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Wo der Genuss zu Hause ist


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plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 07.09.2022
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Gute Aussichten: Im Pfälzer Wald werden Dörfer und Städtchen von Weinbergen eingerahmt

SiebenRaben weisen den Weg ins Schlaraffenland, zu Lilo Glauners und Andrea Siegels Schlemmerparadies im Pfälzer Wald, das genau so heißt: „Restaurant 7 Raben“. „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken?“ Die Fragen, die nicht nur die sieben Zwerge, sondern auch die sieben Raben aus dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm stellen – die beantwortet Lilo Glauner mit einem Lächeln. Bei ihr wird jeder satt, der das Restaurant der nachhaltig kochenden Pfälzerin besucht.

Leckere Fläschknepp

Verwunschen liegt das Lokal am Waldrand im Jägertal, ein paar Kilometer außerhalb von Bad Dürkheim. Wer den üppig blühenden Garten betritt, steht mittendrin – zwischen Tischen und Stühlen, weiß und rosa blühenden Hortensien. Was auf den Tisch kommt, stammt aus der reichhaltigen Schatzküche, pardon Schatzkiste, der Pfalz. „Jetzt im Herbst koche ich besonders gern Wild. Das ...

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... stammt aus der Region, ist nachhaltig und kommt direkt vom Jäger: Reh, Wildschwein und Hirsch“, sagt Lilo Glauner. Natürlich gibt es auch typisch Pfälzisches: eine Brotzeit aus „Bratwurstfüllsel“ (dafür wird eine Bratwurst aufgeschnitten und mit Zwiebeln und allerlei Gewürzen angemacht) oder helle „Fläschknepp“, wie Frikadellen in der Pfalz heißen, die mit Salzkartoffeln und Meerrettich serviert werden. „Natürlich wird alles frisch zubereitet. Genau wie die Sellerieschnitzel und Grünkernbratlinge für alle Gäste, die vegetarisch essen“, erklärt die 66-Jährige. Ihren legendären Walnusslikör aus schwarzen Walnüssen hat sie zum Glück schon angesetzt – den sollte man nach dem Essen zum Abrunden der Mahlzeit unbedingt probieren.

Alte Reben mit Geschichte

Das Biosphärenreservat Pfälzerwald ist eine von der UNESCO initiierte Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht verwirklicht werden soll. Vor allem aber steht die Pfalz für Genuss und gutes Essen, typisch für Gegenden, in denen Wein angebaut wird.

Die Römer haben ihn aus dem Süden mitgebracht, mehr als 2 000 Jahre Erfahrung fließen inzwischen in den Weinanbau der Pfalz. Viele Winzer werden deshalb regelmäßig für ihre Weine ausgezeichnet. Bei den meisten kann man einfach anklopfen, probieren und direkt einkaufen. Vor allem im Herbst bieten sie in Hof und Garten neben dem Wein auch eine Auswahl regionaltypischer Gerichte an. Wie im Weingut Siener in Birkweiler.

Der Familienbetrieb wird in der dritten Generation geführt, die vierte – Paula (13) und Helena (11) – steht schon in den Startlöchern. Zum Federweißen gibt es traditionell Zwiebelkuchen unter den Sonnenschirmen im Garten, aber auch andere Pfälzer Gerichte wie Spießbraten und Würste. Die 300 Sitzplätze vor dem Haus sind von Riesling- und Spätburgunder-Reben eingerahmt. Der Wein ist hier immer und überall gegenwärtig. „Die Natur ist unser Arbeitgeber“, so Denise Siener (51), die mit ihrem Mann Peter das Gut an der Südlichen Weinstraße führt. Die 51-Jährige freut sich, „dass sich die Weinkultur so positiv entwickelt“. Damit meint sie nicht nur die immer bessere Qualität der edlen Tropfen, sondern auch die Lebensfreude, die mit den Weinfesten ins Land eingekehrt ist.

„Jetzt im Herbst bereite ich sehr gern Wild zu – es kommt direkt aus unserer Region: Reh, Wildschwein und Hirsch“

Lilo Glauner (66) vom Restaurant „7 Raben“

Die Feiern des Mittelalters

Das größte und älteste findet jedes Jahr in Bad Dürkheim statt. Es ist sogar das größte Weinfest der Welt: Ab dem 9. September dreht sich dann neun Tage und Nächte lang alles um das pfälzische Kultgetränk. Der „Dürkheimer Wurstmarkt“ ist ein Volksfest mit Weinständen, Riesenrad, Tanz-Zelten, Imbissbuden und Verkaufsständen, das jedes Jahr über 600 000 Besucher in die 18 000 Einwohner zählende Kurstadt an der Weinstraße lockt. Das Fest hat eine lange Tradition: Schon 1417 hat man hier gefeiert. Immer mehr Pilger, die zum Wallfahren auf den Michaelisberg in Nähe der Stadt zogen, brachten die Bauern und Winzer des Umlands auf die Idee, ihre Produkte mit Schubkarren auf den Kapellenberg zu schaffen. Es entstand ein reges Markttreiben. Die hungrigen Pilger freuten sich über Brot, Wurst und Wein.

