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Wolfgang Bauer: Mit Klecksen hexen


Tattva Viveka - epaper ⋅ Ausgabe 81/2019 vom 01.12.2019

Vom Schattenbeschwörer Justinus Kerner über den Seelenerforscher Hermann Rorschach zu Jack the Dripper, dem Maler des Unbewussten Jackson Pollock


Artikelbild für den Artikel "Wolfgang Bauer: Mit Klecksen hexen" aus der Ausgabe 81/2019 von Tattva Viveka. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Tattva Viveka, Ausgabe 81/2019

Dreht man das Bild um, blickt uns ein Dämon an.


Seit jeher sucht der Mensch Techniken und Methoden, um sich dem Unbewussten zu nähern und seine Bilder und Archetypen zu deuten. Denn das Unbewusste gilt als die Pforte zur Inspiration und auch zu der Anderswelt, die eine starke Faszination auf den Menschen ausübt. Eine Technik, um das Unbewusste zu beleuchten, ist die der Klecksografie. In der modernen Psychologie steht der bekannte wie umstrittene Rorschach-Test ...

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... in der Tradition der mystischen Tintenkleckse, die die Fantasie des Menschen beflügeln.

Im Jenseits des Andersgegenständlichen

Das Auftreten von schöpferischem Denken scheint etwas mit der besinnlichen und ziellosen Hingabe an die Wahrnehmung von natürlich entstandenen, amorph wirkenden Mustern zu tun zu haben. Das Erleben von zufällig entstehenden Strukturen begünstigt kleine, alltägliche Trancen und stellt kurze, meist als glücklich empfundene, selbstbewusstseinsstärkende Momente von Nichts-Tun- und Nichts-Denken-Müssen her. In solchen Augenblicken eines ziellosen Sinnens, einer ungerichteten Träumerei geschieht es, dass wir Anstöße für Veränderungen und Neuorientierungen bekommen. Zu allen Zeiten nahmen Menschen an, dass es hinter der Realität der Dinge des Alltags okkulte Bereiche geben müsse. Verborgenes Wissen, geheime Erkenntnisse und unsichtbare Wesenheiten. Um zu dieser verborgenen Welt Zugang zu finden, dienten und dienen allerlei magische Praktiken.

Der im Taunus lebende, 1935 geborene Künstler Norbert Rink füllt in der Dämmerung ein Räuchergefäß mit Weihrauch, entzündet ihn und lässt umhüllt vom Rauch einen Tropfen Tusche auf ein Blatt Papier fallen. Zum Entzücken seiner Enkelin bilden sich aus dem Klecks mithilfe des Pinsels immer neue, archaisch anmutende Bilder von Schamanen, Hexentieren und Fabelwesen. Instinktschöpfungen nennt er seine allein durch die (wie er sagt) »Gültigkeit des Zufalls« entstandenen Bilder. »Meine Arbeit ›Le rêve infini: Träume, Trance, Seelenreise in die Anderswelt‹1«, schrieb er in einem Brief an mich, »bedeutet für mich die Arbeit im Kopf und in der Seele. Kunst liegt sehr häufig hinter der Welt der Schatten, sie findet im Jenseits des ›Andersgegenständlichen‹, in einem Phasenraum der Transzendenz, statt.«

Klecksografie aus »Justinus Kerners klecksographischer Anstalt zu Weinsberg«. Man sieht ein Tintenfass mit einer Schreibfeder.


Kunst liegt sehr häufig hinter der Welt der Schatten, sie findet im Jenseits des ›Andersgegenständlichen‹, in einem Phasenraum der Transzendenz, statt.


Schon Leonardo da Vinci (1452–1519) wies in seinem 1882 gedruckten »Buch der Malerei« auf das die Kreativität stimulierende Anschauen von Flächen hin, die mit Flecken und Klecksen bedeckt sind. Man könne dabei die lebhaften Stellungen sonderbar fremdartiger Figuren wahrnehmen, die der Künstler dann in vollkommene und gute Formen bringen könne.

Einen Vorreiter in der Kunst, mit Klecksen zu hexen, finden wir in dem Arzt, Dichter und Zeichner Justinus Kerner (1786–1862). Sein Zugang zur anderen Wirklichkeit bestand im andächtigen Verfertigen von Klecksbildern. Fast 1000 Klecksografien entstanden über die Jahre an seinem Schreibtisch.

