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Wo die Modechefin Urlaub macht


myself - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 14.07.2021

Artikelbild für den Artikel "Wo die Modechefin Urlaub macht" aus der Ausgabe 8/2021 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: myself, Ausgabe 8/2021

Weiße Kalkfassaden, türkisblaues Wasser ? typisch Paros. Darauf setzt ?Parilio? in Naoussa.

Auf Paros drehe sich das Leben um nichts anderes als Schlaf, Schwimmen, Essen und Lesen, schrieb der britische Fotograf Cecil Beaton im Jahr 1958, als er die Kykladen­ Insel zusammen mit dem Schriftsteller Truman Capote besuchte. Was soll ich sagen – der Mann hatte recht, und bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Seit drei Jahren komme ich immer wieder hierher, nicht obwohl es kaum Sehenswürdigkeiten und sonstige To-dos gibt, sondern deshalb. Auf Paros wird man nicht zu Touri-Touren in der sengenden Sonne verleitet. Die Hauptattraktion ist der Wind, der je nach Laune den Kopf durchpustet oder sanft die Hitze des Sommers vertreibt. Und wenn das als Programm nicht reicht, schaut man eben stundenlang auf die kristallklare Ägäis und überlegt, wie viele Variationen von Türkis es eigentlich geben kann.

Nicht von ungefähr erfährt Paros – die jahrzehntelang kaum beachtete Verwandte des Hotspots ...

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... Mykonos – gerade viel Aufmerksamkeit. Weder legen Kreuzfahrtschiffe an noch Star-DJs auf, die Auslagen der kleinen Friseurläden sind aus der Zeit gefallen, und statt Bettenburgen verteilen sich Boutique-Hotels, Ferien- Bungalows und Bed and Breakfasts über die hügelige, weitgehend unberührte Landschaft. Ob man von Athen aus vier Stunden mit der Fähre gefahren ist oder per Propellermaschine in 40 Minuten angeruckelt kommt: In dem Augenblick, in dem man den staubigen Inselboden betritt, setzt die Entspannung ein. Die warme Luft riecht nach Zitronen, Rosmarin und Thy­ mian, zwischen den kubistischen weißen Häusern leuchten roter Mohn, gelbe Orchideen und krautige Doldenblütler um die Wette. Alles ist so, wie es zu Zeiten von Beaton und Capote war, eine Art Gegenentwurf zum Rest dieser schnelllebigen Welt. Das macht Paros zum Traumziel für Menschen mit einer ausgeprägten Sehnsucht nach Einfachheit.

Ihre schlichte Schönheit verdankt die Insel vor allem den rund 14 000 Bewohnern, die nicht alle in der Tourismusbranche arbeiten. Viele Landwirte sind darunter, Fischer, deren Fang in den traditionellen Tavernen der Insel serviert wird. Wer dort – oft mit Blick aufs Mittelmeer – essen will, kann sich die Suche im Netz getrost sparen. Um Websites und Instagram-Accounts kümmert sich hier niemand. Nicht mal Reservierungen werden angenommen. Man muss dem Rat von Einheimischen folgen und sein Glück vor Ort versuchen.

Zugegeben, ich selbst hatte einen Vorteil, als ich im August 2018 zum ersten Mal nach Paros reiste. Mein alter Freund Phu versorgte mich damals mit Insidertipps aus erster Hand. Wir sind beide im Schweizer Kanton Bern aufgewachsen, irgendwann ging er nach London, wir verloren uns aus den Augen. Als wir uns wiederfanden und er erzählte, dass er auf Paros lebt, war klar, dass ich gleich bei meinem ersten Trip in dieses kleine Paradies Familienanschluss haben würde. Mit seinem Mann Nicolas und drei Katzen lebt Phu im Schmetterlingstal Petaloudes, das nach den Myriaden rot gefärbter Nachtfalter benannt ist, die von Juni bis September durch die üppige Vegetation des Tals flattern.

Bessere Fremdenführer als Phu und Nicolas kann man sich wahrscheinlich nicht wünschen. Die beiden besitzen zwei Läden auf Paros, 2015 eröffneten sie den ersten namen Leto mitten in der Altstadt des Hauptorts Parikia. Phu ist Designer, deshalb findet man bei ihm lässige Kaftane, Stringpants, coole Accessoires – lauter Teile, die man sofort zum Abendspaziergang entlang der Uferpromenade ausführen würde. Der dritte Shop liegt auf Antiparos, der coolen kleinen Schwesterinsel im Westen, wo schon Brad Pitt urlaubte und Hollywood-Star Tom Hanks ein Ferienhaus hat. Wenn man es schafft, sich Paros zu entziehen, lohnt ein Tagesausflug nach Antiparos allein schon, um an einem der kleinen Holztische im „Captain Pipinos“ den sensationellen Sonnenuntergang zu gegrilltem Oktopus zu genießen. Später am Abend kehrt man per Boot oder Fähre auf die Hauptinsel zurück, die längst im Tiefschlaf liegt.

Paros hat nicht das ausschweifende Nachtleben von Mykonos, auch nicht die Eleganz von Santorin. Man fühlt sich eher aufs Ibiza der 1970er-Jahre zurückversetzt. Zwischen alten Klöstern weiden Ziegen, Esel und Wildpferde, überall begegnet man herzlichen Menschen. Und dann die langen Strände, etwa Kolymbithres Beach mit seinen fantastischen Felsformationen in der Bucht von Naoussa, einer meiner Lieblingsorte. Oder der Strand von Kalogeros nahe Marpissa, der sich dank des reichhaltigen Lehmbodens für ein erstklassiges Bodypeeling anbietet.

Am besten reserviert man rechtzeitig einen Mietwagen oder ein Moped. Paros ist nur 22 Kilometer lang und 15 Kilometer breit, aber rundherum schön. Beim Erkunden sollte man sich nicht auf die öffentlichen Busverbindungen verlassen, sonst verliert man Zeit, die man besser in den perfekten Abschluss eines Strandtags steckt: nämlich mit sandigen Füßen bei einem kalten Rosé und inseltypischen Spezialitäten in einer Taverne sitzend, am liebsten bei „Mouragio“ im alten Fischerdorf Aliki. Tische und Stühle stehen auf dem Steinpier mitten im Hafen. Oliven, die auf der Insel geerntet wurden, panierter und frittierter Feta, der hier mit einer Zitronenscheibe als Saganaki serviert wird, und natürlich Chorta, eine Mischung an Wildgemüse, darunter Löwenzahnarten, Sommerportulak und wilder Kohl, der an Blattspinat erinnert, zusammen mit Zitrone und Olivenöl – köstlich!

Aliki und Naoussa gelten als die schönsten Städtchen der ganzen Ägäis. Von der Inselhauptstadt Parikia aus erreicht man sie mit Auto oder Moped in 20 bis 30 Minuten. Vor allem in den verwinkelten Gassen der Altstadt von Naoussa sowie in den Bars und Beachclubs am Hafen sind abends viele Einheimische unterwegs. Poser und Protzer findet man hier nicht. Jeansshorts und Herrenhemd reichen als Outfit, selbst Schmuck ist auf Paros zu viel. Und wenn man doch mal etwas braucht, geht man eben zu Retro Greco in Parikia. In dem Vintage-Laden gibt es sogar noch gehäkelte Original-Bikinis aus den 1970ern. Der Inhaber weiß zu jedem Teil eine Geschichte zu erzählen, und man hört ihm gern zu. Und Zeit zum Zuhören hat man auf Paros genug. ❚

Mit sandigen Füßen und Rosé in der Taverne sitzen – der perfekte Abschluss jedes Tages