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Wohnen und Leben im Quartier in Zeiten von Digitalisierung


Gemeinsam leben - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 02.01.2020

Bei bisherigen Versuchen, die Chancen von Digitalisierung in Wohnen und im Quartier zu beschreiben, dominieren derzeit noch technologische und ökonomische Perspektiven, welche die „gesamtwirtschaftlichen Potenziale“ (Becks u. a. 2010, S. 19) neuer technologischer Entwicklungen in den Mittelpunkt rücken. Anwendungstechnologien wie ‚Smart Home‘ (vgl. Meyer/Schulze 2010) geben zwar vor, Bedürfnisse von Menschen besser zu befriedigen und zu einer Erhöhung der Lebens- und Wohnqualität zu führen, haben jedoch nach Einschätzung der Autoren nicht immer die wohnbezogenen Bedürfnisse von Menschen bzw. soziale ...

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Bildquelle: Gemeinsam leben, Ausgabe 1/2020

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... Wohnfunktionen sowie Teilhabe-, Partizipations- und sozialräumliche Aneignungsmöglichkeiten im Blick. Stattdessen werden Menschen tendenziell in den ihnen zugewiesenen Rollen als KonsumentInnen, KundInnen oder PatientInnen in das jeweilige System eingepasst. In diesen Rollen werden sie – wenn überhaupt – in Studien zu Technikakzeptanz und in Evaluationsstudien befragt, viel zu selten aber von vornherein bei der Entwicklung von technischen Lösungen beteiligt. Die individuelle Lebensführung und Vorstellungen von gelingendem Wohnen (zum Beispiel im Alter) bleiben dabei implizit. Aus den genannten Gründen plädieren die Autoren für die Entwicklung einer eigenständigen sozialwissenschaftlichen (sozial- und medienpädagogischen) Perspektive im Lebensfeld Wohnen und Quartier in Zeiten von Digitalisierung. Dabei interessiert sie vor allem die Frage, wie vor dem Hintergrund von Digitalisierung die gesellschaftliche Teilhabe, Partizipation und Selbstbestimmung aller Menschen gestärkt werden kann. Ihre eigenen fachlichen und beruflichen Hintergründe legen es nahe, sich in diesem Zusammenhang mit den Potenzialen von inklusiver Medienbildung und einer ausgeprägten sozialräumlichen Perspektive mit Blick auf Menschen unterschiedlichen Alters (Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen) – sowohl mit, als auch ohne Behinderung – zu beschäftigen, die in unterschiedlichen Wohnformen im Quartier leben. Vor dem Hintergrund einer Perspektive der inklusiven Medienbildung plädieren die Autoren für einen Paradigmenwechsel bei der Entwicklung und dem Einsatz von (digitalen) Medien und technischen Systemen im Quartier sowie bei den entsprechenden Förderprogrammatiken.

1 Eine Frage der Perspektive: Wohnbezogene Bedürfnisse und Soziale Wohnfunktionen

Im Folgenden werden wir unser zugrunde liegendes Verständnis von Wohnen und Leben im Quartier offenlegen. Mit Wohnen verbindet sich „einerseits die gebaute und gestaltete Umwelt, andererseits ein zentrales soziales Handlungsfeld des Menschen, in dem Sozialisation, Kommunikation, Rekreation und Selbstverwirklichung geschieht. Wohnen bedeutet […] nicht nur, dauerhaft an einem Ort zu sein, sondern bildet für beinahe jeden Menschen in unserer Gesellschaft den Mittelpunkt der Lebensgestaltung.“ (Schwarte & Oberste-Ufer 2001, S. 22). Der Ort des Wohnens vermittelt das „Gefühl [.], beheimatet zu sein“ (ebd.) und erfüllt für alle Menschen – unabhängig von Behinderung, psychischer Erkrankung und weiteren Merkmalen – individuelle Bedürfnisse. „Besonders typisch ist für unseren Kulturkreis vor allem, dass Wohnen ‚privat‘ und nicht in Gemeinschaftseinrichtungen realisiert wird.“ (Hannemann 2014, S. 36). Die elementaren Bedürfnisse im Wohnen werden dabei im Allgemeinen mit Vorstellungen von „Sicherheit, Schutz, Geborgenheit, Kontakt, Kommunikation und Selbstdarstellung“ (ebd., S. 37) assoziiert. Schon einige Jahre vor der beobachteten Digitalisierung und Mediatisierung des sozialen Handelns und sämtlicher Lebenswelten (vgl. Krotz 2001) war die Komplexität des Wohnens und seiner gesellschaftlichen Funktionen enorm. Der Historiker Hans Jürgen Teuteberg hat in seinem Beitrag zu einer „Sozialgeschichte des ländlichen und städtischen Wohnens in der Neuzeit“ (1985) „Wohnen als ökonomisches Bedürfnis wie auch als soziales Interaktionsfeld begriffen“ (Teuteberg 1985, S. 1). „Wohnen [erscheine] vom Standpunkt der Gesamtgesellschaft gesehen als integraler Bestandteil des Familienlebens, des häuslichen Erwerbs und der Reproduktion der Arbeitskraft, der täglichen Haushaltsnachfrage, Konsumtion und Kommunikation“ (ebd., S. 1 f.). Das körperliche, heute würde man vielleicht sagen ‚non-virtuelle‘, Zusammenleben von Menschen in Räumen hänge gleichsam mit „Geltungsstreben, Gruppensolidarität und Schichtenidentifikation“ (ebd., S. 2) zusammen und müsse im Kontext von „größeren Prozessen menschlicher Sozialisation und Enkulturation“ (ebd.) gesehen werden. Teutebergs Modell der „Sozialen Wohnverfassung“ (1985, S. 3) kann als bedeutender Versuch einer Systematisierung von soziokulturellen Phänomenen und Determinanten im Bereich des Wohnens angesehen werden. Das Teutebergsche Modell sollte ursprünglich als Grundlage für die weitere sozialgeschichtliche Forschung zum Wohnen dienen, es wurde aber auch in Nachbardisziplinen wie der Erziehungswissenschaft rezipiert. In den 1990er Jahren wurde es von dem Sozialpädagogen Norbert Schwarte auf die (Qualitäts-)Entwicklung von wohnbezogenen Angeboten und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen übertragen (vgl. Schwarte & Oberste-Ufer 2001, S. 23). Vor dem Hintergrund des Normalisierungsprinzips und ausgehend von Leitgedanken wie Bedürfnisorientierung, Individualisierung und Selbstbestimmung lieferte das Modell der Sozialen Wohnverfassung wichtige Impulse für das Qualitätsentwicklungsinstrument LEWO (Lebensqualität im Wohnen für erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung) (vgl. ebd., S. 24-38), und somit für die Weiterentwicklung von Einrichtungsformen in der Behindertenhilfe und weiteren Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit hin zu gemeindeintegrierten Wohnformen. Im Hinblick auf das Thema dieses Beitrags fällt auf, dass in dem über 30 Jahre alten Modell einer Sozialen Wohnverfassung elektronische Mediengeräte noch nicht explizit benannt werden, obwohl nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1979 bereits 61,6 % der deutschen Haushalte über ein Farb-Fernsehgerät verfügten (vgl. Meyer-Larsen 1980, S. 39). Auch 15 bis 20 Jahre später – in der Hochphase der Diskussionen um Qualitätsentwicklung in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe (vgl. Wetzler 2003; Schwarte & Oberste-Ufer 2001) – wurde die Bedeutung der Mediengeräte und des zu dieser Zeit in den Privathaushalten zunehmend vorzufindenden Internetzugangs im entsprechenden Fachdiskurs zu stationärem Wohnen nicht thematisiert, obwohl in der Sonderpädagogik schon einschlägige Publikationen zu den Potenzialen von Technologienutzung vorgelegen haben (z. B. Lamers 1999). Auch an einem späteren, von der Bundesregierung (im konkreten Beispiel vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) geförderten Projekt zum selbständigen Wohnen (Leitfaden „Leben und Wohnen für alle Lebensalter“, Kremer-Preiß/ Stolarz 2009) wird kritisiert, dass dieses die Potenziale von Techniknutzung und die entsprechenden Fachdiskurse nicht zur Kenntnis nehmen würde: „Wir hoffen, dass in einer der nächsten Auflagen auch auf technische Lösungen verwiesen wird“ (VDE 2009). Dies deutet daraufhin, dass es im Hinblick auf Förderprogrammatiken zum Wohnen Diskrepanzen gab (und nach wie vor gibt) – vermutlich aufgrund von verschiedenen fachlichen Perspektiven und der unterschiedlichen Politiken der ministerialen Ressorts.

