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#workation: für Fortgeschrittene


Jolie - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 01.09.2018

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Das klingt erst mal nach einem Traum. JOLIE macht denReality-Check


Artikelbild für den Artikel "#workation: für Fortgeschrittene" aus der Ausgabe 10/2018 von Jolie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Jolie, Ausgabe 10/2018

Der Strand von Weligama ist ein Traum für Surfer


Was für ein Anblick! Das Hochland war ein Highlight der Tour


Sina liebt es, zu reisen. U. a.war sie backpacken in Sri Lanka (Bilder oben)


Sina Wendt

Schreiben war immer ihre Leidenschaft. Erst nach der Reise hatte Sina genug Mut, damit auch Geld zu verdienen. Die Idee zum Start-up Blog Wings (Motto: Blogger werden war noch nie so einfach) entstand übrigens auf Bali

Unter den Füßen kitzelt feiner, weißer Sand. In der Ferne tuckern die für Thailand so ...

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... typischen Longtail-Boote übers Wasser. Und beim Blick über den Laptop-Rand taucht direkt vor den Augen das azurblaue Meer auf. Ein Büro unter Palmen – dieses romantische Bild haben viele im Kopf, wenn sie von digitalen Nomaden hören. Und im ersten Moment will jeder sofort seinen Rucksack schnappen, ein One-Way-Ticket buchen und die Welt erkunden. Sich treiben lassen, arbeiten, wo es einem gerade gefällt. Und weiterreisen, wenn das Fernweh zu groß wird. Ein fester Wohnsitz? Unnötig. Ein geregelter Bürojob? Langweilig. Feste Arbeitszeiten und Strukturen? Wer braucht das? Ein Leben als digitaler Nomade klingt aufregend. Aber wie realistisch ist unser Bild von den vermeintlich traumhaften Bedingungen?

ALLES AUF RISIKO
Sina Wendt (31) aus Niedersachsen kennt die Hochburgen der digitalen Nomaden. Sie war in Ubud auf Bali, auf Koh Phangan in Thailand. JOLIE trifft sie in einem Coworking Space – allerdings nicht in Asien, sondern im recht nüchternen Hamburg. Seit Ende Mai ist die Bloggerin wieder zurück. Ihr Resümee: Länger als ein, zwei Wochen will sie die Stadt dieses Jahr nicht mehr verlassen. Und wenn, dann am liebsten nur zum Urlaubmachen. Ohne Laptop und Social Media. Ortsunabhängiges Arbeiten klingt zwar toll, aber freie Zeit muss man sich auch da nehmen. Und ohne gutes Internet geht meist nicht viel. Heute sagt Sina: „Mit einer monatelangen Reise kann man mich gerade jagen.“ Vor zweieinhalb Jahren sah das noch anders aus. In einem Urlaub in Krabi, Thailand, packte die Medienmanagerin, die nebenbei über ihre Trips schrieb, das Bedürfnis nach einer langen Reise: „Damals hätte ich mich in Thailand am liebsten an eine Palme gekettet. Das kannte ich gar nicht von mir.“ Es ging zurück nach Deutschland. Mit dem Wunsch: „Ich wollte die Zeit haben, an Orten zu versacken. Ohne ein Ticket für das nächste Ziel.“ Sie überzeugte ihren Freund Bennet (29). Das Problem: „Als wir mit unseren Arbeitgebern redeten, stellte sich heraus, dass wir kündigen müssen. Das war hart, weil wir unsere Jobs mochten.“ Aber der Traum war größer als die Zweifel. Anfang 2017 waren die Wohnung untervermietet, das Geld ge-spart und ein One-Way-Ticket nach Bangkok gebucht. Das Ziel: Reisen, ohne sich Grenzen zu setzen. Sina und Bennet ließen sich knapp sechs Monate treiben, durch Thailand, Australien und Bali, erst mal, ohne zu arbeiten. „In Bali habe ich ganz zaghaft mal wieder vermehrt den Laptop aufgemacht“, erinnert sich Sina. „Wir waren in einem Coworking Space in Ubud. Das war aufregend, so mit Blick auf die Reisfelder. Am Anfang der Reise hätte ich nie gedacht, dass ich mich mal als Autorin selbstständig mache, geschweige denn digitaler Nomade werde. Ich bin ein eher ängstlicher Typ. Und sicherheitsliebend.“ Aber eben nicht nur. „Auf der Reise begann ich, mich weiterzuentwickeln, meine Unabhängigkeit wertzuschätzen, mir meine eigenen Projekte zu schaffen. Und merkte: Das macht mich glücklich.“


