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WISSEN: Wie viel MACHT haben die Sterne?


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 39/2019 vom 20.09.2019

Seit Jahrtausenden deutet der Mensch die Zeichen am Himmel. Welche Kräfte dahinterstecken, können selbst Astrologen schwer ergründen


Artikelbild für den Artikel "WISSEN: Wie viel MACHT haben die Sterne?" aus der Ausgabe 39/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 39/2019

Astrophysiker
Harald Lesch fragt im TV: Warum wollen wir stets etwas über unsere Zukunft wissen?


»Die Astrologie ist eine Befragung desHIMMELS
Harald Lesch, Astrophysiker


Kaiserlicher General
Wallenstein (1583 – 1634, l.) suchte stets Rat bei Sterndeutern wie Giovanni Battista Seni (r.)


Steinböcke sind schüchtern, Krebse empfindsam: Die Faszination der Astrologie bleibt auch in unserer modernen Zeit ungebrochen. Was verraten die funkelnden Sterne über Liebe, Gesundheit ...

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... und Geld? Ein Blick ins Horoskop stillt die Neugier. Laut Umfragen meinen 25 Prozent der Deutschen, dass die Gestirne unser Leben beeinflussen. Weitere 35 Prozent lesen gern Horoskope, auch wenn sie nicht wirklich daran glauben.

Eine neue „Terra X“-Doku (siehe TV-Tipp Seite 24) macht sich jetzt auf die Suche nach den Ursprüngen der Sterndeutung. „Die Astrologie ist nach wie vor die beliebteste Zukunftsschau, die es gibt“, erklärt der Astrophysiker Prof. Harald Lesch, der durch die Sendung führt. „Wobei sie als sogenannte Mundanastrologie begann. Es ging zunächst nicht um das Einzelschicksal, sondern darum, Herrschern wichtige Fragen zu beantworten: Wann kommt die Ernte? Müssen wir in den Krieg ziehen? Werden die Flüsse steigen?“

Schon vor über 3000 Jahren vertrauten die Babylonier auf die Macht der Himmelskörper. Priester berechneten die Bewegungen etwa von Venus, Mars, Sonne und Mond und berieten dann ihre Könige. Damals schien der ganze Himmel von Göttern bewohnt. Wer den Lauf der Gestirne studierte, erkannte also den Willen höherer Mächte. Der babylonische Lehrsatz „Wie oben, so unten“ gilt bis heute.

Im antiken Rom wurden zunehmend auch persönliche Horoskope erstellt. Wer sich die teure Zukunftsschau leisten konnte, besuchte Ärzte und sogar Friseure nur, wenn die Sterne dafür günstig standen. Alle römischen Kaiser von Augustus über Nero bis Marc Aurel vertrauten auf eigene Astrologen, und die waren als geachtete Ratgeber oft genug in politische Ränkespiele verwickelt. Sterndeuter sollen etwa Julius Cäsar (100 – 44 v. Chr.) vor der Todesgefahr während der Iden des März gewarnt haben. Doch der Kaiser missachtete alle Mahnungen – und wurde ermordet.

Sogar die Kirche bandelte zeitweise mit der eigentlich verpönten Sterndeutung an. Eine besondere Karriere machte dabei der Astronom, Mathematiker und Sterndeuter Gerbert von Aurillac (950 – 1003): Er wurde 999 als Silvester II. zum Papst gewählt. Reformator Martin Luther (1483 – 1546) verspottete Astrologen zwar verächtlich als „Sternenkücker“, doch ausgerechnet sein enger Mitstreiter Philipp Melanchthon war bekennender Anhänger der Astrologie. Der renommierte Theologe schrieb zum Thema Lehrbücher und ging sogar so weit, das Geburtshoroskop Luthers zu fälschen, um ihn in einem günstigen Licht darzustellen.

Weißt du, wie die Sternlein stehen?

Jahrtausendelang gehörten messende Wissenschaft und Deutung der Gestirne zusammen. „Früher war die Astronomie das Instrument der Astrologen“, so Lesch. „Wenn sie etwas vorhersagen wollten, mussten sie ja wissen, wo die Planeten am Himmel stehen.“ Berühmte Gelehrte wie Johannes Kepler (1571 – 1630) befassten sich mit beidem. Der Begründer der modernen Astronomie erstellte sogar Horoskope, etwa im Auftrag des böhmischen Feldherrn Albrecht von Wallenstein (Abbildung oben).

Erst vor rund 300 Jahren trennten sich die beiden Disziplinen. Naturwissenschaften begannen ihren Siegeszug, das Fernrohr erlaubte einen differenzierteren Blick in den Himmel. Eine Gemeinsamkeit aber blieb: Sogar in der nüchternen Wissenschaft vom Universum fällt das Forschen leichter, wenn man an die Bedeutung für unser eigenes Leben denkt. „Letztlich weiß ich als professioneller Astrophysiker – und genauso von meinen Studentinnen und Studenten –, dass wir immer wissen wollen: Was hat das alles mit mir zu tun?“, gibt Prof. Harald Lesch zu.

