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Wo der Willys ist, ist auch ein Weg: 1951er Willys-Overland Station Wagon


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 14.03.2019

Heutzutage sind wir mit unzähligen Autos, die zur Kategorie des Lifestyle-Crossover gehören, umgeben. Aber als vor über 70 Jahren Willys Overland sein Model Station Wagon 1946 vorstellte, gab es weltweit nichts Vergleichbares.


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Bildquelle: Gasoline, Ausgabe 2/2019

Nach vielen Jahren im Dienste des dänischen Zivilschutzes wurde er technisch überholt, neu lackiert und wieder auf die Straße gebracht. So habe ich ihn gekauft


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Ob mich beim Kauf dieses Autos interessierte, dass die Karosserie der große Brook Stevens entworfen hatte? Eher nicht. Und ob dieses Modell der erste werksseitig gefertigte Ganzstahl-Kombi in den USA war? Nein, mit solchen Gedanken habe ich meinen Kopf bei der Besichtigung nicht belastet. Dass der Station Wagon sehr praktisch ist, viel Platz offeriert und alle Sitze (mit Ausnahme des Fahrersitzes) vollständig entfernt werden können? Nee. In erster Linie wollte ich ein Auto, das ich aus meiner glücklichen Kindheit in Argentinien gut kannte.

Ja, das Straßenbild in Buenos Aires prägte meine Kindheit, und die Autos faszinierten mich so richtig seit Mitte der 60er-Jahre. (Ich bin Jahrgang 1961, geboren in Argentinien.) Damals teilten sich das amerikanische und europäische Autodesign das Straßenbild in Argentinien. Aber schätzungsweise 70 % der Fahrzeuge waren doch Amis. In den 30ern bis 50ern hatte man alle Autos importiert, meistens aus den USA. So fuhren massenweise noch Fords und Chevrolets aus diesen Jahren herum. Ich war hell begeistert vom Design dieser Karossen und wollte nur solche Pkws als Modellautos zum Spielen haben. Mit meiner Schwester und meinen Eltern (Vater Deutscher, Mutter Argentinierin) wohnte ich in einer Wohnung im zweiten Stock. Vom Balkon aus hatte ich einen hervorragenden Blick auf die Höfe in der Nachbarschaft. Manchmal stand ich stundenlang und schaute fasziniert, wie an den Autos herumgeschraubt wurde.

Ende der 50er-Jahre bauten alle großen Automarken aus den USA und Europa eigene Produktionsstätten in Argentinien auf. Ford produzierte Lkws, Pick-ups (z. B. F100) und Pkws (wie den Falcon), Chevrolet auch Lkws, Pick-ups und Pkws (u. a. SS, Nova). Dodge genauso: Lkws, Pick-ups und Pkws (wie den Dart). Bei den amerikanischen Firmen durfte natürlich auch Willys-Overland nicht fehlen. Dieser Hersteller, der 1953 von Kaiser Motors Corporation aufgekauft wurde, nahm nicht nur die komplette Jeep-Palette (mit Ausnahme der Trucks FC150 und FC170), sondern auch seine eigenen Modelle wie den Manhattan nach Argentinien rüber. 1956 wurde die Industrias Kaiser Argentina (IKA) gegründet, und schon im März 1957 rollte der erste Station Wagon vom Band. Er wurde umbenannt in Estanciera, die Pick-up-Version hieß Baqueano und der Utility (Lieferwagen) Utilitario. Der Name Estanciera kommt von Estancia und bedeutet auf Deutsch: Farm. Baqueano wiederum stammt von Baquero, dem spanischen Wort für Cowboy. Der Estanciera war sofort ein Riesenerfolg und wurde bis März 1970 produziert. Und die Europäer? Die kamen mit Fiat (sehr populär war der 600), Renault (mit fast genauso beliebten R4 und R16) und auch Citroën. Mercedes baute nur Busse und Lkws. Wohlbemerkt blieb VW fern, produzierte aber, wie wir alle wissen, in Brasilien.

