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Wo bleibt die deutsche Luftwaffe?


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Flugzeug Classic - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 10.10.2022

Grumman F6F Hellcat

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Bildquelle: Flugzeug Classic, Ausgabe 11/2022

Zeigt sich als Jagdbomber über der französischen Provence sehr effektiv: Grumman F6F-5 Hellcat. Unter ihnen die »White 23«, eine Maschine der VF-74, stationiert auf dem Träger USS Kasaan Bay. Standardbestückung bei vielen ihrer Angriffsflüge während »Operation Dragoon« ist eine einzelne 225-Kilogramm-Bombe unter dem rechten Innenflügel

Es ist »D-Day South«. Am 15. August 1944, in den frühen Morgenstunden, beginnt im Rahmen von »Operation Dragoon« das zweitgrößte amphibische Landungsunternehmen während des Zweiten Weltkriegs in Europa, schlicht »die zweite Invasion«. Vorrangiges Ziel: die deutsche Wehrmacht aus ganz Südfrankreich zu vertreiben. Glanzvoller Schauplatz: Die malerische Côte d’Azur zwischen Toulon und Cannes. Den nötigen Luftschirm übernehmen die Trägerflugzeuge der Task Force 88*. Der britisch-amerikanische Mischverband setzt sich aus den Kampfgruppen TF 88.1 und TF 88.2 mit je fünf respektive vier Trägerschiffen zusammen – alles Geleitflugzeugträger, Baby Flattops heißen sie im Truppenjargon der Amerikaner. Nichtsdestoweniger ist es ein eindrucksvolles Aufgebot, das sich vor der französischen Riviera zusammengefunden hat.

* darunter 220 Jagdflugzeuge (97 Supermarine Seafire, 71 Grumman Hellcat, 52 ...

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... Grumman Wildcat)

Und doch eher bescheiden, verglichen mit dem, was die US-Marine zeitgleich gegen das japanische Kaiserreich mobilisiert …

Während zur TF 88.1 ausschließlich Geleitträger unter britischer Flagge zählen, dampfen im Schwesterverband zwei Baby Flattops der U.S. Navy mit: Die Kasaan Bay (CVE-69) sowie die Tulagi (CVE-72). Mehr an entsprechender Unterstützung kann Washington nicht leisten– zu umfangreich ist das Engagement im Pazifik. Im Gegensatz zu beiden amerikanischen Schiffen trägt auf britischer Seite einzig die HMS Emperor, die zur TF 88.1 gehört, Grumman Hellcats an Bord. Ansonsten setzt die Royal Navy vor Ort in der Mehrheit auf die Supermarine Seafire.

Premiere über Europa

Bekanntlich sind Grummans robuste Höllenkatzen ohnehin eher eine Ausnahme am Himmel Europas. Bis dato sind sie dort lediglich in britischen Farben anzutreffen. Operation Dragoon sorgt jetzt nicht nur für das umfangreichste Gastspiel der Hellcat auf europäischer Bühne, sondern gleichermaßen dafür, dass sie hier erstmals auch im bunten Rock von Uncle Sam auf den Brettern steht.

Überdies bemerkenswert: Mit der Observation Fighter Squadron 1 (VOF-1) hat sich an Bord der USS Tulagi eine durchaus illustre Truppe eingefunden. Schließlich tragen deren Flugzeugführer quasi zwei Hüte auf dem Kopf. Zum einen den des klassischen Jagdund Jagdbomberpiloten, zum anderen den des Artillerie- und Beobachtungsfliegers. Während Operation Dragoon soll VOF-1 die Küstenverteidigung aus der Luft ebenso ausspähen wie deren Geschütze im direkten Zusammenspiel mit der eigenen Schiffsartillerie präzise ausschalten. Seit Ende 1943 hat man die Männer fundiert auf diese anspruchsvolle Mehrfachrolle vorbereitet.

Anfangs mit der Vought F4U-1 Corsair ausgerüstet, muss VOF-1 im März 1944 auf die F6F-3 umsatteln – keineswegs zur vollen Begeisterung der Piloten. Mitte Juni übernimmt man dann 28 brandneue F6F-5; zum Monatsende wird VOF-1 mit insgesamt 24 jener Flugzeuge der USS Tulagi zugeteilt.

