Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 11 Min.

Wo die wilden Tiere wohnen


Happy Way - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 14.06.2018

Man sagt, dass hier die Wiege der Menschheit stand. Tatsächlich fühlt man sich in Kenia dem Ursprünglichen viel näher. Wer Elefanten gemächlich durch die Savanne stapfen sieht, nimmt das Verrinnen der Zeit nicht mehr so wichtig


Artikelbild für den Artikel "Wo die wilden Tiere wohnen" aus der Ausgabe 4/2018 von Happy Way. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Happy Way, Ausgabe 4/2018

Hier bekommt man eine Ahnung davon, wie die Welt war, bevor es Menschen gab


Unser Haus in Malindi


So süss!


Friedliches Miteinander


Kenias Brot: Chapati


So muss es am siebten Tag ausgesehen haben: Gott war gerade fertig geworden mit der Erschaffung der Welt. Himmel da, Erde da, Büsche, Bäume und Gräser da. Und gestern war er endlich auch dazu gekommen, ein paar richtig hübsche Tiere zu ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Happy Way. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2018 von TITELTHEMA: Ich bin erwachsen. Ich darf das!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TITELTHEMA: Ich bin erwachsen. Ich darf das!
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von TITELTHEMA: Wir machen blau!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TITELTHEMA: Wir machen blau!
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von TITELTHEMA: SEI FRECH und WILD und WUNDERBAR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TITELTHEMA: SEI FRECH und WILD und WUNDERBAR
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von Lass uns Wölkchen gucken. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lass uns Wölkchen gucken
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von Dein neues Leben beginnt heute. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Dein neues Leben beginnt heute
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von Das Emoskop. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das Emoskop
Vorheriger Artikel
Diesen SOMMER lerne ich das!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Was uns im Sommer glücklich macht
aus dieser Ausgabe

So muss es am siebten Tag ausgesehen haben: Gott war gerade fertig geworden mit der Erschaffung der Welt. Himmel da, Erde da, Büsche, Bäume und Gräser da. Und gestern war er endlich auch dazu gekommen, ein paar richtig hübsche Tiere zu machen: Löwen zum Beispiel. Und wo er grade so gut im Flow war, hat er schnell auch noch ein paar Menschen gemacht.
Die Menschen stehen in einem Jeep, die Köpfe schauen aus dem offenen Dach heraus. Um sie herum, so wirkt es, hat sich die ganze restliche Schöpfung versammelt. Die Savanne im Amboseli-Park ist gefüllt mit Zebras und Giraffen, mit Elefanten und Antilopen, mit Gnus und Flusspferden und ganz hinten am Horizont, nur durch das Fernglas zu erkennen, lagert eine Löwenfamilie. Die Menschen im Jeep schauen sich an, was Gott geschaffen hat und sehen - genau wie Gott: Es war sehr gut!
Und das ist natürlich die Untertreibung des Jahrtausends. Es war nicht sehr gut. Es war fantastisch! Umwerfend! Unglaublich!

Wajum läuft das Zebra nicht VO dem Löwen weg?