Auch wenn es technische oder gar digitale (Medien-)Geräte und Systeme noch nicht explizit benennt, könnte das Modell von Teuteberg zum Weiterdenken bei einer Systematisierung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Wohnen und Leben im Quartier in Zeiten von Digitalisierung anregen, weil es bereits die aus unserer Sicht bis heute Sinn ergebenden Hauptkategorien (Wohnung als gebaute Umwelt, Wohneinrichtung, soziale Wohnfunktionen) vorsieht. Ein (noch auszuarbeitendes) Modell der ‚Sozialen Wohnverfassung im Zeitalter von Digitalisierung‘ (siehe Abbildung 1) könnte an diese Überlegungen anschließen.

Abbildung 1: Soziale Wohnverfassung in der digitalen Welt, vgl. Teuteberg 1985, S. 3, Mayerle 2019, S. 173


2 Neue Mediengeräte – neue technische (Unterstützungs-)Systeme

In kulturüblich ausgestatteten Wohnungen dieser Tage sind digitale Mediengeräte kaum mehr wegzudenken: Die Bedeutung von Unterhal tungselektronik und Kommunikationstechnik in privaten Haushalten hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen (vgl. Becks u. a. 2010, S. 12). Bereits 2010 wurden in Deutschland ca. 12,2 Mrd. Euro für Flachbildfernseher, Digitalkameras, Spielekonsolen und andere digitale Mediengeräte umgesetzt. Die durchschnittliche Anzahl von PCs in deutschen Haushalten betrug 2010 1,54 (vgl. ebd.). In den folgenden Jahren kamen neue Mediengeräte wie S m a r t p h o n e s oder Tablet-PCs hinzu, die eine weitere Erhöhung der Anzahl vernetzter Geräte in privaten Haushalten zur Folge hatte (vgl. Destatis 2018).

2.1 25 Jahre Technische Assistenzsysteme im Wohnen

Betrachtet man den Forschungsstand zu technischen Geräten und Systemen im Wohnen, fällt auf, dass die Forschung zu Technischer Assistenz in Deutschland auf eine mittlerweile 25jährige Tradition zurückblicken (vgl. Meyer 2018) und als vergleichsweise etabliert gelten kann. Auch wenn die entwickelten speziellen technischen Systeme nur in einem sehr kleinen Anteil der Wohnungen in Deutschland installiert sind, soll der Forschungsstrang an dieser Stelle skizziert und diskutiert werden, weil er seit Jahren im Mittelpunkt zahlreicher Förderprogrammatiken steht (z. B.: BMBF 2008). Die auf entsprechende anglo-amerikanische Diskussionen ab den 1980er Jahren zurückgehenden Bestrebungen, Menschen mit Behinderungen mittels technischer Hilfsmittel und Systeme eine möglichst selbständige Lebensführung sowie Teilhabe am Erwerbsleben zu ermöglichen, bildeten hierzulande den Ausgangspunkt. In den 1990er Jahren konzentrierte sich die deutsche Forschung zu Technischer Assistenz auf die Zielgruppe ältere Menschen und wurde unter anderem durch die DFG Forschergruppe sentha 1997-2003, die u. a. Grundlagenforschung zu den „Bedürfnissen älterer Menschen, die durch technische Assistenz adressiert werden können sowie zu den Technikanforderungen und der Technikakzeptanz älterer Menschen“ (Meyer 2018, S. 148) bündelte, vorangebracht. In der Zeit ab der Jahrtausendwende gab es entsprechende Pilotprojekte im Wohnen, die unter der Bezeichnung „Smart Home für ältere Menschen“ (Meyer/Schulze 2010) zusammengefasst wurden. Das Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat die Thematik ab 2008 durch ein breites Forschungsprogramm unter dem Titel „Ambient Assisted Living“ (AAL) (BMBF 2008) aufgegriffen. AAL „steht für Entwicklungen und Assistenzsysteme, die eine intelligente Umgebung gestalten. Durch diese Technikunterstützung werden Menschen vor allem in Situationen von Ermüdung, Überforderung und übergroßer Komplexität entlastet. Die Assistenzsysteme sollen den Nutzer in seinen alltäglichen Handlungen bestmöglich und nahezu unmerklich unterstützen und ihm Kontroll- und Steuerleistungen abnehmen. Durch die technische Assistenz wird gerade der reife Mensch dazu befähigt, altersbedingte Einschränkungen weitgehend zu kompensieren“ (Albayrak et al. 2009, S. 6). Ökonomisch wurde mit der Einführung von AAL die Vorstellung verknüpft, die „Gesundheits-, Betreuungsund Pflegesysteme müssen effizienter werden“ (Berndt/Wichert 2009). Die anfangs vorgenommene Beschränkung von AAL auf ältere Menschen wurde 2010 vom AAL-Expertenrat des BMBF einer Ausweitung unterzogen: „[…] Technische Assistenzsysteme und flankierende Dienstleistungen [sollten] darauf gerichtet sein, die Potenziale und Ressourcen aller Menschen – also gleichermaßen von jungen und alten, von gesunden und chronisch kranken Personen oder von Menschen mit Behinderungen – zu nutzen und sie zu bestärken, ihr Erfahrungswissen in die Gesellschaft einzubinden“ (Gothe u. a. 2011, S. 2). Zwischen 2008 und 2012 hat das BMBF vier Forschungsprogramme zu AAL ausgeschrieben. Gefördert wurden insgesamt 54 Konsortialprojekte. Hinzu kamen Aktivitäten weiterer Bundes- und Landesministerien sowie die flankierende Unterstützung auf europäischer Ebene (vgl. Meyer 2018, S. 149). Auch wenn der damalige AAL-Expertenrat 2011 versichert hat, dass der Ausgangspunkt der Forschungen zu technischen Assistenzsystemen„[häufig] die wachsende Gruppe älterer Menschen und deren Interesse, ihre Lebensführung so lange wie möglich autonom und selbstständig zu gestalten […]“ (Gothe u. a. 2011, S. 3) gewesen sei, überwiegen doch bei den Förderprogrammatiken von AAL die zu erwartenden „Marktpotenziale, Entwicklungschancen, gesellschaftliche[n], gesundheitliche[n] und ökonomische[n] Effekte“ (Berndt/Wichert 2009). Vor diesem Hintergrund ist die starke Technikzentrierung (im Unterschied zu Personenzentrierung) bei Ambient Assisted Living – gerade in der Anfangsphase der Entwicklung des Konzepts – zu erklären. Sibylle Meyer weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das erste BMBF-Förderprogramm AAL (BMBF 2008) „nicht durch eine s y s t e m a t i s c h v e r g l e i c h e n - de sozialwissenschaftliche Evaluation der Erfahrungen der Nutzer begleitet [wurde]“ (Meyer 2018, S. 150). Um dieses Wissensdesiderat zu schließen, haben Meyer und weitere sozialwissenschaftlich Forschende inzwischen erste verg leichende Evaluationsstudien vorgelegt (vgl. ebd.). Aus unserer Sicht kann das nachträgliche Einbringen einer sozialwissenschaftlichen Perspektive, z. B. durch Nutzerevaluation, nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklung der technischen Assistenzsysteme primär unter den Maximen des technisch Möglichen und der Steigerung der Effizienz im ökonomischen Sinne erfolgt ist und dabei nicht in einer fachlich angemessenen Weise von den wohnbezogenen Bedürfnissen der Menschen in ihrem Quartier ausgegangen wurde.