Auch die Grundlagen der Astrologie blieben gleich. Bereits Babylons Sterndeuter teilten das Jahr in zwölf gleich lange Zeitabschnitte – die Tierkreiszeichen. Mit den konkreten Sternbildern am Himmel, die sich im Lauf der Jahrhunderte verschieben, sind sie nur entfernt verwandt. Astronomisch exakt müssen dagegen die Daten sein, die dann ins Horoskop einfließen. Dazu gehören die Positionen der Himmelskörper, die Winkel zwischen den Planeten und der Aszendent, also das Tierkreiszeichen, das am östlichen Horizont zur Zeit der Geburt aufging. So entstand auch der Name: Das „horoskopeion“ (griechisch: Stundenschauer) war ein Gerät zur Ermittlung der Planetenstellungen.

Den inneren Kreis der Horoskopscheibe bilden die sogenannten Häuser: zwölf Felder, denen Bereiche wie Beziehungen, Finanzen oder Beruf entsprechen. So entsteht ein verwirrendes „Kunstwerk“voller Linien und Symbole. Entscheidend für Astrologen ist jeweils der Zeitpunkt, an dem etwas beginnt. Für persönliche Horoskope benötigen sie also möglichst exakt Ort und Uhrzeit der Geburt.

Genie
Johannes Kepler war begehrt als Astrologe, Astronom und Mathematiker


Himmelszeichen
Die Stellung der Planeten zum Zeitpunkt der Geburt fließt in die Berechnung des Horoskops ebenso ein wie Sonne und Mond


Sternenschauer
Mit Teleskopen wie hier im Observatorium Paris um 1882 wurden die Beobachtungen immer exakter


Himmlische Werbung
Um 1910 kostete ein Horoskop 5 Mark. Dafür gab es „Aufklärung über das ganze Leben“


25 PROZENT der Deutschen glauben an denEinfluss derSterne


Astronomie versucht darzustellen, was am Himmel passiert – weitgehend unabhängig vom Menschen auf der Erde. „Die Astrologie wiederum ist eine Befragung des Himmels – wer bin ich?“, erklärt Harald Lesch. „Da geht es um die innere Welt des Einzelnen.“ Konkrete Prognosen rückten im Lauf der Zeit in den Hintergrund, die Psychologie mischte mit. Wie bestimmen die himmlischen Muster unseren Charakter, unsere Anlagen, unsere Entwicklung? Basis dafür sind Erfahrungswerte. Über Jahrtausende hinweg beobachteten Astrologen, was sich auf der Erde bei bestimmten Himmelskonstellationen abspielte. Diese Einflüsse und Ereignisse wurden notiert, der Erfahrungsschatz wuchs und wurde weiter verfeinert.

Messen lassen sich diese Kräfte nicht. Beweise im Sinne der Physik fehlen ebenso wie eindeutige Statistiken zur Wirksamkeit. Deshalb rümpfen Wissenschaftler meist die Nase, wenn es um die Macht der Sterne geht. Auch der Deutsche Astrologen-Verband e. V. stellt in seinen Thesen klar: „Welcher Natur der Zusammenhang ist, lässt sich beim heutigen Wissensstand nicht entscheiden. Die eindeutig bestehenden physikalischen Einflüsse kosmischer Kräfte auf irdische Abläufe wie zum Beispiel die Jahreszeiten oder die Gezeiten sind nicht ausreichend, um den komplexen kosmisch-irdischen Zusammenhang im Sinne der Astrologie umfassend beschreiben zu können.“

Wenn die Sterne Schicksal spielen

Also alles Humbug und Hokuspokus? Astrologie war stets Glaubenssache. Der Mensch scheint Probleme mit der Vorstellung zu haben, dass etwas ohne erkennbaren Grund und aus purem Zufall geschieht. Also sucht unser Gehirn nach verborgenen Mustern, nach Zusammenhängen. Gleichzeitig hoffen wir auf Entscheidungshilfen. Was soll ich nur tun? Und wann? So wie Herrscher früher Krieg und Frieden vom Stand der Sterne abhängig machten, suchen auch wir bei kleinen und großen Fragen himmlischen Rat. Zumindest auf diese Weise spielten die Sterne schon immer Schicksal und haben den Lauf der Welt verändert.


FOTOS: S. 22-23: BRINCKMAN/ZDF, WESTERSKOV/GETTY IMAGES, ULITINA/ALAMY, HANSMANN/INTERFOTO, DDP; S. 24: YOUR_PHOTO_TODAY, EREZA/ALAMY, RAUCH/INTERFOTO