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World-Grand-Prix in La Cerdanya


segelfliegen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 27.08.2019

Der Wettbewerb in Spanien war – trotz relativ kleinem Personalaufwand – hervorragend und sehr professionell organisiert. Brian Spreckley als Competition Director merkt man seine jahrzehntelange Erfahrung natürlich an. Er konnte sich aber auch in großen Teilen auf ein bewährtes Team verlassen.


Artikelbild für den Artikel "World-Grand-Prix in La Cerdanya" aus der Ausgabe 5/2019 von segelfliegen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segelfliegen, Ausgabe 5/2019

Eine Woche intensives Rennen in den Pyrenäen


19 Spitzenpiloten aus aller Welt kämpften vor malerischer Kulisse


BILDER: TILO HOLIGHAUS, BENJAMIN NEGLAIS

Bemerkenswert war meiner Meinung nach auch die Umsetzung der Sicherheitsgedanken. Zum einen schaffte es Brian Spreckley in teilweise wirklich hervorragenden Appellen ...

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Bemerkenswert war meiner Meinung nach auch die Umsetzung der Sicherheitsgedanken. Zum einen schaffte es Brian Spreckley in teilweise wirklich hervorragenden Appellen den Fokus jeden Tag auf sicheres Fliegen zu richten. Zum anderen waren die Tagesaufgaben wetteroptimiert und sehr vorausschauend gestellt: So hatten wir trotz der schroffen Gegend immer Möglichkeiten, in landbares Gebiet herausgleiten zu können und bekamen ausführliche Infos über die dortigen Außenlandemöglichkeiten. Bei Wenden über Berggipfeln vergrößerte man schlicht den Wenderadius, so dass man nicht dicht am Hang wenden musste.
Wirklich hervorragend bewährt hat sich das neue Konzept der auf 48 kg/m2 reduzierten Flächenbelastung. Die Relativgeschwindigkeiten aller Teilnehmer waren dadurch nahezu gleich und somit berechenbar, wenn man mit mehreren Maschinen im gleichen Aufwind flog. Die leichteren Flugzeuge sind manövrierfähiger und haben deutlich mehr Sicherheitsreserven, was sich im Pulk und besonders beim hangnahen Fliegen sehr positiv bemerkbar macht und auch einfach Stress herausnimmt. Dem Spaß und der Dynamik der Fliegerei tut dies keinen Abbruch.

1. Wertungstag – super gelaufen. Was für eine Wetteroptik heute! Auch wenn‘s verlockend war, an die Basis zu steigen querte ich erstmal das Tal nach Südosten um zu sehen, wie es zur ersten Wende ging. So richtig zogen die Bärte auf der südlichen Talseite nicht, trotz sehr schöner Optik. Daher wendete ich erstmal tief, flog die gleiche Strecke zurück und stieg tief unter dem oben gerade abfliegenden Pulk ein. Ich blieb auf der Südseite des Hauptkamms an der Sonnenkante und fand dort immer wieder brauchbares Steigen. Am Ende des Haupttals an der Abzweigung zum Andorratal stieß ich dann unter den Führungspulk, der einen Hammerbart markierte. Der ging auf 3600 m und öffnete das Rennen zur westlichen Wende. Ich hielt mich auf der Sonnenseite, auch wenn dort die Wolken etwas niedriger waren, aber dafür strukturierter aussahen. Zu meiner Überraschung holte der Führungspulk zur Wende nördlich sehr weit aus und peilte wohl die toll aussehende Wolke über dem Gipfel an. Heute hatten wir dort aber einen 2-km-Radius als Wende, den ich nur ganz knapp anschnitt. Damit hatte ich den Führungspulk fast eingeholt und war nur noch knapp 100 m tiefer.
Der lange Gleitflug zur vorletzten Wende war recht ereignislos bis zur (einzigen) Wolke dort – direkt über der Wende. Als der Bart unter 2 m/s ging, verlor ich die Geduld und flog ab - auf die nach oben überquellende CB-Wurst nördlich Seo D‘Urgell. Die schwarze Wolkenwurst empfing mich mit heftigen Turbulenzen, aber schon nach einem Suchkreis hatte ich 4,5 m/s auf dem Integrator und war damit schon 100 m höher als meine Verfolgergruppe. Ich kurbelte gut 200 m Reserve und stieg dann aus dem kräftigen Bart aus, da es nach Hause sehr gut entwickelt aussah. Das wurde mir fast zum Verhängnis! Die schwarze Wurst fing nämlich an zu regnen, und meine Sicherheitshöhe schmolz dahin. Ich hatte aber Glück, dass der Regen mich nicht völlig runterwusch, und konnte meinen Vorsprung bis zur Zielliene halten.