Im Gegensatz dazu ist die Fighting Squadron 74 (VF-74), welche die U.S. Navy als zweite Hellcat-Gruppe zum Kampf über die Provence schickt, weniger für die taktischen Feinheiten von Operation Dragoon gerüstet.

Viele Flugzeugführer brennen darauf, sich gegen die deutsche Luftwaffe zu beweisen.

Eilig ist sie offiziell in der zweiten Märzhälfte 1944 aufgestellt worden. Bis dahin haben die meisten Piloten kaum Ahnung von der Jagdfliegerei. Ergo folgt bis Ende Mai hartes wie intensives Training auf der F6F-3. Klassischer Luftkampf hat Vorrang, Jagdbomberei bleibt Nebensache. Ebenso wie VOF-1 übernimmt VF-74 Mitte Juni werksfrische F6F-5, um sich zum Monatsende damit auf der USS Kasaan Bay einzuschiffen. Ferner zählen zum Bestand der Gruppe sieben F6F-3N-Nachtjäger, die man gleichfalls mit an Bord nimmt. Dass sich jene Maschinen mit Raketengeschossen unter den Tragflächen bestücken lassen, ist ungewöhnlich bei der »Dash-3«-Version – wahrscheinlich hat die Truppe in Eigenregie dafür gesorgt.

Kaum Gegenwehr

Beide Trägerjagdgruppen dürfen nun mit ihren fabrikneuen Hellcats erst einmal gegen die Deutschen und nicht gegen die Japaner antreten. Umso mehr brennen viele Flugzeugführer darauf, sich quasi exklusiv im Kampf gegen die deutsche Luftwaffe zu beweisen – ein Gegner, der nach wie vor als sehr respekteinflößend beschrieben wird. Nachdem jedoch die Landungsflotten vor der Côte d’Azur angelangt haben und die ersten alliierten Soldaten in den frühen Morgenstunden des 15. August 1944 an Land waten, gibt es vielerorts weit weniger Widerstand als zuvor erwartet.

Britische Hellcat über Südfrankreich

Beim Fleet Air Arm (FAA) nimmt nur die 800 Naval Air Squadron (NAS) auf der HMS Emperor mit Hellcat Mk.I an »Operation Dragoon« teil. Optisch auffällig: Manche tragen im Gegensatz zu allen anderen FAA-Flugzeugen Invasionsstreifen. Ein Relikt, das vom ursprünglich geplanten Einsatz der 800 NAS über der Normandie stammt. Viele Maschinen sind schon umlackiert, als man die HMS Emperor unerwartet ins Mittelmeer abkommandiert. Ähnlich wie VF-74 und VOF-1 fliegt die 800 NAS meist weiträumig bewaffnete Aufklärung. Während »Operation Dragoon« absolviert sie 252 Kampfeinsätze. Elf Flugzeuge fallen Flak oder Unfällen zum Opfer und zwei Piloten werden getötet, ehe die HMS Emperor am 24. August 1944 ins östliche Mittelmeer abfährt. Ab 2. September bekämpft die 800 NAS dort See- und Landziele, etwa auf Milos, Kreta oder Rhodos. Am 20. November geht es zurück nach Hause – das Intermezzo britischer Hellcat im Mittelmeer ist vorbei.

Das gilt auch aus und in der Luft. Ohne an dieser Stelle tiefer ins Detail zu gehen, fehlen der deutschen Luftwaffe dazu weitgehend die Mittel. Zwar soll bei Tagesanbruch ein »maximaler Einsatz von KG 26 und der III./KG 100 gegen die Schifffahrt im Raum Toulon-Marseille« stattfinden. Tatsächlich bleiben die Landungsflotten bis in die Nachtstunden hinein unbehelligt. In dieser Hinsicht bekommen die beiden amerikanischen Hellcat-Gruppen nichts zu tun. Vielmehr sind sie vollauf damit beschäftigt, nicht zuletzt Stellungen der Küstenartillerie mit Bomben, Raketen und Bordgeschützen auszuschalten beziehungsweise es zu versuchen. Oft genug sind die Resultate ihrer Bemühungen nämlich nicht zweifelsfrei zu erkennen.

