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WURST, SCHWEISS UND TRÄNEN: „Hundetraining darf Spaß machen”


Martin Rütter Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 24.01.2019

Dass eine Sendung zehn Jahre lang im Fernsehen läuft, ist alles andere als selbstverständlich, sondern ein riesiger Erfolg. Und ein Ende ist nicht in Sicht


IN ZEHN JAHREN hat Martin Rütter die Menschen von 37 Mischlingen, 20 Labrador bzw. Golden Retrievern, 19 Schäferhunden, 11 Jack Russell Terriern, 11 Französischen bzw. Englischen Bulldoggen, 9 Chihuahuas und 8 Dackeln erzogen

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Bildquelle: Martin Rütter Magazin, Ausgabe 1/2019

Martin Rütter ist nicht nur Profi, sondern auch Herrchen (hier im Bild mit seiner Hündin Emma). Um so besser versteht er seine Klienten


Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten als Tagesmutter. In Ihrem Wohnzimmer wuseln täglich mehrere ...

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... Babys und Kleinkinder herum.

Und nun haben Sie einen Hund, der nichts lieber tut, als eben diese Kids im Gesicht abzuschlecken und ihnen auch mal das Essen zu stibitzen. Gut, man kann sagen, dass so ein bisschen Hundesabber noch niemandem geschadet hat. Man muss aber auch verstehen, wenn die Eltern, die ihre kleinen Lieblinge in die Obhut der Tagesmutter ge- ben, das nicht durch die Bank prima finden. So sah das auch Sandra Walter, Toffies Frauchen. Sie stellte fest: „Toffie, wir haben ein Problem.” Und nun stellen Sie sich vor, es kommt dann jemand, der Ihnen vermittelt: Erstens, es gibt für jedes Problem eine Lösung. Zweitens, irgendwie ist das Problem ja auch ein bisschen lustig. Und daraus folgt drittens: Wir lösen dieses Problem, aber nicht bierernst, sondern mit Humor und Spaß bei der Sache. Klingt gut, oder? Und genau das macht Martin Rütter als „Der Hundeprofi“ in der gleichnamigen TV-Sendung. Er hört zu, krempelt die Ärmel hoch – und lacht. Viel und gerne. Und vermittelt so den manchmal ehrlich verzweifelten Hundehaltern das Gefühl: „Wir kriegen das hin.” Der Hund hört auf nichts und niemanden? Das wird schon. Die Hündin klaut wie ein Rabe? Das wird sich geben.

2010: Zita ist zu verwöhnt, findet Rütter. Sie ahnt das noch nicht

2008: Shana ist ein Ridgeback. Sie selbst denkt aber, sie wäre ein Lamm

100 Folgen, 200 Hunde, und immer noch sehr viele Anfragen
In den zehn Jahren, in denen Martin Rütter bereits als Hundeprofiberatend unterwegs ist, hat er – auch, wenn natürlich jeder Fall individuell ist – durchaus immer wiederkehrende Probleme ausgemacht. Mangelnde Beschäftigung, Missverständnisse zwischen Mensch und Hund, und die extreme Vermensch lichung der Hunde, die heute ziemlich gängig ist. „Die Vermenschlichung schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann. Ein Hund kann einfach nicht denken und handeln wie ein Mensch.” Und dann natürlich, ganz großes Thema: mangelnde Konsequenz. Ein Hund braucht klare Regeln, denn nur so kann er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen. (An diesem Punkt fühlen sich meistens auch die Menschen ertappt, die nicht nur vier–, sondern auch zweibeinige Schützlinge haben.)