Eine Front, die am 2. Wertungstag zunächst für sattes, hohes, extrem turbulentes Steigen sorgte…


Schwieriger 2. Wertungstag. Vor dem Abflug war es recht problemlos, noch in der Sonne östlich des Platzes ganz an die Basis zu kommen. Aber dann schob sich eine Abschirmung rein und Brian ließ erstmal die Linie zu. Als es wieder etwas heller wurde,+#ää ging‘s dann los – allerdings mit richtig viel Schwierigkeiten. An der Linie überlegte ich kurz, ob ich 70 Grad nach rechts an eine isoliert stehende, etwas zerzaust aussehende Wolke fliegen sollte. Hätt‘ ich‘s mal gemacht! Didier nahm diese Option und stieg problemlos auf 3000 m!

Stattdessen flog ich mit einer größeren Gruppe 45 Grad ab vom Kurs nach links an die nächste Bergkette und ging gleich an den Hang, der leicht im Wind stand, während die anderen mit extrem schwachen Steigen über den Vorhügeln recht unorganisiert versuchten, Höhe zu machen. „Mein“ Hang trug etwas und mit durchschnittlich 0,3 m/s war ich zunächst ganz glücklich. Leider ging‘s nicht arg hoch und nachdem ich erfolglos versuchte, dort noch ein paar Meter zu machen, flog ich dann zu einer Gruppe, die über den Vorhügeln kreisten, und schon einige Meter höher war. Entweder war ich zu ungeduldig oder es ging unter ihnen tatsächlich nicht – jedenfalls erwischte ich den Anschluss nicht und flog weiter, auf die in diffuser Sonne stehenden Hänge zu, die vermeintlich im Wind standen. Diese trugen aber so gut wie gar nicht und Thermik löste auch nur vereinzelt und sehr kurzlebig über ihnen aus, so dass ich sehr tief zur ersten Wende glitt, in der Hoffnung, in der etwas besser werdenden Einstrahlung auf dem Rückweg (gegen den Wind…) tragende Linien zu finden. Aber Fehlanzeige – selbst der gestartete Hängegleiter soff ab.

Also flog ich tief wieder an „meinen“ Hang zurück, der aber auch nicht mehr ging. Ziemlich ratlos flog ich weiter und war schließlich querab des Flugplatzes nur noch wenige 100 m hoch. Zusammen mit einem weiteren Teilnehmer fand ich dann letztendlich ganz unten an den Vorhügeln zerrissenes Steigen, welches wir erstmal dankend mitnahmen. Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt schon mein Wasser geschmissen, was sich später noch rächen sollte. Eine gefühlte halbe Stunde später ging‘s dann endlich weiter. Tiefer, als ich jemals in der Ecke geflogen bin (aber in einer gut landbaren Gegend), tastete ich mich weit unter Hang zur westlichen Wende und fand nach der Umrundung endlich Steigen, welches mich mal wieder über 2000 m brachte – genug, um die Talquerung zum Hauptmassiv zu schaffen. Dort angekommen fand ich völlig überraschend richtig brauchbares Steigen, welches mich „fast“ auf Endanflughöhe brachte. Jetzt fehlte nur noch die letzte Wende am Cambras d’Azé, die es aber in sich hatte, da dies ein knapp 3000 m hoher Berg war. Beim Kartenstudium vor dem Flug stellte ich erleichtert fest, dass der 2-km-Radius dieser Wende über ein Tal ragte. Ich flog deutlich unter Berghöhe los und musste dann entsetzt feststellen, dass ganz offenbar die Karte nicht stimmte und man doch zum Wenden viel dichter an den Hang fliegen musste als gedacht, was sehr unangenehm war, aber bei mir gerade so reichte.
Ohne Wasser schaffte ich es leider nicht mehr, auf den letzten Kilometern noch jemanden einzuholen, kam aber dennoch in die Punkte, konnte also meine Führung knapp verteidigen

