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Wrack aus der ersten Falkland-Schlacht entdeckt: Das Schicksal von SMS Scharnhorst


SCHIFF Classic - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 10.02.2020

Es war eine der großen Seeschlachten des Ersten Weltkriegs: Am 8. Dezember 1914 versenkten britische Schiffe vor den Falkland-Inseln fast das gesamte deutsche Ostasien-Geschwader der Kaiserlichen Marine. Rund 2.200 Matrosen kamen ums Leben. Doch wo genau die Schiffe lagen, blieb mehr als hundert Jahre lang ein Rätsel


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Bildquelle: SCHIFF Classic, Ausgabe 2/2020

SCHARNHORST 2019: Nach ihrem Untergang war der genaue Ort über hundert Jahre lang unklar


SIEGREICH BEI CORONEL: SMS Scharnhorst, gefolgt von SMS Gneisenau, in den Abendstunden des 1. November 1914. Scharnhorst führt im Vortopp die Flagge von Vizeadmiral Graf von Spee


SPEZIELLE PARAMETER: SMS ...

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... Gneisenau war wie das Schwesterschiff SMS Scharnhorst für den Einsatz in den Gewässern der deutschen Kolonien in Übersee konzipiert


Eine Suchexpedition des Falklands Maritime Heritage Trust hat Anfang Dezember 2019 das Wrack der Scharnhorst auf dem Meeresgrund gefunden. Dafür wurden vier autonome Unterwasserroboter vom Forschungsschiff Seabed Constructor ausgesetzt, die mithilfe von Sonar, Echolot und Kameras 4.500 Quadratkilometer des Meeresgrunds vor Port Stanley absuchten.

Rund 98 Seemeilen südöstlich vor der Küste der Falklandinseln wurden die Meeresarchäologen in einer Tiefe von 1.610 Metern schließlich fündig, wie Expeditionsleiter Mensun Bound berichtet: „Wir jagen oft Schatten auf dem Meeresboden, aber es gab keinen Zweifel daran, dass es sich um eines der deutschen Schiffe handelte. Das war auf den Sonaraufnahmen sofort zu erkennen.“ Die Forscher schickten daraufhin einen weiteren Tauchroboter zur Erkundung hinunter: „Plötzlich tauchte die Scharnhorst aus der Dunkelheit auf, mit großen Waffen, die in alle Richtungen gerichtet waren. Man konnte sogar den Krater des Auftreffens sehen.“

Wichtig: schwere Artillerie
SMS Scharnhorst war als eines von zwei Schiffen einer neuen Klasse von Großen Kreuzern im Jahr 1905 bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg mit der Baunummer 175 auf Kiel gelegt worden. Der Bau der SMS Gneisenau hatte ein Jahr zuvor bei der Werft Weser AG in Bremen begonnen. Beide Schiffe erhielten eine kurze Zitadelle mit zwei Decks. Im Gegensatz zu den großen Kreuzern der davor gebauten Roon-Klasse wurde bei Scharnhorst und Gneisenau mehr Wert auf schwere Artillerie gelegt.

Vier zusätzliche 210-mm-Geschütze befanden sich in Doppeltürmen auf der Back und dem Achterdeck. Auch die oberen Geschütze waren vom Kaliber 210 Millimeter in Einzellafetten, darunter befanden sich

105 JAHRE DUNKELHEIT: In der Tiefe von 1.610 Metern ist durch modernste Technik eines der sechs 150-mm-Deckgeschütze der Scharnhorst gut zu erkennen


NACH DER SCHLACHT BEI CORONEL: Graf von Spee verlässt am 3. November 1914 mit seinem Geschwader Valparaiso


Der Panzerschutz wurde optimiert und es wurde auf eine gute Schottenunterteilung geachtet, damit die beiden Schiffe Gefechtsschäden besser verkraften konnten. Mit modernen Kesseln und neuen Dreifach-Expansionsmaschinen mit drei Wellen erreichte das Schiff im Vergleich zu der Vorgängerklasse eine 30-prozentige Steigerung der Geschwindigkeit auf 23,5 Knoten.

Neues Flaggschiff

Am 22. März 1906 war bei Blohm & Voss Stapellauf des nach dem preußischen General Gerhard Johann David von Scharnhorst benannten Großen Kreuzers (Panzerkreuzer), die Baukosten lagen bei rund 20,3 Millionen Mark. Nach der Indienststellung am 24. Oktober 1907 wurde die Scharnhorst zunächst ab dem 1. Mai 1908 zur Ablösung der SMS Yorck als Flaggschiff des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte eingesetzt. Am 1. April 1909 verließ der Kreuzer mit Konteradmiral Friedrich von Ingenohl an Bord den Hafen Kiel, um am 29. April in Colombo die SMS Fürst Bismarck als Flaggschiff des deutschen Ostasien-Geschwaders abzulösen. Vor dem Einsatz in Übersee war der Fockmast nochmals geändert worden: Er bekam einen auffälligen und auf große Entfernung sichtbaren Ausguck. Dieser sogenannte Fleckerstand kennzeichnete die Scharnhorst und unterschied sie äußerlich von der baugleichen Gneisenau, die diesen Umbau nicht erhielt.