Abbildung 2: (Medien-)Geräte, Anwendungen und Systeme der intelligenten Heimvernetzung, vgl. Becks u. a. 2010, S. 6


2.2 Technische Systeme im Wohnen – Perspektiven aus Elektronik, Elektrotechnik und Informationstechnik

Nachfolgend sollen die (digitalen) technischen Systeme kurz skizziert und kommentiert werden, die auf Bestreben der Elektroindustrie (in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung) Einzug in das Wohnen in unterschiedlichen Wohnformen halten sollen. In seinem Positionspapier „Intelligente Heimvernetzung. Komfort – Sicherheit – Energieeffizienz – Selbstbestimmung“ unternimmt der Technologieverband VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.) den Versuch einer Systematisierung der verschiedenen „Anwendungsszenarien der Heimvernetzung“ und unternimmt Bewertungen und Empfehlungen für die Praxis. Aus Sicht des VDE bringt „Intelligente Heimvernetzung […] dem Anwender ein deutliches Plus an Komfort, Sicherheit, Selbstbestimmung und Energieeffizienz. Sie ist ein wichtiger Massenmarkt, auf dem die deutsche Industrie eine weltweit führende Rolle spielen kann“ (Becks u. a. 2010, S. 19).

Wie die Abbildung „Wichtige Anwendungen der Heimvernetzung mit ihren typischen Geräten und den verwendeten Technologien“ zeigt, unterscheidet der VDE vier Anwendungsszenarien, von denen wir die Entwicklung des ersten, Ambient Assisted Living (AAL), bereits dargestellt haben:

• Ambient Assisted Living
• Smart Home
• Smart Metering
• Konsumerelektronik, Computernetzwerke

(ebd., S. 6).

Wie sich die Elektroindustrie Wohnen in Zeiten von Digitalisierung vorstellt, wird bei den Ausführungen zu ‚Smart Home‘ deutlich: „Wohnräume erfahren durch die intelligente Heimvernetzung eine erweiterte Nutzung. Küchen werden zu Kommunikationsinseln mit zentraler Steuerung der Haushaltsgeräte über Displays. Wohnbereiche werden mit Hilfe innovativer Technologien zu ‚Erlebniswelten‘. Die neue Generation der Haussteuerung vereint die komplette Gebäudesteuerung mit nützlichen Informations- und Entertainmentfunktionen“ (ebd., S. 9). Die Auseinandersetzung mit der im Kontext technologischer Entwicklung dominierende Perspektive der Elektroindustrie macht aus unserer Sicht einmal mehr deutlich, wie wichtig das stärkere Einbringen einer sozialwissenschaftlichen (v.a. soziologischen, sozialpädagogischen oder medienpädagogischen) Perspektive – und nicht zuletzt der Perspektive der Nutzer*innen, also der Wohnenden selbst – bei der Technologieentwicklung ist. Bei der Entwicklung von technischen Neuerungen wird unserer Einschätzung nach allzu häufig auf vermeintliche ‚Trends‘ (vgl. ebd. S. 6) gesetzt, die jedoch nicht notwendigerweise mit wohnbezogenen Bedürfnissen, Unterstützungsbedarfen im Alltag sowie Teilhabe-, Partizipations- und Aneignungsmöglichkeiten zusammenhängen müssen.

3 Chancen und Risiken von Digitalisierung im Wohnumfeld und Sozialraum

Die Digitalisierung ist im direkten Wohnumfeld angekommen und der demografische Wandel kann als wichtigster Impulsgeber von Smart-Home-Technologien bezeichnet werden (vgl. Marquardt 2018, S. 285). Menschen mit (eintretendem) Unterstützungsbedarf wünschen sich, möglichst lange in ihrem gewohnten Lebensumfeld zu bleiben und ihren selbstbestimmten Alltag – auch mit Hilfe technischer Unterstützungssysteme – aufrecht zu erhalten (vgl. BMfSFJ 2018, S. 8). Darin findet sich auch der Wunsch nach bestehen bleibenden nachbarschaftlichen Beziehungen im vertrauten Stadtteil. Auch die von Senioren*innen assoziierte Befürchtung nach Vereinsamung durch eine technisierte häusliche Versorgung, bekräftigt die Wichtigkeit von sozialen Kontakten (vgl. Kaiser 2018, S. 288). Denn durch zunehmende alters- oder erkrankungsbedingte Begrenzungen der Handlungsspielräume im Alltag wird der soziale Nahraum immer mehr zum zentralen Ort des Lebens (vgl. Kricheldorff 2015, S. 17 f.).

