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Wunderwerk DARM


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 18.03.2022

GESUNDHEIT

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 12/2022

SENSIBLE MITTE Durchfall und Krämpfe sind ein Zeichen, dass die Teamarbeit zwischen dem Darm und seinen Helfern gestört ist

Manche halten ihn für eine Art langen Schlauch. Ein Organ, das zwar wichtige Aufgaben erledigt, über das man aber nicht gern spricht. Vieles, was mit Darm und Verdauung zu tun hat, ist uns unangenehm. Nicht nur, wenn es um jene festen, f lüssigen oder gasförmigen Stoffe geht, die den Körper am unteren Ende wieder verlassen. Der Darm ist ein Tabu.

Und das ist nicht gut so, denn er spielt in unserem Leben eine ziemlich große Rolle. „Der Darm ist nämlich nicht nur unser Verdauungsheld Nummer eins, sondern auch wichtig für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden“, betont Dr. Johannes Wimmer. Der beliebte TV-Mediziner, deutschlandweit bekannt durch verschiedene Gesundheitssendungen, will den Darm daher von seinem miserablen Image befreien. In seinem Buch „Die 3 großen Fitmacher“ (siehe Buchtipp) hat die Gesundheit des Verdauungsorgans einen hohen Stellenwert. Hier verrät Dr. Wimmer einige ...

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... faszinierende Geheimnisse über dieses oft verkannte, aber dafür umso spannendere Organ in der Mitte unseres Körpers.

Größer als die Haut

Dünn-und Dickdarm haben zwar tatsächlich Ähnlichkeit mit einem Schlauch. Das aber nur sehr oberf lächlich betrachtet: „Der Darm ist innen nämlich nicht glatt. Er verfügt über viele Falten und fingerförmige Ausstülpungen, die Zotten“, sagt Dr. Wimmer. Bei einer Länge von sechs bis acht Metern addiert sich so die Innenseite des Darms zu einer Gesamtoberf läche von 200 bis 500 Quadratmetern. „Die ist größer als ein Basketballfeld“, weiß der Mediziner. Unsere Körperhaut misst im Durchschnitt zwei Quadratmeter. So bietet der Darm die größte Kontaktf läche zur Außenwelt! Diesen Platz benötigt er für seine zahlreichen Aufgaben: die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen sowie die Abwehr von Parasiten und schädlichen Bakterien.

Unser zweites Gehirn

Unser Darm ist von einem Gef lecht aus 100 bis 150 Millionen Nervenzellen umschlossen – das sind mehr als im Rückenmark. Darum kommt er auch als einziges Organ im Körper ohne die zentrale Steuerung durch das Gehirn aus – und wird deshalb gern selbst als zweites Hirn bezeichnet, das Bauchhirn. „Denken kann unser Darm zwar nicht, aber er kommuniziert mit dem Gehirn im Kopf und reagiert auf Gefühle und Stress“, sagt Dr. Wimmer. Dieser rege Informationsaustausch erfolgt über die sogenannte Darm-Hirn-Achse.

Bunte Bakterienvielfalt

Unser Darm gehört zu den am dichtesten besiedelten Ökosystemen überhaupt. Rund 40 Billionen Bakterien leben hier. Im Verbund mit Pilzen bilden sie die Darmflora, die auch Mikrobiom genannt wird. Dieser bunte Haufen an Mikroorganismen, der aus bis zu 1000 unterschiedlichen Bakterienarten bestehen kann, ist in seiner Zusammensetzung bei jedem Menschen anders. „Wesentlich für eine intakte Darmflora ist eine große Bakterienvielfalt“, so Dr. Wimmer. Ein verringertes Artenspektrum dagegen wirkt sich negativ aus. „Der Darm und seine Bakterien sind quasi ein Trainingslager für das Immunsystem“, erklärt der Mediziner. Rund 70 Prozent unserer Immunzellen sind in der Darmwand angesiedelt und treffen hier auf gute wie schädliche Mikroorganismen.

