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Wohngemeinschaft DAS MIKROBIOM DER HAUT


Natürlich - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 03.09.2021

Artikelbild für den Artikel "Wohngemeinschaft DAS MIKROBIOM DER HAUT" aus der Ausgabe 5/2021 von Natürlich. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Natürlich, Ausgabe 5/2021

Sie zahlen weder Pacht noch Miete, trotzdem teilen wir unseren Körper mit ihnen. Nicht weniger als 39 Billionen Mikroben leben auf, in und mit uns und schwimmen und kriechen fröhlich vor sich hin in der Lunge, im Darm, in Mund und Nase und auf der Haut. Und das in der Regel ohne unser Wissen. Die Vorstellung, dass wir von anderen Organismen besiedelt sind, mag gruselig erscheinen. Doch ohne die kleinen Helfer wären wir ziemlich aufgeschmissen. Denn die Mikroorganismen sind keinesfalls Schmarotzer. Sie helfen uns, gesund zu bleiben, und beeinflussen das Immunsystem, machen Giftstoffe und Krankheitserreger unschädlich und unterstützen Stoffwechselprozesse. Forschungen haben gezeigt, dass wir rund 30 Prozent der Stoffwechselprodukte im Blut Mikroben verdanken. Wir bilden mit ihnen eine symbiotische Lebensgemeinschaft. Die Wissenschaft prägte dafür den Begriff »Metaorganismus«.

Körper voller Leben ...

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Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist bei jedem Menschen anders – es ist wie ein Fingerabdruck. Bei der Geburt erhalten wir von unserer Mutter quasi eine Art »Erstausstattung« an Mikroorganismen. In den ersten drei bis vier Lebensjahren und durch den Kontakt mit anderen Menschen, Haustieren und Gegenständen entwickelt dann jeder Mensch sein eigenes individuelles Mikrobiom. Das ist aber alles andere als stabil. So wirken sich beispielsweise die Hormone in der Pubertät auf die bakterielle Zusammensetzung der Haut aus. Mit dem Alter werden die Schwankungen dann geringer. Grundsätzlich ist es vollkommen normal, dass wir sowohl gute, also nützliche, als auch schlechte bzw. schädliche Mitbewohner haben. Die Human Society of Microbiology konnte sogar nachweisen, dass Hautmikrobiome ansteckend sind, denn bei Paaren, die länger zusammenleben, ähnelt sich auch das Hautmikrobiom.

10 PROZENT DER MIKROBEN UNSERES KÖRPERS TUMMELN SICH AUF DER HAUT

FAST 40 BILLIONEN BAKTERIEN UND ANDERE LEBENSFORMEN SIEDELN AUF UND IN UNSEREM KÖRPER

Die Mikrobiom-Forschung ist ein vergleichsweise junges Forschungsfeld, denn ähnlich wie ein tropischer Regenwald ist die Gemeinschaft der Mikroben ein komplexes Ökosystem. Am besten Bescheid wissen wir bisher über die Darm-Mitbewohner. Dort existieren 90 Prozent der Körper-Bakterien. Sie beeinflussen, wie gut wir bestimmte Nahrungsmittel verdauen und Nährstoffe aufnehmen können. Die restlichen zehn Prozent befinden sich unter anderem auf der Haut. Einige Körperteile sind stärker mit Organismen besiedelt als andere. Beispielsweise beherbergt der Bauchnabel einige besonders exotische Arten. Grundsätzlich handelt es sich bei den Bakterien, Viren oder Pilzen auf unserer Hülle nicht um aggressive Angreifer. Ganz im Gegenteil. Sie stellen unter anderem Eiweiße her, die andere Keime töten, und bilden dort eine natürliche Schutzbarriere, die z. B. Krankheitserreger fernhält oder Wunden schneller heilen lässt.

