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WUCHT-BERATUNG


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Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 12.05.2022
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Zwei Power-Gleiter in unnatürlichem Habitat: B8 und RS 7 wiegen beide über 2,1 Tonnen. Das wirkt sich auf die Querdynamik aus

MIT IHRER VON GRUND auf gemütlichen Auslegung und dem hohen Gewicht sind Alpina B8 und Audi RS 7 keine prototypischen Sportwagen – auch wenn der Ingolstädter ziemlich aggressiv herüberkommt. Reicht da nicht auch ein einfacher Vergleich nur mit Längsdynamik? Ja, würde er, aber das überlassen wir den anderen. In der SPORTSCARS muss jeder auf die Rennstrecke, wenn Wetter und Timing passen. Und an diesem Mittwoch im April mischte sich ein Sonnentag in das wechselhafte Frühlingswetter. Es müssen ja nicht jedes Mal Rekordrunden sein – kommt am Ende heraus, dass ein Auto schlicht nicht für die Rennstrecke geeignet ist, ist das auch eine Erkenntnis. Zumal wir gar nicht sicher sind, dass die beiden Bayern auf der sächsischen Mini-Nordschleife versagen werden. Sowohl Alpina als auch Audi haben viel Hirnschmalz und Hightech in ihre Luxusgleiter gesteckt.

Beginnen wir beim Allgäuer Kleinserienhersteller: ...

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... Hier dominierte jüngst die Ankündigung, dass Kooperationspartner BMW die Markenrechte an Alpina gekauft hat und die noble Linie ab 2026 komplett in das Werk integrieren wird. Was daraus wird? Sehen wir in der Zukunft. Eine Luxus-Submarke, vergleichbar mit Maybach oder Horch, wäre wohl keine schlechte Wette. Bis es jedoch so weit ist, produziert das Team um Andy Bovensiepen noch hinreißende Autos mit viel Herzblut und Handarbeit. Der B8 wurde vergangenes Jahr vorgestellt und soll in die Lücke zwischen M850i und M8 vorstoßen. Karosserieseitig beschränkt man sich auf das viertürige Gran Coupé. Ein klassisches Coupé oder gar ein Cabrio zu bauen, wäre technisch kein Problem. Nur Adaption und Homologation müssten komplett neu gemacht werden. Das rechnet sich bei den geringen Stückzahlen nicht. Vielleicht mit ein Grund, weshalb Alpina das Geschäft an BMW abgibt: Immer mehr Regularien und Vorschriften machen es gerade kleinen Herstellern von Jahr zu Jahr schwieriger, neue Autos zu entwickeln – und der Aufwand ist im Grunde derselbe, egal ob man 200 oder 200 000 Autos produziert. Daher war die Entscheidung für das Gran Coupé leicht: mehr Absatzmöglichkeiten und vor allem eine internationalere Kundschaft. In den USA geht etwa Luxus in diesem Segment deutlich besser als ein schnittiger Zweitürer. Da ist es nur konsequent, dass Alpina auch beim eben erst vorgestellten B4 Gran Coupé denselben Weg einschlägt.

Süchtig machen B8 und RS7 wegen ihrer Talente als Alltagssportler. Und auf der Rennstrecke? – Finden wir heraus

„Der Alpina will eigentlich gar nicht auf die Rennstrecke. Wenn gefordert, spult er aber selbst das klaglos ab.“

Alexander Bernt, Redakteur

Dabei schnuppert man leistungsseitig ganz dicht an den M8 heran, ohne jedoch in dessen Prolligkeit zu verfallen. Den N63-Achtzylinder kennen wir aus dem M550i oder eben dem M850i, auf dem der B8 basiert. Mittels zweier größerer Schaufelräder und diverser Optimierungen im Kühlkreislauf gelingt es, die ursprünglichen 530 PS um satte 91 Pferde zu übertrumpfen. Damit liegt Alpina nur noch 4 PS unter dem M8. Die größten Leistungswerte waren jedoch noch nie das finale Ziel in Buchloe. Vielmehr geht es um eine saubere Fahrbarkeit, viel Druck im Zwischenspurt und schlicht eine grundlegende Souveränität. Um das zu erreichen, geht die Motorkonfiguration tendenziell in Richtung Drehmoment. Glatte 800 Newtonmeter liegen an, und die lassen den B8 in den Zwischenspurtwerten sogar leicht besser dastehen als seinen heutigen Gegner. Der kommt rund 260 Kilometer weiter nordwestlich her, denn der RS7 entsteht nicht im

Stammwerk, sondern bei den Kollegen in Neckarsulm. Seit Ende 2019 auf dem Markt, musste er sich schon im Februar-Heft 2020 gegen BMW M5 Competition und AMG GT 63 S 4-Türer beweisen – und zog deutlich den Kürzeren. Auch deshalb haben wir ihn nun gegen den Alpina und nicht das M8 Competition Gran Coupé antreten lassen. Die Auslegung des Audi ist eben doch nicht ganz so konsequent sportlich, wie er es nach außen gern darstellen würde. Er ist mehr der potente Alltagsgleiter, auch wenn sein Sportfahrwerk um einige Klassen deftiger ausgelegt ist als der stets sämige Unterbau des Allgäuers. Und wenn wir schon so viel auf dem Thema Alltag herumreiten, kommen wir zu einigen SPORTS-CARS-untypischen Eigenschaften: Auch wenn der Alpina sowohl in den Verwöhnkategorien als auch der Längsdynamik überlegen ist, merklich mehr Kopffreiheit im Fond und auch den größeren und deutlich besser nutzbaren Kofferraum (die Heckscheibe schwingt mit auf) bietet der RS 7.

