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WISSEN / Reportage: One Earth - One Ocean: KEIN MÜLL MEER!


Vegan für mich - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 25.03.2020

Der Verein One Earth - One Ocean wehrt sich mit einer eigenen Flotte gegen immer mehr Müll in den Meeren der Welt. Auch wir können etwas dagegen tun


Die Verschmutzung der Flüsse, Seen und Meere ist eins der größten globalen Probleme unserer Zeit. Täglich berichten Medien von angeschwemmtem Plastikmüll, verendeten Tieren oder Müllteppichen in den Ozeanen. Die Zahlen sind erschreckend: Im Schnitt gelangt pro Minute eine Lkw-Ladung Plastik in die Weltmeere. Dort hat es eine Haltbarkeit von mindestens 450 Jahren - ein Gegenwarts-, noch mehr aber ein gewaltiges Zukunftsproblem. Dass man nicht wehrlos ist, ...

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Bildquelle: Vegan für mich, Ausgabe 2/2020

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... beweist der Verein „One Earth - One Ocean“.

SCHIFFE, DIE MÜLL AUS DEM MEER FISCHEN

Hier sollen keine Fische, sondern hier sollen möglichst viel Plastik und anderer Müll ins Netz gehen


Die SeeKuh zählt zur Vereinsflotte. Sie ist sehr langsam unterwegs, um Buchten und Küsten möglichst effektiv zu säubern


Der 2011 von dem ehemaligen IT-Firmenchef Günther Bonin gegründete Verein folgt einer simplen Idee: Wir müssen vermeiden, dass neues Plastik ins Meer gerät. Und das, was schon drin ist, muss wieder raus. Für das Rausholen hat „One Earth - One Ocean“ das Prinzip der Maritimen Müllabfuhr entwickelt, eines Reinigungssystems mit drei Schiffstypen:

Der SeeHamster, ein kleiner Katamaran von vier Metern Länge und zwei Metern Breite, ist für die Reinigung von Flüssen und Binnengewässern konstruiert. Mittlerweile existiert die fünfte, verbesserte Generation von SeeHamstern. Sie sind weltweit einsetzbar, seit 2018 etwa bei Müllsammel-Projekten in Kambodscha, Ägypten und Indonesien.

Die SeeKuh ist ein Katamaran von zwölf Metern Länge und zehn Metern Breite, der Buchten, Flussmündungen und Küstengewässer reinigt. Seine spezielle Netzkonstruktion und sein extrem langsames Tempo ermöglichen das Abfischen von Plastikteilen, ohne die Tiere an der Wasseroberfläche zu gefährden.

Was wollen wir am Strand sehen - und was nicht? Wer Müll, von dem Unmengen im Meer landen, vermeiden will, muss schon beim Einkauf darauf achten


Ein Anfang: Die Nutzung von Plastiktüten ist rückläufig - kaum ein Supermarkt gibt sie noch gratis raus


Parallel arbeitet der Verein an der Umsetzung eines ersten Pilotsystems des SeeElefanten, eines umgebauten Containerschiffs, das weltweit an den Vermüllungs- Hotspots zum Einsatz kommen soll. Der SeeElefant hat Anlagen zum Sortieren, Zerkleinern, Verarbeiten und Pressen von Meeresmüll an Bord. Das eingesammelte Meeresplastik wird an Bord des SeeElefanten zu sortenreinen Kunststoffballen gepresst und später dem Recycling an Land zugeführt. In wenigen Jahren - bei Verfügbarkeit von industrietauglichen Plastics-to-fuel- Anlagen - soll Plastik direkt an Bord auch verölt werden. 2019 bekam der Verein für dieses Konzept den Bundespreis ecodesign des Bundesumweltministeriums verliehen. Wenn alles nach Plan läuft, soll der erste SeeElefant 2022 in See stechen. Die Hoffnung dahinter: Sobald Plastikmüll einen wirtschaftlichen Wert erhält, wird er nicht mehr achtlos „entsorgt“.

In wenigen Jahren soll die maritime Müllabfuhr so funktionieren: Eine Flotte von SeeKühen mit entsprechender Ausrüstung sammelt den Müll in Flussmündungen und küstennahen Meeresregionen und liefert diesen beim SeeElefanten ab, wo der Plastikmüll sortenrein sortiert und dem Recycling zugeführt wird.

Workshops und Kampagnen weltweit begleiten die Entwicklung, denn der Verein hat drei operative Standbeine: Neben der Maritimen Müllabfuhr engagiert er sich auch in Aufklärung und Bildung, etwa durch Vorträge in Schulen - sowie in der Erforschung der Mikroplastik- Belastung in den Meeren. Mikroplastik entsteht aus dem Dauerabrieb großer Plastikteile im Wasser. Auch Mikropartikel aus Kosmetik- und anderen Industrieprodukten sind Mikroplastik. Über Meerestiere erreicht Mikroplastik die menschliche Nahrungskette. Bereits 2013 wurde „One Earth - One Ocean“ mit dem GreenTec Award ausgezeichnet, Europas größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis. Heute sind rund 20 Mitarbeiter/ innen an Bord des gemeinnützigen Vereins, der auf Spenden und Sponsoren angewiesen ist. Neben der Röchling Stiftung GmbH als größtem Unterstützer sind namhafte Unternehmen wie die Telekom AG oder die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sowie bekannte Marken wie CD-Körperpflege (http://cdhelden.de) als Sponsoren und Begleiter dabei. Mithelfen kann man aber auch als Einzelperson. Weitere Infos dazu gibt's hier: https://oneearth-oneocean.com/ich-will-helfen

