharz vom afrikanischen (Boswellia carterii) oder indischen Weihrauch (Boswellia serrata) angeboten. Vergleichen kann man die Produkte der verschiedenen Anbieter kaum, da weder die Art des Extrakts noch die Inhaltsstoffe oder Dosierung standardisiert sind. Wenn man auf einem Nahrungsergänzungsmittel liest «enthält 85 Prozent Boswelliasäuren» oder «400 mg Weihrauchextrakt», bietet das leider keine Hilfe beim Produktvergleich. Vorsichtig sein muss man insbesondere bei angeblichen Produkttests von Internetportalen; auch Sterne-Bewertungen sind nicht zuverlässig.

Der amtlichen Lebensmittelüberwachung fallen immer wieder stark belastete Nahrungsergänzungsmittel aus dem asiatischen Raum auf, die Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Arsen enthalten. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen fand heraus, dass in manchen Produkten nicht immer die beworbenen Boswelliasäuren zu finden sind.

Äusser liche Anwendung

Es gibt Weihrauchcreme mit entzündungshemmender und schmerzstillender Wirkung, ausserdem Weihrauchbalsam, z.B. für trockene, gereizte Haut. Kombinationen mit Extrakten der Pappelrinde und -blättern, echtem Goldrutenkraut und Eschenrinde sind sinnvoll und wissenschaftlich vertretbar.

Als Gel, Creme oder Salbe für die äussere Anwendung ist Weihrauch auch ohne Rezept überall in der Schweiz erhältlich.

Woher kommt der Name?

Der Gattungsname Boswellia geht auf den schottischen Arzt und Botaniker John Boswell zurück, der Zusatz «serrata» bedeutet «Schere» und ist eine Anspielung auf die gezahnte Blätterform. Sämtliche anderen Boswellia-Arten haben die Bezeichnung übernommen.

Was ist Weihrauch?

Bei Weihrauch handelt es sich um das Harz des Weihrauchbaumes (Olibanum). Diese Baumart zählt zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae), die etwa 25 verschiedene Arten umfasst, welche zur Gattung Boswellia gehören. Der Baum ist klein, wirkt gedrungen und wächst buschähnlich bis strauchartig. Blätter findet man nur kurze Zeit im Jahr und meist nur wenige. Die Baumrinde ist grünlichaschfarben und schält sich in papierdünnen, glatten Stücken ab.

Der Baum wird in der Regel etwa zwei Meter hoch, kann aber auch bis zu acht Meter erreichen. Weltweit findet sich der Weihrauchbaum in wasserarmen, wüstenartigen Gegenden mit steinigen, trockenen Böden, die eine bestimmte mineralische Zusammensetzung aufweisen müssen. Nur vier Arten werden zur Gewinnung von Weihrauchharz für den Einsatz am Menschen verwendet. Die Herkunftsorte sind unterschiedlich – hauptsächlich stammt Boswellia aus drei Regionen dieser Erde:

* Der afrikanische Weihrauch (Boswellia carterii, Boswellia papyrifera) wächst am Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien)

* Aus Arabien kommt Boswellia sacra (Oman, Jemen). Dieser Weihrauch gilt als der am besten duftende und wird oft für die Verräucherung oder Parfümgewinnung eingesetzt

* Der indische Weihrauch (Boswellia serrata), auch Arzneiweihrauch genannt, stammt vorwiegend aus Ostindien (Bergland).

Im Europäischen Arzneibuch findet man nur den indischen Weihrauch (Olibanum indicum), also das Harz von Boswellia serrata.

Gewinnung des Weihrauchextraktes

Der Weihrauchbaum unterscheidet sich von anderen Balsamgewächsen dadurch, dass er auch ohne äussere Einwirkung sein Harz in Sekretdrüsen bildet und dieses an heissen Tagen am Holz des Stammes ansammelt. Die Bauern gewinnen das Weihrauchharz, indem sie die Stämme und Äste wild wachsender Bäume anschneiden, da das Harz infolgedessen besser fliesst. Aus den verletzten Stellen tritt dann der weissliche, klebrige Milchsaft aus, der nach ein paar Tagen an der Luft zu einer zähen Masse, dem Gummiharz, trocknet. Dieses Harz schabt man ab, sammelt es und verwendet es als Trockenextrakt. Von einem einzigen Weihrauchbaum kann man während einer Erntesaison drei bis zehn Kilogramm Harz gewinnen. Die Ernte muss vor dem Blattaustrieb und der Blüte erfolgen. Anschliessend brauchen die Bäume Schonung.

Das abgeschabte Gummiharz findet man in Form weisslich bestäubter, gelblicher, gelblich-rötlicher oder bräunlicher, unregelmässiger Stücke oder kleiner Körner im Handel. Verbrennt man das Gummiharz, entsteht ein aromatischer Duft.

Weihrauchbäume und Umweltschutz

Weihrauch boomt: Er ist neben dem Räuchern vor allem in ätherischen Ölen zum Zweck der Aromatherapie beliebt sowie in Kosmetikprodukten. An der Universität von Wageningen (NL) forscht man zu Boswellia-Bäumen und stellte «eine riesengrosse, unersättliche Nachfrage» fest. Das betrifft besonders Somalia und die dort zu findende Art Boswellia sacra. Zuvor nomadische Völker, die die Bäume anzapfen, lassen sich zunehmend nieder, beobachtet die Organisation «Save Frakincense», die sich dem Schutz der Bäume verschrieben hat. Man sehe, dass immer mehr Menschen die Bäume anzapfen, da der Preis für Weihrauch gestiegen sei. Das Geschäft wird von der Regierung in Somaliland nur wenig kontrolliert.

Das sogenannte Überzapfen ist für die Bäume verheerend, da zu viele Schnitte und damit «Wunden» gesetzt werden, um das Gummiharz zu entnehmen. Nachhaltig im Sinne der Baumgesundheit ist das Anzapfen nur, wenn ein Baum nicht mehr als neun bis zwölf Schnitte aufweist und nur einige Monate im Jahr geschnitten wird. Boswellia sollte nur zwei Jahre hintereinander geschnitten werden und sich dann ein Jahr erholen dürfen. Umweltschützer sehen aber häufig Bäume mit über 100 Schnitten, denen keine Erholungspause gewährt wird.

In Äthiopien, einem der grössten Weihrauchproduzenten weltweit, fallen die Boswellia papyrifera der Landwirtschaft und Viehhaltung zum Opfer. Vielerorts werden Boswellia-Bäume auch als Brennmaterial genutzt und sind darum zunehmend vom Aussterben bedroht. Ihr Schutz wäre dringend erforderlich.