Beginn des Krieges

Die deutschen kaiserlichen Handelsinteressen in China wurden von der Enklave von Tsingtau aus gesteuert. Die Stadt diente als Stützpunkt des Ostasien-Geschwaders unter dem Kommando von Vizeadmiral Graf von Spee, das die kolonialen Ambitionen Deutschlands in Ostasien und im Pazifik absicherte. Am 14. März 1911 traf auch das Schwesterschiff Gneisenau in Tsingtau ein. Die Scharnhorst unternahm im Auslandsdienst mehrere Fahrten durch die Südsee und in Häfen Ostasiens.

Als die Besatzung des Schiffes im August 1914 die Nachricht vom Beginn des Ersten Weltkriegs erreichte, befand es sich gemeinsam mit der Gneisenau vor der Karolinen-Insel Ponape, seit 1899 deutsche Kolonie. Von Honolulu kommend, traf auch der kleine Kreuzer SMS Nürnberg ein, die SMS Leipzig wurde von der mexikanischen Küste zurückgerufen. Durch den massiven Angriff der Japaner und Briten ab dem 5. September auf Tsingtau ging die Basis des Geschwaders verloren. Die Schiffe liefen zunächst Pagan auf den Marianen-Inseln an, damals Teil des deutschen Südsee-Schutzgebietes. Das Geschwader hatte den Befehl, seinen Standort in das erwartete Hauptkriegsgebiet in den Nordatlantik zu verlegen. Es löste aber große Besorgnis bei den Alliierten aus, weil es Truppengeleitzüge und Frachter bedrohen konnte, und der britische Marineminister Winston Churchill gab den Befehl, die Deutschen zu stellen.

ZEUGE DER VERGANGENHEIT: Was genau von der Scharnhorst übrig ist, werden weitere, mit entsprechendem Bildmaterial dokumentierte Untersuchungen ergeben


SPUREN DER SCHLACHT: Scharnhorst und Gneisenau auf dem Marsch zu den Falkland-Inseln, wo sie am 8. Dezember 1914 einem überlegenen britischen Verband unterlagen


Am 14. August begaben sich die Schiffe mit niedriger Fahrt auf die lange Reise zur Osterinsel, unterbrochen von Kohle-Übernahmen auf den Marshall-Inseln und in Deutsch-Samoa. Auf dem Weg wurde am 22. September vor Papeete/Tahiti das französische Kanonenboot Zélée versenkt. Am 12. Oktober kam das Geschwader auf der Osterinsel an und bunkerte Kohle. Hier stieß der Kleine Kreuzer Leipzig hinzu. Am 27. Oktober verstärkte SMS Dresden, die aus dem Südatlantik kam, das Geschwader vor der südamerikanischen Küste.

Britische Niederlage

Von Spee ließ ausschließlich die Leipzig die Funkstille brechen, um den Eindruck zu erwecken, sie versuche allein in den Atlantik durchzubrechen. Der Plan ging auf: HMS Glasgow, die zu einer britischen Kreuzergruppe unter Konteradmiral Sir Christopher Cradock gehörte, fing die Funksprüche auf. Cradocks Verband, darunter die Panzerkreuzer Good Hope und Monmouth, brach auf, um die Leipzig zu stellen. Am 31. Oktober lief die Glasgow in Coronel ein, dort wurde sie von den Deutschen entdeckt. Von Spees Geschwader marschierte daraufhin umgehend mit 14 Knoten nach Süden, etwa 80 Kilometer nordwestlich des Hafens.

Seine beiden Panzerkreuzer liefen am 1. November in einer Linie voraus, als gegen 16:30 Uhr der Rauch von Good Hope und Monmouth ausgemacht wurde. Bis 18 Uhr manövrierten die deutschen Schiffe außerhalb der Feuerreichweite, denn die britischen Schiffe boten im Westen vor der untergehenden Sonne nur schwer erkennbare Ziele, während sie selbst gut beleuchtet waren.

Bei Sonnenuntergang hatte sich von Spee auf 11.000 Meter genähert und die britischen Schiffe waren deutlich gegen die Dämmerung zu erkennen, während die deutschen Schiffe in der aufziehenden Dunkelheit verschwanden. Um 18:33 Uhr eröffnete die Scharnhorst den Kampf, ihre dritte Salve setzte die vorderen 23,4-cm-Geschütze der Good Hope außer Gefecht, Brände brachen aus. Die Scharnhorst erhielt nur zwei Treffer, erzielte aber 37, bis eine gewaltige Magazinexplosion das Vorderschiff der Good Hope abtrennte, die gegen 20 Uhr zusammen mit Konteradmiral Cradock an Bord unterging.