Nichts bereitet einen darauf vor, wie es wirklich ist, die wilden Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Kein Zoo-Besuch und keine Folge von Daktari und auch nicht „Jenseits von Afrika“. Wenn wir normalerweise Tieren begegnen, sind sie entweder gefangen (Zoo), auf der Weide (Pferde und Kühe), auf unserem Schoß (Haustiere) oder auf der Flucht (Reh im Wald). Tiere dort zu sehen, wo sie hingehören, wo sie wahrhaft zu Hause sind und sich nicht bedroht fühlen, ist eine ganz neue Erfahrung. Das Tier und ich - wir begegnen uns sozusagen erstmals auf Augenhöhe. Das Tier ist, zum ersten Mal, einfach was es ist, ohne dass ich etwas damit zu tun habe: Denn die Giraffe, die sich da drüben ein leckeres Blatt vom Baum zupft, ist nicht meine Gefangene und nicht mein Mittagessen, sie liebt mich nicht und sie hat keine Angst vor mir. Die Giraffe hat mit mir genauso wenig und genauso viel zu tun wie mit dem Gnu auf der anderen Seite des Baumes.
Und das führt kurioserweise zu einem Gefühl großer Verbundenheit. Denn so hat unsere Geschichte als Mensch doch mal angefangen: Wir waren einfach nur ein Tier unter vielen. In Afrika erinnert sich irgendein Teil von uns an diesen Zustand, der vielleicht paradiesisch war.
Denn noch etwas ist eine große Überraschung auf dieser Safari. Die Friedlichkeit, mit der die Tiere zusammenleben. Schließlich haben wir es in Afrika nicht ausschließlich mit Pflanzenfressern zu tun. Aber tatsächlich steht hier das Zebra entspannt nur einen Katzensprung entfernt vom Löwen. Wie kann das sein? Peter, unser Guide, hat eine einfache Erklärung: Die Löwen haben schon gefressen und sind satt. Und offenbar weiß jedes Zebra-Fohlen in Afrika, dass ein satter Löwe absolut ungefährlich ist. Anders als wir Menschen fühlt sich der Löwe offenbar nicht verpflichtet, Schnäppchen zu jagen. Nach dem Motto: Ich brauche jetzt zwar kein weiteres Zebra, aber wenn es grade so günstig zu haben ist, nehme ich es lieber mit … Der Löwe nimmt nur, was er braucht. Er frisst, bis er satt ist. Und er vertraut darauf, dass es frische Beute geben wird, wenn er wieder hungrig ist. Warum also tote Zebras horten? Eigentlich ganz einfach. Und eigentlich furchtbar, dass uns Menschen dieses Verhalten inzwischen völlig unlogisch vorkommt.

Zwishen Lehmhütten, kaputten Straßen und Smartphones

Afrika bringt einen sowieso immer wieder zurück zu den Ursprüngen. Hier scheint die Zeit viel langsamer zu vergehen. Die Straßen zwischen den Nationalparks sind gesäumt von einfachen Lehmhütten. Lehmhütten im Jahr 2018! Als wären nicht inzwischen völlig neue Bautechniken erfunden worden, wird hier noch so gebaut wie seit ewigen Zeiten: Aus unbehandelten Stöcken wird ein Gerüst aufgebaut, das mit Lehm gefüllt wird. Wenn der Mann, der vor der Hütte sitzt, nicht sein Smartphone in der Hand hielte, könnte es auch das Jahr 1918 - oder 1818 - sein.
Peter hat uns mit seinem Jeep mitten in der Nacht am Flughafen in Mombasa abgeholt. Über eine Straße voller Schlaglöcher, von der Peter sagt, dass sie relativ neu und eine der besten in Kenia sei, ging es in den westlichen Teil des Tsavo-Nationalparks. Tsavo West hat eine extrem vielfältige Landschaft, hier gibt es Berge und Wälder, aber auch geröllige Lava-Felder und offene Grassavannen. Die zum Teil dichte Vegetation ist wunderschön, macht es aber schwerer, die Tiere zu sehen. Wir freuen uns wie blöd über jedes Zebra, das wir finden und sind völlig aus dem Häuschen als wir die erste Giraffe sehen. Mein Sohn sagt nach einer Stunde im Park: „Selbst, wenn gar nichts Tolles mehr passiert in diesen Ferien, bin ich jetzt schon total zufrieden.“

Mit einem eiskalten Tusker-Bier: entspannt am Lagerfeuer sitzen

Am Nachmittag erreichen wir das Severin Safari Camp. Und hier fühlen wir uns nun wirklich wie in „Jenseits von Afrika“: Mitten im Busch stehen die „Zelte“, die in Wahrheit kleine, geschmackvoll möblierte Häuschen mit festem Fundament sind. Nur die Wände bestehen aus Zeltplane. Von jeder Terrasse aus hat man einen traumhaften Blick auf die Buschlandschaft und die Wasserlöcher, die hier angelegt wurden, um Tiere ins Camp zu locken. Denn das ist das Besondere an diesem Camp: Es gibt keinen Zaun weit und breit; wir sind wirklich mitten drin.
Damit keiner gefressen wird, soll man sich nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf dem Gelände bewegen, sondern lässt sich begleiten von einem der freundlichen Massai, die für den Schutz des Camps zuständig sind.

Tiere, wohin man auch blickt. Und wir Menschen mittendrin. Unfassbar schön!