Requisiten im Handschuhfach: Ohio-Landkarte, Willys-Betriebsanleitung und ein Elvis-Souvenir. Ein Schaltschema-Aufkleber ist auch hier


Willys-Station-Wagon-Prospekte gab es in vielen Ländern und Sprachen, wie dieser in Deutsch


Eine sehr seltene Broschüre als Klapper für den zweifarbigen 51er Jamaica Station Wagon


Unzählige Station-Wagon-Broschüren aus der ganzen Welt gehören zu meiner Sammlung


Warn, der größte amerikanische Geländewagen-Ausrüster, wurde dank Willys bekannt. In seinen Anfängen baute er für Willys das komplette Equipment-Programm auf. Hier die ersten Freilaufnaben, die er für den Station Wagon produzierte. Heute mit einem riesigen Seltenheitswert


Neue Modelle, neue Farben, aber die Aufmachung für die 50er-Jahre-Bedienungsanleitungen blieb gleich


„Hurricane“-Motor-Flyer auf Französisch


Willys Overland hatte nicht nur eine ganze Palette verschiedener Modelle in seinem Angebot, sondern auch zahlreiche Pflegeprodukte mit einem unverkennbaren Style


Das Cockpit des Station Wagon ist luxuriös ausgestattet, ganz im Stil der eleganten 40er-Jahre mit Einflüssen der frühen 50er. Es ist übersichtlich und fahrerfreundlich. An alles wurde gedacht


Mitte der 70er-Jahre wanderten wir nach Deutschland aus. Als ich mit 18 Jahren den Führerschein machte, begann ich eine Ausbildung zum Grafik-Designer und verdiente dabei 400 DM im Monat. Die Verwirklichung meines Traumes von einer Harley oder einem US-Car war weit, weit entfernt. Als Harley-Ersatz kaufte ich mir eine Vespa, die ich stark aufmotzte, und als US-Car Ersatz holte ich mir einen Opel Olympia Rekord P1, Baujahr 1962. Das war der kleine deutsche Chevy Bel Air mit den Panoramascheiben vorne und hinten sowie kleinen Heckflossen. Ich fuhr ihn täglich und im Urlaub mit meiner damaligen Freundin sogar zum Gardasee. Das war 1980. Während ich den Olimpia fuhr, restaurierte ich ihn zugleich, und irgendwann stand er super da. 1990 war Zeit für was Neues, und jetzt kam nur ein US-Car infrage.

Eines Tages sah ich ein Inserat des Jeep Willys Station Wagon. Was ist amerikanischer als der Jeep? Und dazu, wenn er von Willys-Overland kommt? Sofort wurden Erinnerungen aus meiner Kindheit wach. Ich beschloss, mir den Wagen anzuschauen. Der Standort war in der Nähe von Kiel, also ca. 100 km von meinem damaligen Wohnort entfernt. Da traf ich mich mit dem Besitzer zum Frühstück, und bei einer Tasse Kaffee plauderten wir über die Geschichte und den Zustand des Station Wagon, anschließend fuhren wir zum Wagen, der in einer benachbarten Halle stand. Selbstverständlich machten wir eine ausgiebige Probefahrt auf der Straße und im Gelände. Das Fahrzeug wurde in den USA als Zivilfahrzeug hergestellt und nach Dänemark exportiert. Dort ist er zum Militärfahrzeug umgebaut und in Diensten der Schutztruppen als Mannschaftswagen eingesetzt worden, bis man ihn irgendwann ausgemustert hat. Der Vorbesitzer kaufte ihn, überholte ihn sowohl technisch wie auch optisch und ließ das Fahrzeug neu lackieren, aber sein Erscheinungsbild als Mannschaftswagen blieb erhalten. Einen zuverlässigen Eindruck machte der Jeep, er hatte neue Reifen, einige Teile waren sogar neu verzinkt und verchromt. Und der Wagen kam frisch vom TÜV. Es passte alles wunderbar zusammen, und ich war von allem sehr angetan: ein ehrlicher Verkäufer und ein ehrliches Auto.

