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Wunderwerk mit Schwachstellen


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 9/2009 vom 07.04.2010

Unsere Wirbelsäule ermöglicht den aufrechten Gang. Sie gibt dem Körper Halt und Beweglichkeit, federt das Gehirn gegen Stöße ab und schützt das Rückenmark. Um all diese Aufgaben zu erfüllen, müssen rund 100 Gelenke und mehr als 300 Muskeln zusammenspielen.


Wer gemütlich im Sessel sitzt und diesen Text liest, denkt vermutlich nicht daran, dass gerade über 100 Kilogramm Gewicht auf jedem Quadratzentimeter der Lendenwirbel lasten. Beim Heben schwerer Lasten können es 250 Kilogramm sein. Dazu kommen Tausende von Stößen, die abgefedert werden müssen, überraschende Bewegungen, ungewohnte Verrenkungen. Das ...

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Wer gemütlich im Sessel sitzt und diesen Text liest, denkt vermutlich nicht daran, dass gerade über 100 Kilogramm Gewicht auf jedem Quadratzentimeter der Lendenwirbel lasten. Beim Heben schwerer Lasten können es 250 Kilogramm sein. Dazu kommen Tausende von Stößen, die abgefedert werden müssen, überraschende Bewegungen, ungewohnte Verrenkungen. Das alles muss der Rücken aushalten – 365 Tage im Jahr, 70 Jahre und länger.

Foto: image source

Die Wirbelsäule

Sie besteht aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln und fünf Lendenwirbeln. Diese 24 Knochen sind untereinander mit kleinen Gelenken verbunden, sodass die Säule in sich beweglich ist. Gleichzeitig bilden sie eine schützende Röhre für das Rückenmark, den zentralen Nervenkanal des Menschen. Nach unten schließen sich noch fünf Kreuzbeinwirbel und fünf Steißbeinwirbel an, die jeweils miteinander zum Kreuzbein und zum Steißbein verwachsen sind. Lendenwirbel, Kreuz- und Steißbein sind der Bereich der Wirbelsäule, der volkstümlich als Kreuz bezeichnet wird.

Zwischen den Wirbeln sind zusätzlich Knorpel als Stoßdämpfer eingelagert, die Bandscheiben. Bänder und Sehnen geben der Wirbelsäule ihre Form. Sie ist, von der Seite her betrachtet, doppelt s-förmig gebogen. Diese Krümmung wirkt wie eine Federung und schützt das Gehirn vor Erschütterungen. Stabil gehalten wird die Wirbelsäule durch ein System von Bändern. Drei von ihnen laufen über die ganze Länge der Säule. Dabei verbinden das vordere und das hintere Längsband jeweils sämtliche Wirbelknochen und Bandscheiben miteinander. Das dritte lange Band zieht sich über die Dornfortsätze aller Wirbel hinweg. Kürzere Bänder verknüpfen jeweils einzelne Wirbel miteinander. Zusätzlich wird die Wirbelsäule bei ihren Aufgaben noch von zahlreichen anliegenden Muskeln unterstützt.

Wirbelknochen

Jeder Wirbel besteht aus einem kompakten Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, der einen Hohlraum umschließt, in dem sich das Rückenmark befindet. Auf jeder Seite des Wirbelbogens entspringt ein Querfortsatz und auf der Rückseite der Dornfortsatz. Diese Vorsprünge dienen Bändern und Muskeln als Ansatzstellen. Die Dornfortsätze sind am Rücken als Erhebungen spürbar. Benachbarte Wirbel sind über kleine Wirbelgelenke miteinander verbunden. Ihre Wirbelbögen lassen auf jeder Seite ein kleines Loch frei, durch das Nerven aus dem Rückenmark in den Körper führen.
Risiko: Durch Verschleiß, Osteoporose und im Alter können die Wirbelkörper zusammensacken oder brechen. Das engt den Platz für die Nerven ein, kann sie reizen oder quetschen. Eng wird es auch, wenn sich durch einseitige Belastungen knöcherne Wucherungen bilden. Die Gelenke zwischen den Wirbeln können sich durch Belastungen entzünden und verdicken (Arthrose). Bei geschwächten Bändern können sich Wirbel gegeneinander verschieben.

Rückenmark und Nerven

Das Rückenmark ist der zentrale Nervenkanal, durch den die Nerven der Extremitäten und Organe mit dem Gehirn verbunden sind. Diese wichtigen Nerven sind von einer Flüssigkeit, dem Liquor, sowie einer festen Haut umgeben. Der Hohlraum zwischen dem Mark und den Wirbelbögen ist zusätzlich noch mit einer Fettschicht gepolstert.
Risiko: Bricht bei schweren Verletzungen die Wirbelsäule, kann auch der Nervenstrang abgetrennt werden. Die Folge ist eine Querschnittslähmung. Der Umfang der Lähmung hängt davon ab, an welcher Stelle das Rückenmark gekappt wurde. Anfälliger sind die Nerven, die vom Rückenmark in die Glieder abgehen. Werden sie – etwa durch einen Bandscheibenvorfall – gereizt oder gar beschädigt, strahlen die Schmerzen in Arme oder Beine aus und können dort in schweren Fällen zu Lähmungen führen. Bekanntester dieser anfälligen Nerven ist der Ischiasnerv, der zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel sowie dem ersten und zweiten Kreuzbeinwirbel hervortritt.

Beim Sitzen lasten über 100 Kilo Gewicht auf den Lendenwirbeln.


Foto: www.stockbyte.com

Bandscheiben

Mit Ausnahme der ersten beiden Halswirbel sind alle Hals-, Brust- und Lendenwirbel durch Bandscheiben miteinander verbunden. Diese flachen, etwa einen halben Zentimeter dicken Knorpelscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern und bestehen aus einem festen und elastischen äußeren Ring und dem weichen Gallertkern. Sie dienen als Stoßdämpfer und als bewegliche Verbindung der einzelnen Wirbel. In Ruheposition nimmt der Gallertkern aus dem umgebenden Gewebe nährstoffreiche Flüssigkeit auf, bei Belastungen wird verbrauchte Flüssigkeit herausgepresst. Nur der ständige Wechsel zwischen Be- und Entlastung ernährt also die Bandscheiben.
Risiko: Bei Bewegungsmangel oder ständiger Überlastung bekommt die Bandscheibe zu wenig Flüssigkeit. Sie wird dann, ebenso wie bei altersbedingtem Verschleiß, spröde und rissig. Es droht ein Bandscheibenvorfall. Im Alter kann die Bandscheibe schrumpfen, die Wirbel und ihre Gelenke werden dadurch stärker belastet, die Wirbelsäule verliert an Stabilität. Risikofaktoren sind Übergewicht, Heben und Tragen schwerer Lasten, falsche Haltung, Erschütterungen und Stauchungen, etwa beim Sport.