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WM-Stadien in Katar


PROTRADER - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 05.06.2018

Fußballfans können es bis zum Anpfiff der diesjährigen WM in Moskau kaum noch abwarten. Wie wird sich die Elf von Jogi Löw schlagen und wer wird am Ende die begehrte Trophäe nach Hause tragen? Wir verkürzen die Wartezeit und erlauben schon einmal einen Ausblick auf die übernächste WM in Katar


Reportage

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Bildquelle: PROTRADER, Ausgabe 6/2018

Branche
Hochbau

Reportage
WM-Stadien in Katar

WM-Stadien in Katar 2022

Al-Bayt-Stadion

Monströses Beduinenzelt, das weithin sichtbar für die Gastfreundschaft der Katarer stehen soll: Das Al-Bayt-Stadion hat seinen Namen von der landestypischen Bezeichnung der traditionellen Beduinenzelte. Wie hier zu sehen, ...

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... hat bereits die Montage des Stahltragwerks für die Zeltmembrane begonnen


Der hier abgebildete obere Rand des Al-Bayt-Stadions wird nach dem Turnier zurückgebaut, was seine Kapazität von derzeit 62.000 Zuschauern auf dann noch 32.000 reduziert


Eigentlich sind die Augen der Fußballfans in aller Welt gerade in Richtung Moskau gerichtet, wo im Olympiastadion Luschniki die Nationalmannschaften von Gastgeber Russland und Saudi Arabien das Eröffnungsspiel der WM 2018 bestreiten werden. Doch mit der Austragung des nationalen Pokalfinales im letzten Jahr konnte inzwischen auch das erste Stadion der darauffolgenden WM 2022 in Katar in Betrieb genommen werden. Das Spiel zwischen den Teams von Al-Rayyan und Al-Sadd im Khalifa International Stadium im Westen von Doha ging 1:2 aus. Die Fertigstellung der ersten WM-Arena war zugleich seit langem die erste positive Schlagzeile im Umfeld der von zahlreichen Negativmeldungen überschatteten Vorbereitungsphase des Turniers und bot Scheich Tamim bin Hamad Al Thani als Emir von Katar eine dankbar ergriffene Gelegenheit, in einer offiziellen Eröffnungszeremonie, an der auch FIFA-Präsident Gianni Infantino teilnahm, sich selbst und die Verdienste seines Landes für den Fußball zu feiern.
Die frühe Fertigstellung des Stadions unterdessen dürfte vor allem zwei Gründe haben: Erstens wird es als Veranstaltungsort der ebenfalls an Katar vergebenen Leichtathletik-Weltmeisterschaften bereits im nächsten Jahr gebraucht, und zweitens musste es nicht, wie alle anderen Stadien für die WM 2022, von Grund auf neu gebaut, sondern lediglich umgebaut werden. Das älteste Stadion des Emirats war nämlich bereits 1976 als Spielstätte des damals in Katar ausgetragenen Gulf Cups entstanden und seither mehrfach, zuletzt anlässlich der Panasiatischen Spiele 2006, modernisiert worden. Somit bot das Khalifa International Stadium mit seinen 20.000 Sitzen eine gute Basis für eine Erweiterung. Damit nunmehr rund 48.000 Zuschauer die Leichtathletikwettkämpfe im nächsten Jahr sowie drei Jahre später bei der Endrunde bis zum Viertelfinale zahlreiche Matches verfolgen können, wurde das Stadion um weitere Ebenen aufgestockt. Statt des charakteristischen einzelnen Bogens auf der Ostseite sind nun gleich zwei Stahlbögen in unterschiedlicher Höhe in bis zu 40 Metern Höhe über das Stadion geschlagen. Sie tragen mittels Stahltrossen das über die Arena gespannte Zeltdach, welches variabel über die Ränge gezogen werden kann und für bis zu 70 Prozent der Stadionfläche als Schattenspender dient. Wer sich angesichts der Konstruktion entfernt an das allerdings völlig starre Dach des Olympiastadions in München erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch: Während das Material des Daches zwar in den USA produziert und in Mexiko konfektioniert wird, stammt die Verkabelung aus Deutschland.