Musikanten, Gaukler und Händler kamen nach und wollten auch ihren Teil vom Geld abhaben, bis der Markt im 16. Jahrhundert aus Platzgründen an den Fuß des Hügels zog, auf die 45 000 Quadratmeter großen Brühlwiesen links des Flüsschens Isenach, wo der Jahrmarkt bis heute stattfindet.

Wer nicht nur Trink- und kulinarische Genüsse schätzt, sondern auch gern wandert, für den ist der Pfälzer Wald mit seinem ausgedehnten Wegenetz ein perfektes Urlaubsziel. Gleich hinter Bad Dürkheim führt ein Pfad hinauf zur Haardt, ein 30 Kilometer langer Mittelgebirgszug am Ostrand des Pfälzer Waldes. Der Ausblick von oben reicht weit übers Rheintal bis nach Ludwigshafen und Mannheim. Herrliche, von alten Kastanienbäumen, Buchen, Birken und Eichen gerahmte Wanderwege durchziehen das Grün. „An guten Tagen können Sie von hier bis Heidelberg sehen“, schwärmt Joachim Hey, der seine Gäste auch wegen des schönen Ausblicks hinaufführt. In Richtung Westen kann man die Klosterruine Limburg entdecken und gleich dahinter die Schlossund Festungsruine Hardenburg. „Man stolpert hier eigentlich alle paar Meter über Geschichte“, sagt der 53-jährige Fremdenführer lachend. Über das Weingut Weilberg zum Beispiel, vier Kilometer südlich von Bad Dürkheim, das schon von den Römern genutzt wurde. Die große römische Villa samt Tretkelleranlage wurde erst 1981 entdeckt, freigelegt und zehn Jahre später reaktiviert: Die Trauben werden hier wie damals mit Füßen getreten, um Most zu machen.

"Wein ist für m ich Kultur, Lebensfreude und Geselligkeit"

Joachim Scheuermann (56) vom Weingut Bassermann-Jordan

Es ist eine alte Kulturlandschaft, die sich durch den Pfälzer Wald zieht, der mit einer Fläche von 180 000 Hektar das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands ist. Auch ein Symbol der deutschen Demokratie-Bewegung findet man hier: das Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße. Im Mittelalter als Burg erbaut und in der Neuzeit schlossartig erweitert, fand dort vom 27. Mai bis 1. Juni 1832 das „Nationalfest der Deutschen“ statt. Rund 25 000 Menschen strömten auf die Burg, weil die Pfälzer gegen die Repressionen der bayerischen Verwaltung rebellieren wollten.

Aktion für mehr Freiheit

Die Regierung hatte nach 1816 wichtige Zugeständnisse wieder zurückgenommen, die den Pfälzern während der Zugehörigkeit zu Frankreich gewährt worden waren. Und weil die Bayern, die damals über die Pfalz regierten, eine strenge Zensur einführten und politische Kundgebungen verboten hatten, gaben die Organisatoren des Hambacher Festes ihre Versammlung schlicht als „Volksfest“ aus.

Zahlreiche Touristen kommen auf ihren Ausflügen über die herrlichen Wanderwege der Pfalz an diesen geschichtsträchtigen Ort. Sie wandern hinauf auf den Teufelstisch, eine spektakuläre Felsformation, besuchen die Burgruine Neudahn, das beeindruckende Burgenmassiv Altdahn oder die weithin sichtbaren Reste der Burg Drachenfels, die auf zwei steilen, schmalen Sandsteinfelsen thront. Mit über 1 800 Sonnenstunden macht es die Region im Südwesten Deutschlands den Wanderern leicht: mit einem Klima, das ans Mittelmeer erinnert und sogar im Herbst zu ausgiebigen Touren einlädt.

Immer wieder geht es dann durch die Rebberge, in denen Erntehelfer bei der Arbeit sind. Winzer und Weinbautechniker Joachim Scheuermann vom Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan genießt den frühen Herbst, diese aufregende Zeit in den Weinbergen, und koordiniert das Gewusel der Arbeiter. Und wird dafür jeden Tag aufs Neue mit herrlichen Ausblicken belohnt – auf die Trauben und in die Weite.