3. Wertungstag – Tagessieg. Das war heute ein ziemlich extremes Rennen, mit jeder Menge völlig unterschiedlicher Flugbedingungen und Taktiken.
Ich wurde heute als Ersters geschleppt – und musste prompt wieder landen, nachdem ich schlicht nichts, wirklich gar nichts gefunden hatte… Der zweite Versuch klappte aber dann prima und die kurze Zeit zwischen Start nach dem Feld und Abfluglinieneröffnung reichte gerade so, um auf Abflughöhe zu kommen.
An fast der gleichen Stelle wie gestern gings auch heute – nur wesentlich besser, aber auch wesentlich turbulenter. Mein Ziel war es, bei dem starken Rückenwind wirklich ganz nach oben zu machen. Knapp an unseren 4000 m Höhenlimit flog ich zur ersten Wende. Das erlaubte mir, nach der Wende im Gegensatz zu vielen anderen knapp über Grathöhe anzukommen und das heftige Steigen mitzunehmen. Mann, hat es mich da hin- und her geschmissen! Ich war zum einen froh, dass wir inzwischen beim Grandprix mit reduzierter Flächenbelastung fliegen und zum anderen, ein so wendiges, sicher zu fliegendes Flugzeug zu steuern.

Im entspannten Endanflug zum 3. Tagessieg


Die letzten Meter nahm ich gegen den Wind geradeaus mit und war damit fast wieder auf 4000 m. Nachdem die anderen weit nach rechts unter die hohen Wolken ausholten, entschied ich mich, mehr Kurs zu fliegen und nahm die „Back-Route“, also die Bergkette nördlich der Hauptkette.
Über Andorra weg kam ich dann langsam wieder tiefer ins Relief zurück und steuerte einen gut im Wind stehenden Hang an. Die Cumuli standen an etwas ungewöhnlicher Position und gingen nicht so gut wie gehofft. An der best angeströmten Ecke des Hanges fand ich dann die erhoffte Granate. Extrem eng kreisend zog ich über 4 m/s heraus – so cool! Als ich fast oben war, kamen von Norden Sebastian und Max in meinen Bart und wirkten recht überrascht, dass ich schon da war.
Nun war Race angesagt! Bis zur Wende war‘s nicht mehr weit – es gab aber mehrere Optionen, immer reliefbestimmt. Meine Verfolger verloren etwas mehr Höhe und kamen teilweise unter Grätenhöhe an, was Zeitverlust bedeutete und mich als Ersten wenden ließ. Geradeaus schossen wir dann mit leichter Rückenwindkomponente zu den nächsten, gut angeblasenen Hängen. Mir fehlten noch über 1300 m Höhe für den Endanflug. Hinter dem Antennenberg vor Seu d‘Urgell zog ich dann in gefühlte 4 m/s rein.

Im typischen schnellen Geradeausflug in den langgezogenen Aufwindlinien


In 3000 m an den wunderschönen, schroffen, sehr gut gehenden Felswänden entlang, was mächtig Speed brachte


Am High-Tech Display im Clubhaus konnte man live die kommentierten Rennen verfolgen


