Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Working by doing: Linde Engineering vereinfacht die Softwareeinführung


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 13/2021 vom 22.03.2021

Wie lässt sich eine Software ohne großen Schulungsaufwand einführen? Linde Engineering setzt auf eine Digital Adoption Platform, die Anwendern an Ort und Stelle erklärt, wie es weitergeht und wie sie ans Ziel gelangen können.


Artikelbild für den Artikel "Working by doing: Linde Engineering vereinfacht die Softwareeinführung" aus der Ausgabe 13/2021 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 13/2021

Linde Engineering gehört zu den großen Anlagenbauern weltweit (hier im Bild eine Raffinerie des Unternehmens in Valero, Texas). Die Münchner haben nun ihr Schulungskonzept modernisiert und setzen auf eine Digital Adoption Platform für die Einführung neuer Anwendungssoftware. User werden dabei während der Softwarenutzung permanent angeleitet und unterstützt.


Große Anlagen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 10,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Computerwoche. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 13/2021 von In der Coronakrise fehlt es am Krisenmanagement. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
In der Coronakrise fehlt es am Krisenmanagement
Titelbild der Ausgabe 13/2021 von EU-Digital-Kompass – wie Europa die Digitalisierung vorantreiben will. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
EU-Digital-Kompass – wie Europa die Digitalisierung vorantreiben will
Titelbild der Ausgabe 13/2021 von CIO des Jahres 2021: Jetzt bewerben – bis zum 20. Mai!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
CIO des Jahres 2021: Jetzt bewerben – bis zum 20. Mai!
Titelbild der Ausgabe 13/2021 von Rise with SAP als Schlüssel – SAP drängt Anwender in die Cloud. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rise with SAP als Schlüssel – SAP drängt Anwender in die Cloud
Titelbild der Ausgabe 13/2021 von IT Startups 2021 – diese Newcomer sollten IT-Profis im Auge behalten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
IT Startups 2021 – diese Newcomer sollten IT-Profis im Auge behalten
Titelbild der Ausgabe 13/2021 von Microsoft Ignite 2021 – „ein radikaler Wandel der Computing-Architektur“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Microsoft Ignite 2021 – „ein radikaler Wandel der Computing-Architektur“
Vorheriger Artikel
Deutsche Softwarespezialisten sind Spitzenverdiener
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel In der Krise zieht es Bewerber stärker zu großen Konze…
aus dieser Ausgabe

... schlüsselfertig liefern zu können macht Linde Engineering zu einem weltweit agierenden Spezialisten im Anlagenbau. Dass die spätere Montage der beauftragten Anlagen oder Anlagenkomponenten reibungslos ablaufen kann, ist auch das Ergebnis eines gut geführten Beschaffungswesens. Für die Zusammenarbeit mit Lieferanten und die Übermittlung von Geschäftsdokumenten entwickelte das Unternehmen die Plattform „SupplierConnect“. Sie ermöglicht allen Zulieferern die direkte Kommunikation mit Linde über einen einzigen Kanal. Basierend auf der Technologie von SAP hat die Tochter des Industriegase-Konzerns sämtliche Applikationen von Grund auf eigenständig programmiert.

Von Anfang an war den Projektverantwortlichen klar: Die erfolgreiche Einführung von SupplierConnect hängt von der Akzeptanz der Lieferanten aus Bereichen wie Expediting oder Logistik ab, die diese Plattform nutzen sollen. Daher wurden sieben von ihnen von Anfang an in das Projekt miteinbezogen. „Die Entwicklung der Plattform startete mit einem Design-Thinking-Prozess“, sagt Markus Menth, IT-Consultant bei Linde Engineering und Experte für das Onboarding von Mitarbeitern sowie für die Software-Adoption-Lösung Userlane.

Rollout beginnt vor dem ersten Schnipsel Code

„Wir haben aus jeder wichtigen Materialgruppe einen Lieferanten eingeladen, der uns über seine Aufgaben und Herausforderungen berichtete“, so Menth. Ihre Aussagen wurden auf kleine Karten geschrieben und an ein großes Board gepinnt. Auf diese Weise wollten die IT-Teams bei Linde Engineering verstehen, was die künftigen Nutzer aus dem Spektrum der Lieferanten erwarten. Sie wollten ihre Annahmen verifizieren und Prototypen entwickeln.