DAS MIKROBIOM IST SO EINZIGARTIG WIE EIN FINGERABDRUCK

Ein gesundes und intaktes Mikrobiom ist vor allem eines: divers sprich vielfältig. Jedoch ist der Platz in unserer Haut-WG begrenzt. Ständig hindern die »guten« Mikroorganismen andere, die Böses im Schilde führen, daran, sich dort breitzumachen. Solange die Balance innerhalb des Hautmikrobioms ausgewogen ist, haben die Eindringlinge kaum eine Chance. Ist sie aber gestört und nehmen einzelne Mitbewohner überhand, bekommen wir das zu spüren. Es kann zu Hautreizungen, Ekzemen und Entzündungen kommen. Vor allem ein Bakterium gilt hier als Verursacher: »Staphylococcus aureus«. Forschungen haben gezeigt, dass dieser kugelige Geselle für viele Hautprobleme verantwortlich ist oder sie verschlimmert. Eigentlich ist er ein ganz natürlicher Bestandteil des Mikrobioms. Doch wenn sich diese Staphylokokkus-Variation überdurchschnittlich stark vermehrt, verdrängt sie nützliche Bakterien, schüttet Toxine aus und verstärkt Entzündungen.

Erkenntnisse für neue Therapien

Diverse Studien, beispielsweise an der Universitäts-Hautklinik Kiel, konnten inzwischen nachweisen, dass bei Patienten mit Hautkrankheiten die Zusammensetzung des Mikrobioms anders ist, z. B. bei Neurodermitis. Die Betroffenen haben im Vergleich zu gesunden Menschen eine weniger vielfältige Besiedelung mit Bakterien. Was die Forschenden überraschte: das betrifft nicht nur die Stellen, die akut oder chronisch entzündet sind wie Armbeugen oder Kniekehlen.

UNSER LEBENSSTIL, DIE PFLEGE UND UMWELTEINFLÜSSE PRÄGEN DAS MIKROBIOM

3 Fragen an DR. MICHAELA SCHMIDT-LAUBER

1 Was ist das Mikrobiom? Das Mikrobiom besteht aus Milliarden von Mikroorganismen, die sich beim Menschen im Magen-Darm-Trakt und auf der Haut finden und so unsere Kontaktfläche zur Umwelt darstellen. Es ist zu einem Anteil genetisch bestimmt, sodass es sich in Familien, die auch zusammenleben, ähnelt. Es wird jedoch auch durch verschiedene Umwelteinflüsse beeinflusst und unterliegt Veränderungen vom Zeitpunkt der Geburt bis ins hohe Alter.

2 Was beeinflusst das Mikrobiom? Bereits die Geburtsmodalität – Spontangeburt versus Kaiserschnitt – hat Einfluss auf die Zusammensetzung des Mikrobioms. Im Laufe der Kindheit entwickelt sich die Vielseitigkeit, um dann im Alter wieder an Diversität zu verlieren. Dieser Prozess ist aber zusätzlich sehr variabel und wird z. B. durch das Umfeld und Medikamente, insbesondere Antibiotika, beeinflusst. Interessant ist, dass besonders die eigene Ernährung einen deutlichen Einfluss auf das bestehende Mikrobiom hat. Menschen, die sehr viel Fleisch konsumieren, haben eine deutlich reduzierte Diversität.

3 Hängt unsere Gesundheit vom Mikrobiom ab? Da es sich hierbei um ein neues Forschungsgebiet handelt, sind viele Dinge noch nicht vollständig geklärt. Aber bisher konnte bereits gezeigt werden, dass das Mikrobiom bei verschiedenen Erkrankungen deutlich verändert ist. Hierunter fallen u. a. Diabetes, Übergewicht, das metabolische Syndrom, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Weiterhin gibt es neue Erkenntnisse, dass, je breiter das eigene Mikrobiom aufgestellt ist, das Ansprechen auf verschiedene Therapieformen verbessert sein kann.

