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Wo kommen unsere Wörter her?


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 13.05.2022
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Bildquelle: Gong, Ausgabe 20/2022

Die Germanen nannten Lappen, die sie sich um Füße und Beine wickelten, ?Hose?

Wussten Sie, dass bereits die Germanen den Begriff „Hose“ kannten? Dass die alten Römer den „Käse“ erfanden? Dass der „Bankrott“ etwas mit einem zerbrochenen Tisch zu tun hat? Und dass das „Ding“ aus der Rechtsprechung stammt?

„Es ist toll zu sehen, wie sich in der deutschen Sprache germanische Wörter mit keltischem Vokabular, lateinische Begriffe mit niederländischem Ritterwortschatz oder französische Modefachausdrücke mit englischer Sportterminologie zu einer Koexistenz vermischt haben“, sagt Nicole Weiffen vom Dudenverlag, in dem das neue Buch „Die außergewöhnliche Geschichte unserer Wörter“ erscheint (siehe Buchtipp Seite 38). „Darin geht unser Wörterbuchteam der zum Teil jahrtausendealten Historie von Alltagswörtern nach.“ Die besten Beispiele:

Hose

Die Germanen (2000 v. bis 700 n. Chr.) verwendeten das Wort „Hose“ (ursprünglich „Hülle, Bedeckung“) für wollene oder lederne Lappen, die um die ...

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... Füße und Unterschenkel gewickelt wurden, später auch um die Oberschenkel. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts begann man damit, die Einzelteile zusammenzunähen. Als weitere Modeerrungenschaften tauchten das „Hemd“ (eigentlich „das Bedeckende“) und der „Rock“ (einst „Gewebe“) auf.

Ding

Das „Ding“ entspringt dem Rechtswesen der Germanen. Streitigkeiten klärten sie in der stets unter freiem Himmel tagenden Gerichtsversammlung, „Thing“ genannt. Der Begriff, identisch mit dem heutigen „Ding“ (englisch thing), stand zunächst für die Zusammenkunft der freien Männer zur Beratung oder Rechtsprechung, dann auch für den Fall der Verhandlung, die Rechtssache. Daraus entwickelte sich schließlich die allgemeine Bedeutung „Gegenstand, Sache“.

Bank

Das Wort „Bank“ ging aus dem Italienischen (banco, „langer Tisch des Geldwechslers“) in die deutsche Kaufmannssprache ein – als Folge der engen Beziehung zum italienischen Wirtschaftsraum im 15. und 16. Jahrhundert. Eine Bank besuchte der Geschäftsmann, um Geld zu tauschen, einen „Kredit“ (credito) zu erhalten oder sein „Konto“ (conto, „Rechnung“) bei seinem Geschäftspartner auszugleichen. Ein Kaufmann, der nicht „kalkulieren“ (calculare) konnte und kein „Kapital“ (capitale) in seiner „Kasse“ (cassa, „Behältnis, Kasten“) hatte, stand vor dem „Bankrott“ (bancarotta, „zerbrochener Tisch des Geldwechslers“). Auch die „Bilanz“ (bilancio, „vergleichende Gegenüberstellung von Gewinn und Verlust“) lässt sich auf diese Art herleiten.

Käse

Der „Käse“ stammt von den Römern. Von ihnen lernten die Germanen einst, wie man durch ein Enzym, das aus dem Magen junger Kälber, Schafe und Ziegen gewonnen wurde, die Milch zum Gerinnen brachte. Die so entstandene Masse wurde in eine längliche, feste Form gebracht und war so viel länger haltbar als das bis dato hergestellte quarkähnliche Sauermilchprodukt. Man übernahm für die Speise das lateinische Wort caseus, das über das althochdeutsche ka – si zum „Käse“ wurde.

Auch mit dem „Wein“ (lateinisch vinum) machten erst die Römer die einheimische Bevölkerung bekannt, besonders an Rhein, Mosel, Saar und Donau. Mit der Sitte des Weintrinkens wurde der Wortschatz der Weinherstellung übernommen: etwa „Most“ für jungen Wein (lateinisch mustum) und „Winzer“ (lateinisch vinitor).

Balkon

Der „Balkon“ zählt zu einer Reihe französischer Fachwörter, die im 17. und 18. Jahrhundert in der Barockzeit ins Deutsche gelangten. Durch das Vorbild des Schlosses von Versailles und seiner Gartenanlagen und durch unzählige Versuche, den französischen Baustil zu kopieren, etablierten sich neben dem „Balkon“ (französisch balcon, vom italienischen balcone, „Balkengerüst“) etwa auch die „Allee“ (französisch allée, ursprünglich „Gang“), das „Bassin“ (bassin, „Wasserbecken“), das „Parterre“ (parterre, „ebenes Gartenbeet“) und die „Terrasse“ (terrasse, einst „Erdaufschüttung“).

Energie

Das Wort „Energie“ wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit der fortschreitenden industriellen Entwicklung verstärkt benutzt. Dabei war der Begriff aus dem Lateinischen (energia) und dem Altgriechischen (enérgeia, „wirkende Kraft“) schon im 18. Jahrhundert in der Wissenschaft bekannt. Eine Form der Energie ließ sich etwa beim Bernstein beobachten: in seiner geheimnisvollen Kraft, nach Reibung andere Stoffe anzuziehen. Folglich benannte man nach dem altgriechischen Namen des Bernsteins ’lektron (deutsch „Elektron“) die Anziehungs-und Abstoßungskräfte von verschieden geladenen Elementarteilchen. Daraus ergab sich das Adjektiv „elektrisch“.

Toilette

Das Wort „Toilette“ wurde im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt und bezeichnete ursprünglich Frisur, Kleidung sowie das Sichzurechtmachen der vornehmen Dame, bevor es sich zum Ausdruck für das „gewisse Örtchen“ entwickelte.

Alsbald tauchte dafür auch die englische Bezeichnung water-closet auf, die dann als „Klosett“ (zuerst „abgeschlossener Ort mit Wasserspülung“) und bald schon als heute übliche Abkürzung „WC“ in unseren Sprachgebrauch gelangte.

Sport

Das Wort „Sport“ bedeutete einst „Spiel, Zeitvertreib“, eine Kurzform des englischen disport („Vergnügen“, vom altfranzösischen se déporter, „sich zerstreuen“, das aufs lateinische deportare, „wegbringen“, zurückgeht). Im späten 19. Jahrhundert, als die Rolle Großbritanniens und der USA in vielen Bereichen des modernen Lebens immer stärker wurde, brachte der Sport etliche neue Wörter ins Deutsche.

Die von den Briten übernommenen Sportarten Tennis, Fußball und Boxen behielten zunächst ihren englischen Fachwortschatz bei. Erst im Lauf der Zeit wurden viele englische Begriffe durch Umformungen, Übertragungen oder Neubildungen ersetzt, etwa „Aufschlag“ für service, „Einstand“ für deuce und „Schläger“ für racket.

Spray

Warenbezeichnungen wie „Spray“, „Aftershave“, „Lotion“ setzten sich in der Nachkriegszeit durch, als man den „American Way of Life“ bewunderte und in der Kosmetikindustrie glaubte, solche Wörter seien werbewirksamer als die deutschen Begriffe. Das Englische verdrängte bald auch das in der Mode dominante Französische. „Designer“ und „Stylisten“ arbeiteten fortan an neuen „Looks“.

ANJA MATTHIES

BUCHTIPP

Die außergewöhnliche Geschichte unserer Wörter Dudenverlag 192 Seiten, 16 Euro