Digitale Unterstützungssysteme versprechen auf der einen Seite eine Erhöhung der Lebensqualität im Alltag – etwa durch zeitliche Flexibilität und Passgenauigkeit -, werden auf der anderen Seite jedoch auch hinsichtlich ihrer ethischen Verantwortbarkeit – beispielsweise der umfassenden Datenerhebung durch verschiedene (am Körper getragene) Sensoren – kritisch bewertet. So ist es nahezu unmöglich umfassend abzuschätzen, wer Zugriff hat und zu welchem Zwecke diese zum Teil sehr intimen NutzerInnendaten verwendet werden und inwieweit das private Umfeld so zur ‚Außenstelle‘ einer Firma wird; die Datenerfassung führt zu erwünschten und unerwünschten Überwachungs- und Kontrolleffekten, dabei verschiebt sich die Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Auch das im Alltag vieler Menschen sehr präsente Smartphone sammelt über Applikationen (z. B. Kartendienste, Soziale Netzwerke, Online-Einkäufe) unterschiedlicher Dienstleister ganz selbstverständlich eine Vielzahl von Daten. Digitale Fußabdrücke und die abstrakt erscheinende Wirkmacht von Algorithmen können die Wahrnehmung dahingehend beeinflussen, dass eigenen Einstellungen tendenziell bestätigt und gegenteilige Meinungen ausgeblendet werden; Fitnessarmbänder und Smartwatches protokollieren jederzeit (In-)Aktivität und (un-)gesundes Verhalten. Smarte Technologien erfordern z. T. erhebliche finanzielle Ressourcen und können damit Ungleichheit verschärfen.

Digitale Informations- und Kommunikationstechniken (IKT) haben im sozialräumlichen Alltag eine hohe Präsenz und prägen das Miteinander: Menschen informieren sich in sozialen Netzwerken über Stadtteilgruppen und -angebote, verabreden sich über Messenger-Apps, vergleichen Produkte und Dienstleistungen und schauen auf Online-Karten nach Orten und Bewertungen. Über Kleinanzeigenportale werden Secondhand-Waren in der Nachbarschaft gesucht und über das Smartphone Angelegenheiten mit der Stadtverwaltung getätigt. Gleichzeitig lassen sich auch negative Effekte der Digitalisierung, bezogen auf den Sozialraum, beobachten: der Online-Handel und ein verändertes Einkaufsverhalten der Bewohner*innen verändern Sozialräume dahingehend, dass bisher vorhandene ökonomische Infrastruktur wegbricht oder Bankfilialen sogar in großen Städten mobil werden und nicht mehr jeden Tag zur Verfügung stehen (vgl. Rheinische Post vom 7. August 2019). Ferner tragen auch private Zimmervermietungen an Touristen, die über das Internet angeboten werden, dazu bei, dass die Suche nach bezahlbaren Wohnraum erschwert wird (Airbnb-Gentrifizierung) (vgl. Wolf 2017, 36f./Report-D vom 16. August 2019) und die „Ambulantisierung“ von Hilfen in der Eingliederungshilfe ihr Potenzial nicht voll entfalten kann (vgl. Schädler et al. 2016, S. 226).

Vor dem Hintergrund des 2009 in Kraft getretenen Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-BRK) ist der Begriff der Inklusion auch für das Zusammenleben im Stadtteil von Bedeutung: trotz unterschiedlicher Erklärungsansätze und Einschätzungen, ob institutionelle Separierung noch zulässig ist, geht es darum „Ausschlüsse zu vermeiden und die Gesellschaft insgesamt so zu organisieren, dass alle, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem soziokulturellen Status, ihrem Gesundheitszustand usw. […] partizipieren können“ (Dederich 2016, S. 2). Die konkreten Verhältnisse unserer Gesellschaft werden vor allem räumlich vermittelt (vgl. Deinet 2009: 27 ff.); der Stadtteil mit seinen Bewohner*innen, Treffpunkten und Institutionen ist der Ort der zwischenmenschlichen Begegnung und eines Zugehörigkeitsgefühls (vgl. Präambel UN-BRK). Innerhalb der beschleunigten Digitalisierung des Alltags lässt sich daher die Frage stellen, in welcher Weise die beschriebenen technologie-optimistischen Lösungen einen Beitrag zum guten Zusammenleben im Sozialraum leisten können? Wie können Menschen in das Gemeinwesen eingebunden werden und soziale Teilhabe- und Partizipationsmöglichkeiten geschaffen bzw. erhalten werden – trotz eingeschränkter Mobilität oder einer Behinderung?

Zunächst lässt sich feststellen, dass sich gegenständliche und virtuelle Räume nicht mehr abgrenzen lassen: in heutigen nachbarschaftlichen Netzwerken vermischen sind digitale und analoge Interaktionsformen zunehmend und es kann von „hybriden Sozialräumen“ gesprochen werden (Hagemann 2017). Stadtquartiere werden durch Hypertextstrukturen in digitale Netzwerke eingebettet und der reale Raum wird durch digital vermittelte Informationen individuell erweitert. Diese zusätzlichen Informationen oder Kommunikationsmöglichkeiten (z. B. über standortbezogene Dienste wie ‚Google-Maps‘) können das Handeln und die Wahrnehmung beeinflussen (vgl. Meine 2018, S. 30). In vielen geobasierten Anwendungen können Nutzer*innen selbst Daten hinterlegen: so kann etwa die Barrierefreiheit vor Orten mit Hilfe der App ‚wheelmap.org‘ lokal sichtbar gemacht werden.

Eine große Anzahl (professioneller) nachbarschaftsbezogener digitaler Plattformen, ehrenamtliche Stadtteil-Blogs, sowie lokale Diskussionsgruppen und (Arbeits-)Tauschbörsen verfolgen das Ziel, Menschen digital zu vernetzen und vor Ort zusammenzubringen. Durch digitale Nachbarschaftsplattformen können Initiativen im Stadtteil stärker sichtbar gemacht und das Interesse, etwa an Treffen teilzunehmen, geweckt werden. Auch können neue Personengruppen erreicht werden und jüngere Menschen können auf die Angebote von Kirchengemeinden und Vereinen aufmerksam werden. Im Internet können Informationen aus dem Sozialraum so aufbereitet werden, dass sie für möglichst viele Menschen verständlich sind (einfache/leichte Sprache, Videoclip, Visualisierungen bzw. Fotos). Personen die sich im analogen Raum nicht begegnen, können in online-Gruppen über gemeinsame Hobbys oder Interessen zusammenfinden. Menschen mit Exklusionserfahrungen stoßen im digitalen Raum nicht unmittelbar auf Vorurteile und wechselseitige Hemmungen in der Kontaktaufnahme können überwunden werden. Auch können Möglichkeiten des lokalen ehrenamtlichen Engagements in online-Gruppen stärker sichtbar gemacht werden. Durch die Erweiterung des sozialen Netzwerks, welches sich durch weit verstreute Brückenpersonen auszeichnet, wird der Zugang zu entfernten Ressourcen, Informationen und anderen Denkweisen erleichtert (vgl. Granovetter 1973).

