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Wirksamkeitstests: Werbung und Wirklichkeit: Dichtung und Wahrheit


ÖKO-TEST Spezial Schönheit & Pflege - epaper ⋅ Ausgabe 12/2014 vom 14.11.2014

In der Werbung tragen Kosmetikhersteller dick auf. Man könnte glauben, die Alterserscheinungen der Haut lassen sich einfach wegcremen. Doch die Beweise dafür sind äußerst dünn.


Mal ehrlich: Kaum einer glaubt wirklich, dass nicht mehr ganz so junge Damen wie die Schauspielerinnen Julianne Moore oder Andie MacDowell, wenn sie morgens aufstehen, tatsächlich so makellos und knitterfrei aussehen, wie sie von den Hochglanzplakaten der Kosmetikhersteller strahlen. Und doch – die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht macht die Creme XY ja tatsächlich den Teint ebenmäßiger, glättet Falten, lässt die Haut jugendlich ...

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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Schönheit & Pflege, Ausgabe 12/2014

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... strahlen?

So perfekt wie auf diesen Fotos sehen auch welt berühmte Schauspielerinnen ganz sicher nicht aus, wenn sie morgens aus dem Bett steigen.


Das sind scheinbar klare Ansagen. Doch so geradeheraus funktioniert die Welt der Kosmetikwerbung nicht, obwohl es einige feste Spielregeln gibt. So ist zum Beispiel Werbung mit Gesundheitsaussagen und Erfolgsgarantien für Kosmetik verboten. Deshalb wird man auch in keiner Reklame von einer zu 100 Prozent belegten Wirksamkeit lesen. Schon 1997 bestimmte die EU, dass Produktaussagen den Verbraucher nicht in die Irre führen dürfen und beweisbar sein müssen. Die neue EU-Kosmetikverordnung von Mitte 2013 unterstreicht, dass Kosmetikwerbung „wahrheitsgetreu, belegbar, redlich und lauter“ zu sein hat. In Großbritannien stoppte gar der Werbeaufsichtsrat vor zwei Jahren Kampagnen mit Models, deren Gesichter keineswegs mit Creme, sondern am Computer mittels Bildbearbeitungsprogramm geglättet wurden, darunter eine Lancôme-Reklame mit Julia Roberts. Die Kontrolleure werteten das als Verbrauchertäuschung.

In Deutschland geht die Werbeaufsicht davon aus, dass die Konsumenten schon in der Lage seien, die Reklamebilder richtig zu bewerten.
Genug Spielraum bleibt der Industrie und den Kreativen in den Werbeagenturen auf jeden Fall. Nicht nur die Hersteller hochpreisiger Präparate hängen sich weit aus dem Fenster. Was immer geht, ist zum Beispiel Werbung mit Sinneserfahrungen á la „die Haut fühlt sich samtig weich an / erfrischt / belebt“. Solche individuellen Empfindungen lassen sich schließlich schlecht nachprüfen. Deshalb schreiben die Anbieter von Anti-Aging-, Repair- und Liftingprodukten auch nicht: „die Haut wird verjüngt“ – denn das ist unmöglich – sondern „Creme XY lässt die Haut jünger wirken“.


Genug Spielraum bleibt der Industrie aber immer noch


Hinter solche blumigen bis schwammigen Formulierungen kann man mit wachem Verstand ja noch blicken. Undurchsichtig wird’s, wenn mit Wirksamkeitsnachweisen geworben wird. Denn wie ein Hersteller Wirksamkeit beurteilt und welche Testmethoden er anwendet, liegt in seinem eigenen Ermessen. Die Unterlagen über ihre Tests müssen Kosmetikhersteller nicht offenlegen, so soll ihr Know-how geschützt werden.

Am einfachsten ist es, Dokumentationen zu den Wirkstoffen heranzuziehen. Steht also in der Literatur geschrieben, dass Aloe vera Feuchtigkeit spendet, reicht dies im Prinzip als Beleg für die Wirksamkeit der Feuchtigkeitscreme mit Aloe vera aus. Viele Firmen unterziehen ihre Produkte aber auch physikalischen Messungen, weil die Untersuchungsämter, die Kosmetika stichprobenartig kontrollieren, einfache Wirksamkeitsnachweise oftmals als nicht ausreichend ansehen. Mit den Messungen lässt sich zum Beispiel zeigen, dass eine Creme die Haut mit Feuchtigkeit versorgt oder sich das Hautbild insgesamt verbessert. Doch leider hat das, was im Labor gemessen wird, nicht unbedingt Aussagekraft.