Lusail-Stadion

In Form und Struktur jeweils individuell gestaltet, finden sich solche schattenspendenden Zeltdächer letztlich bei allen WM-Stadien in Katar. Denn intensive Sonneneinstrahlung und abnorme Hitze sind hier an der Tagesordnung. Ergänzt wird diese Maßnahme durch ein ebenfalls bei allen Stadien vorgesehenes Kühlsystem. Sein Prinzip basiert quasi in Umkehrung der hierzulande in der Bundesliga üblichen Rasenheizung darauf, die Spielfläche künstlich auf 20 Grad abzukühlen. Auf den Rängen sollen mit diesem Griff in die Trickkiste durchaus Temperaturen von nur 23 Grad erreicht werden. Nach Angaben des für den Bau sämtlicher Stadien und der direkt von der WM tangierten Infrastruktur zuständigen Supreme Committee of Delivery and Legacy (SCDL) würde man im Vergleich zu bislang üblichen Kühlmethoden mit diesem Verfahren bis zu 40 Prozent weniger Energie benötigen. Die soll im Übrigen durch im Umfeld der riesigen Sportstätten installierte Solartechnik gewonnen werden.

Der kreisrunde Umriss des riesigen Lusail-Stadions in Lusail-City ist schon zu erkennen


Kritik an der Vergabe der WM

Dennoch: Genau dieser Umstand, der im Sommer auf bis zu mörderische 50 Grad Celsius steigenden Außentemperaturen, war einer der zentralen, von Beginn an gegen die Austragung der WM in Katar erhobenen Einwände. Denn diese Bedingungen erforderten zwingend eine Klimatisierung der Stadien. Um dem entgegenzutreten, schossen bereits wenige Jahre nach der offiziellen Vergabe der WM Ende 2010 erste Überlegungen ins Kraut, die WM 2022 in den Winter zu verlegen. 2013 sprach sich auch Fifa-Präsident Joseph Blatter trotz der drohenden Gefahr einer Kollision des Termins mit den Olympischen Winterspielen für eine Austragung im Winter aus. Im März 2015 entschied das FIFA-Exekutivkomitee endgültig, dass das Turnier in Katar wegen der großen Hitze im Sommer erstmals gegen Jahresende stattfinden solle. Das Eröffnungsspiel ist für den 21. November 2022 terminiert, das Endspiel soll am 18. Dezember 2022 (4. Advent) stattfinden. Mit einer Dauer von 28 Tagen wird das Turnier daher zu den kürzesten überhaupt zählen.
Doch nicht nur wegen der nur durch Aufwendung enormer Energien beherrschbaren klimatischen Bedingungen und der gänzlich fehlenden Fußball-Tradition (zum Zeitpunkt der Vergabe hatte Katar in der FIFA-Weltrangliste Platz 113 inne) steht die Vergabe der WM an Katar in der Kritik.

Ahmed-bin-Ali-Stadion

Am Standort des Ahmed-bin-Ali-Stadions in Al-Rayyan befand sich bereits eine Arena, die für den Neubau weichen musste