Als besonders ergiebig zeigte sich die Frage nach der emotionalen Haltung der Nutzer zu bestimmten Aufgaben. „Auf dieser Basis konnten wir schnell identifizieren, wo die Painpoints liegen“, berichtet Menth. „Man muss durch eine Menge Verbesserungsschleifen gehen. Aber es war es wert, sich dafür Zeit zu nehmen.“

Zunächst durfte eine kleine Anzahl der Lieferanten-Mitarbeiter, die am Design-Thinking-Prozess beteiligt waren, die Plattform exklusiv nutzen. „Zu diesem Zeitpunkt gab es noch überall Bugs“, erinnerte sich Menth. Als die meisten behoben waren, wurden weitere Nutzer zugelassen. Danach stand auf dem Rollout-Plan, mehrere laufende Anlagenprojekte über SupplierConnect abzuwickeln. Auch dieses Ziel wurde erreicht. „Dank einer guten Feedback-Kultur konnte die Plattform immer weiter verbessert werden“, freut sich Menth. Die dritte Phase, die noch andauert, startete im April 2020. Von diesem Monat an wickelten die ausgewählten Anwender neue Projekte nur noch über SupplierConnect ab. „Natürlich kann man nicht alle Lieferanten zeitgleich auf die Plattform lassen“, schränkt der Linde-Mann ein. „Aber zumindest kommen wir diesem Ziel immer näher.“

Doch wie genau stellt Linde Engineering Hunderten von Nutzern aus verschiedenen Unternehmen, Ländern und Zeitzonen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen ein sauberes Andocken an die Plattform sicher? Onboarding-Spezialist Markus Menth glaubt: Die klassischen Standardmethoden vom PDF-Handbuch über Schulungsvideos bis zum Webinar helfen hier nur bedingt weiter. „Wer will 100 Seiten Handbücher lesen, um eine Software bedienen zu können“, fragt der Projektleiter. „Die Screenshots veralten schnell, nicht alle Funktionen können ausführlich erklärt werden. Die Nachteile sind groß und der Zeitaufwand für den Nutzer sehr hoch. Sie sind nach kürzester Zeit genervt.“ Schulungsvideos kämpfen seiner Erfahrung nach mit ähnlichen Nachteilen: „Niemand will in einem 15-minütigen Video nach einer bestimmten Funktion suchen“, so der Linde-Mann.

Anwender wollen gut informiert werden

Sein Unternehmen hat sich schließlich für eine Kombination aus klassischer Schulung und einer Digital Adoption Platform entschieden. Dabei wird Nutzern mit Videos und Seminaren zuerst einmal ein Grundverständnis der Plattform vermittelt. Sobald sie dieses erlangt haben, werden ihnen die Details und Applikationen während des konkreten Anwendungsfalls erläutert. Dabei legt sich ein zweites Erklär-Layer über die Software und erläutert Nutzern an den wichtigen Stellen, was zu tun ist, um eine Aufgabe zu erfüllen.

Zusammen mit einigen Mitarbeitern machte sich Mendt an die Arbeit und definierte die Reisen, die Nutzer in der Anwendung antreten. „Mit einer Digital Adoption Platform lässt sich festlegen, wo die Tour in einer Anwendung beginnt“, so Menth. Insgesamt entwickelte er zwei verschiedene Arten von Guides. Interaktive Trainings stellen den Anwendern das User Interface mit all seinen Funktionen vor. Daneben helfen die Walk-Throughs bei der Umsetzung von verschiedenen Vorhaben.

„Häufig sind Anwender nicht gut genug geschult für spezifische Aufgaben“, beobachtet Menth. „Wir führen sie einfach durch die Anwendung, und mit dieser Art von Tour können sie Aufgaben erfüllen, ohne Angst haben zu müssen, etwas falsch zu machen“, sagt er. Bei jedem Schritt bekommen die Lernenden eine Erklärung, was sie als nächstes tun müssen.

Kommunikation – so betont Menth – spielt bei jedem Software-Rollout eine entscheidende Rolle. So könne das IT-Team Software-Nutzer rechtzeitig informieren, wann das System wegen Wartungsarbeiten kurzfristig nicht zur Verfügung steht. Oder es setze die Anwender über neue Funktionen der Software in Kenntnis. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter aufgeschlossener sind, wenn sie wissen, was passieren wird oder wenn es irgendwo Probleme gibt“, sagt der Linde-Mann. Die Menschen zu informieren sei ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Im Fall von Linde Engineering weist die Software die Nutzer beispielsweise darauf hin, dass sich SupplierConnect besser über Chrome nutzen lässt als über den Internet Explorer. Beim Einloggen über den Explorer erscheint ein Popup-Fenster mit einem entsprechenden Hinweis. Für Menth ist wichtig, dass die Nutzer nicht zum Wechsel ihres Browsers gezwungen werden. Man empfehle es ihnen nur. Insgesamt wurden über 12.000 interaktive Touren gestartet. „Das sind sehr gute Zahlen“, freut sich Menth. „Vor allem, weil wir noch gar nicht zu jeder Applikation eine Tour haben.“

Markus Menth, Linde Engineering: „Niemand sucht in einem 15-minütigen Schulungsvideo nach einer bestimmten Software-Funktion.“


Fotos: Linde