Lebenslustiger Schattenbeschwörer

Kerner spürte schon als Kind in den Kreuzgängen des Maulbronner Klosters Geistern nach. »Durch diese Gänge ging ich selbst oft in den Nächten allein mit einem Laternchen. Auch im Mondschein ohne Laterne ging ich oft hindurch und wünschte mir sehnlich die Begegnung eines Mönchsgeistes in schwarzer und weißer Kutte mit langem Barte«, schreibt er im 1849 erschienenen »Bilderbuch aus meiner Knabenzeit«. Er verspricht, nicht zu erschauern, wenn die Gespenster die morschen Grabsteine tatsächlich heben würden, um aus ihren Grüften zu ihm zu schweben. Mit wohligem Schauder hörte er vom Kutscher der Familie, wie diesem bei Nacht ein verstorbener Prälat in einem weißen Frack mit schwarzem Bärtchen auf der Treppe des Klosters begegnete, um sich dann unten in die Prälatenkutsche zu setzen, in der schon der Abt Entenfuß (Amtszeit: 1512 bis 1518) mit dem Zauberer Faust einst gesessen hatte.2

Für Kerner hatte die Heilung eines chronisch gewordenen, allen vorherigen Behandlungen trotzenden, nervösen Magenleidens durch den bekannten Magnetiseur Dr. Eberhard Gmelin (1751– 1809) initiatorischen Charakter. Gmelin hieß den Elfjährigen sich auf einen Stuhl setzen, sah dann dem Knaben »mit seinen schwarzen Augen fest ins Auge« und bestrich mit ausgestreckten Händen Kerners Körper vom Kopf bis zur Magengegend. Mehrfach behauchte er dabei die Herzgrube. Der Junge wurde schläfrig und wusste (wie er in seinen Kindheitserinnerungen erzählt) »endlich nichts mehr von mir«. Diese Begegnung hatte zeit seines Lebens voraussagende Träume zur Folge und legte den Grundstein für Kerners spätere, intensive Beschäftigung mit den Erscheinungen des »Nachtlebens der Natur«, etwa wenn er einen Spuk im Weinsberger Gefängnis untersuchte oder sich mit dem Phänomen von »somnambul redenden« Tischen auseinandersetzte.

1826 nahm er die visionär begabte, in ihren letzten Lebensjahren schwer kranke Mystikerin Friederike Hauffe als Patientin in sein Haus in Weinsberg auf. Zur Therapie magnetisierte er sie, legte die Hand bei Krämpfen auf, stillte Attacken auch durch einen beruhigenden Ton auf der Maultrommel oder hinterließ ihr, wenn er nicht anwesend sein konnte, ein vorsorglich magnetisiertes Tuch oder einen magnetisierten Schwamm zum Auflegen. Er machte Aufzeichnungen ihrer Berichte über die jenseitige Welt, die 1829 als »Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und über das Hereinragen einer Geisterwelt in die unsere« veröffentlicht wurden. Nach den Angaben ihres inneren Arztes in einem Traumbild baute er einen magnetisierenden Apparat, den »Nervenstimmer«, der Frau Hauffes Zustand durch die Erzeugung heilsamer Krisen bessern sollte. Kerners Bericht, dass einmal ein Paar Schuhe, ganz allein ohne menschliche Hilfe, langsam durch das Zimmer gegangen sei, bis zum Bett der Seherin, amüsierte selbst den sonst so kritischen Heinrich Heine: »Das fehlt noch, dass man seine Stiefel des Abends festbinden muss, damit sie einem nicht des Nachts trapp! trapp! trapp! vors Bett kommen und mit lederner Gespensterstimme die Gedichte des Herrn Justinus Kerner vordeklamieren. «3


Für Kerner verbindet uns nicht der für die Außenwelt tätige Verstand, sondern allein das (»im Herzen« befindliche) innere Leben mit der Natur und ihrer unerschöpflichen Weisheit.


Justinus Kerner sieht einen Geist. Vor Schreck fällt ihm die Maultrommel aus der Hand. Zeichnung von eigener Hand


1833 gehörte es zu Kerners Pflichten als Oberamtsarzt von Weinsberg, ein junges Mädchen, Magdalena aus dem Orte Orlach, zu untersuchen, die von Geistern unterschiedlicher Natur, einem weißen, freundlichen und einem schwarzen, bösen, besessen schien. Der schwarze Geist erklärte sich (indem er aus dem Mädchen sprach) als Oberer eines Mönchsklosters, der im 14. Jahrhundert in Orlach mehrere Nonnen und die mit ihnen gezeugten Kinder ermordet und in einem gemauerten Loch vergraben hatte, bevor er sich selbst umbrachte. Er könne nur Erlösung finden, wenn das Haus ihrer Eltern, das auf diesem Mauerloch erbaut wurde, abgerissen würde, offenbarte das abwrackfreudige Gespenst. Beim Abbruch des Hauses fand sich an einem Eck tatsächlich ein altes Gemäuer. Beim Wegräumen des Schutts zeigte sich ein brunnenähnliches Loch, das »zwanzig Schuh« (= sechs Meter) tief ausgegraben wurde. In diesem und im anderen Schutt des Hauses lagen Überreste von menschlichen Knochen, auch die von Kindern. Mit dem Abbruch des letzten Steins wich auch der schwarze Geist aus dem Mädchen: »Nie werde ich das Überraschende dieses Anblicks vergessen, nie den wunderbaren Übergang von den entstellten dämonischen Gesichtszügen der, wie soll ich sie nennen – Kranken, zu dem rein menschlichen, freundlichen Antlitz der Erwachten; von der widrigen, hohlen Geisterstimme zu dem gewohnten Klange der Mädchenstimme, von der verborgenen, teils gelähmten, teils rastlos bewegten Stellung des Körpers zu der schönen Gestalt, die wie mit einem Zauberschlage vor uns stund. Alles freute sich, alles wünschte dem Mädchen, wünschte den Eltern Glück: denn die guten Menschen waren fest überzeugt, dass nun der schwarze Geist zum letzten Male dagewesen sei.«4