Kreisen oder weiter? Ich war mir ziemlich sicher, dass meine Verfolger hier kreisen würden. Also täuschte ich das Einkreisen an, richtete aber dann gleich wieder auf und preschte mit hoher Fahrt auf die andere Talseite. Wenn ich jetzt a) die Speed halten könnte und b) die Hänge gut trugen, wäre das meine Chance! Die fehlende Endanflughöhe nahm nur zögerlich ab und die Hänge wurden am Fuß immer flacher.
Kurz vor der letzten Wende fehlten mir immer noch 200 m und ich war schon so tief, dass ich kurz Angst hatte, dass der zu umrundende Solarspiegel nicht zu erreichen war. 100 m tiefer hätte ich tatsächlich nicht sein dürfen! Nach der Wende sah ich dann zu meiner großen Freude mehrere Vögel genau auf Kurs kreisen. So musste ich nicht wieder zurück an den Hang, sondern konnte mich direkt auf Kurs auf Endanflughöhe „huchen“. Zweiter Tagessieg!

4. Wertungstag – ganz anderes Wetter. Es war viel kühler und schon ganz früh standen schöne Cumuli in der kristallklaren Luft. Ich war heute als einer der letzten im Schlepp, was aber nichts machte, da ich gleich nach dem Ausklinken 3 m/s fand. Mitten über dem Tal ging es geradeaus bis zum Antennenberg, den ich als einer der ersten knapp unter Hang erreichte. Er trug gut. Erst ganz am Ende des Hangs fand ich zusammen mit Christoph zunächst richtig gutes Steigen, was aber schnell nachließ. Ich war aber hoch genug, um zum Cometa Hang – unserer ersten Wende – zu gleiten. Sebastian war etwas hinter mir und kreiste ein. Ich wollte die Wende im Hang nehmen, um dann mit Rückenwind an die Basis zu steigen, fand aber den guten Bart nicht.
Zur zweiten Wende sah‘s dann etwas zerzauster aus. Aber über einen gut im Wind stehenden Hang fand ich nach etwas Suchen endlich eine richtige Granate, die mich offenbar in Führung brachte.

Eine schwache Morane hatte trotz niedriger Flächenbelastung Mühe, kurzfristig ging es sogar „bergab“


Nach der zweiten Wende ganz im Süden war die Verfolgergruppe dann ziemlich klein und wir waren schon einige Kilometer den anderen voraus. Sebastian war deutlich tiefer und ich hoffte auf den Antennenberg, fand dort aber nichts Brauchbares. Etwas weiter nahm ich dann schwächeres Steigen mit, um nicht irgendwo in das nach Norden immer höher werdende Relief zu fallen. Das nutzen die anderen zum Aufschließen. Nach der Wende im Norden mussten wir nochmals zur vorletzten Wende nach Süden. Nach deren Umrundung war dann Sebastian etwas hinter, über mir. Ich fand gut tragende Linien und wir waren bereits voll auf Endanflug getrimmt, obwohl noch rund 700 m dazu fehlten. Bei Seu d‘Urgell kachelten wir auf die andere Talseite.
Sebastian nutzte seinen kleinen Höhenvorteil, den er hinter mir gehalten hatte und zog nun etwas an mir vorbei. Am ersten Hang zog er dann heftig hoch – und hier machte ich meinen entscheidenden Fehler: Ich wollte das offenbar gute Steigen von Anfang an mitnehmen und zog schon vor dem Zucken des Varios hoch – mitten ins Fallen hinein!!! Nun war Sebastian 100 m höher, konnte über die Gräten abkürzen und ich musste Umwege fliegen. Das brachte ihm nochmals 100 m mehr ein – ich gab aber nicht auf. Tatsächlich wurde der Höhenabstabnd immer kleiner. Später musste ich aber leider die Fahrt etwas rausnehmen um den – ohnehin schon sauknappen – Endanflug nicht zu gefährden. Schade, aber ein zweiter Platz nach so einem sauschnellen Tag hat mich trotzdem sehr glücklich gemacht.