Vor allem die zahlreichen bekannt gewordenen Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit der Entscheidung werfen ein schlechtes Bild auf diese WM. So hatte sich das für eine Austragung an sich unattraktive Katar in mehreren Wahlgängen des FIFA-Exekutivkommitees gegen die Mitbewerber aus den USA, Südkorea, Japan und Australien durchgesetzt. Ein mehr als erstaunliches Ergebnis.
Der sich allein deswegen aufdrängende Korruptionsverdacht konnte zumindest in zwei Fällen eindeutig erhärtet werden: Journalisten der „The Sunday Times“ hatten mit versteckter Kamera gefilmt, wie zwei der 24 Mitglieder des Exekutivkomitees, die Vertreter von Tahiti und von Nigeria, ihre Stimmen für die WM-Vergabe zum Kauf angeboten hatten. Auch gegen den ursprünglichen Mitbewerber aus Australien wurden von der australischen Zeitung „The Sydney Morning Herald“ Bestechungsvorwürfe erhoben. Eine wirklich gute Figur gab in dem Zusammenhang auch UEFA-Präsident Michel Platini nicht ab, der, nachdem zwei jähre später bekannt wurde, dass sein Sohn Laurent in die Chefetage der Qatar Sports Investment (QSI) eingestiegen war, einräumte, für Katar gestimmt zu haben.
In der Kritik stand lange auch die üppige Ausstattung der turnierbedingten Infrastruktur. Zwölf große Fußballstadien, so der kaum von der Hand zu weisende Einwand, könnten in der Folge in einem so kleinen Land niemals sinnvoll genutzt werden. Die Einplanung von mindestens zwölf Stadien als Austragungsorte hatte die FIFA ursprünglich in den für die Weltmeisterschaft 2022 veröffentlichten Bewerbungsunterlagen gefordert. Ergo hatte Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, der Mentor der katarischen WM-Bewerbung, das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer + Partner (AS+P) mit der Erstellung einer entsprechenden Bewerbungsschrift und der Konzeption von einem Dutzend Stadien beauftragt. Später rückte die FIFA von ihrer ursprünglichen Forderung ab und reduzierte die für die Austragung der 64 Begegnungen verbindliche Anzahl der WM-Stadien auf acht.
Die mögliche Nutzung der Sportstätten nach dem Turnier haben allerdings die meisten der halbwegs in ihren Details bekannten Entwürfe der Stadien bereits im Blick. Sie sollen nach dem Turnier auf erheblich reduzierte Kapazitäten zurückgebaut und zum Teil auch gänzlich anderen Nutzungen zugeführt werden. In besonders drastischem Maße gilt das für das unter anderem für die Finalrunde vorgesehene Lusail Stadium im Norden Dohas, welches gemäß den FIFA-Bestimmungen mindestens 80.000 Zuschauern Platz bieten muss.

Foundation-Stadion

Der Form eines Diamanten nachempfunden: Das Foundation-Stadion bisweilen auch Education-City-Stadion genannt


Nach der WM soll es auf rund 20.000 Plätze verkleinert werden. Alternativ erlauben die Grundrisse des vom renommierten britischen Architektenbüro Foster + Partners entworfenen Stadions, dessen konkrete Ausführung im Detail aber aus der Feder der Planungsspezialisten Vision4venue stammt, auch eine mögliche Nachnutzung für Hotels, Büros, Kindertagesstätten und Restaurants.
Wie darf man sich das bei den anderen Stadien vorstellen und wie sieht deren Baufortschritt aus? Hier im Folgenden ein Überblick:

Teile des Foundation-Stadions sind schon bereit für die Montage der Fertingbetonplatten der Ränge


Lusail-Stadion

Seit einem Jahr laufen auch die Arbeiten am größten der WM-Stadien in Katar. Wichtig war den Veranstaltern zwar offenbar, für den Entwurf des Lusail-Stadions den Namen des Stararchitekten Norman Foster vereinnahmen zu können, für eine dezidierte Planung des Gebäudes waren ihnen dessen Dienste wohl aber zu teuer. So umfasste der an sein Büro vergebene Auftrag nur das grundlegende Konzept, also vor allem die Fassadengestaltung und den für eine Zuschauerkapazität von ca. 90.000 Sitzplätzen erforderlichen prinzipiellen Aufbau.
Entsprechend beinhaltete die anschließende Ausführungsplanung auch weitreichende Eingriffe in das von den Engländern gelieferte Konzept. Die gesondert vergebene Leistung sollte nämlich nicht nur die spätere Nutzung, sondern auch Strategien zur Kostenreduzierung erarbeiten. Über die Änderung der Ranggeometrie und eine Linienoptimierung konnte die Grundfläche des nahezu runden Stadionbaus um 20 Prozen reduziert werden. Insgesamt nimmt der Stadionbezirk in Lusail eine Fläche von fast 100 Hektar ein, das Stadion selbst soll eine Nutzfläche von etwa 223.000 Quadratmeter bieten. Platziert im Zentrum der Retortenstadt Lusail City im Norden Dohas ließen die Planungen sowohl eine großzügige Anbindung an das Schnellstraßennetz als auch an die noch im Bau befindliche Doha Metro zu. Die Parkplatzflächen sollen komplett mit Solarpanels überdacht werden, um so während der Matches die nötige Energie zur Kühlung zu gewinnen. Wenn das Stadion nicht in Betrieb ist, soll der erzeugte Strom ins öffentliche Netz eingespeist werden.

