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Wunderbare Kamille


LandApotheke - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 09.06.2021

Unscheinbarer Schatz

Nur wenige Heilpflanzen genießen seit dem Altertum bei den Menschen ein so hohes Ansehen wie die Kamille. Auch die Hamburger Heilpraktikerin Meike Butt hält große Stücke auf die kleinen Blüten mit den kostbaren Inhaltsstoffen.


Artikelbild für den Artikel "Wunderbare Kamille" aus der Ausgabe 3/2021 von LandApotheke. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LandApotheke, Ausgabe 3/2021

Meike Butt zeigt uns die Römische Kamille mit den gefüllten, flauschigen Köpfchen


Aus Kamillenblüten werden Tees, Tinkturen, Ölauszüge und andere Hausmittel hergestellt, die eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben


Ein Hingucker ist sie nicht gerade. Während ihre Schwester, die Römische Kamille, mit hübsch gefüllten, flauschigen Köpfchen auf sich aufmerksam ...

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... macht, fällt die Echte Kamille kaum auf: Die kleinen Blüten mit dem leicht nach unten hängenden weißen Blätterkranz verschwinden fast in dem üppigen Grün des stark verzweigten und fein gefiederten Krauts. Und doch ist , so ihr botanischer Name, ein ganz wunderbares Geschenk der Natur für die Menschen – denn sie enthält so viele kostbare Wirkstoffe für unsere Gesundheit, dass sie bereits in der Antike als eine Art Allheilmittel gerühmt wurde.„Vor allem seit dem Beginn des Mittelalters wird in den Kräuterbüchern über die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten der Kamille berichtet“, bestätigt die Phytotherapeutin Meike Butt, die in ihrem Heil-pflanzengarten die Kamille anbaut – für sich selbst und für ihre bei den Teilnehmern sehr beliebten Kräuterkurse. „Schon damals wurde die Mägdeblume, wie sie volkstümlich oft genannt wird, sowohl innerlich bei Magen-Darm-Beschwerden, Erkrankungen der Atemwege und allgemeinen Schwächezuständen als auch äußerlich bei Wunden empfohlen. Dass ihr Einsatz bei diesen Indikationen immer noch gültig ist, haben inzwischen viele wissenschaftliche Studien nachgewiesen – denn die Kamille gehört heute zu den Heilpflanzen, die in den Labors am besten untersucht wurden.“

HEILKRAFT IM BLÜTENKOPF

So weiß man mittlerweile, dass die kostbaren Wirkstoffe in den gelb-weißen Blütenköpfen versteckt sind. Sie enthalten als wichtigste Substanz ein ätherisches Öl, das entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften aufweist. Ein weiterer maßgeblicher Bestandteil sind die Flavonoide. „So heißen die wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffe, die eine wundheilende, gefäßschützende und stimmungsaufhellende Wirkung haben. Bei der Kamille sind darüber hinaus die krampflösenden Kräfte besonders ausgeprägt“, erklärt die Fachfrau. „Ebenfalls von Bedeutung sind die sogenannten Cumarine, die die Zellregeneration und die Wundheilung der Haut unterstützen.“
Als weitere Komponenten tragen die Schleimstoffe zum Wirkungsspektrum der Kamille bei: Sie entfalten ihre reizmildernden und immunstimulierenden Eigenschaften vor allem auf den Schleimhäuten.
Meike Butt: „Wichtig ist es, alle Inhaltsstoffe der Kamille zusammenzulassen – so wie die Natur diese einzigartige Pflanze geschaffen hat. In synthetisch hergestellten Präparaten wird oft versucht, die Substanzen zu extrahieren, doch dabei geht jedoch die Wirkung verloren.“

Aus dem gefiederten Kraut wachsen bald die zarten gelb-weißen Blütenköpfe


Entzündungshemmend, beruhigend, immunstimulierend: Phytotherapeutin Meike Butt kennt die positiven Eigenschaften der Kamille und weiß, wie man ihre kostbaren Heilkräfte richtig einsetzt


