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Wundersame ATEMWEGE


Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 27.08.2021

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Bildquelle: Hörzu Gesundheit, Ausgabe 3/2021

Dr. Christine Löber Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren- Heilkunde mit eigener Praxis in Hamburg und Buchautorin

Ein und aus. Immer wieder. Mal tief und ruhig, mal kurz und heftig. Vor allem aber: ganz nebenbei. Wir atmen ganz automatisch, nehmen es kaum wahr. Dabei ist das Luftholen ein lebenswichtiger Vorgang. Bei den rund 20.000 Atemzügen am Tag passiert denn auch eine Menge. Viel mehr, als wir ahnen.

In der kurzen Zeit eines Atemzugs wird die Luft für die Lunge vorbereitet, indem die Nase sie anwärmt und anfeuchtet. „Die Nase filtert auch gleichzeitig schon Fremdkörper heraus“, sagt Dr. Christine Löber, HNO-Ärztin aus Hamburg. „Die Nasenhaare, die alle immer nicht haben wollen, spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie fangen Staub und Pollen ab.“ Dann erst geht’s weiter durch die Luftröhre bis in die Lunge, wo der Gasaustausch stattfindet und wir anschließend wieder ausatmen.

Die Nase – Türsteher für die Atemwege

Doch das ist längst nicht alles, was da im Hintergrund abläuft. „In dem Moment, wo Keime, Viren ...

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... oder Bakterien in die Nase kommen, wird direkt ein Abwehrprozess ausgelöst“, sagt Dr. Löber, die gerade ein Buch über das ausgeklügelte Hals-Nase-Ohren-System geschrieben hat (siehe S. 55). Die Schleimhaut, mit der das gesamte Atemwegssystem ausgekleidet ist, ist Tag und Nacht damit beschäftigt, Krankheitserreger zu erkennen und abzuwehren. Winzige Flimmerhärchen fangen sie und alle Fremdkörper ab und transportieren sie mithilfe von Schleim in Richtung Rachen. Sie werden entweder ausgehustet oder heruntergeschluckt. Nisten sich die Eindringlinge trotzdem in der Schleimhaut ein, um sich zu vermehren, schaltet der Körper das nächste Abwehrmanöver ein. „Um die Viren wieder loszuwerden, schickt das Immunsystem Fresszellen los, damit sie die vom Virus befallenen Schleimhautzellen vernichten“, so Löber.

Tückischer Stau in den Nebenhöhlen: Sinusitis

Dabei entzündet sich die Schleimhaut und schwillt an. Drüsen in Nebenhöhlen und Nase oder – wenn die unteren Atemwege betroffen sind – Bronchien sondern vermehrt dickes Sekret ab, welches die Eindringlinge einfängt: Die Nase läuft, der Hals tut weh, Husten kommt vielleicht hinzu – eine klassische Erkältung eben. Erwachsene machen sie zweibis viermal pro Jahr durch, Kinder erkranken sogar acht- bis zehnmal.

Dass unsere Nase nicht nur aus einem Zinken in der Mitte des Gesichts besteht, wird uns auch spätestens dann bewusst, wenn aus dem banalen Schnupfen eine Entzündung der Nebenhöhlen entsteht. Diese mit Luft gefüllten Hohlräume im Schädelknochen sind über winzige Gänge mit der Nase verbunden und mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die sich oft im Zuge eines Schnupfens mitentzündet. Schwillt die Schleimhaut an und produziert besonders viel Schleim, können die Öffnungen zu den Höhlen verstopfen. Dann werden die Hohlräume nicht mehr belüftet, Krankheitskeime breiten sich aus, und die Sinusitis, eine akute Nebenhöhlenentzündung, ist in vollem Gange. Inhalieren, Nasenspülungen und abschwellende Sprays (siehe Kasten rechts) lindern Schnupfen und Sinusitis.

„Dass ein Apfelkuchen nach Apfel schmeckt, haben wir unserer Nase zu verdanken.

Dr. Christine Löber

Geruchsverlust bedeutet Verlust an Lebensqualität

Ist die Nase verstopft, sind oft gleich zwei unserer menschlichen Sinne beeinträchtigt: Riechen und Schmecken. Denn mit der Zunge können wir nur süß, sauer, bitter, salzig und umami, das man meist mit Fisch oder Fleisch verbindet, schmecken. „Dass aber ein Apfelkuchen nicht nur süß schmeckt, sondern eben nach Apfel, haben wir unserer Nase zu verdanken“, sagt Dr. Löber. „Über sie und die Nasennebenhöhlen, den Rachen und die Mundhöhle nehmen wir feine Geschmacksnuancen wahr.“ Welch große Bedeutung die Fähigkeit zu riechen (und zu schmecken) für den Menschen hat, bemerkt er meist erst, wenn der Geruchssinn über längere Zeit fehlt – also länger als nur für die Dauer einer Erkältung.