Khalifa-International-Stadion

Hier noch in der Endphase der Bauarbeiten zu sehen, ist das Khalifa-Inernational-Stadion mittlerweile fertiggestellt. Bis zu 3.300 Arbeiter gaben in rund 3,2 Millionen Arbeitsstunden der Arena für 48.000 Zuschauer ihre jetzige Gestalt. Die bis zu 40 m hohen Bögen dienen zur Verspannung des Zeltdachs


Das Zeltdach soll 70 % des Stadions in Schatten tauchen


Inzwischen sind die Fundamentierungsarbeiten der Arena abgeschlossen und die Stützen für die erste Hauptebene in Arbeit. Waren es in der ersten Bauphase lediglich rund 500 Arbeiter, welche die Baustelle bevölkerten, dürfte die für den zügigen Weiterbau abgestellte Crew in Kürze die geplante Maximalstärke von rund 7.000 Mann erreichen. Die Zeit drängt, denn für den Austragungsort des Eröffnungs- und Endspiels gilt eine durchaus sportlich gesetzte Deadline: Ende 2020 soll das Stadion fertig sein.
Seine Errichtung soll mit 767 Millionen Dollar vergleichsweise günstig ausfallen, während die für den Bau von Lusail City veranschlagten Kosten inklusive sämtlicher Infrastrukturprojekte nach unterschiedlichen Quellen auf eine Höhe zwischen 20 bis hin zu 45 Milliarden US-Dollar veranschlagt werden.

Al-Wakrah-Stadium

Kurz vor der Fertigstellung steht mittlerweile auch der erste Stadionneubau in Katar. Wohl noch in diesem Jahr soll das im Süden Dohas gelegene Al-Wakrah Stadium dem Supreme Committee of Delivery and Legacy übergeben werden. Es wurde ebenfalls von prominenter Feder gezeichnet: Zaha Hadid Architects. Der anspruchsvollste Abschnitt der Bauarbeiten steht allerdings noch aus: Die Montage der bootsförmigen Dachkonstruktion, die aus 1.400 Teilen bestehen soll und aus Italien geliefert wird. Mit seiner Kapazität von etwa 44.500 Zuschauerplätzen gehört die schmucke Arena eher zu den kleineren Spielorten und fällt nach Angaben der „Gulf Times“ mit rund 575 Millionen USDollar auch etwas günstiger aus.

Al-Bayt-Stadium

Platz zwei in einem nach Größe gestaffelten Ranking unter Katars Stadien belegt das Al-Bayt-Stadion in Al-Khor. 62.000 Fans sollen hier während der WM dem Verlauf der Partien folgen können. Auch das Al-Bayt-Stadion liegt gut in der Zeit. Die strukturellen Arbeiten in Beton sind abgeschlossen und man hat begonnen, das Primärtragwerk für das Dach zu montieren.
Das Stadion besticht durch sein nachhaltiges Gesamtkonzept. Die unteren zwei Ränge für etwa 32.000 Zuschauer bestehen aus Betonfertigteilen und bleiben nach der Weltmeisterschaft für den örtlichen Fußballverein bestehen. Der ebenfalls aus Betonfertigteilen bestehende Oberrang ruht, anders als die beiden unteren Etagen, auf einer Stahlkonstruktion, die später zurückgebaut wird, wobei Betonteile und darauf montierte Sitze in Stadien anderer Länder für eine Zweitverwertung eingeplant sind. Highlight der Arena ist auch hier die spektakuläre Verpackung. Eingehüllt werden soll das Gebäude mit einer von markanten schwarz-beigen Streifen dominierten, 177.000 Quadratmeter großen Dach- und Fassadenmembrane, deren Gestalt an die traditionellen Bayt Al Sha‘ar genannten Beduinenzelte erinnern soll. Sie dient zum Schutz vor dem bisweilen extremen Klima und lässt innerhalb von 20 Minuten auch das vollständige Verschließen des Innendachs zu. Der Zuschauerraum wird von einem kräftigen Rot und geometrischen Formen geprägt sein.