Modellautos vom Station Wagon gab es weltweit schon immer, in allen Farben und Maßstäben. Hier ein kleiner Teil davon


Aus dem Defroster fördert ein 6-Volt-Ventilator nicht nur warme Luft nach unten in den Innenraum, sondern nach oben an die Frontscheibe


Eine Tafel zum Andenken an die Restaurationszeit ist im Innenraum angebracht. Sie wurde aus Holzresten der Bodenleisten erstellt


Hier können zwei Getrieben geschaltet werden; eines für das normale Fahren mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang sowie ein Untersetzungsgetriebe für Fahrten im schwierigen Gelände mit einem hohen und einem niedrigen Gang. Zusätzlich kann man hier auch die Seilwinde zuschalten


Ein schönes und seltenes Zubehör – original WO-Radio speziell für die 50er- bis 52er-Modelle. Die Radio-Chromblende hat das gleiche Design wie die Armaturen-Anzeigen-Blenden. Auf deutsche Frequenzen habe ich das Radio umgebaut, und ein Eingang für einen externen CD-Spieler ist auch eingerichtet.


Edles Interieur in Elfenbeinfarbe und Chrom mit luxuriösem Zubehör


Typisch für die Zeit: Zwei Autokino-Lautsprecher. Sie sind in Autofarbe lackiert und im Innenraum eingebaut. Man kann sie auch einzeln einstellen


Ein typisches Willys-Zubehör, der HULL-Kompass Streamline aus Bakelite. Er kam schon beim WW2 zum Einsatz und wurde in jeden MB-Jeep eingebaut. Dieser ist ein Modell vom Ende der 40er-Jahre, das für zivile Autos mit geteilter Frontscheibe produziert und mit einer verchromten Halterung zum Anbringen an den mittleren Streben ausgestattet wurde


Ich hatte mir ein paar Tage Bedenkzeit gegeben und dann habe ich zugesagt. Am Wochenende danach fuhr ich auf meiner 51er-Vespa wieder hin, packte sie hinten rein und brauste mit dem Willys, der schon meiner war, heim.

Ich fuhr fünf Jahre täglich durch Sommer- und Winterzeit – er erwies sich als ein sehr zuverlässiges Auto. Irgendwann machten sich Rostschäden an der Heckklappe bemerkbar. Ich nahm ihn genau unter die Lupe und suchte ganz genau nach rostanfälligen Stellen. Wer sucht, der findet. Die Entscheidung fiel dann schnell: Er ist nicht mein Traum-Jeep, und sein Zustand war auch nicht traumhaft oder, genauer gesagt, er war weit davon entfernt. Ich entschied mich, meinen Traum selber zu verwirklichen und selbst in die Hand zu nehmen. Als Nächstes fing ich an, alles auszubauen und geordnet sowie beschriftet in Tüten und Kartons zu packen.

Da ich keine Erfahrung im Schweißen hatte, besuchte ich nach der Arbeit einen Kurs zur Berufsumschulung, und zwar zum Schweißer. Keine Angst, ich plante, meinen Beruf als Grafik-Designer nicht an den Nagel zu hängen, ich wollte nur an meinem Auto so viel wie möglich selber machen. Nach gut sechs Monaten Schweißpraxis in der Schule erledigte ich alle Schweißarbeiten am Jeep selber.

Nachdem ich die Karosserie komplett entlackt hatte und sie für die Lackierung vorbereitet war, ging es mit den unzähligen Umzugskartons voller Kleinteilen weiter. Die wurden nacheinander abgearbeitet: Teile wurden gesandstrahlt, schwarze pulverbeschichtet, andere verchromt oder verzinkt. Viele Teile habe ich in Autofarbe selber lackiert, und Schrauben wurden nach „Willys Jeep Master Parts Book“-Angaben neu beschafft. Nicht alles konnte restauriert werden und einiges fehlte. Was neu gekauft werden musste, kam in eine Extra-Liste. Für das komplette Gummisortiment flog ich nach Argentinien, dort konnte ich alles aus Originalproduktion kaufen, denn da fuhren diese Autos noch herum. Auch das Blechteil zwischen Stoßstange und Grill, was mir fehlte, habe ich dort bekommen. Für die Fußboden-Innenleisten besorgte mir ein befreundeter Tischler das Holz aus den USA, fräste die nach Muster genau nach. Ich sägte sie in die richtige Länge, rundete die Ecken nach, bohrte die Löcher und überzog die Leisten mit Bootslack.

