Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

Wünsche der Produzenten von Biozierpflanzen an die Forschung


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 20.04.2019

Fehlende Biojungpflanzen, das Zusammenspiel von Zierpflanzen und Mikrobiom, bessere Vermarktungschancen – bei diesen und weiteren Themen wollen Biozierpflanzen-Erzeuger mit Wissenschaftlern verstärkt zusammenarbeiten. Das war das Ergebnis eines Workshops des Biozierpflanzen-Projekts mit Vertretern aus Gartenbau-Praxis, Beratung und Forschung.


Artikelbild für den Artikel "Wünsche der Produzenten von Biozierpflanzen an die Forschung" aus der Ausgabe 5/2019 von GB Gärtnerbörse. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Annegret Rose (Bildmitte) stellte am Vorabend des Workshops ihren Erfurter Bio-Saatzuchtbetrieb vor


Foto: Nina Weiler

Der Biozierpflanzenbau wächst erst seit einigen Jahren. Deshalb sind noch nicht alle Probleme bei der Düngung, im Pflanzenschutz und in der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 13,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von GB Gärtnerbörse. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Mehrweg und Bio. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mehrweg und Bio
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Kooperation für bessere Qualität. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kooperation für bessere Qualität
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Drei Goldmedaillen vergeben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Drei Goldmedaillen vergeben
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Blumige Trends. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Blumige Trends
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Kötterheinrich: Hortensien als spannende Langzeitkultur. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kötterheinrich: Hortensien als spannende Langzeitkultur
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Topfpflanzen-Königin aus Celle. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Topfpflanzen-Königin aus Celle
Vorheriger Artikel
Heuchera organisch gedüngt
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Biozierpflanzenbau-Tagung mit breitem Programm
aus dieser Ausgabe

... Vermarktung von Biozierpflanzen gelöst. Vor diesem Hintergrund fand Anfang August 2018 ein Workshop an der Fachhochschule Erfurt mit 40 Vertretern aus Praxis, Beratung und Wissenschaft statt. Veranstalter war das Team des Biozierpflanzen-Projekts. Dieses wird vom „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft“ (BÖLN) gefördert.

„Ziel unseres Workshops war es, Impulse für die Forschung zu geben und Wissenschaftler und Praxisbetriebe zusammenzubringen“, erläuterte Andrea Frankenberg von Bioland, die das Projekt koordiniert. Zwar sei im Biozierpflanzen-Netzwerk mit seinen inzwischen 20 Leitbetrieben bereits ein breites Erfahrungswissen vorhanden: „Vieles wurde erprobt und hat sich in der Praxis bewährt, wie etwa der Einsatz bestimmter Pflanzenstärkungsmittel und Effektiver Mikroorganismen. Wer schon mehrere Jahre ökologisch arbeitet, hat teilweise sogar deutlich weniger Probleme mit Schädlingsbefall als vor der Umstellung“, so Klaus Bongartz, einer der Betriebsbegleiter im Projekt. Doch an Versuchsanstalten ließen sich viele Effekte nicht bestätigen. Oft sei unklar, worauf diese positiven Effekte beruhen. Zudem sei es wünschenswert, besser zu verstehen, was das Gesamtsystem eines ökologischen Zierpflanzenbetriebes ausmacht.

Saatgut und Jungpflanzen

Bio-Gärtner wünschen sich mehr vegetatives Vermehrungsmaterial aus ökologischem Anbau. Weil sie meist nicht selbst vermehren können, müssen sie oft konventionelles Material zukaufen. Die Bio-Gärtnerei von Achim und Stephan Fleischle, Leit -betrieb aus Vaihingen an der Enz, produziert mittlerweile ein kleines Biojungpflanzen-Sortiment von Beetund Balkonpflanzen für Kientzler.

Da Stecklinge in Bio-Qualität noch nicht verfügbar sind, verwendet die Gärtnerei konventionelle Stecklinge aus dem Süden. Das Problem: Beim Versand werden weder Schädlinge noch Nützlinge toleriert. Aus diesem Grund würden die Stecklinge vor -sorglich mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt, erklärte Birgit Hofmann von Innovaplant, Züchtungsfirma von Kientzler und Leitbetrieb im Projekt.