Nach einer explorativen Studie von Franziska Schreiber und Hannah Göppert zum Thema „Wandeln von Nachbarschaft in Zeiten digitaler Vernetzung“ werden vor allem im urbanen Raum Nachbarschaftsplattformen von Alleinstehenden und Zugezogenen genutzt, um der „wahrgenommenen Anonymität“ entgegenzuwirken und vermisste öffentlich-analoge Begegnungsorte zu kompensieren (Schreiber/Göppert 2018, S. IV). Auch im ländlichen Raum etablieren sich digitale Nachbarschaftsangebote zur Vernetzung Gleichgesinnter (vgl. ebd. S. 33). Gleichzeitig kann festgestellt werden, dass lokalspezifische, digitale Angebote nicht alle Menschen erreicht und die Gefahr von Exklusion besteht. Im urbanen Raum sind vor allem Mittelschichtsangehörige mit hohem Bildungsabschluss überrepräsentiert, während Jüngere und Senioren sowie Personen mit Migrationshintergrund weniger aktiv sind (vgl. ebd., S. 30). Dabei zeigt sich Alterseinsamkeit und der Erosion familiärer Unterstützungsstrukturen, dass digitale Plattformen soziale Beziehungen und Aktivitäten ermöglichen können (vgl. ebd. S. 31). Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Menschen aus Wohneinrichtungen könnten von nachbarschaftsbezogenen digitalen Medien ebenfalls profitieren. Jedoch erschweren eine geringe digitale Medienkompetenz, eine fehlende Ausstattung mit Endgeräten und bestehenden Vorbehalte gegenüber digitalen Medien seitens der Betreuungspersonen die Nutzung (vgl. Freese/Mayerle 2013, 2015). Gleichermaßen wird ein Internetzugang für Menschen aus (Wohn-)Einrichtungen von den Trägern noch nicht selbstverständlich zur Verfügung gestellt. Der Ausbau von Freifunk-Netzwerken (offenes WLAN-Netzwerk mit Internetzugang) im Sozialraum könnte dazu beitragen, dass mehr Menschen partizipieren können.

Digitale Plattformen können auch nahräumliche Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten im Sinne einer E-Partizipation anstoßen. Die Besonderheit von E-Partizipation liegt darin, dass ganz neue Formen und Möglichkeiten der politischen Beteiligung entstehen können: Bürger*innen können sich in ihrer Geschwindigkeit zeitlich und räumlich unbeschränkt informieren, austauschen und einbringen. Somit besteht die Chance, dass Informationen aufbereitet und strukturiert (z. B. Leichte Sprache, Visualisierung) sowie Beteiligungsformen etabliert werden können, die durch Komplexitätsreduzierung in Form von neuartigen Formaten neue Zugänge für alle Bevölkerungsschichten bieten (Freese/Mayerle 2015). Interaktive Kommunikationstechnologien können Impulse für mehr lokale Beteiligung liefern: so könnte etwa ein digitales, interaktives schwarzes Brett im Stadtteil mit zusätzlichen Zugriffsmöglichkeiten über eine App aktuelle Informationen aufbereitet wiedergeben und Meinungen von Bürger*innen über ein barrierefreies visuelles Abstimmungstool einholen. Über einen einfachen piktogrammbasierten) Stadtteilkalender könnten Veranstaltungen und Berichte aus der Nachbarschaft kommuniziert werden. Dort könnten kollaborativ Ideen für den Stadtteil gesammelt und gemeinsame Veranstaltungen geplant werden.

In Zeiten häufig beklagter Politikverdrossenheit sollten Kommunalverwaltungen gemeinsam mit Bürger*innen erörtern, inwieweit neue digitale Zugänge bestehende Angebote ergänzen und digitale Plattformen die Initiierung und Mobilisierung von bürgerschaftlichem und politischem Engagement anstoßen können.

Bei der Partizipation benötigen Menschen mit Behinderungen zum Teil Unterstützung und Assistenz, damit sie mitwirken können. Es muss aktiv ein Umfeld geschaffen werden, welches Beteiligung ermöglicht (UN-BRK, Art. 29). Gleichzeitig können ihre alltäglichen Erfahrungen und Ideen dazu beitragen, dass der Stadtteil lebenswert(er) für alle Menschen wird. Durch Nutzung von digitalen Nachbarschaftsplattformen können Projekte entwickelt und neue Handlungsformen erprobt werden, die individuelle Lernprozesse und Aneignungsweisen stärken. Weiterhin ist Barrierefreiheit eine Grundvoraussetzung für politische Teilhabe: (Politische) Angebote müssen durch Komplexitätsreduzierung und die Verwendung von Bildsprache sowie Leichter Sprache, in der Lage sein, einen besseren Zugang für Menschen mit Behinderungen herzustellen. Die Potenziale für das Zusammenleben und der Beteiligung durch lokale digitale Plattformen sollten auch im Sinne eines weiten Inklusionsverständnisses stärker in den Blick genommen werden. Nach Ansicht der Autoren sollten sozialraumbezogene Plattformen und Angebote nicht exkludierend sein, vielmehr muss berücksichtigt werden, wie bessere Zugänge geschaffen (bspw. Partizipative Entwicklung und Berücksichtigung von Kriterien eines universellen Designs) und Menschen befähigt werden können: denn durch die Einbeziehung aller Menschen kann nicht nur der digitalen Spaltung begegnet, sondern auch soziale Spaltung reduziert werden. Digitale Plattformen sind bislang meist gewerblich organisiert: vielleicht lassen sich künftig auch öffentliche, lokale Plattformen partizipativ gestalten und etablieren?

Digitale Plattformen ersetzen keine menschlichen Begegnungen und gemeinsames sinnstiftendes Handeln, sie unterstützen dabei, Begegnungen zu initiieren, Kommunikation anzustoßen und gegebenenfalls die eigene Meinung einzubringen. Die Autoren ermutigen dazu, von den wohnbezogenen Bedürfnissen ausgehend, neue, gemeinschaftsstiftende Quartierskonzepte unter aktiver Beteiligung interessierter Bewohner* innen eines Stadtteils zu entwickeln, und dabei die unterschiedlichen Potenziale von analogen wie digitalen Möglichkeiten gleichermaßen zu berücksichtigen. Diesbezügliche Herausforderungen werden nachfolgend skizziert.

