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Woke, aber mit sehr viel Witz


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tip Berlin TV & Streams - epaper ⋅ Ausgabe 15/2022 vom 19.07.2022
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Teil des neuen ?Queer As Folk?: Brodie (Devin Way) mit blonden Locken und seinem Ex Noah (Johnny Sibilly)

Was macht eine gute Coverversion aus? Dass sie der Vorlage Tribut und Liebe zollt, aber eben auch ihre eigene Tonlage findet. In diesem Sinne ist das neue „Queer As Folk“ eine exzellente Coverversion des zum Brüllen komischen Channel-4-Originals von 1999, geschrieben von Russell T Davies („Doctor Who“, „It’s A Sin“), aber auch der posheren US-kanadischen Version, die von 2000 bis 2005 auf Showtime lief. Beide Serien waren fette Meilensteine, was die Repräsentation von Queers im (damals noch sehr linearen, netflixlosen) Fernsehen angeht.

Wohingegen sich die international gefeierte US-Version in den Nullerjahren noch sehr eng am britischen Original orientierte, ist das ganz neue „Queer As Folk” nun eine eigenständigere Re-Imagination; wenn auch mit dem Segen des Original-Showrunners Russel T Davies. Diesmal allerdings geschrieben von Stephen Dunn, Jahrgang 1989, der das Original damals, als er circa zehn gewesen sein muss, nach eigener Aussage heimlich geguckt hat. Nice!

Nun also „Queer As Folk“ – The Next Generation. Wir befinden uns nicht mehr im nordenglischen Manchester oder in Pittsburgh an der US-East-Coast, sondern weiter im Süden, in New Orleans am Mississippi. Und schon die erste Szene setzt den Ton vielsagend: Es wird schamlos frontal gefickt (bei „Queer As Folk“ Bumsen-As-Usual, aber trotzdem gut, denn viele queere Mainstreamproduktionen à la „Call Me By Your Name“ sind ja überraschend prüde), aber mit einem Twist: Der Typ, der sich im roten Jockstrap von Brodie (Devin Way) rannehmen lässt, geilt sich daran auf, dass sein „weißer privilegierter Arsch“, der „immer zu viel Raum einnehme“ nun endlich mal von einem Schwarzen zurechtgewiesen, ja bestraft würde. Oh ha!

Brodie verpisst sich konsequenterweise. Kurz später bricht er bei seinen Eltern ein (seine Mama, eine chice Südstaaten-Lady, sieht pervers gut aus mit einem Gewehr in der Hand), und wir lernen bald schon seine Clique kennen; etwa seine beste Freundin Ruthie (Jesse James Keitel), die er schon seit der katholischen Highschool kennt. Wenn die beiden miteinander rumalbern, kokettiert sie schon mal damit, zugleich trans und toxisch sein zu können: „It’s called intersectionality, Bitch!” Das neue „Queer As Folk“ ist woke, aber mit Witz.

Trotzdem ist die erste Folge direkt harter Tobak: Eine Drag-Performance im Babylon-Club wird zerstört durch ein blutiges Massaker (mit den Attentaten in Orlando 2016 und unlängst in Oslo böse Realität.) Aber wir wären nicht bei „Queer As Folk“, wenn nicht auch in den düsteren Stunden Hoffnung durch Community durchschiene. Unbedingt gucken!

STEFAN HOCHGESAND

Starzplay ab 31.7., 8 Episoden à 42–56 Min ●●●●●

Gefährliche Liebschaften

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REMAKE Wenn wir richtig gezählt haben, ist die mindestens die sechzehnte Verfilmung von Choderlos de Laclos’ Briefroman. Der Stoff aus dem 18. Jahrhundert ist so universell, dass er auch in Japan, Korea und Brasilien funktioniert. Diesmal also wieder mal als TV-Film aus Frankreich und komplett ohne Starpower. Das muss ja nicht schlecht sein, aber leider hat die Regisseurin Rachel Suissa dem hocherotischen Text hier alle Zähne gezogen. Das plätschert ziemlich lau vor sich hin.

TB

Netflix seit 8.7., 109 Min

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Trying s3

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COMEDY Leider ist diese BBC-Serie, die jetzt schon in die dritte Staffel geht, in Deutschland etwas unterverkauft. Denn tatsächlich ist die Geschichte um Nikki und Jason, die verzweifelt versuchen, Eltern zu werden, schon sehr, sehr komisch. In der neuen Staffel haben sie es per Adoption zu zwei strammen Kindern gebracht, doch damit hat das Elend noch lange kein Ende. Schließlich gibt es in der Umgebung der jungen Familie genügend Menschen, die einem gehörig auf den Zeiger gehen können.

LUG

Apple TV ab 22.7., 8 Episoden à 25 Min ●●●●○

Barry s3

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DRAMEDY Eigentlich ist das ja alles ganz ernst gemeint, aber Bill Hader macht aus seiner Serie „Barry“ eine komödiantische tour de force, die zu Herzen geht. Barry ist ein Auftragskiller, den sein letzter Auftrag ins Theatermilieu geführt hat. Hier gerät er an den eitlen und nicht besonders hellen Ex-Hollywoodstar und Schauspiellehrer Gene, der bei Barry die Liebe zur Kultur weckt. Doch leider krabbeln im Hintergrund noch jede Menge tschetschenische, burmesische und bolivianische Mafia-Mitglieder herum, ein Auftraggeber, der Barry gram ist über den Berufswechsel und jede Menge Asis, die es einfach verdienen, von Barry gekillt zu werden. „Barry“ entwickelt sich von Staffel zu Staffel weiter, wird immer komplexer, düsterer, aber eben auch komischer. Trotzdem soll wohl mit der nächsten Season Schluss sein. Schade!