Für Kerner verbindet uns nicht der für die Außenwelt tätige Verstand, sondern allein das (»im Herzen« befindliche) innere Leben mit der Natur und ihrer unerschöpflichen Weisheit. Was wir wissen müssen, können wir durch die Stimme unseres Inneren, die sich gern in »magnetischen« Zuständen (Trance, Traum, Vision) äußert, erfahren. Der magnetische Schlaf lässt den Geist für Momente aus dem Körper heraustreten und ihn der Welt der Geister, und damit der Natur selbst, näherkommen. Kerners Haus in Weinsberg, das »Hauptquartier des Geisterreiches«, wie es der Schriftsteller Karl Immermann nannte, wurde über die Jahre zum Asyl von Wissen, Trost und Heilung suchenden Menschen aller Stände. Fürsten, Prinzen, Dichter, Naturforscher, Spiritisten saßen neben einer mondsüchtigen Gräfin, einem Bauernmädchen, einem Hausierer oder einem Handwerksburschen am Tisch des weltoffenen, kunstsinnigen und sinnenfrohen Gastgebers, der immer gern auch ein paar Flaschen guten Weines mit seinen Gästen teilte. (Ihm zu Ehren gab man einer Rebsorte seinen Namen.) In den Turm der nahen Burg hatte Kerner Äolsharfen gehängt. Sobald Wind aufkam, erklang eine sphärisch-geisterhafte Musik.

Bilder aus dem Hades

Kerner war davon überzeugt, dass in den nicht sichtbaren Bereichen der Natur Geistwesen existieren. Er nahm an, dass es ein »Allgemeinleben« von Menschen, Geistern und Gestirnen gibt, bei dem alles mit allem zusammenhängt, zusammenwirkt und einander berührt. Mithilfe von Tinte und gelegentlich auch von Kaffee5 bannte er Urbilder aus dem Nacht- und Zwischenreich aufs Papier, die er in einer Kladde, den »Hades- und Höllenbildern « zusammenstellte (posthum 1890 erschienen) und mit Versen, oft sehr humorvoll, kommentierte. In dieser Sammlung treffen sich Kobolde, Vampire, Geister und Geistinnen, Dämonen, Nachtgespenster, Teufelsfratzen und Hexenkinder mit den Wiedergängern von Selbstmördern, Falschmünzern, Wucherern, Eidbrüchigen, Giftmischerinnen, Gattenmörderinnen und diebischen Schneidern. Auch die (wie er sie nannte) »Zöglinge Mephistos«, Hexen und Hexenmeister, fehlen nicht.

Justinus Kerner bannte in seinen magischen »Dintenbildern« allerlei mystische, seine Fantasie stimulierende Bewohner aus der unsichtbaren Welt aufs Papier.


Kerners Haus in Weinsberg. Tuschezeichnung von Carl Dörr 1826


»Diese Bilder aus dem Hades, Alle schwarz und schauerlich (Geister sinds, sehr niederen Grades), Haben selbst gebildet sich Ohn’ mein Zuthun, mir zum Schrecken, Einzig nur – aus Dintenflecken.
Habe stets dabei gedacht, Überall, wo’s schwarz und Nacht, Spuket die gespenst’ge Rasse, Darum auch im Dintenfasse. Die ihr schreibt, nehmt euch in acht!
Weil ich Klecksograph entdecket, Daß im Dintenfaß oft stecket Eines gift’gen Dämons Macht.«6

Kerner merkt an, dass man beim Klecksografieren nie das, was man gern möchte, hervorbringen kann, und dass oft das Gegenteil von dem entsteht, was man erwartet, dass aber gerade diese zufällige Entstehung der Bilder der Fantasie »ungeheuren Spielraum« gebe. Viele dieser Bilder trugen für ihn den »Typus längst vergangener Zeiten aus der Kindheit alter Völker«. Kerner hatte schon in frühester Jugend durch das Zerdrücken kleiner, färbender Beeren und Fliegenköpfe auf zusammengelegtem Papier Zeichnungen hergestellt. Später als Erwachsener ließ er Tinte auf Papier tropfen. Es entstanden symmetrische Zeichnungen: Arabesken, Tier- und Menschenbilder. Kerner schreibt dazu: »Dintenkleckse (schwäbisch Dintensäue), die auf der Seite des Falzes (auf dessen rechter oder linker Seite, aber nie auf beiden) eines zusammengelegten Papiers gemacht werden, geben (nachdem man das Papier über dieselben legt und sie dann mit dem Ballen oder dem Finger der Hand bestreicht), kraft ihrer Doppelbildung, die sie durch ihr Zerfließen und Abdruck auf dem reinen Raume der anderen Seite der Linie erhalten, der Phantasie Spielraum lassende Gebilde der verschiedensten Art. (…) Wo die Phantasie nicht ausreicht, kann manchmal mit ein paar Federzügen nachgeholfen werden, da der Haupttypus meistens gegeben ist. So kann z. B. ein Menschenbild in seiner ganzen Gestalt und Bekleidung herauskommen, jedoch vielleicht ohne Kopf, Hand usw., wo, was auch in Nachstehendem geschehen, hie und da das Fehlende leicht zu ersetzen ist.«7