3.1 Herausforderungen für das Feld Wohnen und Leben im Quartier

a) Potenziale und Grenzen des Technikeinsatzes im Wohnen

Nicht allein folgt die Wohneinrichtung immer häufiger dem Leitgedanken eines ‚Smart Home‘, auch nimmt die Bedeutsamkeit der neuen ‚Information and Communication Technologies‘ (ICT) für zahlreiche Verrichtungen des Alltags rasant zu, und diese determinieren zunehmend die sozialen Wohnfunktionen: „Sie erhöhen die Wahlmöglichkeiten, die Selbständigkeit und die zeitliche und örtliche Flexibilität beträchtlich. Der Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs, Einzahlungen bei Post und Bank, das Lösen eines Bahnbillets, das Abrufen von Wetterprognosen und Nachrichten, die Kommunikation via E-Mail oder Messenger, der Kontakt mit Behörden usw. wird durch ICT ermöglicht oder erleichtert. Gerade Menschen mit Behinderungen kommt dabei entgegen, dass sie solche Tätigkeiten in einer vertrauten Umgebung, in frei wählbarem Tempo, unabhängig von Öffnungszeiten und mit vertrauter und individuell angepasster Hard- und Software ausführen können“ (Büchner u. a. 2009, S. 4, vgl. auch Freese/Mayerle 2013, S. 9).

Im Hinblick auf die Potenziale der Techniknutzung im Wohnen stellt sich jeweils die Frage, ob diese der Befriedigung elementarer wohnbezogener Bedürfnisse dient und soziale Funktionen von Wohnen sowie Möglichkeiten der Einbindung in Nachbarschaften, Wohnumfeld bzw. Quartier unterstützt. In einer Sozialen Wohnverfassung in Zeiten von Digitalisierung haben sich eine Vielzahl von Wohnungseinrichtungsgegenständen verändert. In kulturüblichen Haushalten sind nicht mehr nur Computer, Smartphone oder Tablet-PCs global vernetzt, sondern zunehmend auch weitere Gegenstände des Hausrats wie Küchen- und Haushaltsgeräte. Durch die Möglichkeit, theoretisch jederzeit mit unterschiedlichen Menschen überall auf der Welt in Kontakt treten zu können, Freizeit-, Konsum- und auch Beschäftigungsmöglichkeiten wahrzunehmen oder einzukaufen, hat sich die Bedeutung der Wohnung als gebaute Umwelt sowie die Bedeutung von externen Faktoren im Umfeld der Wohnung wie Nachbarschaft, Freunde, Verwandtschaft und Einkaufsgelegenheiten möglicherweise stark verändert. In institutionellen Kontexten von Wohnen bedeutet dies zum Beispiel, dass neue (digitale) Technologien Teilhabechancen in sämtlichen Lebensbereichen eröffnen können, die räumlich über das enge Wohnumfeld und erst recht über ein durch Betreuung geprägtes Umfeld im institutionellen Wohnen hinausragen (vgl. Mayerle 2015, S. 7).

Gleichzeitig birgt die digitale Vernetzung des Wohnens Risiken, zum Beispiel Isolation/ Vereinzelung, diskriminierende Erfahrungen, Suchtgefahren, Gewalt und Ausbeutung. Diese und weitere Möglichkeiten und Grenzen von (digitaler) Techniknutzung sollten sowohl bei der Entwicklung von technischen Lösungen, als auch bei der alltagsintegrierten Techniknutzung und ggf. ihrer pädagogischen Begleitung bedacht werden.

b) Potentiale von inklusiven Medienbildungsprojekten im Quartier am Beispiel des PIKSL Labors

Nach unserer Einschätzung „stehen wir vor der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung, wie angesichts der rasanten Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien, die mit einer ebenso dramatischen Veränderung der sozialen und kulturellen Kommunikationsformen sowie der von Menschen konstituierten Räume einher geht, politische Konzepte, Beteiligungsformen und (Medien-) Bildungsangebote so gestaltet werden können, dass möglichst viele Menschen möglichst weitgehend partizipieren können“ (Freese/Mayerle 2015, S. 392). Dabei sind insbesondere Menschen im Blick zu behalten, die darauf angewiesen sind, in stark institutionalisierten Kontexten zu wohnen. Auch wenn dieses Feld im Hinblick auf Digitalisierung empirisch wenig erforscht ist, verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Zugang zu Informationstechnologien und zu Angeboten der Medienbildung für diesen Personenkreis häufig von einer örtlich sehr unterschiedlichen Ausstattung in Wohnstätten, Wohngruppen und Tagesförderstätten und von den konzeptionellen Ausrichtungen dieser Einrichtungen abhängt (vgl. Mayerle 2019, S. 175 f.). Hier sind politische Förderprogramme und -systematiken, Angebotsstrukturen und pädagogische Konzepte in der Weise weiterzuentwickeln, dass die Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention, zum Beispiel bezüglich des freien Zugangs zu neuen Technologien und Informationen und der gleichberechtigten Teilhabe (vgl. Kempf 2013, S. 17), erfüllt werden können.

Zentral erscheint dabei aus unserer Sicht, inwieweit es gelingt, die Perspektive einer inklusiven Medienbildung flächendeckend zu etablieren. Inklusive Medienbildung ist als fachliche Perspektive noch relativ jung. Sie beschäftigt sich mit drei übergreifenden Feldern der Medienbildung:

• Teilhabe IN Medien: Hier geht es um die Sichtbarkeit und Repräsentanz verschiedener sozialer Gruppen in Medienproduktionen.
• Teilhabe AN Medien: Der Zugang zu Medien und die technische Bedienbarkeit werden in diesem Feld betrachtet.
• Teilhabe DURCH Medien: Es wird auf die Potenziale einer (digitalen) Mediennutzung fokussiert, zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Kommunikation, Information, Partizipation und Konsum.