LUTZ GÖLLNER

Sky Atlantic seit 6.7., 8 Episoden à 25 Min ●●●●●

Resident Evil

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HORROR „Resident Evil“ ist ein Computerspiel über eine Zombie-Apokalypse mit inzwischen unüberschaubar vielen Teilen und Ablegern, aber auch eine siebenteilige Filmreihe, die von Film zu Film immer grottiger wurde. Kann nun die neue Serie das Franchise retten? Zumindest kann man schon mal vermerken, dass die doch relativ talentfreie Hauptdarstellerin Milla Jovovich endlich ersetzt wurde. Und auch bei den Tricks hat man anscheinend etwas mehr Geld in die Hand genommen als in den letzten Filmen.

TB

Netflix seit 14.7., 8 Episoden à 50 Min ●●●○○

Don’t Make Me Go

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ROADMOVIE „Sie werden das Ende dieser Geschichte nicht mögen“, verspricht Wally (Newcomerin Mia Isaac) am Anfang dieses Road-Trips mit ihrem alleinerziehenden Vater (John Cho). Er verheimlicht ihr seinen Gehirntumor und das eigentliche Ziel der Reise. Den gemeinsamen Weg macht die junge Regisseurin Hannah Marks zu einem berührenden und lange nachklingenden Filmerlebnis um die Schicksalsschläge des Lebens. In jeder Szene trifft sie den richtigen Ton, niemals gleitet sie in falsche Sentimentalitäten.

KATHARINA DOCKHORN

Prime Video seit 15.7., 109 Min ●●●●●

James May: Our Man In Italy

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HUMORDOKU Die „Grand Tour“ ist gerade auf Sparflamme, seine Kumpels „Hamster“ Hammond und „Orangutan“ Clarkson sind beschäftigt (Oldtimerwerkstatt und Farm), also hat Captain Slow Zeit, sich die Welt anzuschauen. Er hat ja – wie Friedrich Merz – ein eigenes kleines Sportflugzeug. In der zweiten Staffel ist May in Italien, kauft Klamotten ein und schwärmt über die Kultur im Stiefelstaat, das Essen und – klar! – die Autos. Das ist schon witzig und unterhaltsam, aber leider auch komplett belanglos.

LUG

Prime Video seit 15.7., 6 Episoden à 50 Min

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Girl in the Water

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THRILLER Für Sophie (Gugu MBatha-Raw) wird ein Alptraum wahr. Nach einem missglückten Selbstmordversuch wacht sie mit einer Kopfverletzung und ohne jede Erinnerung an ihre Vergangenheit wieder auf. Für die junge Frau aus San Franciso beginnt in dieser mit überraschenden Wendungen gespickten Thrillerserie ein spannender Wettlauf mit der Zeit, um die Wahrheit hinter den Erzählungen ihrer Familie und Freunde zu ergründen, die eigenen Erinnerungen wieder zu entdecken und sich ihren eigenen Geheimnissen und Abgründen zu stellen.

KD

Apple TV ab 29.7., 8 Episoden à 50 Min ●●●●○

Happiest Season

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WEIHNACHTSFILM Hammer-Timing: Noch bevor die Supermärkte ihre ersten Weihnachtslebkuchen der Saison auftischen konnten, geht Netflix mit „Happiest Season“ (2020) an den Start, der ersten lesbischen Weihnachtskomödie mit Hollywood-Cast: bby (Kristen Stewart) fährt mit ihrer Freundin Harper (Mackenzie Davis) über die Weihnachtstage zu deren Familie, doch es stellt sich heraus, dass Harper hier noch ungeoutet ist. Wie kann das gutgehen?! Wichtiger Film, zumal aus dem beliebten Klassiker „Tatsächlich Liebe“ die lesbische Storyline rausgeschnitten wurde.

SH

Netflix seit 11.7., 102 Min.

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Das Rätsel um D.B. Cooper

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DOKU Es ist einer der faszinierendsten Kriminalfälle aller Zeiten: Am 24. November 1971 erpresste ein Flugzeugentführer, der sich D.B. Cooper nannte, von der Northwest Orient Airlines ein Lösegeld in Höhe von 200.000 US-Dollar. Anschließend sprang er mit einem Fallschirm aus dem Fluchtflugzeug und ward nicht mehr gesehen. Bis heute rätselt das FBI über die Identität und den Verbleib von D.B. Cooper und seiner Beute. Kann diese Doku das Rätsel nach über 50 Jahren endlich lösen? Wir sind da ja skeptisch.

LUG

Netflix seit 13.7., 4 Episoden à 39–45 Min ●●●●○

Paper Girls

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COMING OF AGE/SCIFI In den letzten Jahren war Brian K. Vaughan, was Comics betrifft, der Mann der Stunde: „Marvel’s Runaways“, „Y: The Last Man“, „Ex Machina“, „Saga“ und „Paper Girls“ sind alles extrem lesbare Comics (die auch alle auf deutsch vorliegen). Nur mit den Verfilmungen hatte Vaughan manchmal Pech, seine komplexen Charaktere entziehen sich gerne der üblichen Hollywood-Routine. Nun also kommen die „Paper Girls“, die von 2015 bis 2019 in 30 Heften erschienen. Es geht um eine Gruppe von Zeitungsbotinnen, die auf eine äußerst verwirrende Zeitreise geschickt werden, in deren Verlauf sie auch jüngere und ältere Versionen ihrer selbst treffen. Nichts Geringeres als das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel. Als Comic war das clever, witzig, spannend und ziemlich anspruchsvoll. Mal sehen, was davon als TV-Serie übrig bleibt.

TED BAXTER

Prime Video ab 29.7., 8 Episoden à 60 Min

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