Geistin. Klecksografie von Justinus Kerner mit Kommentar


Kerners Klecksografien führten über ein bloßes Gesellschafts- und Kinderspiel hinaus. Sie gerieten bei ihm zu einer spiritistischen Praxis. Er machte für sich, die Familie und einige Freunde Unbewusstes, Ungesehenes und Unsichtbares sichtbar. Die Figuren, die sich in seinem Geisterreich aus Tinte zeigen, gaben ihm eine ideale Projektionsfläche für innere Vorstellungsbilder und boten ihm einen (vermeintlich) unmittelbaren Einblick in okkulte Bereiche. (Die unsichtbare Anwesenheit armer Seelen in Haus, Wald und Flur gehörte ohnehin zu Kerners Glaubensinhalten als Naturphilosoph.) Seine Deutungen, die in Verse gesetzten Kommentare zu den Hadesbildern, erfolgten durch ihn und amüsieren den Betrachter, lassen ihm aber nur wenig Spielraum für eine eigene Interpretation.

Von der Klecksografie zum Tintenklecks-Test

Hermann Rorschach (1884–1922), der Sohn eines Zeichners und Malers, tropfte, sich Kerner als Vorbild nehmend, als Kind Tinte auf ein Blatt und faltete es in der Mitte zusammen. Zum Vorschein kamen Tiere, Gesichter, Pflanzen und anatomische Gebilde. Wegen dieser Vorliebe für das Spiel mit den Klecksen gaben ihm seine Freunde den Spitznamen »Klex«. Rorschach, der zuerst Künstler werden wollte, studierte schließlich Medizin in Zürich und arbeitete als Psychiater in Schweizer Psychiatrien. Die Dissertation eines Schweizer Kollegen, Szymon Hens (»Phantasieprüfung mit formlosen Klecksen bei Schulkindern, normalen Erwachsenen und Geisteskranken«), die 1917 erschienen war, gab ihm die Idee für die Entwicklung seines Formdeute-Verfahrens, den Rorschach-Test.8 Vor Hens und Rorschach hatten bereits andere Forscher Klecksgebilde als Stimulusmaterial bei ihren Untersuchungen genutzt.

Rorschachs Ziel: Er wollte (in Anlehnung an die Tiefenpsychologie Sigmund Freuds) ein global einsetzbares Testverfahren anbieten, das eine objektive Methode zur Diagnostik der Gesamtpersönlichkeit darstellen sollte. Aus der Interpretation eines Rorschach-Protokolls werden Aufschlüsse zu kognitiven und affektiven Aspekten sowie zur Ich-Struktur erwartet. In ihrer Einführung in das Rorschach-Verfahren schrieben Bruno Klopfer und H. H. Davidson 1967 über die Bedeutung des Verfahrens: »Viele Forschungsbereiche erfuhren durch das Rorschach-Verfahren Auftrieb und Unterstützung. Der Rorschach-Test bereicherte die Untersuchungen über das Zustandekommen von Wahrnehmungen, er erweiterte das Wissen über die Intelligenz und trug zur Verbesserung von Analysen des Verhaltens unter Stressbedingungen bei. Er leistete einen Beitrag zum Verständnis der vom Durchschnitt abweichenden Individuen, wie jugendlichen Delinquenten, Alkoholikern, Stotterern und Schizophrenen.«9

Rorschach hoffte, mit den von ihm vorgegebenen zehn Klecksbildern okkultes Material aus der Psyche seiner Probanden sichtbar machen zu können. Da der Rorschach-Test (erst einmal) keine richtige und keine falsche Antwort kennt, kann sich die Testperson scheinbar unbefangen äußern. Nichts bremst die Assoziationen und Zuschreibungen. Allerdings ist der Tester bei seiner Auswertung durch eine Fülle von vorgegebenen Kriterien festgelegt. Ewald Bohm, der Verfasser eines »Lehrbuchs der Rorschach-Psychodiagnostik für Psychologen, Ärzte und Pädagogen« (Stuttgart 1972), verbreitet sich auf 185 Seiten über die Signatur, die Verrechnung und die Auswertung der Antworten der Klienten. In der Befolgung dieses monumentalen Regelwerkes verwandelt sich der Tester in einen Geheimwissenschaftler. Nicht ohne Grund rät Böhm, die Auswertung besser nicht an Journalisten und andere Nichteingeweihte weiterzugeben. Nicht die Fantasie des Probanden steht im Vordergrund der Betrachtung, sondern den Psychodiagnostiker interessieren die Schwächen und Ausfälle im Ichgerüst des Klienten. Fantasievolle Antworten machen den Probanden höchst verdächtig und rücken ihn in die Nähe des Abnormen.