»Es wäre naiv anzunehmen, dass es sich anfühlt wie der Beginn einer dreiwöchiger Urlaubsreise. «
Coach Tom Diesbrock


(K)EIN LEBEN OHNE ROUTINE
Zurück in Deutschland, im Sommer 2017, fiel es ihr schwer, richtig anzukommen. „Ich konnte noch nicht vom Reisen lassen“, erinnert sie sich. Also ging es wieder nach Bali, Lombok und Sri Lanka. Wieder mit einem One-Way-Ticket. Das Ziel diesmal: arbeiten. Ob für einige Monate oder länger, wollte sich das Paar offenhalten. Das Gute: Man muss sich ums nichts kümmern. Behördengänge, Haushalt, Socializing – das fällt alles weg. Irgendwann vermisste Sina in Asien aber alltägliche Sachen: „Ein Sonntagsfrühstück mit frischen Brötchen, die Kälte, die Weinabende mit meinen besten Freunden und ja, irgendwie auch das Putzen.“ Nach zwei Monaten freute sie sich auf den Rückflug, wollte der Heimat diesmal eine echte Chance geben. Das hat auch geklappt. Trotzdem ging es noch einmal los, um gesammelte Trikots in Kambodscha zu spenden. „Eigentlich hätte ich danach wieder nach Hause gekonnt. Doch den Rückflug hatten wir schon gebucht, sechs Wochen später, aus Bali. Die ganze Zeit fehlten mir meine Freunde, die Routinen, das Commitment. Man muss sehr diszipliniert sein, um sich entweder aufs Arbeiten oder aufs Reisen zu konzentrieren. Ich stand irgendwie dazwischen, und das war schwierig.“ Jetzt ist sie mit ihrem Freund wieder in Hamburg angekommen, immer noch selbstständig, aber vorerst nicht mehr unterwegs. Auf kleine Auszeiten ohne Laptop freut sie sich trotzdem und auch darauf, mal wieder richtig Fernweh zu spüren. Was danach kommt, weiß sie nicht.

TOM DIESBROCK
Autor von:Hören Sie auf, sich im Weg zu stehen . Wie wichtig ist ein fester Wohnsitz zum Glück? Viele Menschen orientieren sich vor allem an den Faktoren Sicherheit, Gewohnheit und Bequemlichkeit – was nicht unbedingt zur Lebenszufriedenheit beiträgt. Dabei brauchen wir, um glücklich zu sein, von Zeit zu Zeit einen Aufbruch und neue Erfahrungen. Wir sollten uns trauen, unsere Komfortzone zu verlassen. Schon eine Auszeit für einige Monate fern der Heimat ist eine prägende Erfahrung!

Eileen reist allein – mit ihrer Hündin Nori


Die Niederlande waren das erste Land ihrer Reise


Eileen Kretschmann
Die Technik im Van hat Eileen (Instagram @leben_im_van) selbst eingebaut: „Einige Male hab ich schon einen Kurzschluss verursacht, weil ich irgendwas vertauscht habe.“