Ras-Abu-Aboud-Stadion

Frische Brise für die Hitze des Spiels: Das Ras-Abu-Aboud-Stadion soll direkt am Persischen Golf liegen


Ahmed bin Ali Stadium

Die Entwürfe zum Ahmed bin Ali Stadium in Al-Rayyan erinnern mit ihrer funkelnden Fassade ein wenig an „Tausendundeine Nacht“. Im Westen Dohas gelegen wird das Stadion in einen ganzen Sport-Komplex eingebettet sein, der unter anderem zwei voll klimatisierte Hallenfußballfelder sowie zahlreiche weitere Trainingseinrichtungen umfassen wird. Das an dieser Stelle bereits bestehende alte Stadion ist inzwischen vollständig abgetragen worden. Seine Fundamente könnten aber möglicherweise als Basis für das neuen Stadion dienen. Von den anderen drei im Rahmen der WM in Katar geplanten Stadien gibt es, abgesehen von vielversprechenden Renderings, noch nicht allzu viel zu sehen. Ein echter Hingucker dürfte vor allem das Ras-Abu-Aboud-Stadion werden, das zudem direkt am Persischen Golf gegenüber dem Hafen von Doha errichtet werden soll. Abgesehen von einer mutmaßlich zur Unterbringung eines Teils des Baustellenpersonals gedachten Barackensiedlung ist hier allerdings noch nichts passiert.
Nicht weit davon entfernt liegt ebenfalls im Stadtgebiet von Doha die Baustelle des Al-Thumama-Stadions. Hier sind augenscheinlich die Erdarbeiten abgeschlossen und die Fundamentierung im vollen Gange. Bereits die Phase des Hochbaus hat schließlich das in den Entwurfszeichnungen an einen Diamanten erinnernde Foundation-Stadion in Doha erreicht. Mit seiner Fertigstellung dürfte allerdings erst im Laufe des Jahres 2020 zu rechnen sein.

Kosten

Sind damit – soweit eben möglich – alle Stadien abgehandelt, leitet eine solche Aufzählung natürlich unweigerlich zu einer Frage über, die bei derartigen Großprojekten am Ende immer zu stellen ist: Wie hoch fällt die Rechnung aus? Wirklich genau ist das derzeit natürlich nicht einmal annähernd zu sagen. Sicher ist, dass das Emirat in seiner Bewerbung die Kosten für Renovierung und Neubau der damals noch 12 geplanten Stadien auf optimistische 3 Milliarden US-Dollar bezifferte. Hierin enthalten sind allerdings nicht die Kosten für Straßen und Brücken, das noch im Bau befindliche Light Railway System (man rechnet damit, dass 60 Prozent der Besucher mit der Doha Metro in die Stadien fahren werden), Trainingsstätten, Medieneinrichtungen und vieles mehr.

Al-Thumama-Stadion

Der muslimischen Kopfbedeckung für Männer beim Gebet nachempfunden: Taqiyah für rund 40.000 Zuschauer