Die Dunkelheit kommt schnell und heftig. Innerhalb von Minuten ist nur noch das beleuchtete Restaurant zu sehen und das Camp-Feuer direkt daneben. Wir setzen uns mit einem eiskalten Tusker-Bier ans Feuer und lauschen in die Stille der Nacht. Der pechschwarze Himmel sieht aus wie perforiert: Millionen Sterne glitzern und funkeln. In der Ferne hört man ein Grummeln. Ein Löwe?
Am nächsten Morgen bringt uns Peter zu den „Quellen des Lebens“. Aus den Mzima Springs sprudeln jeden Tag etwa 230 Millionen Liter glasklares Wasser. Das Wasser kommt aus den Chyulu Hills, die aus vulkanischem Lava-Stein bestehen und das Wasser bis zu 25 Jahre filtern, bevor es aus einer der vier Mzima-Quellen austritt. Dort bildet es zwei große Pools, die von einer Art Mini-Urwald umgeben sind. Seit 1966 fließt das Wasser durch eine knapp 300 Kilometer lange Pipeline, um fast eine Million Menschen in Mombasa mit Trinkwasser zu versorgen.

Mzima Springs ist einer der ganz wenigen Orte in Kenias Nationalparks, die man zu Fuß erkunden darf. Allerdings nur in Begleitung eines bewaffneten Guides. Denn das Naturwunder Mzima Springs lockt alle Arten von Tieren an. Im Wasser sehen wir Krokodile und Flusspferde. Für Elefanten, Nashörner, Büffel und Löwen sind die Pools in der Trockenzeit die einzige Wasserstelle. Die größte Attraktion an diesem Nachmittag aber sind die niedlichen Meerkatzen, die sich überall in den Bäumen und auf den Wegen tummeln. Die Versuchung ist groß, sie zu streicheln oder zu füttern, aber wir belassen es beim Fotografieren.

Nichts geht über Elefanten-Kinder im Schatten einer Schirm-Akazie

Während wir in Tsavo West noch jedes einzelne Zebra fotografiert haben, tritt im Amboseli-Park schnell Gewöhnung ein. Wir fahren über weite, offene Flächen und sehen in jeder Himmelsrichtung praktisch immer Antilopen, Gnus und Zebras. Amboseli ist der Nationalpark mit der größten Tierdichte. Es braucht schon das Besondere, um uns noch zur Kamera greifen zu lassen. Für mich sind das die Elefanten. Ich kann mich gar nicht satt sehen an diesen wunderbaren Tieren. Wie sie als Familie hintereinander her stapfen. Wie sie immer wieder Körperkontakt suchen, sich mit ihren Rüsseln berühren. Wie sie unter einer Schirm-Akazie stehen und zusammen mit dem Kilimanjaro im Hintergrund das klassische Afrika-Foto-Motiv abgeben. Wie die kleinen Elefanten-Babys ihren Rüssel schlackern lassen, als wüssten sie noch nicht so recht, was man mit dem Ding wohl anstellen soll. Davon kann ich auch nach fünf Tagen Safari gar nicht genug bekommen.

