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WO GEHT’S HIER ZUM LEBEN?


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bewusster leben - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 29.12.2021

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Immer nur Einschränkungen und Verzicht, immer noch Pandemie – wo bleibt da eigentlich das Leben? Viele Menschen sagen mir, dass sie sich endlich wieder nach dem echtem Leben sehnen. Intensiv, voller Gefühle, sinnlicher Erfahrungen und Freude. Klar, in den vergangenen zwei Jahren war das nicht so einfach. Aber die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen viel zu wenig lebendig fühlen, manche sogar überhaupt nicht, ist nicht neu. Durch die Pandemie und den damit verbundenen Verboten ist das nur viel sichtbarer geworden. Ablenkungen, emotionale Kicks durch Konsum, Feiern, schnelle Beziehungen, Spaß und gekauften Genuss sind viel schwieriger geworden. Zurück bleiben eine innere Leere, Unzufriedenheit und die Frage: Wo geht’s hier bitte zum Leben?

Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas

Was die Pandemie wie durch ein Brennglas in unser Bewusstsein gerückt hat, ist keine Panne. Es ist wichtig. Wir sollten ...

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... deshalb auch nicht versuchen, die unangenehmen Gefühle nun irgendwie wegzubekommen, sie zu betäuben oder durch Emotionen aus zweiter Hand zu ersetzen, zum Beispiel durch Seriengucken, Social Media oder nächtelanges Surfen im Internet. Wenn wir in dieser Zeit der Einschränkungen genau hinschauen und unsere dabei aufkommenden Gefühle wirklich ernst nehmen, dann bekommen wir einen Schlüssel für echtes Lebendigsein in die Hand. Wie ich das meine?

Das Gefühl, zwei Jahre Leben verpasst zu haben

Sarah erzählt unter Tränen, dass sie durch die Prüfung zur Betriebswirtin gerasselt ist. Knapp zwar, aber durchgefallen. Soweit, so gut. Das passiert ständig, es passiert vielen. In ein paar Monaten kann sie die Prüfung wiederholen. Es wäre also eigentlich nicht dramatisch. Ein zweiter Anlauf und gut. Aber Sarah leidet. Sie hat zwei Jahre alles andere hintenangestellt, was sie sich im Leben gewünscht hat. Zeit mit den Freundinnen? Nach der Prüfung! Einen Partner suchen und finden? Für den hat sie eh keine Zeit, also auch nach der Prüfung! Sport machen, sich um ihre Gesundheit kümmern? Spontan wandern gehen, weil das Wetter herrlich ist? Erst einmal die Prüfung schaffen! Dabei hat sie sich endlos gequält, weil manchmal die Motivation im Keller war und sie die Zeit zum Lernen nicht einmal optimal genutzt hat. Jetzt hat sie die Prüfung immer noch vor sich, und dazu noch das Gefühl, zwei volle Jahre ihres Lebens verpasst zu haben.

Leben ist jetzt – oder gar nicht

Das Schlimme daran: Sarah hat recht. Was ist jetzt zu tun? Noch einmal ein halbes Jahr auf das Leben verzichten? Oder endlich losleben, auch wenn das unvernünftig scheint und man sagen könnte: Ist doch nur noch ein halbes Jahr, das schaffst du doch noch! Dabei wissen wir doch alle, dass Verschieben keine gute Idee ist. Das erleben wir in unserer Umgebung und haben es bestimmt auch schon in unserem eigenen Leben erfahren. Wenn wir die Dinge aufschieben, die unser Leben eigentlich erst lebenswert machen, sind sie manchmal nicht mehr möglich. Endlich aus dem blöden Job raus, aber krank. Endlich Mama, aber der Partner weg. Endlich … Nein! Leben ist jetzt –oder gar nicht! Aber warum tappen wir dann immer wieder in dieselbe Falle?

Wie wäre es, wenn du einfach mal loslebst?

Vernunft prägt unsere ganze Gesellschaft. Wir planen die Zukunft, teilweise bis zur Rente und darüber hinaus. Glück ist einfach, sagt man uns: Wohlstand, ein sicherer Job, Karriere, Kinder, eine feste Partnerschaft, zweimal im Jahr Urlaub. Vielleicht ein bisschen Ruhm. Vielleicht ein paar Tausend Follower auf Social Media. Oder: Für andere da sein, es allen recht machen, dafür sorgen, dass uns möglichst viele Menschen toll finden. Das ist das allgemeine Rezept.