Eine deutlich realistischere Zahl nannte im Frühjahr letzten Jahres der Chef des SDCL Hassan Al-Thawadi. In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal „CNN Money“ hatte er eine Kürzung des Turnierbudgets um 40 bis 50 Prozent und eine den geänderten FIFA-Bestimmungen für Katar entsprechende ersatzlose Streichung von 4 der geplanten 12 Fußball-Arenen bekannt gegeben. Demzufolge seien nunmehr für das Turnier „nur“ noch zwischen 8 und 10 Milliarden USDollar veranschlagt. Der Großteil der Summe solle für den Bau neuer Stadien und Trainingsplätze verwendet werden. Damit liegen die Kosten in halbwegs vergleichbaren Größenordnungen etwa zur bevorstehenden WM in Russland: Nach der vor kurzem veröffentlichten jüngsten Budgeterhöhung um rund 326 Millionen Dollar ist das Land mit seinen elf Stadien mittlerweile bei 10 Milliarden Dollar Gesamtkosten angelangt. Dennoch wird Katar für die WM unterm Strich erheblich mehr berappen müssen. Denn wie der SDCL-Chef klargestellt hatte, ist die gesamte für ein solches Mega-Event nötige periphere Infrastruktur mit dem genannten Budget keineswegs abgedeckt.
Und die umfasst neben Metro und Schnellstraßen noch einiges mehr. So müssen, wie in der Bewerbung versprochen, alleine Hotels mit einer Kapazität von rund 100.000 Zimmern gebaut werden. Davon abgesehen ist kaum damit zu rechnen, dass die zur WM erwarteten Gäste ausschließlich zwischen einem der Stadien und ihren Hotels pendeln werden. So wurde etwa in Al-Khor einem der größten und ältesten Parks Katars ein Facelift verordnet. In diesem Sommer soll er nach Jahren des Wiederaufbaus wiedereröffnet werden. Auch sonst wird in Doha und Umgebung entlang der Strände mächtig gebaut.
In seinem Umfang weit jenseits aller bislang genannter Einzelprojekte anzusiedeln ist unterdessen der Bau einer ganzen neuen Stadt: Lusail City ist eine Planstadt, die rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Doha ebenfalls am Persischen Golf liegt und einstweilen Lebensraum für rund 300.000 Menschen bieten soll. Bis zu 45 Milliarden Dollar könnte diese Stadt alleine für die bislang angedachte Ausdehnung verschlingen. Derzeit ist Lusail allerdings eine einzige Mega-Baustelle. Und das ist zugleich auch Kern eines der größten Probleme des Landes.

Al-Wakrah-Stadion

Fließende Formen, die an eine Muschel oder ein Schiff erinnern, und die eine veritable konstruktive Herausforderung bedeuten: Das Al-Wakrah-Stadion stammt aus der Feder von Zaha Hadid Architects. Bis auf die spektakuläre Dachkonstruktion ist die Arena für rund 45.000 Zuschauer nahezu fertiggestellt


Schon jetzt sind unter den Menschen, die die winzige Halbinsel im Persischen Golf bevölkern, nur zehn Prozent Einheimische. Ihnen stehen allein geschätzte 500.000 Inder gegenüber, die in Katar arbeiten. Mit ihnen und unzähligen Gastarbeitern aus anderen Ländern beginnt das unerfreulichste Kapitel dieser WM. Denn Berichte über die aberwitzigen Arbeitsbedingungen auf den Baustellen Katars machen seit Jahren die Runde.

Die hässliche Seite des schönen Spiels

So kommt es auf den Baustellen in Katar in bedenklicher Häufung zu Todesfällen, die zumeist entweder auf Herzversagen infolge von fortgesetzter Arbeit in der prallen Sonne (bei 45 Grad im Schatten) oder auf durch Arbeitsunfälle verursachte schwerste Verletzungen zurückzuführen sind. Regelmäßig ist auch von einer als Druckmittel gebrauchten Säumigkeit bei der Auszahlung der Löhne bis hin zur Verweigerung der Ausreise die Rede. Ursache dafür ist das offenbar noch während des Vergabeprozesses der WM in Katar eingeführte Kafala-System, welches alle Gastarbeiter an einen einheimischen Bürgen bindet. Um diese Funktion sicherzustellen sieht es vor, dass der Bürge, bei dem der betreffende Ausländer in der Regel auch angestellt ist, dessen Pass für die vertraglich vereinbarte Dauer des Arbeitsverhältnisses einzieht.
Diese Konstruktion eröffnet der Ausbeutung und Entrechtung natürlich Tor und Tür und führt offenbar, speziell bei Arbeitern aus armen Ländern wie Indien oder Nepal, zur Erpressung und dem Zwang zur Arbeit selbst unter widrigsten Umständen. Derartige Zustände riefen bereits vor Jahren die Menschenrechtsorganisation Amnesty International auf den Plan, die angesichts der Zustände von modernem Sklaventum sprach. Die seit einiger Zeit durch die Presse geisternden Horrorzahlen von mehreren tausend Toten sind allerdings auf die unsaubere Recherche des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) zurückzuführen und tauchen auch in den Berichten von Amnesty International nicht auf.


Fotos | Doha News, FIFA, Lusail Real Estate Development, Supreme Committee of Delivery and Legacy, The Architects Journal, Vision4venue, Wikipedia