Afrika wie aus dem Bilderbuch? Nicht ganz …

Unsere letzte Safari-Station ist Tsavo East. Zusammen mit dem westlichen Teil ist Tsavo so groß wie Slowenien. Die Größe des Parks ist Segen und Fluch zugleich. Denn der Park ist schwer zu kontrollieren und deshalb immer wieder Ziel von Wilderern. Mittlerweile haben die Ranger die Lage besser im Griff, aber in den 70er- und 8oer-Jahren wurden Nashörner und Elefanten hier fast ausgerottet. David Sheldrick, der legendäre Mitbegründer des Parks, und seine Frau Daphne haben Dutzende von Elefanten- und Nashorn-Waisen liebevoll per Hand aufgezogen und anschließend wieder ausgewildert. Heute gibt es in Tsavo wieder große Herden mit mehr als 50 Elefanten. Die berühmten roten Tsavo-Elefanten. Sie sind tatsächlich nicht grau, sondern leuchtend orange-rot, so wie die Erde im Park, in der die Elefanten gerne Staub-Bäder nehmen. Ein spektakulärer Anblick.
Wir machen es wie David und Daphne Sheldrick, die die heißesten Sommerwochen nicht in Tsavo verbrachten, sondern am Strand im Bezirk Malindi. Knapp drei Stunden dauert die Fahrt über rumpelige Pisten und schlecht asphaltierte Straßen bis nach Watamu. Am Fenster unseres Jeeps zieht ein Afrika vorbei wie aus dem Bilderbuch: Rinderherden, die von Massais in ihren typischen roten Umhängen gehütet werden, Trauben von Schulkindern in Uniformen, in farbenprächtige Kangas gehüllte Frauen, die schwere Lasten auf ihren Köpfen transportieren. Und wieder denke ich: Hier hat sich seit 100 Jahren nichts verändert. Aber das ist nur der flüchtige Blick: Wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass die Landschaft mit Plastikmüll geradezu übersät ist. Überall Flaschen, Tüten, Verpackungen. Anders als in Deutschland ist der Müll hier nicht unsichtbar. Hier kann jeder sehen, wie unser Planet daran fast erstickt.
Und noch etwas verrät, dass wir uns im Jahr 2018 befinden: An jeder kleinen Bretterbude, die als Geschäft fungiert, ist das grüne M-Pesa-Zeichen aufgemalt. Dabei steht das „M“ für „mobile“ und „pesa“ ist das Swahili-Wort für Geld - mobiles Geld also. Eine Erfindung, die das Leben vor allem der ärmsten Kenianer verändert hat. M-Pesa macht es nämlich möglich, dass auch jemand, der kein Bankkonto hat, Geschäfte ohne Bargeld machen kann. M-Pesa-Teilnehmer - und das sind fast alle Kenianer - können sich mit ihrem Handy gegenseitig Geld übertragen. Das heißt, sie können mit dem Handy ein Kilo Bananen oder eine Tankfüllung Sprit kaufen, aber auch der Tochter in Nairobi zum Geburtstag per SMS eine Geldsumme schenken. Während wir angeblich so fortschrittlichen Europäer unser Handy fast ausschließlich zur Kommunikation nutzen, ersetzt es im Entwicklungsland Kenia schon seit Jahren Banken, Geldautomaten und Kreditkarten.

Im Indischen Ozean den Safari-Staub abspülen

Nach den staubigen Safari-Tagen ist es eine Wohltat, endlich am Meer zu sein. In Watamu kühlt eine ständige Brise auch die höchsten Temperaturen angenehm herunter. Das Wasser im Indischen Ozean ist mit 25 Grad perfekt temperiert, um gerade noch erfrischend zu sein. Und der Strand ist ein Traum. Jedenfalls, wenn er da ist. Bei Flut steigt das Wasser bis an den äußersten Rand. Dafür geht es auf dem Höhepunkt der Ebbe soweit zurück, dass man auf dem felsigen Meeresboden spazieren gehen kann. Mit etwas Glück sieht man in einem der vielen kleinen Pools, die dann entstehen, sogar Muränen aus ihren Höhlen herausschauen. Wir befinden uns nämlich mitten im Biosphärenreservat „Watamu Marine National Park“. Hier kann man beim Schnorcheln und Tauchen außer Muränen auch Walhaie, Manta-Rochen, Barrakudas und verschiedene Schildkröten-Arten sehen. Das passt gut. Denn nach den langen Tagen im Jeep sind wir ausgehungert nach Bewegung.