Teuflische Fratze. Klecksografie von Justinus Kerner mit Kommentar


Klinische Psychologen versprachen sich vom Rorschach-Test denn auch ein Verfahren, das den Patienten veranlasst, seine private Welt zu enthüllen. »Er erzählt, was er auf den verschiedenen Tafeln ›sieht‹, und projiziert deshalb seine Gefühle und Gedanken, weil die Tafeln keine sozial standardisierten Objekte darstellen, auf die es kulturell vorgeschriebene Antworten gibt.«10 Der Proband ist sich in seinen Antworten nicht bewusst, was er sagt. Er kann sich nicht hinter kulturellen Normen verstecken. Klopfer/Davidson lassen schließlich die Katze aus dem Sack, wenn sie schreiben: »In der Rorschach-Situation weiß man nicht, wie die richtige, beste oder typische Antwort lautet. Jeder muss in seiner für ihn spezifischen Art und Weise reagieren. Indem man so antwortet, enthüllt man unbeabsichtigt oder unbewusst gerade jene Teile des Ichs, die man selbst nicht ganz kennt.«11 Es geht dem Psychologen darum, verborgene, versteckte Seiten der Persönlichkeit des Probanden mit dem Zaubermittel der Klecksografie aufzudecken. Eingehende Kenntnisse in der Psychoanalyse sind aber eine unerlässliche Voraussetzung für den Deuter. Hier liegen die Schwächen der Methode. Ein Beispiel: Einem 28-jährigen Kontoristen, der auf Tafel II ein Gebilde mit den Worten »Dann kommt da etwas, was das Ganze stört. Das ist also etwas ganz Horribles« beschreibt, bescheinigt der Auswerter einen Sexualsymbolstupor. Dass er auf Tafel IV einen »Säbelschlucker « zu sehen glaubt, lässt ihn eine anale und phallische Aggressivität annehmen. Bei der Deutung »Wichtelmännchen, das die Zunge herausstreckt« vermutet der Tester, dass der Patient eine Neigung zu Cunnilingus und Fellatio besitzt. Sein affektiver Kontakt sei oral-pervers. Und dass er auf Tafel II »Backenzähne mit blutigen Wurzeln« erkennt, lasse auf einen Kastrationskomplex und eine manifeste Homosexualität schließen.12


Rorschach hoffte, mit den von ihm vorgegebenen zehn Klecksbildern okkultes Material aus der Psyche seiner Probanden sichtbar machen zu können.


Als sich 50-jährige James Wood, promovierter Absolvent einer renommierten Universität in den USA, mit dem Rorschach-Test untersuchen ließ, war er über das Ergebnis der Auswertung erstaunt. Attestiert wurden ihm eine eingeschränkte Denkfähigkeit, starke Beziehungsprobleme und eine handfeste Depression. Er merkte, dass es besser gewesen wäre, auf Tafel X nicht kühn zwei Krabben zu sehen, die Tango tanzen. Und seine Assoziation, in einem grauen Symmetriebild sehe er den gehörnten Totenschädel einer Kuh, machte aus dem glücklichen Familienvater für den Auswerter einen Egozentriker mit einem stark gestörten Blick auf die Realität. In seinem 2011 von ihm und anderen Autoren erschienenen Buch über seine und die Erfahrungen anderer Menschen (»What’s wrong with the Rorschach?: Science confronts the controversial Inkblot-Test«, San Francisco 2003) schildert er den Fall einer Mutter, der von dem Gutachter das Sorgerecht für ihren Sohn abgesprochen wurde. Fatalerweise hatte sie in einem Klecksbild einen angebissenen Truthahn zu sehen geglaubt. Der vierfach geschiedene Vater, dem der Sohn zugesprochen wurde, war als gewalttätig bekannt und wurde des sexuellen Missbrauchs verdächtigt. Im Rorschach-Test verstand er es, unauffällig zu wirken. Möglicherweise hatte er vorher ein Testknacker-Buch studiert.