EIN ECHTES ALLHEILMITTEL

Hauptsächlich wird die Kamille bei allen Problemen im Magen-Darm-Bereich eingesetzt – bei Übelkeit, Brechreiz, Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Koliken, Krämpfen und verschiedenen anderen Verdauungsbeschwerden. Dabei hilft der Kamillentee, ein echtes Universalmittel, das in keiner Hausapotheke fehlen darf. Getrunken, gegurgelt oder inhaliert, kommt er auch bei Erkältungen, Halsschmerzen, Heiserkeit, Bronchitis, Mund-, Zahnfleisch- und Nebenhöhlenentzündungen den geplagten Schleimhäuten zu Hilfe.
Für die äußerliche Anwendung leistet der Kamillensud ebenfalls gute Dienste: Eine in ihm getränkte Kompresse beruhigt und regeneriert unreine, irritierte, entzündete, rissige oder verletzte Hautpartien. Noch konzentrierter kommen die wundheilenden Kräte der Kamille in einem Ölauszug zur Geltung, der auch gut mit Bienenwachs zu einer Salbe weiterverarbeitet werden kann.
„Ihr botanischer Name Matricaria – abgeleitet vom lateinischen Wort ,mater‘ für Mutter – zeigt auch die besondere Bedeutung der Kamille als Frauenkraut. Sie wird zur Linderung von Menstruationskrämpfen empfohlen und beruhigt während einer Schwangerschaft Magen, Darm und auch die Nerven. Nach der Geburt raten viele Hebammen den stillenden Müttern zu Kamillentee, um den Milchfluss anzuregen – und dies ist außerdem der erste Tee, den die Babys dann trinken dürfen“, weiß die Heilpflanzenexpertin.

EIN PLATZ AN DER SONNE

Weil die Kamille heute nicht mehr so häufig wie früher an Wegrändern und Feldrainen zu finden ist, lohnt es sich, sie im eigenen Garten anzupflanzen. Sie benötigt einen sonnigen Platz, ansonsten ist sie recht anspruchslos. Wie man sie erkennt, erklärt Meike Butt so: „Wer sich nicht ganz sicher ist, ob er die Echte Kamille oder die ähnlich aussehende Acker-Kamille vor sich hat, halbiert einfach den gelben Blütenboden – er muss innen hohl sein.“

Kamillenwein

bei Erkältungen

ZUTATEN:

1 gute Handvoll frische Kamillenblüten

1 Liter Weißwein

ZUBEREITUNG:

1 Blüten in ein Glasgefäß geben und Wein dazugießen.

2 4 Stunden bis 2 Tage ziehen lassen.

3 Abseihen und abfüllen. Gekühlt etwa 4 Wochen haltbar.

ANWENDUNG: Erwachsene trinken 3 Mal täglich ein kleines Glas. Hemmt Entzündungen der Atemwege, in Mund, Hals und Rachen und lindert die Schmerzen. Hilft auch bei Verdauungsproblemen.

Fußbad

bei Hornhaut und Einrissen an den Fersen

ZUTATEN:

2–3 Handvoll frische oder getrocknete Kamillenblüten

ZUBEREITUNG:

1 Die Blüten in eine große Schüssel geben und diese mit kochendem Wasser auffüllen.

2 Abkühlen lassen.

ANWENDUNG: Die Füße 10 bis 15 Minuten darin baden. Wenn nötig, warmes Wasser nachfüllen. Hornhaut mit Bimsstein, Bürste oder Hornhautfeile bearbeiten. Anschließend die Füße kurz kalt abduschen und eincremen. Das Kamillenbad beruhigt die Haut, macht sie schön weich, mindert Entzündungen und Keimbildung. Auch müde Füße erholen sich gut. Abends hilft das Fußbad zudem beim Einschlafen.

