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Woher kommen die Kräuter?: Die Qualitätsfrage


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 23.01.2019

Kräuteranbau ist Monokultur. Pestizidbelastung ist ein Problem. Wer billig kauft, bekommt auch nur billig. Qualitätsstempel helfen nur bedingt weiter.


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Kräuter sind nicht immer nur gesund. 2012 nahm die Stiftung Warentest Kräuter und deren Pestizidbelastung unter die Lupe. Negativ fiel hierbei vor allem Minze aus Vietnam auf. Selbst in Biokräutern wurden zu hohe Gehalte nachgewiesen. Ein Jahr später warnte die Umweltorganisation Greenpeace vor belasteten chinesischen Heilkräutern. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stellte 2015 erhöhte Rückstände in ...

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... Küchenkräutern wie Rosmarin, Oregano, Dill und Schnittlauch fest.

Das Pestizidproblem

Regelmäßig würden die gesetzlichen Grenzwerte überschritten, besonders bei Kräutern aus Nicht-EU-Ländern, heißt es in einer Pressemitteilung des BVL. Auch der Aluminiumgehalt in vielen getesteten Kräutern war zu hoch. Weil Kräuter aber nur in geringen Maßen verzehrt werden, sieht das Ministerium kein unmittelbares Risiko für den Verbraucher.

Pflanzenschutzmittel werden besonders in Monokulturen gegen Fraßfeinde eingesetzt. Hohe Belastungen entstehen durch falsche Anwendung der Mittel oder wenn sie kurz vor der Ernte eingesetzt werden. In zu hohen Mengen sind sie für Menschen und Tiere dauerhaft gesundheitsschädlich. „Pestizide können Leber und Nieren belasten. Pferde reagieren empfindlicher als Menschen“, macht Tierheilpraktikerin Claudia Nehls deutlich. Auch bei Heilkräutern für Pferde ist die Belastung ein Problem, sagt Phytotherapeutin und Futterberaterin Constanze Röhm. „Kräuteranbau ist Monokultur. Das ist industrieller Grünlandanbau, es werden Tonnen umgeschlagen. Das vergessen viele.“

TIPP

Kräuter in Arzneibuchqualität haben die beste Qualität. Über die Herkunft und Arbeitsbedingungen vor Ort verrät das jedoch nichts.

Auch Claudia Nehls hat in den vergangenen Jahren eine zunehmende Pestizidbelastung bei Kräutern beobachtet. „Deshalb sollte man Kräuter immer in Arzneibuchqualität kaufen“, rät die Tierheilpraktikerin. „Doch es ist oft schwierig, ein bestimmtes Kraut überhaupt in dieser Qualität zu bekommen, weil manche Chargen durchfallen.“

Der Begriff Lebensmittelqualität sagt hingegen nichts über die Qualität von Kräutern aus. „Es können trotzdem Pestizide drin sein“, macht Nehls deutlich. „Man weiß es nicht, weil sie nicht geprüft sind.“ Deshalb seien auch belastete Billigkräuter häufig als Gewürze deklariert, verrät Contanze Röhm.

„Dort gelten andere Grenzwerte, weil man davon ausgeht, dass ein Gewürz nur in geringen Mengen Anwendung findet“, erklärt die Phytotherapeutin.

Darin sieht sie auch den Unterschied zwischen einem Gewürzkraut, einem Kraut für den Humankonsum, beispielsweise einem Tee und einem Kraut in Arzneibuchqualität. „Wenn ich billig kaufe, bekomme ich auch nur billig“, bringt sie es auf den Punkt. Wer seine fertig getrockneten Einzelkräuter oder Kräutermischungen beim Hersteller kauft, weiß nur wenig über Herkunft und Anbau oder über die Arbeitsbedingungen vor Ort. Constanze Röhm rät: „Je mehr mir ein Hersteller darüber verrät, desto eher würde ich die Kräuter bei ihm kaufen.“

Wir haben 15 unterschiedliche Futtermittelhersteller angeschrieben, die entweder Einzelkräuter und Kräutermischungen oder Mineralfutter mit Kräuterzusätzen anbieten, und sie nach der Herkunft ihrer Kräuter gefragt. Sieben haben bis Redaktionsschluss schriftlich geantwortet. Es heißt, die Kräuter kommen „aus aller Welt“, „hauptsächlich aus Deutschland und Österreich“ oder von Großhändlern, die Kräuter aus der ganzen Welt importieren. Bei einigen Kräutern handle es sich um heimische Wiesenkräuter, doch auch Polen und China werden als Herkunftsländer genannt.

