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WOMEN RIDERS WORLD RELAY: Damenfahrt


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 03.06.2019

Die längste Motorrad-Staffelfahrt der Welt ist reine Frauensache. Mit dem »Women Riders World Relay« wollen Motorradfahrerinnen andere Frauen zum Motorradfahren inspirieren.


Ein paar Zahlen vorneweg: In Deutschland besitzen knapp 1,3 Millionen Frauen den Führerschein der Klasse A2 oder A. Seit Jahren beträgt der Frauenanteil an den Motorradneuzulassungen etwa zehn Prozent, das waren 2018 rund 10.000. Klingt nach einem erheblichen wirtschaftlichen Potenzial für Hersteller, Händler und Bekleidungsindustrie.

Die Realität

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, wie einige O-Töne von Motorrad fahrenden Frauen ...

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... beweisen: »Ich wollte mir ein neues Motorrad kaufen, aber in dem Laden, in dem ich war, haben mich drei Männer einfach ignoriert. Da bin ich dann woanders hingegangen. « »Ich trage eine Lederkombi für Männer, die ich mir umnähen ließ.« »Als ich bei einem Händler eine Probefahrt machen wollte, kamen alle männlichen Angestellten in den Hof und wollten sehen, ob ich den Motor abwürge oder mit der Maschine umfalle oder überhaupt damit wegkomme.« »Meine Stiefel und meine Handschuhe sind die kleinsten Herrengrößen. Ich habe einfach für meine Hände und Füße nichts Passendes gefunden.« »Ich will eine ganz normale

Alle Teilnehmerinnen geben ein Autogramm


Für den handgeschnitzten Staffelstab wurde eigens ein Rucksack gebaut


Initiatorin Hayley Bell mit Stab (


Dierdorf im Westerwald war der vierte von fünf Etappenorten in Deutschland. Von dort ging es weiter in die Benelux-Staaten.


Lederkombi für Frauen, gerne mit etwas Chic, aber ohne Pink und ohne Blümchenmuster. « »Ich kann Typen nicht ausstehen, die, wenn sie eine Frau vor sich auf einem Motorrad sehen, auf den Geraden Gas geben wie verrückt und dann vor der nächsten Kurve parken, weil sie keine Schräglage draufhaben.«

Die Idee

Die Britin Hayley Bell kannte alle diese Probleme aus eigener Erfahrung und entwickelte eine Idee. Frau müsste eine globale Schwesternschaft gründen, die Frauen auf der ganzen Welt zum Motorradfahren inspirieren will und die auf die Belange von Motorradfahrerinnen aufmerksam macht. Und dazu würde sich eine weltweite Staffelfahrt nur mit Motorradfahrerinnen doch gut eignen. Es war die Geburtsstunde des »Women Riders World Relay« (WRWR), zu deutsch etwa »Motorradfahrerinnen-Welt-Staffellauf«. Ende August letzten Jahres startete die Yamaha-Fahrerin einen Aufruf auf Facebook, in dem sie Mitstreiterinnen für ihre Aktion suchte. Die Resonanz war überwältigend. Bis heute haben sich rund 16.000 weibliche Motorradfans gemeldet, die den Staffelstab um die ganze Welt tragen wollen.

Die Teilnehmerinnen

Da sind junge Einsteigerinnen ebenso am Start wie alte Häsinnen oder Spätberufene, Abenteuerreisende ebenso wie Sportfahrerinnen, Rollerbesitzerinnen oder Chopper-Treiberinnen, die Hausfrau ebenso wie die Studentin oder die Managerin. Die Australierin Colette Tindall Edeling beispielsweise ist schon seit dem Start des WRWR Ende Februar in Schottland dabei und will bis zu dessen Ende im Januar 2020 mitfahren. Andere wiederum, wie die Büroangestellte Liv Seuring (34) aus Darmstadt, fahren nur eine Etappe mit: »Ich habe auf Facebook nach Frauen gesucht, die Spaß am Motorradfahren haben. Da bin ich auf den WRWR gestoßen, fand das sofort interessant und bin dann mit eingestiegen. Inzwischen bin ich dort zuständig für Mitwirkende und Mitglieder. Man findet Gleichgesinnte und knüpft Kontakte in die ganze Welt.«

Der Ablauf

Für jedes Land wird eine Botschafterin ausgesucht. Diese Botschafterin wählt die Strecke und setzt die Etappenorte. Die Botschafterinnen für Deutschland sind besagte Liv Seuring und Mandy van Leeuwen, Fireblade-Pilotin und Angestellte beim Motorradzubehör-Multi Parts Europe. Normalerweise handelt es sich um Tagesetappen von etwa 300 Kilometern Länge ohne Autobahn, das kann natürlich je nach Land und dort herrschenden Straßenverhältnissen variieren. Abwechslungsreich sind die Gruppengrößen, die reichen von der Solofahrerin bis zur 30-Personen-Gruppe. Die Fahrerinnen dieser Etappen sind die Guardians, von denen eine jeweils den Staffelstab trägt. Jeder Guardian muss sich vorher anmelden und darf eine Begleitperson mitnehmen, die auch männlich sein kann. Gemeinsam geht es dann morgens auf die nächste Etappe, gefahren wird bei jedem Wetter. Je nach Anzahl der Guardians erfolgt eine Einteilung in Untergruppen, meistens in flotte und weniger flotte Fahrerinnen. Am Zielort angekommen, wird der Staffelstab an einen Guardian übergeben, der dann die nächste Etappe fährt.

Liv Seuring (l.) und Mandy van Leeuwen haben als Botschafterinnen die fünf deutschen Etappen des »Women Riders World Relay« organisiert.


Das legendäre Ace Cafe in London hatte die Fahrerinnen des WRWR im März zu Gast. Die Wetterbedingungen für die Teilnehmerinnen waren typisch britisch


Der Staffelstab

Sozusagen der Heilige Gral des WRWR. Er findet einen sicheren Platz unterwegs in einem eigens dafür angefertigten Behälter, den der Guardian wie einen Rucksack trägt. In dem aus Holz geschnitzten Stab befinden sich Papierblätter, auf denen jede Teilnehmerin unterschreibt. Außerdem beinhaltet er einen GPS-Tracker, damit man auf der WRWR-Homepage jederzeit verfolgen kann, wo er sich gerade befindet. Den Tracker jeden Abend wieder aufzuladen, ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Guardian.

Die weitere Fahrt

Noch bis Juni fährt der WRWR durch Europa und wechselt dann nach Asien. Es folgen Australien, Amerika und Afrika, das Ende ist für Januar 2020 in den Vereinigten Arabischen Emiraten geplant. Dabei geht es auch durch Länder, in denen Frauen nur sehr eingeschränkte Rechte haben, wie beispielsweise den Iran oder Pakistan. Man darf gespannt sein, wie der WRWR dort aufgenommen wird. Aber wie auch immer, die Devise bleibt: »Abenteuerlustig. Mutig. Begeisternd. Gemeinsam.«

Spätestens um 8.30 Uhr ist Abfahrt für die im Schnitt 300 km langen Tagesetappen. Die Australierin Colette Tindall Edeling ist seit dem Start dabei und möchte bis zum Ende im Januar 2020 mitfahren.


Fotos: J. Schons, WRWR