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Wurzelläuse an Stauden


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 24.04.2018
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Wurzelläuse an Lysimachia (26. 10. 16)


Fotos: Heinrich Beltz

Wurzelläuse treten an verschiedenen Gehölzen, Stauden und einjährigen Pflanzen auf. Ein geringer Besatz dieser Tiere schädigt die Pflanzen zwar nicht nennenswert, ein stärkerer Befall kann aber zu Wachstumsdepressionen führen. Außerdem ist ein Schädlingsbefall – auch an den Wurzeln – grundsätzlich ein Reklamationsgrund, selbst wenn das Wachstum dabei nicht leidet.

Da Wurzelläuse sehr schwer zu bekämpfen sind, liefen in den Jahren 2015 und 2016 Gemeinschaftsversuche an der LVG Bad Zwischenahn und am Gartenbauzentrum Ellerhoop-Thiensen in ...

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... Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzamt Niedersachsen.

Unterschiedliche Wirte

Wurzelläuse treten an unterschiedlichen Pflanzengruppen auf. Die an Gehölzen und Stauden verbreiteten Wurzelläuse sind verschiedenen Gattungen und Arten zuzuordnen. Manche sind wirtswechselnd und sitzen zeitweise an den Blättern von Laubgehölzen, andere nicht. Allerdings verbleibt auch bei denjenigen Wurzelläusen, die zeitweise auf oberirdische Pflanzenteile einer anderen Gattung wechseln, oft ein Teil der Tiere an den Wurzeln ihres bisherigen Wirtes.

Wichtige Arten von Wurzelläusen, die Stauden befallen, mit ihren Wirtspflanzen (Auswahl):

Colopha compressa :Carex buchananii ,Carex morrowii ; Zwischenwirt:Ulmus laevis
Thecabius (syn. Parathecabius)lysimachiae :Lysimachia ; Zwischenwirt:Populus nigra
Prociphilus erigeronensis :Aster

Bekämpfungsmöglichkeiten

Früher wurden Wurzelläuse manchmal mit Insektizid-Gießbehandlungen bekämpft, diese sind mittlerweile im Freiland aber nicht mehr zugelassen. Lediglich unter Glas dürfen Zierpflanzen gegen Trauermückenlarven mit NeemAzal-T/S gegossen werden.

Neuerdings steht mit Spirotetramat (in zwei Formulierungen von Movento) ein Wirkstoff zur Verfügung, der vollsystemisch in der Pflanze verlagert wird, also von den grünen Pflanzenteilen, die den Wirkstoff aufnehmen, bis hinunter in die Wurzeln (Transport basipetal) und von dort zurück bis in die Triebspitzen (Transport akropetal). Daher wurde erhofft, dass durch Blattspritzungen eine Wirkung gegen Schädlinge an den Wurzeln erreicht werden könnte. Ob die dorthin transportierte Wirkstoffmenge groß genug ist, um unter Praxisbedingungen die Wurzelläuse abzutöten, war allerdings nicht bekannt.

Als einziges synthetisches Insektizidgranulat, das in das Substrat eingemischt werden darf, wird Exemptor angeboten. Es ist aufgrund der Anwendung im Substrat als bienenungefährlich (B3) eingestuft, sein Wirkstoff Thiacloprid, der zur Gruppe der Neonicotinoide gehört, wird allerdings von Umweltorganisationen verdächtigt, grundsätzlich Bienen zu schädigen. Daher lehnen manche Abnehmergruppen prinzipiell Pflanzen ab, in denen Rückstände von Thiacloprid enthalten sind.

Erster Versuch 2015

Am 20. Juli 2015 wurden Pflanzen aus vier Staudengattungen (Arabis procurrens ‘Filigran’,Lysimachia nummularia ,Aster dumosus ‘Prof. A. Kippenberg’,Carex plantaginea ) in 9-cm-Töpfen, die alle von Praxisbetrieben zur Verfügung gestellt worden waren und mehr oder weniger stark mit Wurzelläusen besetzt waren, mit Movento in den beiden Formulierungen OD 150 und SC 100 behandelt (siehe Kasten „Zum Versuch“, 2015). Jeweils eine Behandlung wurde in der maximal zugelassenen Menge durchgeführt und eine doppelt konzentriert, um die Verträglichkeit zu testen. Zwei Wochen später, am 3. August, erfolgte eine Nachbehandlung in gleicher Dosis. Pro Versuchsglied wurden jeweils zehn Pflanzen ohne Wiederholung auf einer Kulturfläche mit Mattenbewässerung aufgestellt.