So wird von den Herstellern gern behauptet, Anti-Aging-Cremes könnten Falten reduzieren. Im Labor ist das tatsächlich nachweisbar. So lässt sich die Falte einer 40-jährigen Frau, die 1,5 Millimeter tief ist, in vier Wochen um etwa 30 Prozent wegcremen. „Der Unterschied von 0,5 Millimetern ist aber mit bloßem Auge gar nicht wahrnehmbar“, schränkt Dr. Gerrit Schlippe vom Untersuchungslabor Dermatest in Münster ein.

Wird ein Präparat bei In-vitro-Tests im Labor an toter Haut getestet, sind die Ergebnisse nur sehr bedingt auf die normale Haut übertragbar, denn tote Haut lässt zum Beispiel Inhaltsstoffe durch, die in gesunde Haut nicht eindringen können.


Was im Labor gemessen wird, hat nicht unbedingt Aussagekraft


Weil also Theorie und Praxis nicht allzu viel miteinander gemein haben, testen die Firmen ihre Produkte auch an Probanden. Um zu einer seriösen Aussage zu kommen, müssen zwei Präparate verglichen werden: eins mit und eins ohne Wirkstoff. Die Cremeproben müssen nach dem Zufallsprinzip auf den Unterarm der Testpersonen aufgetragen werden, wobei weder die Testkandidaten noch die Mitarbeiter, die das Produkt auftragen, wissen, um welche Probe es sich gerade handelt. Idealerweise begutachten geschulte Fachleute das Ergebnis.

Kommt dabei heraus, dass im Vergleich zum Placeboprodukt die Creme mit Antifaltenwirkstoff die Haut glatter und praller aussehen lässt, haben die Produkte bestanden. Doch solche gut durchgeführten Studien sind bisher die Ausnahme.

Meist werden Probanden abschließend befragt, wie sie das getestete Präparat empfunden haben, wie sie damit klargekommen sind und ob sie das Gefühl hatten, dass es etwas gebracht hat. Auf diese subjektive Bewertung wirken sich auch Dinge aus, die mit der tatsächlichen Wirkung auf die Haut nichts zu tun haben. „Als wir einmal ein Präparat in Sachen Hautglättung und Feuchtigkeitsversorgung testeten, wurde einer Creme mit Parfümzusatz eine deutlich bessere Wirkung zugeschrieben als einer unparfümierten Variante, bei ansonsten völlig gleicher Zusammensetzung. Beurteilt andererseits eine Testperson den Duft als schlecht, ist sie vielfach auch mit der Wirkung unzufrieden“, weiß Dr. Michaela Arens-Corell, Leiterin der Abteilung medizinische Wissenschaft bei Sebamed.

Ist die Haut „ausgehungert“ , nimmt sie die zu testenden Mittel begierig auf. Mit solchen Tricks lassen sich messtechnisch fantastische Effekte erzielen.


Foto: Kamil Macniak/Shutterstock

Nicht seriös ist die Methode einiger Hersteller, Testerinnen anzuwerben, indem ihnen für eine Bewertung kostenlose Produkte zugeschickt werden. In solchen Fällen ist ein positives Fazit so gut wie vorprogrammiert. Nicht nur wegen der Produkt-„Geschenke“. Die Probandinnen wissen auch, welche Wirkung erwartet wird und sind geneigt, diesen Effekt dann auch zu sehen. Das Ergebnis solcher Tests beruht in jedem Fall auf der persönlichen Empfindung der Teilnehmerinnen und nicht auf objektiven Messungen.