(vgl. GMK-Fachgruppe Inklusive Medienbildung 2018; vgl. Zorn/Schluchter/Bosse 2019, S. 28). Die Potenziale von inklusiven Medienbildungsprojekten, zum Beispiel im Hinblick auf die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, wurden inzwischen in zahlreichen Publikationen thematisiert. Dabei kann das PIKSL-Projekt in Düsseldorf als „Musterbeispiel sozialer Innovation“ (Mildenberger/ Loebell 2019, S. 285) beschrieben werden. „Im PIKSL-Labor im Düsseldorfer Stadtteil Flingern kommen Menschen mit Behinderung zusammen, um voneinander zu lernen und Ideen im Umgang mit alltäglichen (digitalen) Problemstellungen zu entwickeln. Die Idee ist einfach: ‚Menschen mit Behinderung‘ wissen ganz konkret, welche Barrieren ihnen gesellschaftliche Teilhabe erschweren und wie Komplexität abgebaut werden kann. Aus diesem Grund erarbeiten sie – gemeinsam mit Hochschulpartnern – barrierearme Lösungen und innovative Ideen, von denen nicht nur sie selbst, sondern auch andere Menschen profitieren können.“ (Freese 2015, S. 192).Das Besondere an PIKSL ist wohl, dass sich die handelnden Akteur*innen von Anfang an zwei gesellschaftlichen Herausforderungen gleichzeitig stellen, die aus „zwei ganz unterschiedlichen Gegenden entstehen“ (Mildenberger/Loebell 2019, S. 289). Es geht zum einen um „technischen Wandel durch digitale Innovation“ (ebd.), zum anderen um „Unsere Anforderungen an eine inklusive Gesellschaft“ (ebd.). Der Handlungsansatz des PIKSL-Labors erscheint insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung von technischen Lösungen und Systemen hilfreich. Dies hängt mit dem sozial-innovativen Charakter desAnsatzes zusammen, der sich nach Mildenberger/ Loebell an den folgenden Aspekten festmachen lässt:

Offenheit und Unfertigkeit der Räume und Kontrolle der Benutzer*innen über die Räume: Was in der Kreativwirtschaft selbstverständlich erscheint, ist in anderen Wirtschaftssektoren noch nicht selbstverständlich: „Es ist guter Usus, Orte der Kreativität den Nutzern nicht fertig zu übergeben, sondern ihnen selbst die Gestaltung zu überlassen. Die Idee ist dabei, dass Innovation damit zu tun hat, Unvorhergesehenes geschehen zu lassen, ausgetretene Pfade zu verlassen und auch die eigenen Komfortzonen zu überschreiten und sich ungewohnten Erfahrungen auszusetzen [.]. Unfertiges und die Kontrolle der Benutzerinnen und Benutzer über ihre Räume sind ein erster Schritt zum organisierten und gewünschten Chaos der Kreativität“ (Mildenberger/Loebell, S. 291).
Peer Learnings: In ähnlichen Situationen, zum Beispiel von Erwachsenenbildung, „würde auf der Basis von wissenschaftlichen Erhebungen und Theorien eine spezifische Didaktik entwickelt und mit kognitiv eingeschränkten Personen in Unterrichtsversuchen getestet“ (ebd., S. 292). Nicht so im PIKSL-Labor. Hier wurden in einer frühen Projektphase Ideen der Pädagogik eines Lernens durch Lehren aufgegriffen und darauf vertraut, dass „jeder, der etwas kann, [.] es übernehmen [soll], andere an das Thema Computernutzung und Internetnutzung heranzuführen“ (ebd.). Vor dem Hintergrund dieser pädagogischen Haltung sind im PIKSL-Projekt eine ganze Reihe von neuartigen und unerwarteten Möglichkeiten entstanden, zum Beispiel die Computerkurse für Senior*innen im Stadtteil. „Dabei steht die zentrale Erkenntnis: Die Behinderten sind nicht alleine. Was für sie gut ist, ist auch nützlich für viele andere Menschen“ (ebd., S. 293).
Co-Produktion und Ressourcenorientierung: Von Beginn an beschränkt sich PIKSL nicht auf die Bildungsarbeit für Menschen mit Behinderungen, sondern lässt diese an unterschiedlichsten Aufgaben des Projekts partizipieren, so zum Beispiel an der Berichterstattung über PIKSL und seine Außendarstellung. Dabei werden selbstverständlich Informations- und Kommunikationstechnologien genutzt und es zeigen sich auch hier unterschiedliche Barrieren für die Menschen, zum Beispiel bei Content Management Systemen (CMS) zur Eingabe von Web-Inhalten. „Typisch PIKSL wird nun nicht zuerst versucht, Menschen fit zu machen [.]. Stattdessen wird überlegt: Ist es denn eigentlich notwendig, dass ein CMS so komplex ist? Geht es vielleicht auch einfacher?“ (Mildenberger/ Loebell 2019, S. 294). Also wurden in zwei Kooperationsprojekten mit dem Design-Fachbereich der Hochschule Düsseldorf zunächst Möglichkeiten eines einfachen CMS-Systems entwickelt. Anschließend wurde der Frage nachgegangen, ob eine einfache Bild- und Symbolsprache in der Lage ist, Barrieren im Netz abzubauen. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Die zentrale Erkenntnis des beteiligten Designers Dominik Mycielski ist: Analphabetismus durch eine Symbolsprache zu kompensieren, erscheint wenig aussichtsreich. Stattdessen sei es sinnvoller, bei den Kompetenzen des Einzelnen anzusetzen. Wenn jemand sprechen kann, so ist zum Beispiel Sprachsteuerung eine Option (vgl. Mycielski 2013, S. 75). Mildenberger und Loebell sprechen in diesem Zusammenhang von einem Paradigmenwechsel, die dem gesamten PIKSL-Ansatz zugrunde liegt. Dieser lässt sich aus unserer Sicht mit ‚Ressourcenorientierung statt Defizitorientierung‘ treffend bezeichnen.
Entwicklungshilfe, Beratung und Fortbildung: „Die Erfahrungen mit der Co-Produktion im Kontext selbst genutzter Infrastrukturen, Räume, Tische, CMS, werden von PIKSL systematisch erweitert. Was für den eigenen Bedarf funktioniert, kann ja auch anderen nützlich sein“ (Mildenberger/Loebell 2019, S. 293). In zahlreichen Projekten, Initiativen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit wurde inzwischen ein Paradigmendes wechsel realisiert. Zum Beispiel gibt es in gemeindepsychiatrische Handlungsfeldern Einrichtungen und integrative Betriebe, die Dienste wie Wäscherei, Gastronomie-Service u. a. allen Menschen im Quartier anbieten und nicht nur Arbeitsmöglichkeiten für die betreuten Menschen schaffen, sondern ebenso die Integration bzw. Inklusion der Menschen im Quartier fördern (vgl. ebd.).Im PIKSL-Labor ist man hierbei noch einen Schritt weitergegangen. Ausgehend von der Vorstellung eines .Behinderten‘ als ‚Menschen mit besonderer Begabung‘, wie sie auch den ‚Dunkelrestaurants‘ zugrunde liegt, wurde im PIKSL-Projekt die innovative Einsicht entwickelt, die Laborant*innen seien „Spezialisten mit einer Fähigkeit, die auch für alle anderen Menschen von größtem Nutzen ist. Sie verfügen über hervorragende Kenntnisse über den Umgang mit Schwierigkeiten, beispielsweise im Rahmen der Nutzung von IKT“ (ebd., S. 296). Sie sind also „Experten im Abbau von Barrieren“ (Freese 2012), welche zum Beispiel als Tester nutzerfreundlicher Computerprogramme genauso zum Einsatz kommen können wie bei der Prüfung der Verständlichkeit von Verbraucherinformationen, zum Beispiel von Energiekonzernen. Hier zeigt sich, dass von dieser Expertise nicht alleine Menschen mit Behinderungen profitieren, sondern viele andere Menschen auch.