Wurzelläuse an Lysimachia nummularia (7. April 2017)


Wurzelläuse an Carex plantaginea (7. April 2017)


Ergebnisse 2015

Bei den regelmäßigen visuellen Bonituren des Pflanzenbestandes konnten keine Pflanzenschäden festgestellt werden. Unter den Versuchsbedingungen waren also beide Formulierungen von Movento gut verträglich, selbst in doppelter Dosierung.

Der Befall mit Wurzelläusen wurde bei jeder Pflanze am 17. August und am 31. August 2015 bonitiert (Abbildung 1). Grundsätzlich wurde die Anzahl der Kolonien von Wurzelläusen gezählt, die an den Wurzeln am Topfrand zu erkennen waren. Inwieweit die Tiere darin lebendig oder abgestorben waren, konnte bei der Bonitur allerdings nicht berücksichtigt werden. BeiArabis undLysimachia war am ersten Boniturtermin der Besatz an Wurzelläusen so dicht, dass die Kolonien ineinander übergingen und nicht einzeln gezählt werden konnten. Daher musste der Anteil der befallenen Wurzelfläche geschätzt werden.

Die Boniturergebnisse zeigten bei den vier Staudenarten eine recht gute Wirkung. Die Movento-Formulierung OD 150 schien beiCarex etwas besser zu wirken, Movento SC 100 bei den übrigen Gattungen. Die Überdosierung der Präparate steigerte die Wirkung nicht zuverlässig.

Zweiter Versuch 2016

Um weitere Bekämpfungsmöglichkeiten zu testen, wurde im Folgejahr ein neuer Versuch angelegt. Am 9. August 2016 wurden die beiden StaudenartenCarex plantaginea undLysimachia nummularia in 9-cm-Töpfe getopft. Bei Versuchsglied 4 wurde das Insektizidgranulat Exemptor in das Substrat eingemischt (siehe Kasten „Zum Versuch“, 2016). Später wurde ein Teil der übrigen Pflanzen mit Insektiziden behandelt. Bei weiteren Pflanzen (Versuchsglied 6) wurden Raubmilben eingesetzt. Um eine Verbreitung der Raubmilben auf die übrigen Versuchsglieder zu vermeiden, wurden sie in zehn Meter Abstand zu den übrigen Pflanzen aufgestellt.

Pro Versuchsglied wurden vier Wiederholungen mit jeweils 15 Pflanzen zufallsverteilt (abgesehen von Versuchsglied 6) aufgestellt.

Bei den regelmäßigen Kontrollen des Pflanzenbestandes im Sommer 2016 wurden zunächst keine Pflanzenschäden festgestellt. Unter den Versuchsbedingungen waren also alle Behandlungen für die oberirdischen Pflanzenteile gut verträglich, auch die mit den beiden Movento-Formulierungen.

Nach Hinweisen aus Ellerhoop-Thiensen auf mögliche negative Effekte auf die Wurzelbildung wurde bei Bonituren im Januar, April und Juli 2017 auch die Durchwurzelung jedes einzelnen Topfes bewertet. Bei den Wurzelbonituren zeigten sich beiLysimachia kaum Unterschiede. BeiCarex dagegen war zu erkennen, dass die Wurzelentwicklung in der Variante mit Exemptor deutlich schwächer war. Offensichtlich hatte Exemptor also die Wurzelbildung vonCarex gehemmt.

Der Befall mit Wurzelläusen wurde bei jeder Pflanze am 26. Oktober 2016 und am 10. Januar, 5. April und 14. Juli 2017 bonitiert. Da die einzelnen Tiere in ihrer Wachswolle schlecht zu erkennen waren, wurde die Anzahl der Kolonien von Wurzelläusen gezählt, die an den Wurzeln am Topfrand sichtbar waren. Inwieweit die Tiere darin lebendig oder abgestorben waren, konnte bei der Bonitur nicht berücksichtigt werden.

Noch stärker als die Wurzeln in den Töpfen waren diejenigen Wurzeln mit Läusen besetzt, die aus dem Topf herausgewachsen waren. Außerdem waren beiLysimachia auch Wurzelläuse an den oberirdischen Pflanzenteilen (Triebe und Blätter) zu finden.