EIN GUTES NE TZWERK HILFT
Felicia Hargarten (36) und Marcus Meurer (40) scheint das Dasein als digitale Nomaden dagegen perfekt zu liegen. Seit sechs Jahren reisen sie durch die Welt – und leben von ihren Blogs und Konferenzen, die sie für digitale Nomaden ausrichten. „Mittlerweile haben wir mehrere Homebases auf der ganzen Welt und wechseln meist zwischen Südamerika, Südostasien und Europa“, sagt Feli. Und: „Wir sind zufällig in diesen Lifestyle reingerutscht. Mein Freund Marcus und ich, wir hatten beide unsere Jobs in Berlin in Online-Start-ups gekündigt. Aber mit einem anderen Ziel. Er wollte sich als Freelancer selbstständig machen. Ich hatte den Vertrag für einen neuen Job unterschrieben und habe mir Zeit zwischen altem und neuen Job freigelassen, um zu reisen.“ Unterwegs merkten die beiden: Ihr Netzwerk in der Online-Marketing-Szene bringt auch außerhalb Deutschlands lukrative Aufträge: „Das war unser Aha-Moment: Hey, man kann auch Geld verdienen, während man im Ausland ist.“ Aber: „Wenn du lange als Angestellter gearbeitet hast, überfordert dich die neue Freiheit erst mal. Es hat gedauert, bis wir uns mal erlaubt haben, tagsüber ins Fitnessstudio zu gehen. Obwohl wir das ohne Probleme konnten. Ganz wichtig: Wir haben eine feste Morgen-und Abendroutine, die hilft, den Alltag zu strukturieren“, erzählt Feli. Strukturen, schnelles Internet und die Bereitschaft, sich ständig neuen Herausforderungen zu stellen – anders funktioniert ein Leben als digitaler Nomade kaum. Die beiden wichtigsten Tipps des reisenden Couples: „Wenn du noch in Deutschland gemeldet bist, macht es Sinn, die Krankenversicherung erst mal auf Anwartschaft zu stellen und dann eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung, z. B. von Hanse Merkur, abzuschließen.“ Und: „Immer mindestens eine Master-und eine VISA-Karte mitnehmen und checken, ob die Karte noch länger gültig ist. Cool ist auch die Revolut-Karte. Ansonsten würde ich nur noch eine Haftpflichtversicherung abschließen, die auch das Ausland abdeckt, z. B. die von Haftpflicht Helden.

Felicia Hargarten & Marcus Meurer

Ihr Tipp: „Wenn du noch in Deutschland gemeldet bist, macht es Sinn, die Krankenversicherung auf Anwartschaft zu stellen und eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung abzuschließen.“

DIE NATUR ALS ZUHAUSE
„Man darf sich bei der Arbeit nicht von einem schönen Ausblick aus der Schiebetür ablenken lassen“, hat auch Eileen Kretschmann (28) schnell verinnerlicht. Die Hamburgerin ist erst vor wenigen Wochen mit ihrem Van losgefahren. Auch sie ist eher durch Zufall digitale Nomadin geworden. Ihr neuer Arbeitgeber, ein Online-Portal für die Vermittlung großer Reinigungsaufträge im B2BBereich, lässt ihr die Freiheit, ortsunabhängig zu arbeiten. Warum sie sich für ein Leben in einem Bus entschied? „Weil ich immer gern campen und in der Natur unterwegs war. Nach einer schmerzhaften Trennung habe ich beschlossen, so zu leben, wie es mich glücklich macht. In Großstädten habe ich mich nie wirklich wohlgefühlt, am Meer kann ich aber alles um mich herum vergessen.“ Mit Mischlingshündin Nori ist sie gerade in Belgien on Tour. Nächstes Ziel: Frankreich. Und weiter nach Spanien. Dort will die 28-Jährige einige Monate die Sprache lernen. Und – klar – arbeiten. Der feste Job sorgt für die nötige Struktur. Ihre Wohnung hat sie gekündigt, die Möbel verkauft oder verschenkt. Die größte Herausforderung beim Start in dieses Leben? „Dass ich mich getraut habe, loszufahren.“ Und jeden Tag warten neue Abenteuer: „Heute habe ich mein Kennzeichen verloren. In der Nähe von Amsterdam wurde ich von der Polizei beim Wildcampen erwischt, und O2 bekommt es nicht hin, mir mein Datenvolumen fürs Ausland freizuschalten.“ Entspannt reisen und dabei arbeiten – das ist nicht die Realität. Aber für Eileen fühlt sich alles richtig an. Sie ist unterwegs angekommen. Bei sich.


» Wenn du lange als Angestellter gearbeitet hast, überfodert dich die neue Freiheit erst mal. «
Feli Hargarten


Lust auf mehr Infos? DasDigitale Nomaden Festival von Feli und Marcus ist eine gute Möglichkeit, sich auszutauschen.dnxfestival.de


Vom Cerro San Cristóbal hat man eine hervorragende Sicht über Santiago de Chile


Das Great Barrier Reef ist ein Must-see in Australien


Essen in Restaurants ist auf Bali relativ preiswert – und Frisch


FOTOS: ADOBE STOCK, FERNDURST.DE, FOTOLIA, ISTOCK, TRAVELICIA.DE, PRIVA T, PR