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WORTWECHSLER MIT RYAN GOSLING: AUF BRUCH ZUM MOND


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 72/2018 vom 14.11.2018

OT: FIRST MANRegie: Damien Chazelle / USA 2018 / 142 Min.Darsteller: Ryan Gosling, Jason Clarke, Claire Foy, Kyle ChandlerProduktion: Wyck Godfrey, Marty Bowen, Isaac Klausner, Damien ChazelleFreigabe: FSK 12Verleih: Universal PicturesStart: Bereits gestartet


Artikelbild für den Artikel "WORTWECHSLER MIT RYAN GOSLING: AUF BRUCH ZUM MOND" aus der Ausgabe 72/2018 von deadline - das Filmmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: deadline - das Filmmagazin, Ausgabe 72/2018

Kontroversen können sehr nützlich sein , um einem Film zu etwas mehr Publicity zu verhelfen. Manchmal sind sie aber auch einfach nur grotesk. Als bekannt wurde, dass AUFBRUCH ZUM MOND auf den ikonischen Moment verzichten würde, als die Amis im Juli 1969 ...

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Kontroversen können sehr nützlich sein , um einem Film zu etwas mehr Publicity zu verhelfen. Manchmal sind sie aber auch einfach nur grotesk. Als bekannt wurde, dass AUFBRUCH ZUM MOND auf den ikonischen Moment verzichten würde, als die Amis im Juli 1969 ihre Flagge in den Mond rammten, meldeten sich die üblichen Ereiferer zu Wort. Unpatriotisch sei das, undankbar, ein absoluter Frevel! Dabei geht es Regisseur Damien Chazelle in seinem Werk nicht um nationalistische Selbstbeweihräucherung. Vielmehr interessiert er sich für die Geschichte dahinter, vor allem den Menschen Neil Armstrong, der vor bald 50 Jahren Geschichte schrieb.»Ich wollte verstehen, was diese Männer dazu brachte, die Reise ins Weltall anzutreten, und wie sich diese Erfahrung anfühlte – Moment für Moment, Atemzug für Atemzug« , beschreibt er seinen Zugang zu dem Film. Aber schon im Vorfeld dürfte so manch einer die Stirn gerunzelt haben: Ausgerechnet der Regisseur, der mit WHIPLASH und LA LA LAND zwei Oden an die Musik und die Kunst im Allgemeinen geschaffen hatte, wendet sich der Raumfahrt zu. Kann das gut gehen? Kann es: Glücklicherweise zeigt der erst 33-jährige Ausnahmefilmemacher, dass er thematisch nicht so festgefahren ist, wie er uns bisher glauben ließ. Und er zeigt uns Armstrong von einer ganz anderen Seite: Gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Josh Singer (SPOTLIGHT, DIE VERLEGERIN ) kratzt er an der Oberfläche des großen amerikanischen Helden und findet dahinter in zahlreichen intimen Momenten einen verwundbaren, ziemlich kaputten Menschen, der so gar nicht für das Scheinwerferlicht geeignet war. AUFBRUCH ZUM MOND ist aber nicht nur einfühlsames Porträt, das von Hollywoods melancholischem Vorzeigeschweiger Ryan Gosling meisterhaft verkörpert wird, sondern auch ein spannendes Stück Zeitgeschichte. Was so glorreich auf den Bildern wirkte, die um die Welt gingen, war teuer und mit Blut verkauft, forderte zahlreiche Opfer, die später im Jubelrausch vergessen wurden. Der Film ist daher auf seine Weise schon eine Heldengeschichte. Aber keine, die für Fox News und Konsorten geeignet ist. Die beklemmenden Momente in der Raumkapsel, die einen am gesunden Menschenverstand zweifeln lassen, führen uns vor Augen, mit welchem Mut der Wettlauf zum Mond verbunden war. Oder auch Wahnsinn.

Und ebendiesen Wahnsinn verstand Chazelle in Bilder zu packen, die spannender sind als die der meisten Horrorfilme:»Es war für mich unfassbar, dass ein Ereignis dieser Größenordnung noch nie zuvor im Film gezeigt worden war. Wir wollten herausstellen, wie furchterregend es war, ins All zu fliegen. Es war, als würdest du in einer klapprigen Blechdose oder einem Sarg sitzen.« Es grenzt an ein Wunder, dass überhaupt am Ende Armstrong diesen so großen Schritt auf den Trabanten machte. Ein Wunder, dessen Sinn der Film – bemerkenswert unpatriotisch – zwischendurch mehrfach infrage stellt. War es das Ganze wert? Wie in LA LA LAND und WHIPLASH, die beide ebenfalls den Kampf um Träume infrage stellen, ist die Antwort nicht wirklich eindeutig. Chazelle zeigt uns die Kehrseite der Sterne, wo jeder Triumph gleichzeitig auch Verlust bedeutet, Helden und Verlierer kaum noch voneinander zu unterscheiden sind.

DER MANN HINTER DEM GROSSEN SCHRITT