Dass ein Format, in dem ein Hundetrainer Tipps gibt, einen solchen Erfolg haben würde, damit hat anfangs niemand gerechnet. Heute ist die Sendung, deren allererste Folge am 30. August 2008 lief, die am längsten laufende Coaching- Doku im deutschen Fernsehen Eine Ende ist nicht in Sicht, denn der Zuspruch der Zuschauer ist ungebrochen. Und: Der Hundeprofibekommt immer mehr zu tun, weil in deutschen Haushalten immer mehr Hunde leben. Waren es im Jahr 2008 noch 5,5 Millionen, sind es heute über 9,22 Millionen – ein wirklich stattlicher Zuwachs.

Paschas, Kläffer, Balljunkies
Die Klienten stehen also Schlange, wobei Martin Rütter keinen Zweifel daran lässt, wer seine eigentlichen Kl ienten sind: „Ich trainiere Hunde, aber vor allem ihre Menschen.” Und der Profinimmt sich selbst nicht aus, denn es lernen nicht nur die Hunde und deren Halter, sondern auch er selbst: „Fortbildung geschieht bei mir immer wieder bei der Arbeit mit Mensch und Hund auf dem Trainingsplatz. Und es vergeht eigentlich kein Tag, ohne dass ich wieder etwas dazugelernt habe.”

2008: Römer soll erzogen werden. Ihm ist das erst mal egal

2016: Shrek schreckt vor einer Attacke auf den Profinicht zurück

2017: Buddy buddelt im Wasser. Voller Körpereinsatz ist gefordert

2015: Toffie leckt gerne Babys ab. Nicht ganz ideal, findet Frauchen

Wenn man die zehn Jahre „Hundeprofi“ Revue passieren lässt, stellt man fest: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Vom Westie, der andere Tiere im Fernseher angreifen will, über den Mix, der seinen Schatten jagt, bis hin zu einem Dobermann, der als Balljunkie einen Lederball nach dem anderen zerbeißt und am Ende von einer ganzen Fußballmannschaft therapiert wird. Und häufig geht es darum, dass Herrchen und Frauchen sich ihren Platz in der Hierarchie erst einmal neu erobern müssen: „Ich hatte vor ein paar Jahren mal den Fall, dass der Mann jahrelang auf der Couch geschlafen hat beziehungsweise schlafen musste, weil ihn der Hund nicht mehr ins Schlafzimmer gelassen hat. Das geht natürlich nicht”, erzählt Martin Rütter und lacht.

Der Hundeprofiversteht, was hinter dem Problem steckt
Und wie sieht die Hilfe des Hundeprofis im konkreten Fall aus? Gehen wir noch einmal zurück zu Toffie. Sie erinnern sich – die Mopsdame, die so gerne Kinder abschlabbert. Hier beobachtet Martin Rütter erst einmal genau die Lage, um zu verstehen, was hinter dem Schlabbern steckt. Und er stellt fest: Toffie möchte Aufmerksamkeit. Und sie steht unter enormem Stress. Auf dem Hundeplatz ermittelt der Profidann die Gründe dafür: Zum einen ist die Mopsdame schlicht unterbeschäftigt, und zum anderen hat sie noch nicht gelernt, was ein klares „Nein!” bedeutet. Und das wird Toffie jetzt in einigen Sonderlektionen beigebracht. Frauchen Sandra muss lernen, konsequent zu sein und ihre Hündin mehr auszulasten. Denn nur so kann Toffie in der Situation mit den Kids entspannen und in ihrem Körbchen dösen, anstatt weiter Schlabber-Attacken zu veranstalten.

„Hat der Hund keine Aufgabe, wird er zu einer” – davon ist Martin Rütter überzeugt. Und eines ist ihm besonders wichtig: Jeder Hund braucht Erziehung, jeder Hund muss seinem Wesen entsprechend gehalten und ausgelastet werden. Dessen sollte sich ein Mensch, der sich einen Hund wünscht, bewusst sein. Denn: „Den richtigen Hund oder auchden Anfängerhund oderden Familienhund gibt es höchstens bei Toys „R” Us. Der hat Batterien im Hintern und den kann man ein- und ausschalten.”


Fotos: MG RTL D / Mina TV / Ralf Jürgens