Erst in den Abend- und Nachstunden finden einzelne, in kleinen Grüppchen vorgetragene Luftangriffe auf die Landungsflotten statt. Die wenigen gefechtsklaren Ju-88-Torpedoflugzeuge der I./KG 26 bleiben dabei erfolglos. Deren Einsatz ist zugleich der letzte derartige Angriff deutscher Kampfflugzeuge über dem Mittelmeer. Von Norden her pirschen sich hingegen geschickt einige Do 217 der III./KG 100 heran. Bewaffnet sind sie mit funkferngesteuerten HS-293-Gleitbomben. Eine davon trifft vor Saint-Raphaël das amerikanische Panzerlandungsschiff LST 282. Es läuft im Anschluss brennend auf den Strand und wird aufgegeben. Gleichzeitig ist LST 282 das letzte Schiff, welches im Zweiten Weltkrieg einer deutschen Lenkwaffe vollständig zum Opfer fällt.

Wo bleiben hier eigentlich die Nachtjäger der VF-74? An sich ist die ganze Staffel seit 12. August nach Korsika verlegt worden, in erster Linie, um jegliche Feindflugzeuge von dort fernzuhalten. Zwischen dem 15. und 19. August fliegen jedoch stets zwei Maschinen kurz vor Sonnenuntergang auf die USS Tulagi. Hier bleiben sie die ganze Nacht über in Abfangbereitschaft, ehe sie bei Tagesanbruch wieder auf die Insel zurückkehren. Alles für die Katz, das sei vorweggenommen. Falls sich deutsche Widersacher überhaupt am Nachthimmel Korsikas oder dem vor der Küste Südwestfrankreichs zeigen, gelingt es nie, auch nur einen von ihnen zu stellen.

Während der ganzen »Operation Dragoon« ist und bleibt bewaffnete Aufklärung das uneingeschränkte Kerngeschäft der Hellcat. Zusammen mit dem gesamten Schienen-, Brücken- und Straßennetz sind besonders Lokomotiven, motorisierte Nachschubkolonnen oder Truppenansammlungen bevorzugte Angriffsziele. Viele Piloten sind ehrlich erstaunt über die verheerende Wirkung, die das kon-zentrierte Feuer aus ihren sechs 12,7-mm-MG dabei entfalten kann. Nach Möglichkeit greifen die Flugzeugführer genau so der eigenen Infanterie direkt unter die Arme. Auf Zuruf leisten sie Luftnahunterstützung, zum Beispiel dann, wenn Bunkerstellungen zu knacken sind. Kein einfaches Unterfangen. Trotzdem gibt jeder von ihnen bereitwillig sein Bestes – egal, ob man ihn dafür geschult hat oder nicht.

Zäher Gegner: Flak

Gefährlichster Gegenspieler ist von Anfang an die deutsche Flak mit ihrer oftmals erbitterten Gegenwehr. Immer wieder gelingt es den Richtschützen, einzelne Hellcats mehr oder minder stark in Mitleidenschaft zu ziehen oder in Einzelfällen sogar zu verscheuchen. Die ersten Totalverluste sind hier am späten Nachmittag des 17. August zu beklagen: Beim Angriff auf eine Panzerkolonne im Gebiet westlich von Lambesc büßt VF-74 zwei ihrer Flugzeuge samt Piloten durch konzentriertes Abwehrfeuer ein.

Die deutsche Luftwaffe macht sich dagegen weiter rar über den Operationsgebieten von VF-74 und VOF-1, obschon in den Nächten vom 16., 17. und 18. August wiederholt Störaktionen gegen die Landungsflotte oder die nahe gelegenen Strandabschnitte stattfinden, und dass bevorzugt mit Fernlenkwaffen, ohne damit wirklich spürbaren Schaden anzurichten. Danach materiell wie personell ausgezehrt, sind die deutschen Kampfflieger zu keiner ernsthaften Gegenanstrengung mehr an der Südfront in der Lage. Zum Teil nimmt man ihre Verbände gänzlich aus dem Einsatz oder zieht sie tiefer ins Rhônetal beziehungsweise nach Deutschland zurück.