Hoher Anspruch

Aus allen Antworten geht hervor, dass die Hersteller möglichst hohe Qualität verwenden wollen. Einige nennen die Arzneibuchqualität als ihren Standard. Andere bezeichnen ihre Ware als zertifiziert und für den menschlichen Verzehr geeignet oder versprechen eine regelmäßige Analyse auf Schadstoffe. Auch „strenge Kontrollen auf Schadstoffe, Verunreinigungen und Pestizide“ werden genannt.

Ein Hersteller sagt jedoch auch, dass der Standard bei Einzelkräutern manchmal wegen Ernteausfällen oder der Marktlage von Arzneibuch-auf Lebensmittelqualität herabgesetzt werde. Contanze Röhm sagt: „Kräuter kommen in den wenigsten Fällen aus Deutschland, sondern aus Rumänien, Bulgarien, Polen, aber auch aus Afrika, zum Beispiel aus Marokko. Da ist auch das Wetter entsprechend.“

Doch nicht allein der zu hohe Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind ein Problem bei Kräutern. So haben Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA, vor einigen Jahren für großes Aufsehen gesorgt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte einen hohen PA-Gehalt in Kräutertees, Honig und Salatmischungen nachgewiesen.

Schädlicher Schutz

Bei den Pyrrolizidinalkaloiden handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, mit denen Pflanzen sich gegen Fraßfeinde wehren. Sie stehen im Verdacht, leberschädigend und krebserregend zu sein. In rund 6.000 Pflanzen sollen PA vorkommen, vorrangig in den Familien der Korbblütler, der Raubblatt- und Borretschengewächse und der Hülsenfrüchtler, so das BfR. Pyrrolizidinalkaloide können zum Beispiel durch Verunreinigungen mit Wildkräutern in Lebens- oder Futtermittel gelangen. Huflattich oder Beinwell jedoch bilden selbst PA und sind auch als Heilpflanzen beliebt. 2018 veröffentlichte die Universität Leipzig das Ergebnis einer Studie, in der die PA-Belastung 48 unterschiedlicher Pferdefutter getestet wurde. Das Ergebnis: 43 Prozent der Proben überschritten das festgelegte Maximum, das laut der Forscher unter 90 Mikrogramm PA pro Kilogramm liegen sollte. Ein Grund zur Sorge? Ein akutes Gesundheitsrisiko durch PA-haltige Lebensmittel besteht laut BfR nicht. Dennoch seien sie „aufgrund ihres gesundheitsschädigenden Potenzials in Lebens- und Futtermitteln unerwünscht“, heißt es in einer Stellungnahme des BfR vom Juni 2018.

Ganz sicher kann der Pferdebesitzer nicht sein, vollkommen unbelastete Kräuter zu kaufen. Doch genau hinschauen und nachfragen lohnt sich. Die Arzneibuchqualität bietet die größte Sicherheit für hochwertige und unbelastete Ware. Allerdings sind Kräuter in dieser Qualität auch nicht ganz billig.

Pflanzenschutzmittel kommen vor allem in Monokulturen zum Einsatz.


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Qualitätsstufen

Kräuter werden gerne mit unterschiedlichen Stempeln vermarktet. Diese sollen deren Qualität zum Ausdruck bringen. Was sich hinter dem schönen Klang tatsächlich verbirgt, wissen die wenigsten.

Lebensmittelqualität: Es gibt keine festgelegten Kriterien, die ein Produkt erfüllen muss, damit es sich mit der Bezeichnung Lebensmittelqualität schmücken darf. In erster Linie muss es essbar sein.

Apothekenqualität: Häufig werden die Begriffe Arzneibuch- und Apothekenqualität synonym verwendet, da eine Arznei nur in Apotheken zu kaufen ist. Manche Heilpflanzen sind apothekenpflichtig, das heißt, sie dürfen nur über die Apotheke abgegeben werden. Andere wiederum sind sogar verschreibungspflichtig.

Arzneibuchqualität: Das Arzneibuch regelt die Qualitätsstandards zur Herstellung von Arzneien und deren Bestandteile. Nur wenn Kräuter der Prüfung in Sachen Wirkstoffgehalt, pharmakologische Eigenschaften, Reinheit und Aufbereitungsform standhalten, bekommen sie den Stempel „Arzneibuchqualität“.