Die Gneisenau hatte sich auf Monmouth eingeschossen, ein Treffer sprengte die Turmdecke ab, das Schiff brannte und drehte ab. Von der Nürnberg verfolgt, begann Monmouth zu sinken. Mit den beiden Schiffen gingen 1.600 britische Matrosen unter. Es gab keine Überlebenden, da die See zu heftig war, um Rettungsboote einzusetzen. Die schwer beschädigte Glasgow und der Hilfskreuzer Otranto konnten sich nach Westen absetzen und fliehen.

Die Deutschen hatten nur geringe Verluste zu verzeichnen, aber gut ein Drittel ihrer Munition verschossen, die nicht mehr ersetzt werden konnte. Die Schlacht vor Coronel war die erste Niederlage der Royal Navy seit mehr als 100 Jahren. Damals – im britisch- amerikanischen Krieg – hatten amerikanische Fregatten mehrere britische Schiffe zerstört.

BEFEHLSHABER: Vizeadmiral Maximilian Reichsgraf von Spee war seit dem 4. Dezember 1912 Chef des Kreuzergeschwaders in Ostasien


Nach dem Sieg bei Coronel lief das Geschwader am 3. November im chilenischen Valparaiso ein und wurde dort von deutschen Aussiedlern jubelnd empfangen. Nachdem Anfang Dezember Kap Hoorn umrundet worden war, plante Vizeadmiral von Spee am Morgen des 8. Dezember die Funkanlagen der Falklandinseln zu zerstören, die dortigen Kohlenvorräte zu übernehmen und den britischen Gouverneur gefangen zu nehmen.

Die Briten hatten jedoch mittlerweile eine Kampfgruppe unter Admiral Frederik Doveton Sturdee geschickt, um das deutsche Geschwader abzufangen. Mit ihren beiden Schlachtkreuzern Invincible und Inflexible so

WEITREICHENDE FOLGEN

Der Untergang des Ostasien-Geschwaders bedeutete das Ende des Einsatzes deutscher Auslandskreuzer im Ersten Weltkrieg

Als die Briten angriffen, erkannte Graf von Spee, dass er keine Chance hatte. Er stellte sich mit der Scharnhorst und der Gneisenau den britischen Schiffen entgegen, um den drei kleinen Kreuzern Dresden, Leipzig und Nürnberg die Möglichkeit zur Flucht zu bieten. Länger als drei Stunden gelang es, den Kampf hinzuziehen, die Scharnhorst lag schon bis zu den Kasematten im Wasser. Um 16:04 Uhr bekam das Flaggschiff Schlagseite, dann ging es um 16:17 Uhr mit laufenden Maschinen rasch unter.

Nur Dresden entkommt

Unter den 860 Gefallenen befanden sich der Geschwaderchef Vizeadmiral Graf Spee mit seinen beiden Söhnen und sämtliche Kommandanten. Die Briten unternahmen keinen Rettungsversuch, sondern verfolgten die Gneisenau. Schwer getroffen, lief sie nur noch 16 Knoten und wurde ein leichtes Ziel für den Gegner. Von den 800 Männern an Bord wurden nur 187 lebend von den Briten aus dem Meer gerettet. Der Kleine Kreuzer Dresden konnte als einziges Schiff des Ostasien- Geschwaders in chilenische Küstengewässer entkommen.

Im August 1915 fischte ein Küstendampfer vor Brasilien eine Kartuschbuchse aus dem Wasser, die die Kriegsflagge von SMS Scharnhorst enthielt. Zusammen mit anderen Gedenkstücken war sie im Museum für Meereskunde in Berlin ausgestellt, ging aber im Zweiten Weltkrieg verloren. Erst vor wenigen Wochen spürte der Suchtrupp des Falklands Maritime Heritage Trust die Überreste des Flaggschiffs des Grafen von Spee auf. Die Unterwasserarchäologen ließen das Schiffswrack unberührt und machten nur Aufnahmen, die sie in den nächsten Monaten auswerten wollen. „Wir werden weiter nach dem Rest des Geschwaders suchen, um ein besseres Verständnis für die Ereignisse dieses Tages zu schaffen und den Schutz der Stätte zu gewährleisten“, sagt Bound. Nachdem das Wrack entdeckt worden war, fand an Bord des Suchschiffs eine Gedenkzeremonie für die Toten der Seeschlacht statt. Das Areal, in dem SMS Scharnhorst liegt, soll zum Schutzgebiet erklärt werden.


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