Die alliierten Truppen bleiben dem Gegner hart auf den Fersen.

Erste Luftsiege

Am 19. August verbuchen amerikanische Hellcats schließlich ihre ersten Abschusserfolge über Europa. Seit zwei Tagen ist die Wehrmacht planmäßig dabei, Süd- und Südwestfrankreich zu räumen und sich allgemein nach Norden abzusetzen. Lediglich Marseilles sowie Toulon sind Festungen, die es zu halten gilt. Die alliierten Truppen bleiben dem Gegner hart auf den Fersen, immer weiter nach Südwesten und ins Rhônetal hinauf. Wie gehabt auf bewaffneter Aufklärung, überraschen vier F6F-5 der VF-74 an jenem Morgen im Raum Valence einen einzeln fliegenden deutschen Bomber, allem Anschein nach eine Ju 88 A-17 der 4./KG 26. Die Amerikaner machen kurzen Prozess, ähnlich dann am Nachmittag, als sich sechs Maschinen der VF-74 gemeinsam auf eine Do 217 des KG 100 stürzen. In Flammen geschossen, schlägt die Maschine nördlich von Issoire am Boden auf und explodiert.

Wenig später gelangt die VOF-1 ebenfalls zu ersten Luftsiegen. Gleichfalls über dem Rhônetal unterwegs, erspähen vier ihrer Hellcats im Raum Vienne zwei deutsche Kampfflugzeuge. Das eine hält weiter Südkurs, das andere macht sich Richtung Norden davon. Vergeblich. Paarweise setzen die Jäger ihrer jeweiligen Beute nach. Das erste Opfer, allem Anschein nach eine weitere Ju 88 A-17 des KG 26, stürzt brennend nördlich Vienne in ein Waldstück. Die beiden anderen Hellcats zwingen weiter südlich eine He 111 H-11 zur Bauchlandung. Offenbar handelt es sich um ein Verbindungsflugzeug, das zum Stab der II./KG 26 zählt, und am Boden endgültig vom den Flammen verzehrt wird. Danach treten alle vier F6F-5 geschlossen den Rückflug nach Süden an. Dabei kreuzt erneut ein Kampfflugzeug der Luftwaffe ihren Kurs, wohl wieder eine Ju-88 A-17 des KG 26. Minuten später heftet sich VOF-1 den dritten Luftsieg an die Fahnen.

Verluste im Gegenzug

Der bittere Ausgleich folgt postwendend. Wenngleich beide Gruppen mit ihren F6F-5 buchstäblich dutzendweise Züge, Lastwagen und sonstige Gefährte bis hin zu Lastkähnen zerstören, verlieren sie über die nächsten zwei Tage hinweg insgesamt fünf der Flugzeuge im Gefecht. Dabei finden drei Piloten den Tod. Unter ihnen ist der Kommandeur der VF-74. Er streift im Tiefflug ein Hindernis. Der Zusatztank reißt vom Rumpf, Sekunden später ist seine Hellcat außer Kontrolle. Sie schlägt auf und explodiert.

Losgelöst davon werden fünf F6F-3N am 20. August vorübergehend auf die USS Tulagi zurückbeordert. Sie sollen bei Nacht Jagd auf das bisschen Seeverkehr machen, zu dem die Deutschen vor der Küste der Provence noch in der Lage sind. Greifbare Resultate bleiben aus. Vielmehr kostet das Unterfangen einem der Jagdflieger das Leben. Am folgenden Morgen, auf der Rückverlegung nach Korsika, verschwinden er und seine Maschine spurlos.

Die letzten Kämpfe

Über Land erringen zwei Flugzeugführer der VOF-1 dagegen am Nachmittag jenes 21. August die letzten Luftsiege, die Grummans bullige Höllenkatze für die U.S. Navy über Europa verbucht. Nördlich von Orange stöbern sie drei deutsche Transportmaschinen auf, die in Bodennähe nach Süden fliegen. Es handelt sich um Ju 52/3m aus den Reihen der 6./TG 3. Die behäbigen Junkers verstehen sich teilweise gut zu wehren, ziehen aber kaum überraschend den Kürzeren. Die Amerikaner melden drei Abschüsse, die deutsche Seite indessen zwei Totalverluste.