Die Armaturen, Anzeigen und Chromblenden sind für das edle, klassische Art-déco-Design typisch; symmetrisch und mittig im Armaturenblech angebracht mit Knöpfen in Elfenbeinfarbe. Rechts neben dem Lichtschalter besteht noch die Möglichkeit, einen Zigarettenanzünder einzubauen


Die Innenausstattung wollte ich auf keinen Fall durch ein neues Material ersetzen, das nicht identisch mit dem Original gewesen wäre. Da es dieses Material nicht mehr neu gab, hatte ich nur die Möglichkeit, entweder mit ähnlichem Stoff aus den 90ern neu zu polstern oder ein Ersatzteil-Fahrzeug zu finden und zu kaufen, das die gleiche Ausstattung hatte. Ich blieb ruhig und wartete auf Originalteile.

Hierzu gibt es eine kleine Geschichte: Kurz nachdem ich meinen Jeep gekauft hatte, entdeckte ich auf dem Hinterhof eines Jeep-Händlers in Hamburg zwei Station Wagons aus dem dänischen Zivilschutz. Einen 51er, identisch mit meinem, und einen 56er. Die sollten mal restauriert oder an Liebhaber verkauft werden. In dem Moment kamen sie für mich nicht infrage; ich brauchte die nicht unbedingt und sie waren auch nicht günstig. Aber gut zu wissen, wo was ist. Ich schaute hin und wieder mal vorbei, um zu erfahren, ob die Autos noch da stehen. Die Jahre vergingen und die beiden standen immer noch da und rosteten langsam, aber sicher vor sich hin. Eines Tages mitten in der Restauration besuchte ich den Händler mit der Absicht, die beiden Autos zu bekommen, oder wenigstens den 51er. Nach langer Überredung konnte er sich nur von einem trennen, leider vom 56er. Der Händler war einverstanden mit dem Tausch gegen ein sehr seltenes Jeepster-Spielzeugauto. Na gut, dachte ich mir, man nimmt, was man kriegen kann. Himmel und Verkleidungen dieses 56ers waren schon mit Kunstleder bezogen, und die Sitze hatten eine andere Farbe – das passte so gar nicht zu meinem Jeep. Also hatte ich für mein Problem immer noch keine Lösung.

Die Jahren vergingen, ich schaute immer wieder nach dem 51er, er stand immer noch da und löste sich so langsam auf. Eines Tages zum Ende der Restaurationszeit beschoss ich, noch mal hinzufahren, um den 51er zu kaufen, damit ich mein Projekt beenden konnte. Es war Samstag, und das war der letzte Tag, bevor er den Laden für immer schließen wollte (oder musste). Wäre ich an diesem Tag nicht da gewesen, um dieses Auto zu bekommen, hätte es am Montag eine Schrottverwertungsfirma abgeholt und plattgemacht. Ich konnte diesen Zufall und dieses Glück nicht glauben. Mein langersehntes Ersatzteilauto habe ich endlich bekommen und konnte aus zwei Ausstattungen eine gute zusammenstellen und meinen Dachhimmel retten.

„UNITY“-Nebelscheinwerfer wurden speziell für den Station Wagon gebaut – gut zu erkennen am Willys-Schild. Eine Seltenheit – nagelneu, originalverpackt und nach 50 Jahren gefunden


Der größte amerikanische Beleuchtungszubehör-Produzent stellte auch für den Station Wagon passende Suchscheinwerfer (mit Willys-Beschriftung) her. Für den Einbau gabs genaue Bohrungsskizzen, die eingehalten werden mussten, damit alles zueinander exakt passte


„4-Wheel Drive“-Chrom-Schriftzug- Embleme zieren die Motorhaube von beiden Seiten. Das Pinstriping dazu gibt eine persönliche Note