Erwünscht wäre, die Stecklinge in Deutschland zu erzeugen. Doch da die Hauptschnittzeit im Winter liegt, sei das für die etablierten Firmen nicht interessant. Zu hoch sind die Kosten für das Heizen und Belichten und für die personalintensive Kultur. Im Gegensatz zum Bio-Gemüsebau ist die Zierpflanzenproduktion also längst global verankert. Das sehen manche Bio-Gärtner und Berater sehr kritisch.global verankert. Das sehen manche Bio-Gärtner und Berater sehr kritisch.

Auf dem Workshop sprachen sie sich dagegen aus, die etablierten konventionellen Strukturen zu kopieren und auf den Bio-Bereich zu übertragen. Stattdessen sei der Aufbau einer eigenen Bio-Schiene erforderlich. Regionale Strukturen müssten erhalten und weiterentwickelt werden – auch, weil Bio-Kunden das so wünschen.

Alternativen sind nun in Sicht, denn inzwischen lässt sich Material über In-vitro-Kulturverfahren auch unter ökologischen Bedingungen gewinnen. Der Vorteil: In großer Menge und einheitlicher Qualität erhält man Jungpflanzen, die aufgrund der sterilen Laborbedingungen keimfrei sind und keine Krankheiten in sich tragen.

Im Rahmen des BÖLN-Forschungsprojektes „BioVitro“ ist es Forschern der Humboldt Universität in Berlin gelungen, in einem Bio-Nährmedium teilungsfähiges Zellgewebe (Meristem) von Pelargonien und sechs verschiedenen Sorten von Topf- und Schnitt -chrysanthemen steril zu vermehren. Für Chrysanthemen haben sie auf der Basis von sterilen Elitepflanzen eine geschlossene ökologische Produk -tionskette entwickelt. So sei es möglich, den Biozierpflanzenmarkt mit gesundem Vermehrungsmaterial zu versorgen, erläuterte Dr. Patrick Grieger von der Humboldt Universität.

Weiterhin hat der Workshop gezeigt, welche grundsätzlichen Fragen rund um die Züchtung zu klären sind: Welche Sorten sind für den Bioanbau geeignet? Braucht es eigene Zuchtziele für den Bioanbau? Sollte man bei der Züchtung darauf hinwirken, dass die neu gezüchtete Pflanze gut mit dem Mikrobiom interagiert?

Komplexes Zusammenspiel

Pflanzen und ihre bakteriellen Partner beeinflussen sich gegenseitig auf vielfältige Art und Weise. Pflanzen -forscher gehen davon aus, dass das Mikrobiom einer Pflanze ihr beispielsweise hilft, Schädlinge abzuwehren. Nach Einschätzung der Workshopteilnehmer wären weitere Erkenntnisse auch für den ökologischen Zierpflanzenbau interessant, um das Gesamtsystem eines ökologischen Gartenbaubetriebes besser zu verstehen.

Wie bei allen komplett neuen Forschungsthemen gehe es zunächst darum, mit deskriptiven Ansätzen zu beschreiben, was da sei, ohne kausale Zusammenhänge herzustellen, erläuterte Prof. Dr. Annette Hohe von der Fachhochschule Erfurt: „Wünschenswert ist es beispielsweise zu unter -suchen, wie das Mikrobiom in einer Gärtnerei zusammengesetzt ist und wie es sich auswirkt, wenn sich der Lebensraum der Zierpflanzen im Zuge einer Bio-Umstellung verändert.“ Mit diesem Wissen könnten die Erzeuger auf lange Sicht gezielt positive Interaktionen innerhalb des Ökosystems ihrer Bio-Gärtnerei fördern.

Nützlinge sind im biologischen Pflanzenschutz unverzichtbar. Darum erhoffen sich die Gärtner für ihre Arbeit mit Nützlingen von der Forschung weitere Ansätze. Ziel muss es sein, Nützlinge sehr gezielt einzusetzen und zu fördern. Das setzt allerdings voraus, dass die Zierpflanzenerzeuger genau wissen, mit welchen schädigenden Arten ihre Kulturen befallen sind. Oftmals ist hierzu eine Bestimmung durch Experten unerlässlich.