EIN RIESIGER TEPPICH AUS MÜLL, SO GROSS WIE ZENTRALEUROPA

Wie dramatisch die Lage und wie groß der Handlungsbedarf tatsächlich ist, schildert Bettina Kelm, die Umweltbildungs- Referentin des Vereins, in deutlichen Worten: „Wissenschaftler befürchten, dass bis 2050 das Gewicht des Plastiks in den Meeren jenes der Fische übertreffen wird.“ Schon heute bildeten sich riesige Teppiche aus Plastikmüll auf den Weltmeeren, der größte davon, der Great Pacific Garbage Patch im Pazifik, habe bereits die Größe Zentraleuropas, also Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Polens, Luxemburgs, Ungarns und Tschechiens zusammen. „Vögel, Fische und andere Lebewesen fressen Kunststoffteile und verhungern mit einem mit Müll verstopften Magen oder durch innere Verletzungen. Für über 40 Prozent der Wale, etwa 36 Prozent der Seevögel und fast alle Arten von Fischen und Meeresschildkröten ist wissenschaftlich dokumentiert, dass sie Müll fressen. Andere Meerestiere verheddern oder strangulieren sich in alten Fischernetzen, Tauen oder Plastikfolien“, erklärt Bettina Kelm.

SCHÜLER ALS OZEANRETTER

Kleinteiliger Plastikund anderer Müll belastet immer mehr unsere Meere. Großes Bild: Die „SeeKuh“ in Aktion


Um schon die junge Generation zum Gegensteuern zu bewegen, hat der Verein das „Ozeanretter-Projekt“ für Schulen ins Leben gerufen: Dabei erarbeiten die Schülerinnen und Schüler konkrete Pläne zur Vermeidung von Plastik im Alltag und dokumentieren die Umsetzung. Regelmäßige Reinigungsaktionen zählen ebenfalls zum Programm des Vereins - sogenannte „CleanUps“, an Nord- und Ostsee genauso wie in Kambodscha, Indonesien, Ägypten und in Rio de Janeiro. Mit Unterstützung freiwilliger Helfer werden dort Strände, Flussufer und Grünanlagen von Müll befreit - bevor er die Gewässer erreichen kann.

Plastik reduzieren/vermeiden: Was kann jeder tun?

Für den Coffee to Go den eigenen Becher mitbringen - Den Kauf von Plastikverpackungen vermeiden und konsequent zu Mehrwegverpackungen greifen - In Unverpackt-Läden und auf dem Wochenmarkt einkaufen - Multiplikator sein und andere ermutigen - An Müllsammel- und Aufräumaktionen (CleanUps bzw. Ploggings) teilnehmen - Lebensmittel- und andere Firmen anschreiben und nach Low-Waste-Konzepten fragen … Mehr Ideen: https://oneearth-oneocean.com/weniger-plastikmuell

Interview

Günther Bonin (64), Gründer von One Earth - One Ocean


„Trennen ist gut, Vermeiden ist besser “


Sie waren Chef einer erfolgreichen IT-Firma in München - was hat Sie bewogen, diesen Job aufzugeben und stattdessen Müll zu sammeln?
Mit 50 habe ich gemerkt, das Arbeiten alleine zum Zweck der materiellen Bereicherung nicht alles sein kann. Initial war für mich die Erfahrung auf einer Segelfahrt, als ich sah, wie große Passagierschiffe ihre Abfälle einfach über Bord warfen. Als ich dann vor elf Jahren mit der Idee der „Maritimen Müllabfuhr“ anfing, wurde ich noch als Utopist belächelt. Heute werden wir ernst genommen - klar ist aber auch: Als Verein können wir nur diesen Lösungsansatz aufzeigen, umsetzen muss ihn die Industrie. Wir brauchen sehr viele „SeeElefanten“.

Deutschland ist Recyclingweltmeister, wir trennen fleißig! Können wir Deutschen überhaupt etwas für die Vermüllung der Meere?
Jede achtlos weggeworfene Verpackung kann früher oder später in einem Fluss und noch später im Meer landen. Und: Deutschlands Recyclingsystem funktioniert nur gut bei Pappe, Papier und Glas. Bei Plastik ist noch deutlich Luft nach oben. Denn nicht alles, was im Gelben Sack landet, wird auch wiederverwertet. Große Mengen an Kunststoff werden weiterhin verbrannt. Zudem sind die Deutschen auch Meister im Verbrauchen. Kein Land in der EU produziert so viel Plastikmüll pro Kopf wie Deutschland. Das muss sich ändern. Mittelfristig müssen nicht nur die Recyclingquoten erhöht werden, sondern wir müssen auch darauf hinarbeiten, dass gar nicht mehr so viele Plastikverpackungen hergestellt werden - was nicht existiert, kann auch nicht in der Umwelt landen. Wir alle können beim Einkauf darauf achten: Trennen ist gut, Vermeiden ist besser.


FOTOS: „ONE EARTH - ONE OCEAN“, ISTOCK