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WOLFSPOLITIK: KOSTENFAKTOR


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 30/2019 vom 15.02.2019

Ob für Herdenschutz, Entschädigungszahlungen für Risse oder Monitoring, der Wolf in Deutschland verursacht Kosten.Dr. Nina Krügerhat sich einmal genauer angesehen, wie hoch diese in den einzelnen Bundesländern sind und wie sie sich zusammensetzen.


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Der Wolf kommt dem deutschen Steuerzahler teuer zu stehen. Allein 2018 hat jeder erwachsene Wolf 5.200 Euro verschlungen.


FOTO: HELMUT PIEPER

168.333 Euro hat die Wölfin von Ohrdruf mit ihren Jungen 2018 an Kosten verursacht. hat die Wölfin von Ohrdruf mit ihren Jungen 2018 an Kosten verursacht.

4.000 Euro etwa wurden 2018 pro Wolf (inkl. Welpen) in Deutschland ...

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... verfeuert.

4,4 Millionen Euro etwa haben die Wölfe den deutschen Steuerzahlern 2018 gekostet.

1.100 Wölfe etwa leben derzeit in Deutschland.

Lupus pilum mutat, non mentem (Der Wolf mag sein Haar wechseln, nicht aber seine Absichten) – schon den Römern war klar, dass ein Wolf ein Wolf bleibt, selbst wenn man ihn zum Goldesel des Naturschutzes macht. Und so bleibt der Grauhund ein opportunistischer Kulturfolger, der mit allen Gegebenheiten in unserer Landschaft hervorragend zurechtkommt, ein maximales Populationswachstum verwirklicht und von Tag zu Tag mehr von uns Menschen lernt.

WÖLFE KOSTEN UND NERVEN

Wer sich mit dem Wolf in Deutschland befasst weiß, dass er vor allem eines kostet – Nerven. Ist man Tierhalter, muss man auf tote oder verletzte Weidetiere gefasst sein, selbst wenn man zuvor Geld und Zeit in deren Schutz investiert hat. Ist man Jäger, sind es unvorhersehbare Wildbewegungen und neue Herausforderungen in der Bejagung, die einem den Schlaf rauben, wenn einen nicht die Sorge um die Sicherheit des eigenen Stöber- oder Schweißhundes wachhält, den man zur Drückjagd oder Hatz schnallen möchte. Ist man nur Hundehalter, sucht man sich lieber übersichtliches Gassiterrain, und als verantwortungsvolles Elternteil denkt man zweimal darüber nach, ob man den Nachwuchs noch unbeaufsichtigt durchs Gebüsch toben lässt.

Die Wahrscheinlichkeit, in einen Wildunfall mit Wolf verwickelt zu werden, steigt mit der wachsenden Population ebenfalls. Und selbst die Initiatoren der „Willkommen Wolf “-Kampagne dürften sich zunehmend die Haare darüber raufen, wie oft naturferne Journalisten noch auf das Gerede von den Verharmlosungen des Raubwildes hereinfallen werden. Vielleicht sind selbst die Wölfe langsam so genervt vom ewigen Klatschen und Rufen, dass sie allein deshalb schon versuchen werden, von tierischer auf menschliche Beute umzusteigen – damit endlich mal wieder Ruhe im Wolfsgebiet herrscht.

MEHR SCHUTZ, MEHR RISSE

All diese Sorgen lassen sich in Worte fassen, aber leider nicht statistisch erfassen. Daher haben wir uns einmal angesehen, wo der Wolf in Deutschland vorkommt, wo er Schäden verursacht und wie viel Geld dafür ausgegeben wird. Dabei haben wir uns auf die offiziellen Angaben der zuständigen Ministerien der Bundesländer verlassen. So finden sich in der Darstellung nur die aufgewendeten Steuermittel, nicht etwaige Spenden, die dem Wolfschutz gewidmet waren. Seit einiger Zeit gibt es eine bundesweite Wolfsinformationsseite (), die Angaben dort decken sich aber nur zum Teil mit denen der einzelnen Länder. So ist dort beispielsweise 2018 nur von 57 Wolfsrudeln, zwei Paaren und wenigen Einzelindividuen die Rede – Sachsen-Anhalt wurde nicht als Wolfsland berücksichtigt. Zusammengezählt kommen wir aber auf 93 Rudel, acht Paare und mindestens 23 Einzelindividuen. Auch für Nachwuchs war mit rund 250 gezählten Welpen ausreichend gesorgt. Rechnet man mit durchschnittlich neun Tieren pro Rudel, so kommen wir inklusive der Welpen für 2018 ganz locker auf über 1.000 Wölfe in Deutschland.

Ein weiteres Detail sticht ins Auge. Dort, wo mit Abstand am meisten für den Herdenschutz ausgegeben wird – in Brandenburg und Niedersachsen –, gibt es auch die meisten Nutztierrisse. Ein Hinweis darauf, dass sich Herdenschutz nicht so umsetzen lässt, dass dieser Weidetiere tatsächlich flächendeckend vor Wolfsattacken schützt. Unlängst sind zwei Wölfe in Hessen aus ihrem Gehege trotz meterhohem, stromführendem Zaun ausgebrochen. Hunger oder Langeweile machen offenbar auch den dümmsten Wolf erfinderisch genug, um menschlich erdachte Hindernisse früher oder später zu überwinden.

KOSTEN IM VERBORGENEN

Die Summe, die 2018 deutschlandweit offiziell im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfs aufgewendet wurde – nämlich rund 4,4 Millionen Euro –, hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nur Bayern und Niedersachsen weisen Verwaltungs- bzw. Personalkosten explizit aus. In den meisten anderen Bundesländern werden die Kosten für Gebäude, Strom und Personal nicht so erfasst, dass diese dem Wolf zugeordnet werden können. Wenn aber ein Land wie Bayern mit nur zehn Wölfen schon 288.000 Euro für Personalkosten ausgibt, wie viel mag es dann in Sachsen oder Brandenburg sein? 149 Anträge auf Herdenschutz wurden beispielsweise in Brandenburg bearbeitet, 401 gerissene Nutztiere mussten begutachtet und die Anträge ihrer Halter auf Entschädigung durchgesehen werden. Auch die ausführliche Internetseite zum Thema Wolf des Bundeslandes pflegt sich nicht allein und kostet Geld. Vom Monitoring, DNA-Proben und anderen Sachmitteln mal ganz abgesehen. Wäre man kleinlich, könnte sich die Summe also noch um ein Vielfaches erhöhen. Selbst wenn der Entschluss gefasst wird, Wölfe zu erlegen oder einzufangen, ist dies keine wirklich kostengünstige Alternative. Die Ohrdrufer Wölfin, die vermutlich zwei Jahre in Folge Mischlingswelpen aufgezogen hat, hat damit nämlich Kosten von etwa 40.000 Euro verursacht – für Fallenmieten, Personalkosten und die Möglichkeit der Hybridenunterbringung im Bärenpark Worbis. Ohne das Problem abschließend aus der Welt zu schaffen. Insgesamt ist sie mit 168.333 Euro Kosten Deutschlands teuerste Wölfin 2018 gewesen.

Die Monitoringdaten beziehen sich aufgrund des jährlichen Monitoringzeitraums im Grunde auf das Jahr 2017, für 2018 waren die Daten noch nicht vollständig.


KARTE: BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