Nach einer Woche fortwährender Kampfhandlungen zieht man die TF 88.2 in den Abendstunden vorübergehend an die Nordostspitze Sardiniens ab. Während den Piloten Erholung vergönnt ist, darf das technische Personal reparieren und zusammenflicken, was das Zeug hält … Beschussschäden an den Flugzeugen gibt es wahrlich genug. Am 23. August geht es wieder zurück ins ursprüngliche Einsatzgebiet, um hier die TF 88.1. abzulösen. Tags darauf kehren die F6F-3N-Nachtjäger endgültig zurück an Bord. Danach baut man ihre Radargeräte aus und rüstet die Flugzeuge zur Tagjagd um.

Von 26. August an verbleiben nur mehr die amerikanischen Baby Flattops vor Ort, um die Stellung zu halten. Bis zuletzt steht mit Vorrang bewaffnete Aufklärung auf der Tagesordnung von VF-74 und VOF-1. Letztere kommt ferner ihrer speziellen Aufgabe als Artillerieerkunder nach. Wiederholt stehen ihre Hellcats eigenen Kriegsschiffen beim Beschuss deutscher Küstenbatterien auf der Insel Ratonneau zur Seite.

Im Regelfall aber dringen beide Trägerjagdgruppen mit ihren F6F-5 tief nach Norden die Rhône entlang vor. Wie üblich beschießen oder bombardieren sie dabei in großem Stil praktisch alles, was sich am Boden lohnend findet. Die Flak zeigt sich nach wie vor brandgefährlich, mehr als einmal müssen einzelne Maschinen Federn lassen. Weitere Gefechtsverluste an Flugzeugen oder Piloten bleiben beiden Trägerjagdgruppen allerdings erspart.

Erfolgreicher Auftritt

Im Gegensatz zur deutschen Wehrmacht. Als am Nachmittag des 29. August die letzte Angriffsmission der U.S.-Navy-Hellcats über europäischem Boden zum Abschluss gekommen ist, sind innerhalb von 13 Tagen schätzungsweise 800 Fahrzeuge sowie mehr als 80 Lokomotiven von ihnen zerstört oder oft schwer beschädigt worden. Der Preis dafür: Elf eigene Flugzeuge sind durch Feindeinwirkung oder Unfälle verloren gegangen, sechs Piloten sind gefallen beziehungsweise bleiben vermisst.

Sie beschießen oder bombardieren alles, was sich am Boden lohnend findet.

Bei der VF-74 bedauern die Flugzeugführer vor allem, dass sie kaum im Luftkampf zum Zuge kamen. Stattdessen mussten sie sich als pure Jagdflieger über Südfrankreich den taktischen Zwängen anpassen und ständig Bodenziele angreifen. Wie gesagt ein Handwerk, das man bei der VOF-1 von vornherein besser versteht. Entsprechend zwiespältig fällt deshalb deren Urteil über die F6F-5 als Jagdbomber aus. Während man es bei der VF-74 kaum anders wissen kann, halten viele Piloten der VOF-1 die F4U Corsair hier für das geeignetere Flugzeug. Unter anderem, weil sie schneller fliegt, stärker beschleunigt und mehr Reichweite hat. Oder weil sie die Sichtverhältnisse aus dem Cockpit weit besser für Beobachtungsaufgaben prädestinieren. So oder so: Das einzige Gastspiel amerikanischer F6F auf europäischer Bühne geht mit bemerkenswertem Erfolg zu Ende. Lesen Sie einer kommenden Ausgabe von Flugzeug Classic, wie es im Pazifikraum für die Hellcat weiterläuft.

Bisher zur Grumman F6F erschienen:

FC 08/19 Geburt des »Aces Maker«

FC 12/19 Bereit zum Gegenschlag

FC 06/20 Gut vorbereitet

FC 02/21 Riskante Jagd im Dunkeln

FC 10/21 Fließend verbessert

FC 01/22 Showdown über die Philippinensee

FC 06/22 Im Dienste seiner Majestät