Das erste im Jahre 1921 von Hermann Rorschach für seinen Formdeute-Test hergestellte Tinten-Faltbild. Wikipedia. Gemeinfrei


Jackson Pollock und das Drip-Painting

1937 begab sich der Maler Jackson Pollock (1912–1956) wegen alkoholischer Entgleisungen in eine Therapie bei einem Jungianisch orientierten Psychiater. Da er sich schwertat, sich bei seinem Behandler über sich und seine Problemlage zu äußern, brachte er ihm Blätter aus seinem Skizzenbuch als nonverbalen Beitrag in die Sitzungen mit. Dem Maler gefiel die Annahme C. G. Jungs, es existiere ein allen Menschen gemeinsames kollektives Unbewusstes. Eine Schicht unter der Seele, die das Individuum ins Reich der Archetypen geleitet. Dessen okkulte Bilderschätze, so verstand es der Maler, gelte es zu entschlüsseln und künstlerisch weiterzugeben. Mit einer zweiten Therapeutin diskutierte er die Rolle des Schamanen, der einen Zyklus von Geburt, Tod und Wiedergeburt in seiner Initiation durchläuft, um zu lernen, von einer Bewusstseinsebene zur nächsten zu wechseln. Besonders interessierte ihn die Kraftquelle, aus der sich die Visionen der Schamanen speisen. Intensiv beschäftigte er sich deshalb mit der Kunst und Kultur der amerikanischen Ureinwohner. Sehr imponiert hatten ihm auch die Ausführungen des als erleuchtet geltenden Theosophen Jiddu Krishnamurti (1895–1986). 1929 hatte er eine Woche lang täglich den Lehren des Meisters gelauscht, der für Pollock so stimmige Sätze von sich gab wie »Es ist kein Maß für die Gesundheit, sich an eine zutiefst kranke Gesellschaft anzupassen «.

Um das Jahr 1946 machte Pollock mit Klecksbildern von sich reden. Auf die Idee, Farbe auf die am Boden liegende Leinwand zu tropfen, zu schütten, zu sprengen, zu spritzen, verlaufen und verfließen zu lassen, zu klecksen, zu tupfen, zu wischen, hatte ihn der surrealistische Maler Max Ernst (1891–1976) gebracht. Mit seinem wilden Farben-Dripping ohne Plan hoffte Pollock, ein Ventil für die Dämonen in seinem Inneren, seine panischen Ängste, seine schweren Depressionen und Aggressionsschübe, Folgen der nicht verarbeiteten Beziehung zu seiner als übermächtig und erdrückend erlebten Mutter, gefunden zu haben. Jack the Dripper, wie er in den Medien genannt wurde, wünschte sich eine vom Willen abgelöste Ècriture automatique, ein automatisches Malen, das die Gefühlsstürme seiner inneren Welt spiegeln sollte. Er hoffte frei nach C. G. Jung, dass sein Unbewusstes im Zustand der Trance die Quelle für seine Kunst werden könnte. Er sah sich als Medium, aus dessen Unbewusstem die Kunst ohne Kontrolle herausfließt. Ein Biograf: »Das Malen ist keine Produktion von Kunst, sondern eine Handlung, in der sich das Unbewusste des Menschen unmittelbar ausspricht und durch die der Künstler sowohl mit der animalischen wie auch mit der vegetabilen Natur eins wird. Es ging Pollock nicht darum, nach der Natur, sondern wie sie, parallel zu ihr, zu arbeiten. Demgemäß konnte er sagen: »Ich befasse mich mit den Rhythmen der Natur. Ich arbeite von innen nach außen, genau wie die Natur.«13 Auf den Einwand eines Kunstprofessors, er male zu wenig nach der Natur, gab Pollock die viel zitierte Antwort: »Ich bin Natur.« Er wehrte sich auch vehement gegen die Behauptung, seine Bilder seien durch Chaos gekennzeichnet und rein zufällig entstanden. Sie seien vielmehr als Manifestationen von Energie und Bewegung sowie von im Körpergedächtnis gelagerten Erinnerungen zu verstehen. Zwischen depressiver Lethargie und plötzlich hervorbrechender Wut immer wieder hinund herpendelnd, und auch durch immer neue Krisen in der Ehe mit der Künstlerin Lee Krasner emotional aufgewühlt, suchte er erneut Betäubung in einem exzessiven Alkoholkonsum. 1956 fuhr er sich und Edith Metzger, die Freundin seiner Geliebten Ruth Kligman, unter Alkoholeinfluss in seinem Cabrio zu Tode. Kligman überlebte schwer verletzt. Viele, die glaubten, dass Pollocks Klecksbilder wertlos und keine Kunst seien (»Werke eines delirierenden Irren«), wurden 2006 eines Besseren belehrt. Sein Gemälde »No. 5 1948« wurde 2006 von einem mexikanischen Sammler für 140 Millionen Dollar gekauft. Aus dem zufälligen Gekleckse wurde damit ein Kunstwerk von höchstem Wert. Was für ein Kontrast: 1943 hatte Peggy Guggenheim dem Maler ein monatliches Geld von 150 Dollar als Beitrag zu seinem Unterhalt gezahlt.


Mit einer zweiten Therapeutin diskutierte er die Rolle des Schamanen, der einen Zyklus von Geburt, Tod und Wiedergeburt in seiner Initiation durchläuft, um zu lernen, von einer Bewusstseinsebene zur nächsten zu wechseln.