Möglichkeiten, Testergebnisse zu beeinflussen, gibt es viele. Um die Wirksamkeit einer Feuchtigkeitscreme zu überprüfen, kann man die Probandinnen vorab beispielsweise anweisen, ihre Haut ein paar Tage lang nicht zu pflegen. Man kann sie auch auffordern, vorher nichts zu trinken oder die Schlafdauer auf wenige Stunden zu beschränken – alles Maßnahmen, die die Haut „aushungern“. Anschließend nimmt sie natürlich begierig Feuchtigkeit auf, egal ob ihr ein feuchter Waschlappen angeboten wird oder eine Creme, und es lassen sich messtechnisch fantastische Effekte erzielen.


Bei Prozentangaben bleibt häufig unklar, was da verglichen wurde


Sofern angegeben, lohnt sich auch ein Blick auf den Umfang des Tests. Hat nur eine Handvoll Probanden das Produkt ausprobiert, kann der Test einer großen Verbraucherschar keine Sicherheit geben. Auch konkrete Zahlen- und Prozentangaben wirken seriös, doch oft ist nicht einmal klar, worauf sich die Werte beziehen. So brachte nach Angaben des Herstellers Vichy das Produkt Neovadiol nach dreimonatiger Anwendung 17 Prozent mehr Hautdichte. Nur fehlt in dieser Beschreibung die Angabe darüber, ob die Hautdichte tatsächlich um 17 Prozent zunimmt oder ob bei 17 Prozent der Probanden eine bessere Hautdichte nachgewiesen wurde und wenn ja, wie? Und was konkret bedeutet „24 Prozent straffere Gesichtszüge“? Bei Prozentangaben bleibt sehr häufig unklar, was da überhaupt miteinander verglichen wird.

Entlarvend kann auch ein Blick auf die Inhaltsstoffe scheinbarer Wunderprodukte sein. Denn oft ist die stark be-worbene Superzutat, dem das Produkt seine einzigartige Wirkung verdanken soll, nur in Spuren enthalten. Hauptzutaten sind in der Regel wie bei jeder Lotion oder Creme schnödes Wasser und andere Feuchtigkeitsspender wie die Allzweckwaffe Glycerin. Bei den Fetten greifen selbst die Hersteller teurer Pflegecremes ungeniert auf künstliche Erdölprodukte, Paraffine und Silikone zurück. Dabei integrieren sich natürliche Öle und Fette viel besser in die Haut.

Aufdrucke wie „In Kliniken bewährt“, „Klinisch getestet“, „Von Dermatologen empfohlen“ oder „Dermatologisch getestet“ klingen irgendwie seriös, sagen aber wenig bis nichts aus. Es handelt sich um reine Marketingbotschaften, die eigentlich Selbstverständliches dick aufblasen: Es ist durchaus üblich, dass Firmen Tests auf Verträglichkeit machen, bevor ein Produkt auf den Markt kommt. Allerdings gibt es hierfür eben keine einheitlichen Standards.

Offen bleibt bei solchen Aussagen zum Beispiel, wie viele Probanden das Produkt getestet haben und vor allem was dabei herausgekommen ist. Und warum empfehlen Ärzte das Produkt – konnte ein Dermatologe überzeugt werden oder mehrere und welche eigentlich? Auch diese Fragen werden von den Marketingbotschaften nicht beantwortet.

Besonders intensiv werden Anti-Falten-Präparate beworben, denn der Markt hierfür ist groß. Dazu stellt die Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) fest: „Zahlreiche Kosmetika mit Anti-Aging-Anspruch versprechen viel, doch unterstützen oft nur wenige wissenschaftliche Daten die ausgelobte Wirkung. Bei der Sichtung medizinisch-wissenschaftlicher Datenbanken stellt man fest, dass die Anzahl und Qualität der Studien, in denen Anti-Aging-Effekte dieser Produkte aufgezeigt werden, meist gering ist.“ Also machte sich die GD die Mühe zu untersuchen, wie der wissenschaftliche Erkenntnisstand zu Dermokosmetika gegen Hautalterung wirklich ist – und von welchen Inhaltsstoffen man sich tatsächlich etwas erhoffen kann und wenn ja – was.

So konnte durch placebokontrollierte Doppelblindstudien beispielsweise die Wirkung von Vitamin A und einigen Derivaten, von Vitamin C, Hyaluronsäure, Alpha-Liponsäure sowie einiger Polypeptide belegt werden. Beispielsweise zeigte sich – allerdings erst nach mehrmonatiger regelmäßiger Anwendung –, dass diese Zutaten feine Fältchen vermindern, tiefe Falten etwas weniger tief und raue Haut geschmeidiger machen können.