5. Wertungstag – hat klasse gepasst. Zunächst war heute Warten angesagt: Es wurde immer kälter und die Wolken wurden immer dichter, aber irgendwann fing der Luftdruck an zu steigen und die Front war durch. Die obersten Berge steckten zwar immer noch in Wolken, aber Brian schickte uns los, was sich auch als guter Plan entpuppte. Mein Schlepp dauerte heute hinter einer schwachen Morane ewig – für mehrere Minuten fielen wir sogar im Schlepp.
Kaum dass ich ausklinkte, fand ich eine Granate, die mich gleich auf über 2500 m brachte. Wir brauchten aber mehr, da die Linie heute auf 2600 m lag. Dazu nutzen wir den Hangwind in den ganz hohen Bergen und genossen dabei den atemberaubend schönen Blick in der kristallklaren Luft - einfach wunderschön.

Genussvolles Warten in der herrlichen Bergwelt vor dem Abflug


Nach dem Abflug flogen wir mehr oder wenig alle fast rechtwinklig zurück zum Haushang, der nicht ganz so gut ging, was aber auch vielleicht daran lag, dass wir mit den mehreren versetzen Thermikzentren und den vielen Maschinen nicht richtig zentrieren konnten. Ich flog dann irgendwann mal los und war damit quasi ganz an der Spitze. Direkt an der Wende am Pass bei Bourg Madame standen wieder zerrissene 2 m/s – aber eben nicht wirklich rund. Nach diversen Kreisen, was uns bei dem scharfen Westwind wieder zurückversetzte, orientierten wir uns wieder zurück Richtung Haushang. Die meisten flogen weit nach rechts an den Hang, was mir etwas suspekt war. Ich blieb über der Vorhügelkette und fand dort eine sehr gut tragende Linie, die mich teilweise mehrere 100 m höher als die meisten anderen des Pulks brachte.
Am Ausklinkpunkt nördlich des Flugplatzes stand wieder ein Bart, der aber nicht satt durchzog. Nach zwei oder drei Zentrierkeisen gab ich auf und flog alleine vor, unter einen sich gerade frisch bildenden Kondensschleier. Darunter drückte es mich regelrecht in den Sitz und schon beim ersten Kreis hatte ich über 4 m/s und stieg damit auf über 3000 m – läuft.
Ich war damit quasi an der Spitze, aber kurz vor dem Ende der großen Hauptkette bei Seu d‘Urgell glitt Sebastian leicht erhöht an mir vorbei - schon beeindruckend, wie er es auch aus einer nicht so guten Ausgangspositionen immer wieder ganz nach vorne schafft! Gemeinsam suchten wir vor der Talüberquerung den oft dort stehenden Hammer – aber vergebens. Sebastian drehte dann mal nach Süden weg, zu anderen steigenden Flugzeugen. Ich zögerte kurz, ob ich auch mitgehen sollte, da zur Basis schon noch einige hundert Meter fehlten. Aber auf der anderen Talseite konnte ich auch einige Kondensen erkennen, also weiter, zur 2. Wende im hohen nördlichen Relief.
Dort machte ich mit Gilles ein paar Kreise, flog dann aber weiter nach Süden und fand eine sehr gut tragende Linie, die mich bis zum Antennenberg brachte. Dort sah ich zwar John kreisen, glitt aber weiter bis zur 3. Wende in Talmitte, um dann den Bart mit Rückenwind zu nehmen. Ich sah einen Adler kreisen und fand dort satte 3 m/s. Beim Einkreisen kamen die anderen auf gleicher Höhe zu mir in den Bart, mussten aber noch die paar km zur Wende. Bis sie zurück waren, war ich schon einige 100 m höher und freute mich riesig, da ich nun wirklich ganz vorne war.

Wieder fand ich prima tragende Linien und traf den Bart am Beginn des großen Massivs auf Anhieb mit weit über 3 m/s. Vermutlich hätte es an der Stelle schon geradeaus nach Hause gereicht, aber ich stieg genüsslich ganz an die Basis und konnte von dort entspannt nach der östlichen Wende in Frankreich als Erster die Ziellinie überfliegen