Pollock versuchte, mit dem Bild, das er jeweils schuf, eins zu werden bzw. ein Teil des Bildes zu sein. Mit den Worten »wenn ich in meinem Bild bin, bin ich mir nicht bewusst, was ich tue« deutete er an, wie sein Vorgehen ist, wenn er sinnend vor der am Boden liegenden Leinwand steht und auf den inneren Furor als Zündfunken wartet. Ein Film, der von ihm 1951 während der Arbeit an seinen Bildern gedreht wurde (https://www.youtube.com/watch?v=6cgBvpjwOGo) zeigt ihn als Beschwörer und Magier, der, im Vorgehen ähnlich wie ein indianischer Sandmaler, versucht, Ungesehenes und Unsichtbares aus dem Unbewussten auf seine Bilder zu bannen. Sein Biogrwwaf Leonhard Emmerling: »Es sind die Bilder von Hans Namuth (dem Fotografen und Filmemacher, WB), die Pollock in unterschiedlichen Phasen der Bildproduktion zeigen (…): Bilder eines Mannes, der mit zerfurchter Stirn über sein weiteres Vorgehen meditiert; der sich mit der Eleganz, der körperlichen Kraft eines Tänzers, der Selbstvergessenheit eines Schamanen um das Bildfeld herumbewegt und die Farbe auf die Leinwand schleudert.«14 Uns, den Betrachtern, lässt Pollock mit seinen Klecksbildern ganz die Freiheit, »die ungeheuren Spielräume unserer Phantasie« (Kerner) bei ihrer Deutung einzusetzen.

Klecksografie von Wolfgang Bauer auf einem Papier der Schweizer Kantonalbank mit einem in Verse gesetzten Kommentar des Schriftstellers Hermann Müller


»Ich bin Natur.«


Längst hat das Action-Painting, das Klecksen wie es von Pollock ausgeübt wurde, Eingang in den Kunstunterricht gefunden. Grundschulkinder können ohne Leistungsanspruch ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Seelisches soll durch spontan gesetzte Farbrhythmen ausgedrückt werden. Das Verrinnen, Verdichten und Ausbreiten der Farbe gerät zur reinen Bildsprache. 2012 wurde im Grant Museum of Zoology am University College in London Kunst von Tieren gezeigt. Die Aussteller zeigten Werke von Elefanten und Menschenaffen. Auf einem Bild, das der Schimpanse Bakhari gemalt hat, fließen die Farben ineinander. Das Tier wischte mit den Fingerspitzen durch die Farben. Kunstkritiker fühlten sich prompt an die Arbeiten von Jackson Pollock erinnert. Justinus Kerner betrieb das Klecksografieren als magisches Mittel, um Kontakt mit der jenseitigen Welt aufzunehmen. Die dabei entstandenen schauerlichen Bilder, die immer neue Gäste aus der Anderswelt zutage förderten, erfüllten seinen Anspruch, dass die Geisterwelt tatsächlich in unsere Welt hineinragt. Spielerisch konnte er das Unsichtbare, das nie vorher Gesehene für sich und andere sichtbar machen. Die Gestalten und Fratzen, die sich ihm zeigten, nahmen ihn gefangen. Sie faszinierten ihn und inspirierten seine Fantasie. Wenn er für sie einen Lebenslauf, mal humorig, mal skurril, mal gespenstig, verfasste, verband er sich mit seinem Unbewussten als wichtigster schöpferischer Quelle. Von dort, aus dunklen Tiefen, wuchsen ihm die notwendigen Eröffnungen zu den Hadesbewohnern zu, die er lustvoll in Verse setzte.

Anders beim Rorschach-Test. Für den Psychologen, der den Test anwendet, hat er einzig den Zweck, aus den Aussagen des Probanden Rückschlüsse auf seine seelische Verfassung, sein Ichgerüst, zu ziehen. Das oft immer auch Fantastische in den Aussagen der Probanden bei ihrer Reaktion auf die Tafeln (»angebissener Truthahn«) ist nebensächlich und spielt keine Rolle. Der Test stellt keine Fantasieprüfung dar. Solche Aussagen werden ausschließlich als Hinweis auf eine Störung im psychischen Apparat gedeutet. Die vorgelegten Klecksografien sollen die Tür zu den verborgenen Teilen der Psyche öffnen und dasjenige enthüllen, was bei einer einfachen Exploration des Probanden nie von ihm offenbart würde. Der Test soll der Schlüssel zum Unbewussten sein, zu dem »inneren Safe« in unserer Psyche, in dem gefährliche Bewusstseinsinhalte verschlossen und im Allgemeinen sicher verwahrt sind.