Allerdings: Das Bundesinstitut für Risikoforschung empfiehlt in einer Stellungnahme von 2014, die Konzentration von Vitamin A in kosmetischen Mitteln für Gesichts- und Handpflege zu beschränken, in Lippen- und Körperpflegemitteln soll-te Vitamin A gar nicht verwendet werden. Der Grund: Aus epidemiologischen Studien hat sich unter anderem ein Zusammenhang zwischen hohen Aufnahmemengen an Vitamin A und einer Verringerung der Knochenmineraldichte ergeben. Die zusätzliche Aufnahme durch kosmetische Mittel mit Vitamin A sollte daher begrenzt werden.

Foto: Alen-D/iStock/Thinkstock

In weiteren Wirksamkeitsstudien haben bei der Anwendung durch Probanden Vitamin E, Vitamin B3, 2-Dimethylamioethanol (DMAE) und verschiedene Polypeptide Wirkung gezeigt. Die Haut erschien nach mehrwöchiger Anwendung glatter, altersbedingte Pigmentunregelmäßigkeiten wurden gemildert. Diese sogenannten „In-vivo“-Studien liefern objektivierbare Ergebnisse, sind aber wissenschaftlich nicht so gut abgesichert wie placebokontrollierte Doppelblindstudien. Nur im Labor nachgewiesen ist laut Gesellschaft für Dermopharmazie der antioxidative Effekt des Coenzyms Q 10. So stellten die Wissenschaftler im „In-vitro“-Versuch fest, dass Q 10 den Kollagenabbau nach UV-A-Strahlung mindern kann.


Ein hoher Preis ist oft kein Garant für eine gute Qualität


Wunder darf man aber auch von diesen Ingredienzien nicht erwarten. Denn wenn nur Minimalspuren davon in einer Gesichtspflegecreme vorhanden sind, können die von den Wissenschaftlern im Labor festgestellten Effekte nicht erreicht werden. Ohnehin muss immer wieder betont werden, dass die Hautalterung nicht aufzuhalten ist und Falten nicht weggecremt werden können. Ein weiteres Problem: Manche dieser Zutaten, zum Beispiel Vitamin C, sind so instabil, dass sie unter Licht- und Lufteinfluss schon innerhalb kürzester Zeit inaktiv werden.

Dazu kommt: Die Haut durch Fett und Feuchtigkeit vorübergehend aufpolstern kann eigentlich jede Creme. Viele Produkte enthalten auch einfach Farbpigmente, die das Licht so reflektieren, dass Fältchen weniger auffallen. An den Runzeln an sich ändert das nichts. Immer wieder weisen Tests außerdem nach, dass zwischen Preis und Leistung von Kosmetikprodukten kein Zusammenhang besteht.

Probanden gesucht

Wie kommen die Firmen eigentlich an Probanden? Größere Unternehmen verfügen in der Regel über eine Kartei mit Tausenden Personen, die je nach Zielsetzung des jeweiligen Tests angesprochen werden. Andere werben auf ihren Internetseiten um Tester oder schalten Anzeigen. Firmen arbeiten auch mit Hautarztpraxen oder mit dermatologischen Abteilungen in Kliniken zusammen.
Einige Unternehmen beauftragen externe Institute, die sich auf die Testung von Kosmetikprodukten spezialisiert haben. Im Idealfall sind es unabhängige Firmen, die die Produkte vieler Anbieter testen und keine eigenen. Diese suchen neue Probanden oder Testpersonen mit sehr speziellen Anforderungen, in der Regel per Annonce oder Internetanzeige.
Manchmal müssen Apotheken, Kosmetikerinnen oder Hautarztpraxen angesprochen werden, um passende Probanden zu finden. Wichtig ist, dass die freiwilligen Testpersonen nicht von weither kommen, sondern in der Nähe des Instituts wohnen, sodass bei Problemen auch immer gleich ein Hautarzt des Instituts ansprechbar ist. „Zuverlässige Probanden sind die Basis für eine gute Studie, deshalb dürfen nicht zu viele ‚neue‘ Probanden in eine Studie eingeschlossen werden, denn die sind vielleicht nicht so zuverlässig wie die ‚alten‘ und erfahrenen Probanden und könnten – eventuell durch Fehloder Nichtanwendung des Produkts – das Ergebnis verfälschen“, sagt Dr. Gerrit Schlippe vom Testinstitut Dermatest.