ZUM VERSUCH

Behandlungsplan 2015

1. Kontrolle, unbehandelt
2. Movento OD 150 (Spirotetramat), zweimal 300 ml/ha
3. Überdosis Movento OD 150 (Spirotetramat), zweimal 600 ml/ha
4. Movento SC 100 (Spirotetramat), zweimal 720 ml/ha
5. Überdosis Movento SC 100 (Spirotetramat), zweimal 1440 ml/ha

Behandlungsplan 2016

1. Kontrolle, unbehandelt
2. Movento OD 150 (Spirotetramat), zweimal 300 ml in 600 l Brühe pro Hektar (0–50 cm Höhe) am 18. 8. und 1. 9.
3. Movento SC 100 (Spirotetramat), zweimal 720 ml in 600 l Brühe pro Hektar (0–50 cm Höhe) am 18. 8. und 1. 9.
4. Exemptor (Thiacloprid), 400 g/m³ Substrat in das Topfsubstrat gemischt
5. NeemAzal-T/S (Azadirachtin), Gießbehandlung viermal im Abstand von ein bis zwei Wochen mit 15 ml/m² in 3 l/m² Wasser (= 0,5 Prozent) am 18. 8., 25. 8., 1. 9. und 8. 9.
6. RaubmilbeHypoaspis miles , Streubehandlung am 17. 8. und 15. 9., 1000 Tiere pro Quadratmeter

Exemptor sehr gut wirksam

Die Boniturergebnisse (Abbildung 2 und 3) zeigen bei beiden Staudenarten eine sehr gute Wirkung von Exemptor und eine deutlich schwächere der übrigen Behandlungen.

Bei den stärker bewurzelten und auch stärker befallenenLysimachia waren im Oktober sowie im Januar 2017 relativ deutliche und teils auch signifikante Wirkungen beider Movento-Formulierungen sowie der Gießbehandlungen mit NeemAzal-T/S zu erkennen. Die Raubmilben konnten den Befall nicht erkennbar dezimieren. Später ließ die Wirkung nach, ab April 2017 war keine signifikante Wirkung mehr vorhanden.

Bei den nur sehr schwach bewurzelten und daher deutlich weniger stark befallenenCarex waren die Unterschiede wegen großer Schwankungen des Befalls nicht signifikant, tendenziell schien aber NeemAzal-T/S sowie besonders Movento SC 100 ebenfalls eine gewisse Wirkung zu zeigen. In Versuchsglied 2 mit Moven-to OD 150 war kein Effekt erkennbar, dafür aber bei den Raubmilben.

Anders als beiLysimachia waren im Substrat derCarex -Pflanzen im Oktober 2016 auch einzelne Raubmilben deutlich zu sehen. Dass das beiLysimachia nicht der Fall war, muss allerdings nicht bedeuten, dass dort keine Raubmilben vorhanden waren, sondern es kann auch daran liegen, dass die Durchwurzelung dichter war und die Tiere vor dem hellen Hintergrund der Wurzeln nicht zu erkennen waren.

Fazit der Versuche

Um die Wirkung unterschiedlicher Maßnahmen gegen Wurzelläuse zu prüfen, wurden 2015 und 2016 verschiedene Gattungen von Stauden behandelt und etwas später der Besatz von Wurzelläusen an ihren Wurzeln bonitiert. Ergebnisse:

►Die Einmischung von Exemptor in das Substrat vonLysimachia und vonCarex zeigte eine sehr gute, lang anhaltende Wirkung. Allerdings verzögerte Exemptor die Wurzelbildung vonCarex deutlich.
► Die Behandlungen mit zwei Formulierungen von Movento, mit Neem -Azal-T/S oder mitHypoaspis -Raubmilben konnten den Befall mit Wurzelläusen bei Stauden teilweise reduzieren, aber nicht völlig und vor allem nicht dauerhaft verhindern.
►Pflanzenschäden wurden weder durch Movento OD 150 noch durch Movento SC 100 verursacht, auch nicht bei Überdosierung (doppelt konzentriert).
►Beide Formulierungen wirkten oft ähnlich gut, Movento SC 100 in mehreren Fällen etwas besser als Movento OD 150.

Kritische Anmerkungen

Movento SC 100 besaß zum Anwendungszeitpunkt keine Zulassung, Movento OD 150 nur eine Zulassung für Gehölze. Gießbehandlungen mit Neem Azal-T/S sind nur unter Glas zugelassen. Die Verträglichkeit der geprüften Insektizide ist unter anderen Bedingungen als im durchgeführten Versuch nicht unbedingt gegeben, auch wenn in diesem Versuch keine stärkeren Schäden auftraten.

Vor einem Einsatz in der Praxis müssen daher die Kulturverträglichkeit und die Zulassungssituation geklärt und bei der Entscheidung über die Anwendung berücksichtigt werden.

Heinrich Beltz, LWK Niedersachsen, LVG Bad Zwischenahn; Dr. Thomas Brand, Frank Lehnhof, LWK Niedersachsen, Pflanzenschutzamt