Aktuell bekommen das vor allem Post-Covid-Patienten zu spüren, 70 bis 80 Prozent von ihnen erleben Riech- und Schmeckstörungen. „Das Phänomen ist nicht neu, das gab es auch früher schon, dass nach Virusinfekten der Geruchssinn mal schlecht war oder weggegangen ist“, sagt Dr. Löber „Aber wir sehen das jetzt wirklich verstärkt. Den Patienten geht ein großes Stück Lebensqualität verloren.“

Experten empfehlen dann, den Geruchssinn zu trainieren. Wie nachhaltig solch ein Riechtraining bei Covid-19-Patienten funktioniert, weiß man noch nicht, Studien dazu laufen. Viele Experten sind aber zuversichtlich. Dr. Löber rät dazu, einmal am Tag für zehn bis 15 Minuten an einem Duft zu schnuppern. Teure ätherische Öle seien dafür in der Regel gar nicht notwendig. „Man setzt sich zum Beispiel vor die Kaffeedose und schaut, kann ich davon irgendetwas wahrnehmen? Dabei am besten über Kaffee und das nachdenken, was man damit assoziiert. So kann die Geruchsinformation wieder verknüpft werden im Gehirn und geht nicht verloren.“ Wie stark der Duft sein muss, hängt davon ab, wie stark der Riechsinn beeinträchtigt ist. „Die meisten unserer Patienten riechen Dinge einfach nicht mehr wie früher, sie riechen irgendetwas. Ganz weg ist der Sinn selten.“

Zerstörte Nervenzellen können sich erneuern

Ein gutes Zeichen. Denn riechen Dinge plötzlich anders – Mediziner bezeichnen das als Parosmie –, befinden sich die von Coronaoder anderen Viren zerstörten Nervenzellen des Geruchssystems in der Erneuerungsphase. Nicht so gut: Typisch für die Parosmie ist, dass Dinge nicht nur anders, sondern auch noch eklig riechen: Der morgendliche Kaffee erinnert dann an Abf luss, Fäkalien oder Müll.

Das Riechtraining sollte man mindestens drei Monate durchziehen. Wer gar nichts wahrnimmt, greift besser zu stärkeren Aromen wie ätherischen Ölen aus Rose, Eukalyptus, Zitrone oder Nelke. Diese morgens und abends für nur etwa zehn bis 15 Sekunden unter die Nase halten.

Ein Verlust des Geruchssinns kann auch andere Ursachen haben. Kommen Kopfdruck, Fließschnupfen, Müdigkeit, Schnarchen, Räusperzwang, Halsschmerzen und/oder Kurzatmigkeit hinzu, können Nasenpolypen dahinterstecken. Das sind gutartige Schleimhautwucherungen, die wiederum die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen verschließen. Ihr Entstehungsmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Patienten sind oft Allergiker, Asthmatiker oder haben ein schwaches Immunsystem.

„Die Nasenpolypen werden per Röntgenoder CT-Untersuchung des Nebenhöhlensystems diagnostiziert und können minimalinvasiv operiert werden“, sagt Dr. Löber. Im Anfangsstadium oder zusätzlich lässt sich gut mit Kortisonspray behandeln. Es wirkt abschwellend und man bekommt wieder Luft. Nasenpolypen sind immer gutartig und treten fast nur bei Erwachsenen auf – ist bei Kindern die Rede von Polypen, handelt es sich in Wahrheit um die Mandeln im Rachen. Sie liegen dort, wo die Atemluft von den oberen in die unteren Atemwege strömt.

„Patienten mit Mittelohrentzündung erkennt man schon am gequälten Gesichtsausdruck.

Dr. Christine Löber

Mandeln sind ständig entzündet

Die Gaumen- und Rachenmandeln sind dafür zuständig, Staub, Pollen und Krankheitserreger am Eingang von Luft- und Speiseröhre abzufangen. Um diesen Job ausführen zu können, sind sie immer leicht entzündet. „Erst wenn diese Reaktion sehr heftig ausfällt, weil gerade besonders viele oder hartnäckige Viren und Bakterien unterwegs sind, haben wir das, was man als Mandelentzündung bezeichnet“, sagt Dr. Löber. Früher wurde bei häufigem Auftreten schnell operiert, heute sind Ärzte damit zurückhaltender.

Vorbei an den Mandeln, gelangt die Atemluft nun weiter durch den Kehlkopf in die Luft- röhre, wird unterwegs immer weiter angewärmt und durchfeuchtet, bis sie schließlich in den Bronchien ankommt. Dort wird der Sauerstoff von den Lungenbläschen ins Blut abgegeben und Kohlendioxid aus dem Blut aufgenommen. Dieses stoßen wir beim Ausatmen wieder aus.

Gegen Schmutzpartikel und Krankheitserreger greift in den Bronchien das gleiche Selbstreinigungssystem wie in den oberen Atemwegen, nur dass die Flimmerhärchen den Schleim nach oben in Richtung Rachen befördern. Nisten sich Viren ein, kommt es zu Husten und zur Entzündung der Bronchien.