Letzter Wertungstag – ein wenig nervös. Ich hatte zwar 8 Punkte Vorsprung, aber wenn Sebastian den Tag mit dem Sonderpunkt mit 11 Punkten gewinnen würde, bräuchte ich mindestens 3 Punkte, um meine Führung zu halten – es blieb also spannend.
Wir hatten heute eine Aufgabe, die zunächst nach Südosten an den fast 3000 m hohen Cambras d’Azé ging. Man musste also gleich nach dem Abflug nach rechts weg und unbedingt Höhe machen.
Nach dem Abflug wollte ich krampfhaft Höhe machen und flog daher sehr konservativ – und wurde prompt nach hinten durchgereicht. Noch kreiste ich moderate 2,5 m/s, als die anderen schon wieder von der ersten Wende zurückkamen – lief wirklich nicht gut. Um die Wende rum fand ich dann aber auf dem Weg zum Hauptkamm eine sehr gut tragende Linie, unter der ich mit rund 200 km/h entlangkachelte.
Am Ende des Hauptkamms bei Seu d’Urgell traf ich Sebastian, knapp 200 m über mir. Gemeinsam suchten wir das normal gute Steigen an dieser Stelle – vergebens. Sebastian flog nach Süden zum anderen Pulk, der vermeintlich besser stieg – ich glitt vorsichtig weiter auf die andere Talseite des Andorratals.
Der Hang dort hat mich eigentlich noch nie enttäuscht und tatsächlich drückte es recht brauchbar, aber ich konnte den Bart nicht zentrieren. 150 m über mir gelang das Sebastian später besser und er stieg mit mäßigen 2 m/s. Ich war überzeugt, dass da noch was Besseres kommen musste – also weiter. Irgendwas war mit dem Wetter passiert und es ging einfach fast nichts mehr. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass es den anderen nicht viel besser ging – Sebastian aber 400 m über mir flog. Jetzt nicht die Nerven verlieren! Auch der Antennenberg überzeugte nicht im Hang. Kurz bevor ich auch da (tief!) wegfliegen wollte, sah ich etwas zurückversetzt einen Adler kreisen. Er markierte mir einen Bart, der mich die entscheidenden 200 m höher brachte um an die Wende Cometa zu fliegen. Dort kamen mir die anderen schon hoch über mir zurück!

Im neuen Ventus überlegen zum Sieg


Ich flog direkt zur Wende und fand dort vorgelagert immer wieder gute Blasen, die mich aber immer nur wieder 200 m höher brachten. Aber das reichte, um zur Wende zu gleiten und wieder an die nördlichen Höhenzüge zu kommen. Enttäuscht sah ich, wie dort – schon etwas höher – einige Maschinen kreisten, und ich stieg unten ein. Zu meiner großen Überraschung richteten sie dann über mir auf und flogen nach Süden!
Ich sah am Antennenberg 5 km nördlich noch weitere Flugzeuge kreisen. Dort kam ich in einem rotorähnlichen Bart auf über 3.000 m – genug, um an die nördliche Wende im hohen Relief zu kommen. An der Wende plötzlich eine ganz weiße JS – ja, es war Sebastian! Auch wenn er knapp 200 m höher war, lehnte ich mich zurück und sagte mir: Wenn ich jetzt in seiner Nähe bleibe, bring ich das Ding nach Hause.
Aber Hinterherfliegen ist bekanntlich nicht meine Sache und wir starteten mit mehreren Flugzeugen ein Race auf den letzten knapp 100 km zur Ziellinie. Stück für Stück kam mein Ventus den ganzen Konkurrenzflugzeugen näher, und an der letzten Wende hatte ich die ersten schon eingeholt. Und auf den letzten Kilometern schnappte ich auch noch die anderen. Jetzt war es nur noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sebastian, welches ich vom Flugzeug her eindeutig gewann.
Aber Sebastian wäre nicht vielfacher Meister, wenn er nicht noch was in petto gehabt hätte: Wenige Kilometer vor der Ziellinie zog er plötzlich deutlich nach links – eigentlich ab vom Kurs. Er fand dort bei 200 km/h eine besser tragende Linie, die er geschickt nutzte.
Aber da strengte ich mich schon gar nicht mehr an – es war klar, dass ich heute wieder in den Top 3 war und dadurch den Weltmeistertitel in der Tasche hatte – ich war soooo glücklich!