Tuschezufallszeichnung von Norbert Rink. 1995. »Der große Schamane«. Foto: Wolfgang Bauer


Bei dem Verfertigen seiner Klecksbilder versuchte Jackson Pollock, einen schamanistischen Zugang zu den Inhalten seines Unbewussten zu bekommen. Seine dort verorteten Ängste, Zwänge und inneren Qualen wollte er über den Prozess des Farben-Drippings sichtbar und zu Kunst werden lassen. Den Zündfunken für sein Tun erhielt er durch einen Trancezustand, eine Art von Selbsthypnose, in die er sich bei seinem künstlerischen Schaffen versetzte. Dieser Vorgang der Entäußerung, im Akt der Selbstöffnung von innen nach außen, sollte ihn heil machen und in einen Zustand versetzen, in dem er sich wieder im Einklang mit seiner Natur und mit der Natur als Mutter von allem befand und in dem er glücklich sagen konnte: »Ich bin Natur.«

Geschrieben in Erinnerung an den Märchen-, Mythen- und Sagenforscher Heino Gehrts (1913–1998) und die Orientalistin Sigrid Hauff (1941–2018)

Endnoten

1 Bilder und Lyrik zu »Le Rêve infini« waren im Rathaus Köln-Wesseling vom 04.09. bis 06.10.2006 ausgestellt.
2 Kerner, 1981: 222
3 Kerner, 1981: 553
4 Kerner, 1981: 109f.
5 Beim Zeichnen benutzte Joseph Beuys neben Wasserfarben auch Flüssigkeiten wie Kaffee, Tee, Brühe, Beize, vom Rost gefärbtes Wasser, Säfte von Obst und Gemüse und auch Blut.
6 Kerner, 1981: 382
7 Kerner, 1981: 370
8 Bohm: 1f.
9 Klopfer/Davidson: 15
10 Klopfer/Davidson: 23
11 Klopfer/Davidson: 24
12 Bohm: 403
13 Emmerling: 48
14 Emmerling: 65 und 86

Literatur

Bauer, Wolfgang/Zerling, Clemens: Das ganz Andere im Stein. Wenn Steine, Felsen und Berge ihr vollständiges Sein offenbaren, Darmstadt 2013

Berger-Fix, Andrea (Hrsg.): Justinus Kerner: Nur wenn man von Geistern spricht. Briefe und Klecksographien, Stuttgart 1986

Bohm, Ewald: Lehrbuch der Rorschach-Psychodiagnostik für Psychologen, Ärzte und Pädagogen, Bern 1972

Emmerling, Leonhard: Pollock, Köln 2003

Gehrts, Heino: Das Mädchen von Orlach, Stuttgart 1960

Hartmann, Richard P.: Malerei aus den Bereichen des Unbewussten. Künstler experimentieren unter LSD, Köln 1974

Hällisch-fränkisches Museum Schwäbisch Hall: Das Mädchen von Orlach. Eine aufsehenerregende Geistergeschichte aus dem Biedermeier, Ausstellungskatalog 1996

Hauff, Sigrid: Der Zinnteller-Reflex. Nicht-Dualität als Ereignis, Herrsching 2005

Hesse, Jürgen/Schrader, Hans Christian: Der Testknacker, Hallbergmoos 2013

Kerner, Justinus: Ausgewählte Werke, Stuttgart 1981 (enthält auch: »Das Bilderbuch aus meiner Knabenzeit« und die »Klecksographien«)

Kerner, Justinus: Die Seherin von Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und über das Hereinragen einer Geisterwelt in die unsere, Leipzig 1946, 4. Auflage

Ketelsen, Thomas (Hrsg.): Die Klecksographie zwischen Fingerübung und Seelenschau, Köln 2013

Klopfer, B./Davidson, H. H.: Das Rorschach-Verfahren, Bern 1971

Peter, Burkhard: Zur Geschichte der dissoziativen Identitätsstörung. Justinus Kerner und das Mädchen von Orlach, in: Hypnose 2007, 1 (1+2), 117–132

Schuster, Martin: Kunsttherapie. Die heilende Kraft des Gestaltens, Köln 1986

Schneede, Uwe: Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert. Von der Avantgarde bis zur Gegenwart, München 2001

Trentmann, Nina: Tiere können malen und klecksen wie ein Mensch. http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13852750/Tierekoennen-malen-und-klecksen-wie-ein-Mensch.html

Weltzien, Friedrich: Fleck – Das Bild der Selbsttätigkeit um 1800. Justinus Kerner und die Klecksografie als experimentelle Bildpraxis zwischen Ästhetik und Naturwissenschaft (Habilitationsschrift), Göttingen 2011

Zum Autor

Wolfgang Bauer, Jahrgang 1940, Studium der Psychologie und begleitend der Volkskunde. Tätigkeit als Psychologischer Psychotherapeut in Frankfurt am Main. Viele heitere Begegnungen mit Märchenerzählern, Geisterbeschwörern, Klartraumexperten, Hellsichtigen, Medien, Bewusstseinsforschern und eigene Erlebnisse mit Wesen der Zwischenreiche. Ausstellungen zu Zauber- und Märchenpilzen. Veröffentlichungen (in Zusammenarbeit mit anderen Autoren) u.a.: »Lexikon der Orakel« (2004), »Lexikon der Symbole« (1980–2004), »Der Henker ins uns. Auf den Spuren des Grauens« (2011), »Der Fliegenpilz. Geheimnisvoll, giftig und heilsam. Die Wurzeln von Mythen, Märchen und Religionen« (2014).

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