Die Darmflora kann aber auch aus dem Gleichgewicht geraten. „Eine ungesunde, ballaststoffarme Ernährung, Stress, Schlafmangel und zu wenig Bewegung schaden der unteren Etage“, warnt Dr. Wimmer. Auch Antibiotika beeinträchtigen das Ökosystem des Darms, weil sie nicht nur Krankheitserreger abtöten, sondern auch nützliche Mikroorganismen. Die vielfältige Wohngemeinschaft ist eben sensibel, erholt sich aber in der Regel nach einigen Wochen.

Mikroben als Spende

Für verschiedene Darmleiden, bei denen sich das Mikrobiom nicht selbst regeneriert, gibt’s eine neuartige Therapieform: eine Stuhltransplantation. Ähnlich wie bei einer Bluttransfusion werden dabei die Darmbakterien eines Spenders in den Verdauungstrakt des Patienten übertragen, um dort wieder eine intakte Darmflora aufzubauen. Klingt bizarr. Doc Johannes Wimmer gibt aber Entwarnung: „Keine Sorge, die Behandlung ist nicht ekelhaft. Verabreicht werden ja keine Fäkalien, sondern lebende Darmorganismen aus dem Labor.“ Die Stuhlspende wird dort zuvor speziell auf bereitet. Die Übertragung erfolgt per Magensonde, per Koloskop (Endoskop für den Darm) oder mittels Kapseln zum Einnehmen.

„Bei einer schwer verlaufenden Infektion durch das Bakterium Clostridium difficile ist die Stuhltransplantation heute eine Standardtherapie“, erklärt Dr. Johannes Wimmer. „Untersucht werden inzwischen auch die therapeutischen Möglichkeiten bei Reizdarm, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie bei Fruktoseund Laktose-Intoleranz.“

Richtige Ernährung

So wie wir Menschen Lieblingsessen haben, hat auch der Darm Vorlieben und Abneigungen: Nahrungsmittel, die ihn glücklich machen – oder schlecht gelaunt. Ihn – und damit auch uns. Viel Gemüse, etwas Obst, ausreichend Wasser, ungesüßter Tee und zusätzliche Ballaststoffe, etwa in Form von Flohsamen, Leinsamen, Haferf locken und Vollkornprodukten: So lautet Dr. Wimmers Kurzrezept für ein zufriedenes Verdauungssystem.

Außerdem liebt unser Darm Probiotika. Das sind lebende Mikroorganismen wie etwa Milchsäurebakterien und Hefen. Sie tragen dazu bei, die Barrierefunktion des Darms zu stärken und Krankheitserreger in Schach zu halten. Diese Mikroben liefern etwa frisches Sauerkraut und Kimchi, also fermentierter, gewürzter Chinakohl, sowie Naturjoghurt und Kefir. Dr. Wimmer rät: „Wenn möglich, essen Sie täglich von diesen Lebensmitteln.“

Auch Präbiotika sollten ganz oben auf dem Speiseplan stehen. Das sind spezielle Ballaststoffe, etwa der Pflanzeninhaltsstoff Inulin. Diese Substanzen verwerten die guten Bakterien besonders gern, weil sie ihr Wachstum und ihre Aktivität fördern. Das gibt Kraft im Kampf gegen schädliche Mikroorganismen. „Meine Lieblingsquellen für Präbiotika sind übrigens Chicorée, Zwiebeln, Knoblauch und Artischocken“, verrät Dr. Johannes Wimmer.

Wellness für den Darm

Neben einer gesunden Ernährung gibt es noch zwei weitere Wohltäter für den Darm: gezielte Entspannung und regelmäßige Bewegung. Untersuchungen zeigen, dass die Darmflora von Sportlern artenreicher ist und mehr schlank machende Keime enthält. Zudem hält körperliche Aktivität den Verdauungstrakt auf Trab und sorgt für eine bessere Durchblutung. Da Stress und psychische Belastungen über die Darm-Hirn-Achse unsere Verdauungsorgane negativ beeinf lussen, sind auch Entspannungszeiten essenziell – nicht nur für den Kopf, sondern auch für den Bauch. „Ich mache gern Yoga, aber auch Meditation und Achtsamkeitsübungen finde ich klasse“, verrät Dr. Wimmer. Ebenso können warme Bauchwickel und Tee aus Anis, Kümmel oder Fenchel kleine Wunder bewirken und den Magen-Darm-Trakt wieder in die Balance bringen.

ALEXANDER WEIS