Kamillensalbe

bei Hauterkrankungen oder -verletzungen

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ZUTATEN:

1 gute Handvoll Kamillenblüten (frisch oder getrocknet), 100 ml Sonnenblumenöl, 10 g Bienenwachs

ZUBEREITUNG:

1 Die Blüten in einem Topf mit dem Öl leicht erwärmen und wieder erkalten lassen.

2 Abseihen. Bienenwachs zugeben und nochmals erwärmen.

3 Nachdem sich das Bienenwachs aufgelöst hat, kalt rühren. In Tiegel abfüllen. Bei hygienischer Entnahme mit einem Spatel 3–4 Monate haltbar.

ANWENDUNG: 2–3 Mal täglich auf die betroffene Hautpartie auftragen. Wirkt desinfizierend, entzündungshemmend und fördert die Neubildung der Haut. Kann auch gut bei Akne oder Windeldermatitis angewendet werden.

Kamillenmilch

bei Schlafstörungen und Bauchschmerzen

ZUTATEN:

2 EL frische oder getrocknete

Kamillenblüten,

1 Tasse Milch

ZUBEREITUNG:

1 Die Blüten in die Milch geben und diese leicht erwärmen.

2 Danach Abseihen.

ANWENDUNG: Vor dem Schlafengehen warm trinken. Bei Bauchschmerzen ebenfalls warm trinken. Wirkt beruhigend und schmerzlindernd. Zwei Wattepads mit Kamillenmilch getränkt tun überanstrengten Augen als Auflage gut.

Kamillenmazerat

bei Neurodermitis und Schuppenflechte

Ein zartes Blümchen mit großer Heilkraft


ZUTATEN:

Getrocknete Kamillenblüten,

Olivenöl

ZUBEREITUNG:

1 Ein verschließbares Glas locker mit den Blüten füllen.

2 Mit Öl übergießen (zwei Fingerbreit mehr Öl als Blüten), den Deckel schließen und mindestens sechs Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen.

3 Täglich schütteln. Danach abseihen, dunkel und kühl lagern. Etwa 1 Jahr haltbar.

ANWENDUNG: 2 Mal täglich auf die betroffenen Hautpartien auftragen. Beruhigt, wirkt antibakteriell und fördert die Regeneration der Haut.

Kamillentinktur

bei Magen-Darm-Problemen

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ZUTATEN:

frische oder getrocknete Kamillenblüten,

Doppelkorn (38 %)

ZUBEREITUNG:

1 Ein verschließbares Glasgefäß zur Hälfte mit Kamillenblüten füllen.

2 Doppelkorn bis zum Rand aufgießen.

3 Auf der Fensterbank ziehen lassen, täglich umrühren oder schütteln.

4 + 5 Nach 4–6 Wochen abseihen, in eine dunkle Flasche umfüllen. Etwa 1 Jahr haltbar.

ANWENDUNG: Bei akuten Beschwerden nehmen Erwachsene 5 Mal täglich 10 Tropfen ein. Bei Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen 2–3 Mal täglich 10 Tropfen einnehmen. Wirkt krampflösend und stärkt die Verdauung.

Haarpackung

zum Auffrischen der Farbe (bei blonden Haaren)

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ZUTATEN:

3 EL frische Kamillenblüten,

2–3 EL Heilerde

ZUBEREITUNG:

1 Die Blüten zermörsern und mit der gleichen Menge Heilerde vermischen.

2 Dann so viel lauwarmes Wasser hinzugießen, bis es eine streichfähige Paste ergibt.

ANWENDUNG: Die Paste nach dem Waschen in die Haare einmassieren und nach 30 Minuten ausspülen. Verstärkt die Farbe bei blonden Haaren ganz natürlich.

KONTAKT

Meike Butt
Mail: grund.gesund@gmail.com

Wundauflage

Zur Förderung der Wundheilung können die abgeseihten Blüten aus der Tinktur (siehe nächste Doppelseite) auf die Wunde gelegt werden. Für empfindliche Haut frische Blüten in wenig Wasser kochen und abgekühlt auf die entsprechende Stelle geben.


FOTOS: PETER RAIDER. STYLING: MARIA MACH. PRODUKTION