PFLEGENDE Hautversteher

Mildert Hautrötungen – die »Sensicode Moisturizing Cream« ist eine beruhigende Feuchtigkeitspflege für empfindliche Haut mit Micro-Hyaluron. Nicht parfümiert. www.grandel.de

Das vegane »Pur Extra Beruhigende Feuchtigkeitsserum« mit Probiotika und Hyaluron unterstützt die Hautschutz-barriere und mildert Hautirritationen.

Mit 93 Prozent Aloe-vera-Blattsaft – das »Aloe Vera Gel« erhält die Spannkraft und Geschmeidigkeit der Haut und verleiht ihr ein weiches und glattes Aussehen. www.bergland.de www.logona.de

Die »Regulat Skin Energie Mousse« eignet sich sowohl zur therapiebegleitenden Hautpflege bei Neurodermitis, Psoriasis, Ekzemen als auch fürs Anti-Aging. www.regulat.com

1 :1,3 IST DAS VERHÄLTNIS DER MENSCHLICHEN ZELLEN ZU MIKROORGANISMEN IM KÖRPER

Auch die an sich gesunden Hautareale zeigten ein verändertes Mikrobiom. Es gibt offenbar eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen Hautfunktion und bakterieller Besiedelung, Haut und Bakterien stehen quasi in einem ständigen Dialog. Künftig sollen die Ergebnisse neue Behandlungsoptionen ermöglichen. Denkbar wären Präparate, die gezielt bessere Wachstumsbedingungen für die »guten« unter den Mikroben schaffen oder gezielt »schädliche« wie Staphylococcus aureus unterdrücken.

Die Hautflora stärken

Die Erkenntnisse der Mikrobiom-Forschung können aber nicht nur Therapien bei Hautkrankheiten optimieren. Auch bei der Entwicklung von Kosmetika ist das Wissen um die Wohngemeinschaft auf unserer Haut von Nutzen. Ein Beispiel ist Dr. Grandel. Das Augsburger Kosmetikunternehmen schuf mit »Sensicode« eine neue Serie für Frauen mit empfindlicher Haut. »Wir haben die Rezeptur gezielt an die Anforderungen des Mikrobioms angepasst«, erklärt Martin Schmitz, Betriebsleiter »Forschung & Entwicklung«. »Die Inhaltsstoffe wirken beruhigend, mindern Rötungen, stärken die Barrierefunktion und machen die Haut widerstandsfähiger gegenüber externen Einflüssen.« Das hätten Tests mit Probandinnen bestätigt. Auch beim Naturkosmetikpionier Logona nutzt man die Ergebnisse der Wissenschaft. »Wir haben unseren Klassiker, die Pur-Serie, überarbeitet und die feuchtigkeitsspendenden Formeln mit Probiotika angereichert«, sagt Yelda Torun, Leitung Communication und Media bei Logona. »Sie wirken beruhigend und stärken die natürliche Widerstandskraft der Hautschutzbarriere.«

Sich um sein Hautmikrobiom zu kümmern ist auch aus einem anderen Grund empfehlenswert: es verhindert Falten. Einige unserer Mitbewohner produzieren nämlich entzündungshemmende Stoffe und erhöhen die Resistenz der Haut gegen UV-Licht. Die Sonnenstrahlung gilt nachweislich als eine der Hauptursachen für vorzeitige Alterung. Daher sollten wir täglich darauf achten, das Gleichgewicht unserer Hautflora nicht zu stark durcheinanderzubringen, z. B. durch übertriebene Hygiene. Allein beim Duschen verlieren wir etwa 30 bis 40 Prozent der Mikrobenpopulation. Auch bestimmte Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten können die Mikroorganismen beeinträchtigen. Dazu gehören unter anderem Alkohol, Tenside oder Konservierungsmittel. Völlig zerstören können wir das Hautmikrobiom aber nicht. Einige Bakterien halten sich immer in feinen Hautritzen oder in Schweißporen und überleben. Doch besser ist es, seine Mitbewohner jederzeit gut zu behandeln – schließlich verdanken wir ihnen eine gesunde und schöne Haut.