Die Sprint-Messwerte sehen dagegen den Alpina in Front, auch wenn der quattro-Allrad des RS 7 die Kraft initial besser auf den Asphalt bekommt. Bis 50 km/h spurtet der Audi eine Zehntel schneller, doch schon bei Tempo 80 herrscht Gleichstand. Den Prestige-Spurt bis Landstraßentempo entscheidet der B8 bereits mit 3,2 zu 3,4 Sekunden für sich. Die Ende 2019 ermittelten RS 7-Werte decken sich übrigens nahezu 1:1 mit den heute gemessenen. 11,9 Sekunden von 0 auf Tempo 200? Heute wie damals exakt gleich. Hilft ihm gegen den B8 jedoch nicht viel, denn mit 10,7 Sekunden nimmt er dem RS7 satte 1,2 Sekunden ab. Auch die Zwischenspurtwerte tendieren um ein paar Zehntel nach Buchloe.

Da muss der Audi über seine optionale Keramikbremse bei der Negativbeschleunigung verlorenen Boden gutmachen, doch auch mit der hatten wir vor gut zwei Jahren am Lausitzring so unsere liebe Müh’. Das ging sogar so weit, dass der vordere rechte Bremssattel nach der schnellen Runde in der Box Feuer fing. Nicht nur Rauchentwicklung – Flammen … Die 440er-Scheibe entwickelt an- scheinend eine solch immense Hitze, dass sie besonders gewissenhaft kalt gefahren werden will. Dabei erleidet sie in den Messwerten ein ähnliches Schicksal wie viele Keramik-Anlagen: Die Dinger kosten richtig viel Geld, die Bremswerte werden jedoch nicht signifikant kürzer. So auch beim RS 7: 33,5 Meter warm sind für ein 2,1-Tonnen-Schiff gut, aber nicht überragend. Zumal der Alpina mit Stahlbremsen anderthalb Meter früher steht und auch aus doppeltem Tempo besser performt. Ihren großen Vorteil sollte die mächtige Bremsanlage dann aber auf der Rennstrecke über die Standfestigkeit ausspielen.

„Was der massige RS 7 an Performance abrufen kann, beeindruckt. Die Ausdauer jedoch nicht.“

Alexander Bernt, Redakteur

Und genau dorthin begeben wir uns nun: Sachsenring, Sonne, 12 Grad. Die 4,4 des Alpina gegen glatte vier Liter im Audi, Pirelli P-Zero gegen Hankook Ventus S1 Evo3 – beide speziell auf die jeweiligen Modelle abgemischt. Die restlichen Voraussetzungen: recht ebenbürtig. Beide setzen auf einen V8 mit Achtstufenautomatik, an beiden lenken die Hinterräder mit, der Alpina ist marginal stärker und leichter (+21 PS, –20 kg), dafür erscheint uns der Audi konzeptionell einen Tick sportlicher. Zuerst schwingt sich Zeitenfahrer Guido Naumann in den Alpina. Als er wieder in die Box kommt, fällt die Reaktion emotionslos aus. „Is halt viel zu weich, kein Grip an der Vorderachse. Aber wird trotzdem schnell sein. Krass, wie die das immer machen.“ Nächster Patient: der Ingolstädter. Nach ein paar schnellen Runden achte ich zuerst auf die Bremse vorn. Alles gut, nichts brennt. Was sagt Guido? „Fährt gut, ist auch schnell – aber hält leider nicht durch.“ Was er damit meint, erfahre ich auf meinen eigenen Runden. In der ersten Push-Lap meldet das System ungefähr am Vmax-Messpunkt ein überhitztes Hinterachsdifferenzial. Also: Cooldown-Lap und noch mal probieren. Nun zickt der RS7 schon an der Kartbahn mit demselben Problem. Eine wirklich schnelle Runde ist für mich nicht drin. Aber zumindest Guido konnte 1:37,04 Minuten anschreiben. Der Alpina ist 39 Hundertstel langsamer – aber das konstant Runde für Runde. Ohne Fehlermeldung im System.

PLATZIERUNG Punkte maximal 400

1. ALPINA B8 GRAN COUPÉ Unaufgeregt ruft der B8 seine Leistung ab. Auf die Rennstrecke will er gar nicht. 273 Punkte

1. AUDI RS 7 SPORTBACK Zu staksig für den Alltag, zu anfällig für den Trackday. Dennoch: krasses Teil. 273 Punkte

Fazit

Alexander Bernt

Das Urteil „vollkommen auf Augenhöhe“ trifft es hier auf den Kopf. Seine fünf Punkte Preisnachteil macht der Alpina mit den besseren Bremsen und dem günstigeren Verbrauch wieder wett. Der Rest ist ein Hin und Her.