Nachhaltigkeit und Skalierung: „Von Innovation wird meist erst dann gesprochen, wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung vorhanden ist, die in größerem Stil verbreitet werden kann“ (Mildenberger/ Loebell 2019, 298). Bei der Skalierung bzw. Diffusion des PIKSL-Ansatzes wird es vor allem darum gehen, „ob das Konzept von PIKSL richtig verstanden ist und ob es sich auch in einem neuen Kontext als funktionsfähig erweist“ (ebd.).

c) Nutzerbeteiligung an der Entwicklung innovativer technischer Lösungen im Wohnen und die Rolle von inklusiven Orten zur Weiterentwicklung der digitalisierten Gesellschaft

Vor dem Hintergrund des skizzierten Handlungsansatzes des PIKSL-Labors ist unsere Forderung nach einer Schaffung von „regionalen inklusiven Orten zur Weiterentwicklung der digitalisierten Gesellschaft“ (Freese/ Mayerle 2015, S. 395) zu verstehen, an denen Medienbildung, politische Bildung sowie inter- und transdisziplinäre Forschung und Entwicklung stattfindet und die allen Interessent*innen offen stehen soll. Bei der Entwicklung von innovativen technischen Lösungen und Systemen könnten diese inklusiven Orte eine Schlüsselrolle einnehmen, nämlich als Orte, an denen Akteure aus Industrie, Gewerbe, Forschung und Entwicklung mit interessierten Nutzer*innen zusammenkommen, um an der (Weiter-) Entwicklung von technischen Lösungen, Geräten und Anwendungen zu arbeiten. Wie unser Beitrag (Freese/Mayerle 2019) exemplarisch aufzeigt, wurden im Düsseldorfer PIKSL-Labor seit 2011 eine Vielzahl von entsprechenden Projekten zwischen Forschungs- und Entwicklungspartnern aus Industrie, Forschung, Mediendesign und Sozialwissenschaften erfolgreich durchgeführt (eine Übersicht über die diversen Projekte findet sich bei Freese/Mayerle 2019, S. 275 – 280). Allen Projekten gemeinsam ist der zugrundeliegende Ansatz, technische Lösungen von den Bedürfnissen der Nutzer*innen zu denken und diese – möglichst in alle Phasen der Entwicklung eines Produkts bzw. einer technischen Lösung zu beteiligen. Dieser entspricht dem Anspruch an eine partizipatorischen Forschung, wie sie Stefanie Goeke und Dagmar Kubanski (2012) in ihren unterschiedlichen Ausprägungen beschreiben und sollte unserer Meinung nach bei der künftigen Forschung und Entwicklung von technischen Produkten und Lösungen stärker Berücksichtigung finden. Im Ergebnis werden auf diese Art und Weise (technische) Lösungen erzielt, die den grundlegenden, zum Beispiel wohnbezogenen Bedürfnissen möglichst vieler Menschen nahe kommen.

d) Plädoyer für ein Umdenken bei den Förderprogrammatiken

Öffentliche Förderprogrammatiken, vor allem des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF), gehen noch allzu häufig von der Prämisse aus, dass technologische Entwicklungen dann als gut bzw. innovativ anzusehen ist, wenn sie als Produkt ein ‚Marktpotenzial‘ besitzen. Im Kontext des fachwissenschaftlichen Diskurses zu digitalen sozialen Innovationen setzt jedoch allmählich ein Umdenken ein; es sei zunehmend Konsens, dass eine „bloße Veränderung einer Neuerung auf gesellschaftliche Zusammenhänge noch keine soziale Innovation ausmacht“ (Mildenberger/Loebell 2019, 285). Wichtiger sei, „dass durch sie gesellschaftliche Bedürfnisse besser oder auf neue Art befriedigt werden, wobei unter gesellschaftlichen Bedürfnissen häufig Bedürfnisse von Individuen verstanden werden, für deren Erfüllung die ganze Gesellschaft sich verantwortlich fühlt (oder zumindest fühlen sollte)“ (ebd.). Auch wenn es hier weiten Diskussionsbedarf gebe, sei vielen Definitionen eigen, dass die Betroffenen selbst „an der Entwicklung sozialer Innovation teilhaben und darüber hinaus, dass durch soziale Innovation nicht nur ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung bereitgestellt wird“ (ebd.), sondern auch die Beziehungen innerhalb von Gesellschaft im Prozess sozialer Innovation verändert werden können, zum Beispiel im Hinblick auf gesellschaftliche Perspektiven wie Inklusion und Partizipation sowie den Abbau von Hierarchien (vgl. ebd.). Besonders die technologische Forschung und Entwicklung zu Wohnen und Leben im Quartier, also zu Orten, die zentrale Lebensbereiche von Menschen repräsentieren, sollte noch konsequenter – von den Grundbedürfnissen der Menschen ausgehend und – an gesellschaftlichen Perspektiven wie Inklusion und Partizipation orientierend – angemessen ‚smarte‘ Lösungen entwickeln, die in der Lage sind die Bedürfnisse möglichst vieler Menschen besser zu befriedigen. Hierzu ist ein Umdenken bei den Förderprogrammatiken nötig.

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Autoren
Michael Mayerle ist Dipl.-Sozialarbeiter und Dipl.- Pädagoge, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Department Erziehungswissenschaft – Psychologie der Universität Siegen. Er ist Mitherausgeber von Siegen:Sozial (SI:SO) und Mitglied des Zentrums für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE). Sein Interessengebiet sind die Potenziale von Medienbildung für zentrale Anliegen der Sozialen Arbeit. benjamink.freese@igl-duesseldorf.de

Benjamin Freese, Dipl.-Sozialpädagoge, Dipl.-Sozialarbeiter und Erzieher, war von 2011 bis 2017 Leiter des PIKSL-Labors in Düsseldorf-Flingern. Aktuell beschäftigt er sich mit der Gestaltung des inklusiven Quartiersprojekts „Wir machen mit!“. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Themen „Digitale Teilhabe“, „Sozialräumliche Arrangements“ (z B. Gemeinschaftsgärten) und inklusive Erlebnispädagogik.
michael.mayerle@uni-siegen.de