Warum wir die Luft zum Hören brauchen

Nicht zu vergessen ist, dass das faszinierende Labyrinth aus Atemwegen bis hin zu den Ohren reicht: Die Nase ist durch die eustachische Röhre oder Ohrtrompete mit ihnen verbunden. Dieser kleine Schlauch ist dafür zuständig, dass im Mittelohr ideale Druckverhältnisse herrschen und der Schall richtig durchs Ohr transportiert werden kann. „Ein abgefahrenes Prinzip“, findet Löber. „Dass das Ohr seine Luft von hinter der Nase bekommt, damit wir hören können.“

Zu einer Belüftungsstörung kommt es zum Beispiel, wenn sich in der eustachischen Röhre Keime ansammeln. Bei Kindern wandern sie gerne während einer Mandelentzündung weiter in die Ohrtrompete, bei Erwachsenen kann das nach einer Erkältung passieren. „Die daraus entstehende Mittelohrentzündung ist eine extrem schmerzhafte Angelegenheit“, weiß Löber aus eigener Erfahrung.

Da die Ohren neben Mund und Nase eine weitere Kontaktstelle zur Außenwelt sind, können auch hier Keime eindringen. Davor bewahren soll der Ohrenschmalz. Leider wird er von vielen als so eklig empfunden, dass er sorgfältig entfernt wird. Zu sorgfältig. „Mit den Q-tips putzt man den Gehörgang so blank, dass die Haut wahnsinnig austrocknet und auch weniger abwehrfähig ist“, sagt Dr. Löber. Dann entsteht eine Entzündung, die juckt, und man will noch mehr mit dem Ohrenstäbchen kratzen. Dr. Löber: „Aus dem Teufelskreis kommt man nur mit einer Strategie heraus: Weg mit den Wattestäbchen!“

FRANZISKA WIEGARD

gesundheit.de/lunge Das Gesundheitsportal bietet allerlei Informationen rund um unsere Lunge

Nasenspray:Segen und Fluch zugleich

Zwei Sprühstöße sorgen für Erleichterung. Manche Wirkstoffe machen aber abhängig

Endlich frei Ist die Nase verstopft, bringen Sprays Abhilfe. Inhaltsstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin bewirken, dass sich die Blutgefäße der Nasenschleimhaut zusammenziehen. So wird die Blutzufuhr gedrosselt, das Gewebe schwillt ab, und die Atemluft kommt wieder durch die Gänge. Daneben gibt es auch Nasensprays mit befeuchtenden Inhaltsstoffen (z. B. Hyaluronsäure oder Meerwasser) oder solche, die die Heilung der Schleimhaut unterstützen (z. B. Dexpanthenol).

Vorsicht, Suchtpotenzial! Raten Arzt, Apotheker und Beipackzettel dazu, ein Nasenspray nicht länger als sieben Tage anzuwenden, sollte man sich (ungefähr) daran halten. Denn die Nase gewöhnt sich an die abschwellenden Wirkstoffe, es kommt zum sogenannten Rebound-Effekt: Die Schleimhaut wird schon kurz nach dem Sprühen wieder dick, und man muss erneut sprühen. Auf Dauer trocknet die Schleimhaut zusätzlich aus und wird extrem gereizt.

Wieder loslassen Wer bereits abhängig ist, kann sich das Spray nach und nach abgewöhnen:

Zuerst niedriger dosiertes Kindernasenspray verwenden, dann Meerwasserspray. Erst das eine, dann das andere Nasenloch entwöhnen. Ist die Nase weiterhin zu? Ab zum Arzt!

Atemtraining für mehr Energie

Meistens atmen wir viel zu flach. Mit diesen drei Übungen nutzen wir das gesamte Lungenvolumen aus

Zum Abschalten: Aufzug

Durch die Nase einatmen, bis man das Gefühl hat, der Atem sei auf Höhe des Schlüsselbeins angelangt. Kurz halten. Weiter einatmen, bis die Luft die unteren Rippenbögen erreicht hat (Brustkorb weitet sich). Kurz halten. Weiter einatmen, bis der Atem am Nabel eintrifft (Bauchdecke hebt sich). Kurz halten. Nun in Etappen ausatmen: bis zu den Rippen, bis zum Schlüsselbein, ganz ausatmen.

Bei Luftnot: Lippenbremse

Durch die Nase einatmen. Dann die Luft langsam durch die leicht gespitzten Lippen entweichen lassen. So, als würde man Seifenblasen formen oder einen Löffel Suppe kühler pusten wollen. Die Lunge wird so besser geleert und reichlich frische sauerstoffreiche Luft gelangt hinein. Gut bei Stress, Asthma oder Allergien. Am besten regelmäßig üben. Und: lindert auch Seitenstechen!

Zum Krafttanken: Gähnen

Wenn es nicht schon beim Anblick des Fotos rechts passiert, dann im geschlossenen Mund die Zunge hin und her bewegen. Innen über die Zähne streichen, über Gaumen und Mundboden. Wer ausgiebig gähnt, atmet einmal intensiv ein und aus. Außerdem werden dabei die Kiefer- und Kehlkopfmuskeln gelockert. In stressigen Situationen drei- bis fünfmal so intensiv wie möglich gähnen.