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Wo sind die 374 Millionen?


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 35/2021 vom 01.09.2021

BUNDESLIGA

Ob der Spruch des legendären Bankiers Mayer Amschel Rothschild die Hertha-Bosse und Investor Lars Windhorst (44) tröstet? „Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer“, sagte der Kaufmann über große finanzielle Verluste.

Bei Hertha BSC lassen dieser Tage die Aussagen der Verantwortlichen aufhorchen. „Transfers, die in die 20 Millionen Euro gehen, werden wir bei uns nicht mehr sehen“, sagt Sportdirektor Arne Friedrich (42). Sein Boss, Geschäftsführer Fredi Bobic (49), hatte über Windhorsts Kohle in SPORT BILD gesagt: „Von diesem Geld wird kaum etwas in Neuzugänge fließen.“ Zuletzt durften nicht einmal die rund 30 Mio. Euro, die für den Verkauf von Matheus Cunha (22) eingenommen wurden, auf dem Transfermarkt wieder ausgegeben werden.

Die Fans fragen sich: Wie kann das sein? In den vergangenen zwei Jahren hat der Hauptstadt-Klub 374 ...

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 35/2021

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... Mio. Euro von Windhorst – oder korrekt formuliert von dessen Firma „Peil Investment BV“ – im Gegenzug für 66,6 Prozent der Kommanditanteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA erhalten. In Wahrheit war die Summe sogar noch höher. Windhorst selbst spricht von 375 Mio. Euro. Denn der Unternehmer investierte auch projektgebunden bei Hertha, zum Beispiel in ein Film- Projekt, über dessen Ausstrahlung intern noch gestritten wird.

FREDI BOBIC ist seit diesem Sommer Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC. Zuvor führte er Eintracht Frankfurt in den Europapokal

CARSTEN SCHMIDT ist seit dem vergangenen Winter Vorsitzender der Geschäftsführung bei Hertha BSC, zuvor war er Boss beim Pay-TV-Sender Sky

So oder so – von der Mega- Summe, dem größten Einzelinvestment der Bundesliga-Geschichte, scheint schon jetzt nichts mehr da zu sein. Oder, um beim Rothschild-Zitat zu bleiben, es steht zumindest der sportlichen Abteilung nicht zur Verfügung.

Wo ist die Windhorst-Kohle? Die Antwort ist nicht einfach. Zum einen sind wenig Zahlen zugänglich, zum anderen vermischen sich die Windhorst-Zahlungen mit anderen Einnahmen des Vereins. Heißt: Ausgaben kommen aus allen Kassen und nicht nur aus derjenigen, die der Investor gefüllt hatte. SPORT BILD zeigt dennoch, warum Hertha auf dem Transfermarkt dieses Sommers nicht so handlungsfähig war, wie es viele erwartet hatten.

Die erste große Säule der Ausgaben ist der Kader. Seit Windhorsts Einstieg und bis Montagabend gab Hertha laut transfermarkt.de 156,55 Millionen Euro für neue Spieler aus. Das sind reine Ablösesummen. Zu jedem Transfer kamen Unterschriftsprämien und Beraterhonorare. Die haben auch Spieler und deren Agenten bekommen, die ablösefrei waren – wie Sami Khedira (34), Mattéo Guendouzi (22), Kevin-Prince Boateng (34) oder Stevan Jovetic (31). Allein dieser Posten sprengt also die 200-Mio.-Euro-Marke.

Mit den neuen Spielern stieg auch das Gehaltsbudget. Lag Hertha in der Vor-Windhorst- Zeit lange bei rund 50 Mio. Euro pro Jahr, wiesen die Berliner schon für das Geschäftsjahr 2019/20 rund 70 Mio. Euro an Spielergehältern aus, in der vorigen Saison dürfte die Summe leicht höher gewesen sein. Spitzenverdiener ist dem Vernehmen nach Piatek mit bis zu sechs Mio. Euro im Jahr.

Doch auch in anderen Bereichen gab Hertha kräftig aus – nicht immer freiwillig und nicht immer ohne langfristigen Plan wie bei vielen Spielereinkäufen, die ihren Marktwert verringert haben. Allein durch Corona wurde bei Hertha nach SPORT BILD- Info ein Loch von knapp 80 Mio. Euro gerissen. Zudem plant Hertha konservativ. Heißt: Anstatt das Geld, das zum Beispiel durch Transfereinnahmen reinkommt, wieder auszugeben, sollen weiterhin Rücklagen gebildet werden, falls die Corona-Folgen noch mehr Verluste verursachen. Herthas Hoffnung ist, am Ende der Krise finanziell stabiler dazustehen als andere Vereine.

Zudem musste der frühere Investor KKR mit 71,2 Mio. Euro ausbezahlt werden, um die Anteile frei für Windhorst zu bekommen. In diesem Zusammenhang steht eine Anleihe, ein sogenannter Nordic Bond, dessen Ablösung Hertha über 40 Mio. Euro kostet. Und es wurden weitere Altschulden abbezahlt.

Einen mittleren einstelligen Millionenbetrag investierte Hertha in die eigene Infrastruktur. Die Geschäftsstelle, das Rehazentrum und Trainingsplätze wurden umgebaut und modernisiert.

Auch das, was Hertha „Umstrukturierung des Vereins“ nennt, und zum Großteil notwendig ist, kostet viel Geld. Das Goldelse-Projekt, in dem gemeinsam mit einer Unternehmensberatung ein Zukunftsprojekt erarbeitet wurde, soll Hertha knapp eine Million Euro gekostet haben. Im Sport kamen mit Bobic neun neue Mitarbeiter wie Kaderplaner Dirk Dufner (53) oder Akademie-Leiter Pablo Thiam (47). Auf der Geschäftsstelle wurden neue Stellen geschaffen. Zum Beispiel eine Personalleiterin und ein Leiter Strategie. Bobic soll mit mehr als drei Mio. Euro jährlich das Doppelte von Ex-Manager Michael Preetz (54) verdienen, Sportdirektor Friedrich wurde in der Windhorst-Zeit eingestellt, Carsten Schmidt (57) besetzt als Leiter der Geschäftsführung ebenfalls einen neu geschaffenen Posten. Alles in allem dürften sich die jährlichen Personalkosten dadurch um einen mittleren einstelligen Millionen- Betrag erhöht haben.

Diese Maßnahmen sollen Erfolg bringen und später mehr Einnahmen bringen.

Altlasten der vergangenen zwei Jahre sind Abfindungen und Gehaltsfortzahlungen für Preetz und die drei entlassenen Trainer Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Bruno Labbadia. Alles in allem ein Betrag im siebenstelligen Bereich.

Deren Nachfolger Bobic und Trainer Pal Dardai müssen also günstiger einkaufen. Um die Geldbörse wieder anschwellen zu lassen, schaut sich Hertha bereits um – nach Geld, das gerade noch andere besitzen. Windhorst oder ein ganz anderer Investor.