Jetzt fehlten noch eine ganze Menge an Kleinund Spezialteilen. Ende 2001 entdeckte ich für mich eBay, da ging die Beschaffung von Ersatzteilen plötzlich viel schneller. Kein Faxen, Telefonieren in die USA und kein langes Warten auf Rückmeldung und Zahlungsbestätigung. Zu der Zeit konnte man in den USA noch reichlich NOS-Teile bekommen, die Händler oder Privatpersonen auf Lager hatten. Das ist jetzt alles weg, heute blüht der Markt nur mit Reproteilen. Ich konnte auch etliche Zubehör-Raritäten ersteigern, wie UNITY-Suchscheinwerfer und Nebenleuchten, Doppelton-Hörner, Kompass, Rückscheinwerfer, Embleme, Freilaufnaben der Firma Warn, Original-Willys-Radio, Manuals, Prospekte und vieles mehr.

Nachdem ich so ziemlich alles da hatte und alles zum Einbauen bereit war, wurde es Zeit, die Karosserie zu lackieren. Und es war nicht einfach, die Lackiererei meines Vertrauens zu finden. Jeder, den ich fragte, der einen Oldtimer hatte, war nicht 100 % zufrieden mit den Arbeiten seiner Lackiererei. Am liebsten hätte ich das selber gemacht, doch ich wollte irgendwann fertig damit werden. Die fünf Wochen Urlaub im Jahr, die ich hatte, waren mit der Restaurierung schnell verplant, und so viele Wochenenden hat das Jahr auch nicht.

Karosserie-Unterboden, Chassis, Motor, Bremsen, Elektrik und die restliche Technikstanden mir als Aufgaben noch bevor. Und das alles wieder zusammenzubauen.

Darum gab ich die Karosserie-Lackierung den Fachmännern im Auftrag. Farbtöne und wo die Farbtrennungen vorgenommen werden sollen, hatte ich detailliert beschrieben, damit nichts schiefgehen konnte. Farbpaletten und getestete Töne hatte ich im Vorfeld schon ausgearbeitet und der Lackiererei präzise Angaben gemacht. Nach einer von mir genehmigten Lackprobe durften sie loslegen.

Wie üblich dauerte es länger, als veranschlagt wurde, aber das Ergebnis war perfekt. Genau, wie ich es mir vorgestellt hatte. Tja, wenn die Qualität stimmt, kann man mit einer Zeitverzögerung gut leben.

Den Motor baute ich aus und schickte ihn zu einer Instandsetzungsfirma zum Überholen. Den Unterboden der Karosserie lackierte ich nach der Entlackung und Entrostung mit Unterbodenrostschutzfarbe und danach mit Autofarbe matt. Eine Innenversiegelung und von außen schwarz glänzenden Lack bekam der Tank. Die Felgen wurden in Autofarbe pulverbeschichtet, und Reifen mit Originalprofil hatte ich auch bestellt. Alles sah fabrikneu aus. Die mühevolle Arbeit, jedes Teil bis ins Detail auszuarbeiten, hatte sich gelohnt. Jetzt konnte ich endlich mit dem Zusammenbau beginnen. Ich freute mich über jede Kleinigkeit, die angebaut war.

Es gab keine Urlaubstage mehr, die ich mir nehmen konnte, freute mich aber sehr auf die Endphase. Ich fuhr jeden Abend, nachdem ich von der Arbeit kam und zu Hause was gegessen hatte, in die Werkstatt und arbeitete dort am Zusammenbau bis 3 oder 4 Uhr morgens.

Ein Blick von unten: verstärktes Chassis, Warner-T- 90-Hauptgetriebe, Dana-Spicer-D-18-Verteilergetriebe, einröhriger Auspuff und Unterbodenschutz in Karosseriefarbe


Im übersichtlichen Motorraum steckt der neu konzipierte Willys-Motor mit dem Namen „Hurricane F-134“. Er ist der Nachfolger des altbewährten „Go Devil“-Motors.