Foto: David Oxberry/Photodisc/Thinkstock

Eigenmarken – gut und günstig

Kosmetik- und Pflegeprodukte, die die Drogerien unter ihrem eigenen Namen herstellen und verkaufen, sind nicht schlechter als die bekannten Marken – im Gegenteil, sie schneiden oft sogar besser ab als diese. Zu diesem Ergebnis kam ÖKO-TEST im Frühjahr 2014 bei einem Test. Jedes zweite Eigenmarkenprodukt erhielt die Bewertung „sehr gut“, bei den Marken war es nur jedes fünfte. Besonders gut schnitten die Naturkosmetik-Eigenmarken ab. Und dabei sind sie im Einkauf im Schnitt um mehr als die Hälfte billiger als zum Beispiel Nivea, Dove, L’Oréal und Co. Der Preisunterschied kommt unter anderem zustande, weil sich die Hersteller Werbung für Eigenmarken weitgehend sparen, weil die Entwicklungskosten geringer sind und die Mengenabnahme hoch ist.

Interview: Kein Superwirkstoff in Sicht

Foto: Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena

Professor Peter Elsner ist Dermatologe an der Universität in Jena. Er hat sich mit Wirksamkeitsprüfungen von Kosmetikinhaltsstoffen beschäftigt.

ÖKO-TEST: Was ist von den Superwirkstoffen in Cremes zu halten, mit denen geworben wird?
Elsner:
Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen über Kosmetikinhaltsstoffe. Viele sind aber interne Forschungsergebnisse der Industrie und werden nicht veröffentlicht. Niacinamid ist zum Beispiel ein Stoff, der gut untersucht ist. Unabhängige Studien haben gezeigt, dass er die Regenerationsfähigkeit der Haut verbessert. Niacinamid ist in allen Zellen vorhanden und erhöht die Produktion körpereigener Hautfette, der Ceramide. Dadurch wird die Barrierefunktion der Haut gestärkt und sie wird vor Feuchtigkeitsverlust geschützt.

Das heißt, wenn ich mir eine Creme mit Niacinamid kaufe, verbessere ich meinen Hautschutz?
Nein, nicht unbedingt. Die Wirkung ist zwar für die Substanz nachgewiesen. Doch das muss für Niacinamid in einer Creme nicht genauso gelten. Wenn die Konzentration zu gering ist, bewirkt der Zusatz auch nichts. Entscheidend ist, dass eine aussagekräftige klinische Prüfung mit dem Produkt stattgefunden hat.

Was halten Sie von Kaviar oder Trüffelextrakt in Kosmetika?
Wirkungen sind durchaus vorstellbar. Wir haben einmal einen vietnamesischen Speisepilz untersucht und festgestellt, dass der Pilzextrakt auf die Haut entzündungshemmend und beruhigend wirkt. Botanische Stoffe sind ganz sicher eine Quelle für kosmetische Wirkstoffe. Aber jeden einzelnen, der eingesetzt wird, zu beurteilen, ist schwierig, weil die Hersteller ihre Untersuchungen häufig nicht veröffentlichen.

Was kann man von einer guten Gesichtscreme erwarten?
Sie muss helfen, die Haut in einem guten Zustand zu halten, das heißt, sie vor Feuchtigkeitsverlust und vor Umwelteinflüssen schützen.

Ist in der Kosmetik aktuell ein spezieller Wirkstoff in Sicht, der tatsächlich gegen Hautalterung wirkt?
Elsner: Den kosmetischen Superwirkstoff, der alle Altersveränderungen der Haut ungeschehen macht, erwarte ich nicht. Viel wichtiger für den Verbraucher ist ein konsequenter Lichtschutz, denn ein Großteil der Hautalterung beruht auf Schäden der Haut durch UV-Licht.