Wichtig sind auch Lösungen für einen frühen Befallszeitpunkt. So gibt es vor allem im Frühjahr und Herbst Probleme mit Blattläusen, wenn wegen der niedrigen Temperaturen nur wenige Nützlinge aktiv sind. Allein auf Nützlinge zu setzen, ist dann für Biozierpflanzen-Erzeuger keine Lösung. Daher sollte aus ihrer Sicht auch das Zusammenspiel von Nützlingen, Pflanzenstärkungsmitteln und biologischen Pflanzenschutzmaßnahmen intensiv erforscht werden.

Einig waren sich die Teilnehmer auch darin, dass es mehr Pflanzenschutzmittel mit weiteren Wirkstoffen für den ökologischen Zierpflanzenbau braucht. Als sehr unbefriedigend sehen sie die aktuelle Situation an: Viel zu selten würden neue Mittel auf den Markt gelangen – auch deshalb, weil es sich hier um ein relativ kleines Marktsegment handelt. Umso wich -tiger sei es, eine erweiterte Zulassung für Grundstoffe zu erwirken.

Erfolgreiche Vermarktung

Biozierpflanzen-Erzeuger profitieren bislang nicht vom Bio-Boom. Während die Nachfrage nach heimischem Bio-Obst und Bio-Gemüse kaum zu sättigen ist, sind Zierpflanzen aus ökologischem Anbau bisher nur wenig gefragt. Aus diesem Grund läuft für viele Bio-Betriebe die Vermarktung ihrer Bio-Blumen und Bio-Stauden noch nicht rund.

Hier wünschen sie sich Unterstützung aus der Forschung, etwa Marketing-Strategien und Studien zur Verbraucherakzeptanz und Mehrzahlungsbereitschaft potenzieller Kunden. Denn anders als etwa bei Öko-Möhren oder Öko-Äpfeln muss es noch gelingen, Verbraucher von den Vorzügen von Biozierpflanzen zu überzeugen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass hier die Erzeuger selbst ge -fordert sind und sich nicht auf den klassischen Handel verlassen sollten. „Für uns Bio-Gärtner ist es eine große Herausforderung, den Kunden zu erklären, was das Besondere bei Bio-Blumen ausmacht“, brachte es Klaus Umbach aus Heilbronn auf den Punkt.

Das richtige Produkt

Als vielversprechend sieht es Umbach an, den Konsumenten vor Ort zu zeigen, was Bio konkret heißt. Seinen Kollegen rät er, selbst in die Verkaufsstätten zu gehen und dort den Kunden zu erklären, wie Bio-Pflanzen zu pflegen sind. Der engagierte Biozierpflanzen-Erzeuger ist dafür bekannt, dass er gern Neues ausprobiert. Über das Internet will er nun versuchen, Blogger und internetaffine junge Menschen für seine Produkte zu gewinnen. „Wir haben das richtige Thema und das richtige Produkt“, ist Umbach überzeugt. Parallel dazu hat er eine neue Vermarktungsschiene über den Heilbronner Online-Blumenhändler Pflanzen-Kölle aufgebaut.

Mit gutem Beispiel geht auch das Team der Blumeninsel Mainau voran: Tanja Zienteck, engagierte Gärtnerin von der Bodensee-Insel, und ihre Kollegen nutzen schon länger Facebook und betreiben einen Blog, um Aktuelles über die Mainau zu verbreiten.
Nina Weiler

Weitere Informationen: www.bio-zierpflanzen.de/fachinfo, http://orgprints.org/32036/ Projekt BioVitro: Steril-Kulturverfahren zum Aufbau gesunder Mutterpflanzenbestände für den ökologischen Zierpflanzenbau, http://orgprints.org/29149/

VERBUNDVORHABEN PFLANZENSCHUTZ

Das Verbundvorhaben „Optimierung von Pflanzenschutzstrategien für einen nachhaltigen und ökologischen Zierpflanzenbau“ wird mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) finanziert und von der Bioland Beratung GmbH in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) geleitet. Robert Koch und Anna-Theresa Planner von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Heidelberg sind weitere Projektpartner und begleiten Praxisversuche. Darüber hinaus vernetzt die LVG die verschiedenen Akteure des Projektes und der Branche mit der OLAT (Online Learning and Training) Netzwerkdatenbank. Hier soll auch in Zukunft die Möglichkeit bestehen, dass sich Forschung und Praxis untereinander austauschen. Von Andrea Servos (pflanzenreich), Klaus Bongartz (Gartenbauberatung) und Nicole Kern (LWK NRW) werden die 20 Leitbetriebe betreut.
NW