„Wie wäre es, wenn du einfach mal loslebst?“ Mit dieser einfachen Frage kannst du andere Menschen ziemlich aus dem Gleichgewicht bringen. Du wirst spannende Antworten und allerlei Ausflüchte hören: „Alles gut und schön, aber wenn du drei Kinder hast, dann geht das nicht …“, oder: „Tja, wenn meine kranke Mutter nicht wäre…“, oder: „Noch zwei Jahre bis zur Rente, dann habe ich endlich Zeit und dann beginnt das Leben für mich!“ Warum eigentlich verstecken wir uns ständig hinter Ausreden, wenn es darum geht, das zu tun, was uns wirklich lebendig sein lässt?

Was möchtest du in deinem Leben verändern und was zurücklassen?

Die permanente Suche nach Sicherheit bringt uns um unser Leben

Alan Watts beschreibt in seinem 1951 auf Englisch erschienen und 1955 übersetzten Buch „Die Weisheit des ungesicherten Lebens“, wie wir uns durch ständiges Planen und die permanente Suche nach Sicherheit um unser Leben bringen. Je mehr wir versuchen, Fehler, Misserfolge und Enttäuschungen zu vermeiden, umso weniger lebendig sind wir. Wir existieren in der Vermeidung – aber nicht mehr in Offenheit und Neugier auf das, was ist, was uns einlädt zu sein, was uns strahlen lässt, wofür wir brennen. Ist dir schon mal aufgefallen, dass genau diese Dinge häufig mit einem Risiko verbunden sind? Das kann ein materielles Risiko sein, aber noch häufiger ein soziales. Wenn ich das tue, was mich wirklich leben lassen würde, ganz tief und stimmig – dann würden mich meine Freunde nicht mehr mögen, meine Familie mich nicht mehr verstehen, mich viele für verrückt erklären. Wir bremsen uns vorausschauend aus, aus Angst, nicht mehr dazuzugehören. Und verzichten auf unser Leben, gemeinsam mit anderen Menschen, die ebenfalls nicht richtig leben. Der Psychologe Wolf Büntig nennt das die „normale Depression“. Sie ist so verbreitet, dass wir sie gar nicht mehr als ungesund empfin- den. Schließlich geht es unseren Freunden, unseren Eltern und unseren Nachbarn genauso, und alle bestätigen sich darin, dass das normal sei.

Stehe auf, schüttel die Sorgen ab und lebe los!

Lebe, wofür dein Herz am heftigsten schlägt

Wie wäre es, wenn du das tust, was dich das Leben spüren lässt? Wenn du einfach loslebst? Und damit meine ich nicht den Bungee-Sprung, den gekauften Kick, die schnelle Affäre oder den Traumurlaub. Nein, ich meine das Leben, das dich wirklich glücklich macht, und das auf Dauer, ohne künstliche Emotionen, ohne Drogen, ohne Gefühle vom Band. Echtes, pures Leben, echte Tiefe, echte menschliche Berührungen, echte Gespräche über die Themen, die dir wirklich am Herzen liegen. Echtes inneres Reinemachen – auch unter dem Teppich. Um das zu verwirklichen, was aus dir heraus möchte. Das, was niemand anderes als du auf genau die Art in die Welt bringen kann wie du. Weil jeder Mensch mit dem, wofür sein Herz am heftigsten schlägt, in der Welt einen Unterschied machen kann. Auch du trägst in dir Talente und Fähigkeiten, die wahre Schätze sind – wenn du ihnen nur erlaubst zu erstrahlen.

Viele unserer inneren Glaubenssätze hindern uns nicht nur daran, das zu tun, sie hindern uns oft bereits daran, es zu spüren. Es ist aber leider oft so, dass viele Menschen nicht einmal wissen, was sie lebendig machen würde.

