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Wunderkind


Siegessäule - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 28.07.2021

MUSIK

Desire Marea: Desire (Izimakade Rec./Mute), ab dem 06.08. erhältlich

Desire Marea live, 17.09., 20:00, Volksbühne

Artikelbild für den Artikel "Wunderkind" aus der Ausgabe 8/2021 von Siegessäule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Es tutet und knackt in der Leitung nach Durban, Südafrika. Rascheln ... Desire hebt ab. Im Hintergrund lacht jemand hell. Seine Stimme klingt noch etwas verschlafen, strahlt aber eine angenehme sonore Gelassenheit aus. Wie er gerade aussieht, kann ich mir am Telefon nur ausmalen. Aber es wäre eh eine flüchtige Momentaufnahme, da Desires Looks wie seine Musik schillernd vielfältig sind.

Desire wuchs in der südafrikanischen Kleinstadt Amandawe vor den Toren Durbans in der vom Kolonialismus geschundenen Provinz ...

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... KwaZulu-Natal auf. „Es ist dort sehr patriarchalisch und homophob“, beschreibt Desire diesen Teil der Rainbow-Nation. „Es war sehr schwer für mich. Ich war nicht stark genug, um zu bleiben. Nur stark genug, um zu gehen.“ Seine sehr musikalische Familie unterstützte ihn auf dem Weg zum Glück. Sein Vater, selbst bildender Künstler, schickte ihn an eine Kunsthochschule nach Johannesburg, wo Desire bildende und später performative Kunst studierte und nebenbei in Filmen, sogar an der Seite von John Malkovich, spielte. In Johannesburg fand Desire außerdem Zuflucht in der LGBTIQ*-Szene. Seine vollständige Hinwendung zur Musik erfolgte 2011 – aufgrund einer traumatischen Erfahrung, über die er nicht sprechen kann. „Ich bin daran zerbrochen. Aber nach einem derartigen Bruch gibt es ein Fenster, das sich in deinem Herzen öffnet, bevor du gesunden kannst. Und durch diese Öffnung kam die Musik zu mir und ich konnte sie empfangen. Ich habe erst damals verstanden, wozu Musik fähig ist, wie heilsam sie sein kann.“ Besonders das Album „Kulture Noir“ der artsy-queeren südafrikanischen Sängerin Simphiwe Dana war Kitt für seine gebrochene Seele. Er selbst hatte nie groß gesungen, geschweige denn etwas produziert. Aber plötzlich kamen die Melodien zu ihm und er wagte den Schritt zum musikalischen Performance-Künstler. „Ich hatte trotzdem unglaubliche Angst, dass ich scheitern würde.“ Zu Unrecht, denn der Erfolg stellte sich dank harter Arbeit bald ein. 2015 startete Desire mit seinem musikalischen Partner Fela Gucci das performative, queere Duo FAKA (zu deutsch: Penetration) und widmete sich der südafrikanischen Musikrichtung Gqom. Ein in den 2000er-Jahren groß gewordenes Genre, das an gezielt repetitiven Upbeat-Reggaeton erinnert und nach dem offiziellen Ende der Apartheid in den Townships seinen Ursprung nahm. 2019 wurden Fela und Desire sogar von Versace angeheuert, um eine Modeschau musikalisch zu untermalen.

Von Disco bis Noise

Den Einfluss von Gqom kann man auch noch auf Desires aktuellem Soloalbum hören, dessen Stil er als „Schwarze spirituelle Musik oder experimentellen Jazz“ definiert. Warum entschloss er sich eigentlich trotz erfolgreichem Duo für den Alleingang? „Die Dinge, die ich sagen wollte, musste ich allein sagen, in meinem eigenen Space, mit meiner eigenen Stimme“, erklärt Desire dazu. Und die Themen, die er dabei wählt, reichen von Liebe, Beziehung und Zurückweisung, bis Trauma, Vertreibung und der Auseinandersetzung mit kulturellem Erbe.

Desires Platte spannt den musikalischen Bogen enorm weit. Hypnotische Rhythmen umtanzen in einem leichtfüßigen Reigen Elemente von Gqom, Disco, Trip-Hop und R‘n‘B und kreieren dadurch einen verblüffend neuartigen Sound, um diesen wieder und wieder in existenziellem Noise aufzulösen. Desires fragiler Falsetto ist dabei die akustische Klammer. Hätten FKA Twigs und serpentwithfeet in einem Paralleluniversum eine Regenbogenfamilie gegründet, wäre ihr Wunderkind dort sicherlich Desire Marea.

Gewidmet ist das Album, das nach einer digitalen Veröffentlichung im Frühjahr nun endlich auch physisch erscheint, seinem Großvater, der ihm stets großes Vorbild war und der nur einen Monat vor der Veröffentlichung starb: „Mich vor ihm zu outen war am nervenaufreibendsten. Schließlich war er ein Pfarrer. Aber er namedroppte viele queere südafrikanische Künstler*innen und sagte zu mir: ‚Sie haben bereits die Vorarbeit geleistet. Du kannst dich jetzt darauf konzentrieren, einfach der beste Künstler zu sein, der du sein kannst.’ Er wollte einfach, dass ich außerordentlich brillant bin.“

Florian Bade