Helmut Kohls Saumagen

„Wein ist für mich viel mehr als ein Getränk, er ist Kultur, Lebensfreude und Geselligkeit.“ Dafür legt sich der Pfälzer mit seinen Kollegen mächtig ins Zeug, schließlich hat das Weingut einen Ruf zu verteidigen. Seit über 300 Jahren beeinflusst die Familien-Dynastie den Weinbau in der Region. Unten im Tal, in Deidesheim mit seinen schönen rebenbewachsenen Fachwerkhäusern, aber auch in Neustadt an der Weinstraße oder einem der 144 anderen pfälzischen Orte, in denen der Wein den Ton angibt, wird Gastfreundschaft großgeschrieben. Und nicht nur Wanderer können sich hier für den nächsten Ausflug in prächtigen Wirtshäusern und romantischen Weinschänken stärken. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl hat es vorgemacht und immer wieder internationale Politiker in seine Heimat zum Essen eingeladen: Margret Thatcher war hier, Boris Jelzin und natürlich Michail Gorbatschow. Kohls Überlegung war ebenso einfach wie einleuchtend: Was, bitte, schafft denn eine bessere Basis für harmonische Verhandlungen als ein leckeres Essen und ein guter Tropfen?

Vielleicht hat der berühmte köstliche Saumagen vom Metzger Klaus Hambel aus Wachenheim an der Weinstraße ja auch im nicht politischen Leben den einen oder anderen Vertrag vorbereitet und zu einem guten Abschluss geführt. Was überhaupt drin ist in der legendären Pfälzer Spezialität? „Eigentlich nur Schweinebrät, Kartoffeln und frische Gewürze“, erklärt der 61-jährige Metzger. Zwei weitere Zutaten machen den Saumagen dann perfekt: eine gute Portion Liebe zum echten Handwerk und den regionalen Produkten sowie eine ordentliche Prise Stolz auf die ländlichen Traditionen der Pfalz.

„Man stolpert hier alle paar Meter über Geschichte“

Joachim Hey (53) zeigt Touristen gern die schöne Pfalz

Sie haben Lust auf einen Pfälzer Wein bekommen? Gute Tropfen aus Deutschland Seite 53

Tipps für Ihre Reise in den Pfälzer Wald

ENTDECKEN

Das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen ist ideal für kleine und große Wanderungen. Die meisten orientieren sich an den zwei Hauptwegen: dem 143 km langen Pfälzer Waldpfad von Kaiserslautern nach Schweigen-Rechtenbach und dem 172 km langen Pfälzer Weinsteig, der entlang des Haardtgebirges von Bockenheim bis Schweigen-Rechtenbach führt. Etwa 7 000 km markierte Wanderwege gibt es hier und mehr als 100 urige Pfälzer-Wald-Hütten. Besonders beliebt sind der 12 km lange Dahner Felsenpfad mit seinen spektakulären Felsformationen und der 15 km lange Hauensteiner Schusterpfad, entlang leuchtend roter Buntsandsteinfelsen und toller Aussichtspunkte.

Unter www.pfaelzerwald.de und www.pfalz.de gibt es ausführliche Wandertipps.

Der Dürkheimer Wurstmarkt

ist vor allem ein großes Wein-Volksfest, das jedes Jahr in Bad Dürkheim stattfindet. Mit Fahrgeschäften, Markthändlern, köstlichem Essen, Jazzkonzerten und Feuerwerk. Termin: 9. – 13. und 16. – 19. September www.bad-duerkheim.de

ESSEN & TRINKEN

Restaurant 7 Raben in Bad Dürkheim: Aus Wild und Gemüse der Region zaubert Lilo Glauner köstliche Gerichte wie aus Großmutters Kochbuch. www.sieben-raben.de

Weingut Siener in Birkweiler: Im Weinpavillon und Garten werden zum hauseigenen Tropfen regionale Spezialitäten wie Pfälzer Knödel mit Blut- und Leberwurstfüllung serviert. www.weingutsiener.de

ÜBERNACHTEN

Hotel Ritter von Böhl: Idyllisch mitten im Ortskern von Deidesheim gelegen. DZ ab 98 Euro. www.ritter-von-boehl.de

Gartenhotel Heusser in Bad Dürkheim: Mit Spa – perfekt für ein Wellness-Wochenende. DZ mit Halbpension ab 216 Euro. www.hotel-heusser.de

EINKAUFEN

Metzgerei Hambel: Klaus Hambel hat sich auf sechs Produkte spezialisiert: Saumagen (auch mit Trüffel), Leberknödel, Leberwurst, Schwartenmagen, Blut- und Bratwurst. Alles kann man im Restaurant „Hambels“ in Wachenheim probieren. www.metzgerei-hambel.de