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WISSEN: Neue Heimat MARS


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 41/2018 vom 05.10.2018

Starregisseur Ron Howard schildert in derSCIENCE-FICTION-REIHE „Mars“ die Besiedlung des Roten Planeten. Ist sein Szenario realistisch?


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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 41/2018

Die Zeit drängt: Wird die Crew einen geeigneten Unterschlupf finden, der ihr Schutz vor der Strahlung auf der Marsoberfläche bietet?


Mission Roter Planet: die Astronauten auf dem Flugdeck der „Daedalus“


Ed Grann (Olivier Martinez, M.) leitet das Mammutprojekt.


»AUF DEM MARS ZU LEBEN WIRD KEINURLAUB
Robert Braun, Professor für Raumfahrttechnik


Wie in Zeitlupe nähert sich das Raumschiff dem Boden, Bremsraketen wirbeln roten Staub hoch, die Landebeine setzen auf, eine ...

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... Luke öffnet sich, Astronauten erscheinen – erstmals betreten Menschen den Mars. Und auf der Erde verfolgt die Hälfte der Menschheit das Ereignis auf dem Bildschirm. Es ist das Ende einer Reise, auf der in mehreren Hundert Tagen Millionen von Kilometern zurückgelegt werden mussten. Keine allzu ferne Zukunftsvision – glaubt man Experten: Irgendwann in den 2030ern, schätzen sie, wird der erste Mensch seinen Fuß auf den Mars setzen. Die Bilder dazu gibt es bereits heute.

Das Leben der Besatzung steht AUF DEM SPIEL

Starregisseur Ron Howard („Apollo 13“) hat die neue TV-Reihe „Mars“ produziert, die nun erstmals im deutschen Free-TV zu sehen ist (siehe TV-Tipp S. 32). In sechs Teilen erzählt sie, wie die Menschheit den Mars besiedelt. Futuristische Spielszenen zeigen die Abenteuer von Commander Ben Sawyer (Ben Cotton) und seiner internationalen Crew. Die Handlung beginnt mit der ersten bemannten Marsmission 2033, bei der das Landesystem des Raumschiffs „Daedalus“ versagt und das Leben der Besatzung auf dem Spiel steht. Das Bodenpersonal im Mission Control Center London ist alarmiert.

Trotz fiktionaler Geschichte wird in der Serie großer Wert auf Authentizität gelegt: „Alles, was der Zuschauer zu sehen bekommt, beruht auf realer Wissenschaft und Technik. Nichts ist erfunden, alles ist echt“, erklärt Robert Braun, Professor für Raumfahrttechnik an der University of Colorado Boulder und wissenschaftlicher Berater der Reihe. „Mars“ verwebt die Serienhandlung zudem mit Elementen einer Doku: Aus der Zukunft wird rückblickend erzählt, welche Vorbereitungen nötig waren, um den vierten Planeten im Sonnensystem zu erreichen. Diese Filmsequenzen bestehen aus echtem Dokumaterial, das reale Forschungsprojekte näher vorstellt. Beide Bestandteile sollen dem Zuschauer einen möglichst intensiven und realistischen Eindruck vermitteln, wie nach heutigem Stand die Reise zum Mars und seine Besiedlung ablaufen könnten.


»MENSCHEN, DIE ES INS ALL ZIEHT, MÜSSEN BEREIT SEIN, IHRELEBENSQUALITÄT EINZUSCHRÄNKEN.«
Robert Braun, Professor für Raumfahrttechnik


Fantastische Pläne von ELON MUSK

Tatsächlich grassiert derzeit weltweit das Marsfieber: Diverse Rover, Sonden und Geschosse, die in die Oberfläche eindrangen, erforschen den Roten Planeten bereits, weitere werden folgen: Gemeinsam mit Russland arbeitet die Europäische Weltraumorganisation Esa an einem ExoMars Rover, der im Jahr 2020 abgesetzt werden soll. Der Rover soll die Marsoberfläche nach Anzeichen für aktuelle biologische Aktivitäten untersuchen und Bohrungen vornehmen, um die Bohrkerne dann mit verschiedenen Instrumenten zu analysieren. Pläne für bemannte Missionen sind noch wesentlich unkonkreter. „Die Reise zum Mars könnte schon vor 2030 erfolgen. Es ist nur eine Frage des globalen Willens, des Geldes und der Erwägung, wie viel Risiko wir als Gesellschaft einzugehen bereit sind“, sagt Robert Braun. Private Unternehmen sind mit ihren Zukunftsvisionen besonders optimistisch: Elon Musk, Gründer von Paypal und der Elektroautoschmiede Tesla, will mit Raumschiffen seiner Raketenfirma SpaceX künftige Marskolonisten im großen Stil transportieren. Er plant mit 1000 Raumschiffen, die in der Lage sind, jeweils 100 Menschen zu transportieren. Alle zwei Jahre könnten 100.000 Interessierte zum Mars reisen. Das erste Vehikel soll im Jahr 2024 auf Jungfernfahrt gehen. „Das klingt sehr fantastisch, ist aber durchaus möglich“, sagt Stephen Petranek, Autor des Buches „Unser Leben auf dem Mars“ (Fischer, 112 S., 9,99 €), das der Serie als Grundlage diente. „Es wird der Tag kommen, an dem fast jeder, der den Mars besuchen will, zum Roten Planeten fliegen kann. Nasa und SpaceX sollten dafür endlich wirklich kooperieren. SpaceX hat das Potenzial, den Mars schneller zu erreichen. Aber die Nasa hat das Know-how, Menschen dort am Leben zu erhalten.“

Serienheldin: Die Südkoreanerin Jihae spielt eine Doppelrolle als Astronautin Hana und ihre Schwester Joon, die die Marsmission in London überwacht


Letzteres wird keine leichte Aufgabe, das verdeutlicht auch Ron Howards Sechsteiler: Er erzählt vom Leben in der ersten Marskolonie, die anno 2037 von einem Staubsturm bedroht wird. Siedler müssen mit Herausforderungen klarkommen: Extreme Kälte, kosmische Strahlung, Sauerstoffmangel gehören dazu. Und nach dem Errichten einer Unterkunft muss die Versorgung mit ausreichend Nahrung, Wasser und Kleidung gesichert sein. Auch wenn es erste Lösungsansätze dafür gibt: „Auf dem Mars zu leben wird kein Urlaub. Menschen, die es ins Weltall zieht, müssen bereit sein, ihre Lebensqualität einzuschränken“, so Robert Braun. Steckt denn auch in ihm ein Pionier? „Ich wäre schon interessiert, aber in meinem Ehegelübde habe ich meiner Frau versprochen, dass ich diesen Planeten nicht verlassen werde“, sagt er und lacht. Führende Experten wie er sind sich jedoch weitgehend einig: Die Marsmännchen – das werden irgendwann einmal wir Menschen sein.

Fiktion: Im Film wird die futuristische Welt der Marsentdecker durch visuelle Effekte überzeugend gestaltet


Realität: ein Marskrater, aufgenommen vom Erkundungssatelliten der Nasa


FOTOS: VIGLASKY/NATIONAL GEOGRAPHIC (5), JPL/NASA (2)