Zaubersätze, die dir helfen können

Von Wolf Büntig stammt die Technik der Zaubersätze, die dabei helfen, echte Lebendigkeit in unser Leben zu holen. Und die geht so:

Nimm dir ein paar Blätter Papier, für jeden Satz eins, und einen belastbaren Stift. Eigentlich sind nämlich die Zaubersätze nur halbe Sätze, die du dir so lange durch den Kopf gehen lässt, bis ganz von selbst eine Ergänzung auftaucht. Die schreibst du auf. Dann lässt du den Satz wieder durch deinen Kopf sausen, bis eine weitere Ergänzung auftaucht und dann vielleicht noch eine und noch eine. Dann gehst du weiter zum nächsten Satz. Aber Achtung: Es ist gut möglich, dass der erste Satz am nächsten Tag noch ein paar weitere Ideen zum Leben erweckt. Deshalb nimm dir vor, alle Satzergänzungen aufzuschreiben.

Die Zaubersätze lauten:

> Wenn ich mich trauen würde, würde ich …

> Wenn ich könnte, würde ich …

> Wenn ich mich selbst wichtiger nehmen würde, würde ich …

> Wenn ich mir selbst gegenüber ganz ehrlich wäre, würde ich …

> Wenn ich mich selbst wirklich lieben würde, würde ich …

> Wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte, würde ich …

> Bevor ich sterbe, möchte ich …

Und nun? Da steht viel Beängstigendes, anderes, das sich unmöglich anfühlt, ein paar Kleinigkeiten, sogar Widersprüche, manches, was lustig oder albern klingt? Gut so! Denn es ist wie beim Angeln. Man fördert Fische zutage, große und kleine, und immer auch ein bisschen Gerümpel. Das macht nichts. Schreib alles auf, was gedanklich auftaucht, ohne zu zensieren. Natürlich nur für dich alleine. Niemand sonst soll das lesen. Es sind deine Geheimnisse, Hinweise auf deine inneren Schätze und Sehnsüchte, die gut geschützt werden müssen, bis du bereit und stark genug bist, sie zu zeigen und ins Leben zu bringen.

Wie du erkennst, was wirklich zu dir passt

Geh jetzt an die Umsetzung. Du entscheidest, welchen Punkt du heute ins Leben bringen möchtest. Du hast geschrieben: „Wenn ich mich trauen würde, würde ich X sagen, dass ich ihn liebe?“ Heute tust du es! Oder: „Wenn ich könnte, würde ich Klavier lernen?“ Fang damit an, egal wie weit du es damit in deinem Alter noch bringen wirst. Setze jeden Monat eine Sache um, nicht mehr.

Das klingt wenig, ist aber viel. Denn jeder Schritt verändert dich innerlich, macht dich freier, zieht neue Menschen in dein Leben, neue Erfahrungen, mehr Mut, mehr Kraft und mehr Authentizität. Plötzlich scheinen Schritte machbar, die du dir früher niemals zugetraut hättest. Du wirst anders wahrgenommen.

Du fühlst dich selbst anders, spürst dich mehr und merkst, wer wirklich zu dir passt. Du lebst endlich dein eigenes Leben, frei und intensiv. Das heißt nicht, dass nichts wehtut, du keine Misserfolge haben wirst. Ganz im Gegenteil. Und doch wirst du merken: Dieses Leben ist wertvoll, jede Sekunde davon.

Jetzt ist der Moment – es gibt keinen besseren

Dieses Jahr liegt noch ganz neu und unverbraucht vor dir. Du entscheidest, was du ins erste Kapitel für 2022 in das Buch deines Lebens schreibst. Welche Entscheidung triffst du heute? Welcher Schritt ist schon längst überfällig? Geh ihn heute, beginne jetzt! Denn was du willst, in den nächsten 72 Stunden aber nicht anfangen wirst, das wirst du nie tun. Jetzt ist der Moment – es gibt keinen besseren. Denn das Leben will gelebt werden, bis zum Anschlag, und dieses Jahr soll dein Jahr werden. Du hast es in der Hand, du kannst entscheiden. Nicht, weil dann alles gut ist. Sondern weil du, egal wie es ist, das Beste da- raus Gl ück. Und das heißt Losleben.

Anke Precht

Anke Precht ist Psy-ch ologin und Autorin und arbeitet in eigener Praxis. Daneben beschäftigt machst. Das ist sie sich seit Jahren mit den Themen Höchstleistung und Resilienz, schult Menschen in Unternehmen, coacht SportlerInnen und KünstlerInnen. Soeben ist von ihr das Buch „Wer bin ich wirklich?“ bei ars Edition erschienen.

www.ankeprecht.de