Rot ist die traditionelle Farbe der Massai-Männer


Kitesurfen in Malindi


Kuscheln mit Meerkatzen ist leider verboten


Das Bier mit dem vielleicht schönsten Logo der Welt


Unser Safari-Jeep


Die „Quellen des Lebens“: Mzima Springs


Lagerfeuer im Severin Safari Camp


Bei einem Spaziergang am kilometerlangen Strand zwischen unserem Hotel und dem Zentrum von Watamu laufen wir an Dutzenden von Kitesurfern vorbei. Sie gleiten in rasender Geschwindigkeit über das Wasser. Einige lassen sich bei waghalsigen Sprüngen immer wieder von ihrem Drachen in den afrikanischen Himmel ziehen, um dann mit ihrem Board wieder auf der Wasseroberfläche zu landen und ohne die geringste Verzögerung gleich weiter zu düsen. Wow! Das würde ich auch gerne können. Aber dazu muss man wohl geboren sein. Oder jedenfalls extrem jung und extrem sportlich sein. Ich merke, wie mich eine große Welle Neid von innen flutet und mir fast ein bisschen diesen schönen Tag verdirbt. Wer will schon spazieren gehen, wenn er auch über das Meer fliegen könnte!
Als wir später in einem Café in Watamu sitzen, blättere ich ein bisschen zerstreut durch die vielen Werbeflyer, die dort herumliegen. Plötzlich sticht mir ein Satz ins Auge: „Everbody can kite-surf!“ - Jeder kann kitesurfen! Echt jetzt? Das wollen wir doch mal sehen!
Am nächsten Morgen stehe ich bei Tribe Watersports auf der Matte und möchte von Ben Kelliher wissen, ob das sein voller Ernst ist. Kann ich, mittelsportlich und mittelalt, tatsächlich kitesurfen lernen? Ben, selbst mittelalt, sieht aus, als wäre er auf einem Surfbrett geboren: blond, braungebrannt, sonniges Lachen. Er grinst: „Na klar kannst Du das. Und zwar nirgendwo leichter als hier. Nach drei Tagen steht hier eigentlich jeder auf dem Brett.“ Denn der Strand von Watamu bietet ideale Anfänger-Bedingungen: Der Einstieg ins Meer ist flach, so dass man in einem großen Bereich stehen kann. Der Strand ist lang - und an einigen Stellen praktisch menschenleer. Der Wind weht stetig und parallel zur Küste, wird aber selten zu stark. Und das Beste von allem: Das Meer ist warm! Ben hat jahrelang in der eiskalten Nordsee in England unterrichtet und freut sich hier jeden Tag über das badewannenwarme Wasser.
Aber bevor es ins Wasser geht, üben wir erstmal am Strand das Lenken des Drachens. In der Theorie habe ich genau verstanden, was zu tun ist. An welcher Leine man ziehen muss, wenn man nach rechts lenken will oder wie es hoch und runter geht. In der Praxis stürzt mir das Biest leider immer wieder ab. Bin ich zu doof zum Drachen-Lenken? Ben hat eine freundlichere Erklärung: Ich lenke meinen Kite wie ein Auto. Aber der reagiert wie ein Fahrrad. Ich soll mir deshalb vorstellen, ein Fahrrad zu lenken. Und plötzlich macht es klick - und der Drache tut, was ich will. Naja, fast. Immerhin werden die Abstürze weniger.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Und irgendwann darf ich vom kleinen Übungs-Drachen auf den richtigen Kite wechseln und es geht endlich ins Wasser. Bevor der Drache mich auf dem Brett über das Wasser zieht, übe ich, mich vom Drachen durch das Wasser ziehen zu lassen. Und genau hier fängt der Spaß an. In - gefühlt - rasender Geschwindigkeit düse ich durch die Fluten Richtung Horizont. Ich spüre die unglaubliche Kraft des Windes in meinen Armen. Ich genieße den rasanten Fluss des Wassers auf meiner Haut. Erst als mich eine Böe ein kleines Stück aus dem Wasser herausreißt, lasse ich die Lenkstange los und falle zurück ins Meer. Wow! Ich habe noch nicht eine Sekunde auf dem Brett gestanden, aber es fühlt sich schon genauso toll an, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Auch bis zum Ende des Kurses schaffe ich es nicht, auf dem Brett zu stehen. Everybody can kite-surf? Schon - einige brauchen allerdings einfach ein bisschen länger dafür. Ich zum Beispiel. Aber was macht das schon? Afrika lehrt einen, in anderen Zeitdimensionen zu denken. „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“, sagt man hier. Und das macht mir richtig gute Laune. Ich werde es schon noch lernen, auf dem Brett über das Wasser flitzen. In meinem eigenen Tempo. Und notfalls in der Nordsee.

Beatrix‘ Tipps

Lesen Eine tolle Einstimmung auf das Land und seine Tiere ist die Lebensgeschichte von Daphne Sheldrick: „Eine afrikanische Liebesgeschichte: Mein Leben unter Elefanten“. Leider nur noch antiquarisch und für den Kindle erhältlich.

Shoppen Kikoy-Tücher, die traditionell von Swahili-Männern getragen wurden, sind ein wunderbares Souvenir. Die moderne Variante hat eine Frottee-Seite und eignet sich super für Strand und Sauna. Auch die größeren, farbenprächtigen Kanga-Tücher sind tolle Mitbringsel.


FOTO GETTY IMAGES (7), ISTOCK (3), BEATRIX KRUSE (5), ALL MAURITIUS