40er-Jahre-Woody-Style mit 50er-Jahre-Karosseriedesign. Perfekt gelungene Zusammensetzung. Quadratisch, praktisch, gut


Zum Einstieg in den hinteren Bereich wird der vordere Sitz nach vorne gekippt. Um noch mehr Platz für Transportzwecke zu schaffen, kann die hintere Sitzbank ausgebaut werden


Ein einladender Kofferraum, der viel Platz bietet. Die Kühlbox aus der Zeit habe ich für meinen Jeep restauriert. Sie ist immer dabei, ob zum Getränkekühlen für die Picknickausfahrt oder einfach zum Aufbewahren von Sachen. Beim Reserverad klebte noch das Produktetikett


Der Station Wagon ist nicht nur ein idealer Familienwagen, sondern auch ein perfekter Transporter. Bei Bedarf kann eine hintere Sitzbank rausgenommen und die andere nach vorne gekippt werden. Sollte man noch mehr Platz benötigen, kann man die Beifahrersitzbank auch noch nach vorne klappen, und es gibt immer noch die Möglichkeit, zu zweit zu fahren


Wenn aus Transportgründen mit offener Heckklappe gefahren werden muss, können die Rücklichter samt Kennzeichen um 90 Grad runtergeklappt werden. Willys-Overland hat eben an alles gedacht


Mit den legendären B. F. Goodrich Silvertown Extra Traction LT Reifen in der Größe 7.00 x 15 kommt man sowohl auf der Straße wie im Gelände am besten voran. Vor dem speziellen Unterbodenschutz in Autofarbe kommen sie gut zur Geltung


Ganz vernünftiger Platz für das Reserverad: platzsparend und leicht erreichbar. Übrigens, diese US-Reifen hat mir ein Händler aus Mexiko besorgt


Ich fuhr kurz nach Hause, legte mich zwei, drei Stunden hin und fuhr wieder in die Werbeagentur. So vergingen noch Wochen, Monate und wir hatten jetzt Sommer 2006.

Dann erfuhr ich, dass eine US-Car-Show noch im September stattfindet. Es wäre ja die Krönung der Restauration gewesen, mit meinem Jeep dabei zu sein.

Ich arbeitete gezielt darauf hin, zu diesem Event fertig zu sein. Ein Wochenende vor dem Treffen hatte ich es geschafft. Alles war erledigt, und ich habe noch den Wagen durch den TÜV (mit Oldtimer-Zulassung) gebracht. Am Samstag fuhr ich stolz mit meinem Jeep zu der US-Car-Show. Ich traute mich mit meinem Willys auf die Bühne, um ihn dort zu präsentieren, und gewann in der Klasse Jeep/Offroad den ersten Platz. Ja, die Zielstrebigkeit zu Perfektion wurde belohnt, und mein Traum ging nach gut 10 Jahren in Erfüllung.

1951 in den USA als Family Wagon gebaut und in Dänemark zum Mannschaftswagen umgerüstet. Nach 55 Jahren erhielt er seine ursprüngliche Schönheit zurück. Heute, mit 68 Jahren, wird er gepflegt, fährt bei schönem Wetter ins Grüne und ist startklar für jedes US-Car-Treffen

1951er Willys-Overland Station Wagon

Motor: R4, Willys „Hurricane F-Head 134“, Hubraum: 2.199 cm³ (133.9 ci), Bohrung: 79,4 mm, Hub: 111,1 mm, Leistung: 70 PS bei 4.000 U/min, max. Drehmoment: 155 Nm bei 2.000 U/min, Verdichtung: 6,9:1, Gemischaufbereitung: Vergaser Carter YF-768S, Luftfilter: Stahlwolle in Öl getränkt, elektrische Anlage: Autolite, 6 Volt, Auspuffanlage: einzeln. Antrieb: zuschaltbarer Allradantrieb, mechanisches Dreigang-Getriebe, Zwischengetriebe mit Untersetzung. Aufhängung: Vorderachse: Starrachse, Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer, Hinterachse: Starrachse, Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer. Bremsen: Trommelbremsen. Felgen: 15-Zoll-Stahlfelgen, Reifen: B.F. Goodrich Silvertown Extra Traction 7.00 - 15. Karosseriemaße (mm): L.: 4.477, B.: 1.823, H.: 1.910. Gewicht (kg): 1.474. Radstand (mm): 2.654. Tankinhalt (l): 57. Kraftstoffverbrauch (l/100 km): 14 bis 17.