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WURZELWERK


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Landlust Im Garten - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 02.03.2022

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Bildquelle: Landlust Im Garten, Ausgabe 1/2022

Möhren lassen das Gärtnerherz höher schlagen. Nicht nur weil die Sortenvielfalt keine Wünsche offen lässt, sondern auch weil bei guter Planung von Mai bis zu den ersten Frösten im Herbst frische Möhren aus den eigenen Beeten geerntet werden können. Mit der Einlagerung von späten Sorten kann man das aromatische Wurzelgemüse auch im Winter genießen. Sicher sind gerade die ersten Frühmöhren aus dem Garten ein besonderer Genuss – allerdings stehen ihnen die späteren Rüben im Aroma nicht nach. Eher ist es so, dass die längere Reifezeit dieser Sorten die Entwicklung der Aromen fördert.

Aus drei Wildtypen gekreuzt

Die Vorläufer unserer heutigen Möhren Daucus carota ssp. sativus stammen nicht von der heimischen Wilden Möhre Daucus carota subsp. carota ab (s. Infotext Seite 74), sondern von zwei gelbfarbigen und rotvioletten orientalischen Unterarten aus Afghanistan und der im Mittelmeerraum vorkommenden ...

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... weißen Riesenmöhre.

Diese drei Wildtypen wurden wahrscheinlich von antiken bäuerlichen Züchtern in Kleinasien zu einer Kulturform gekreuzt; ab dem Jahr 60 n. Chr. werden sie in verschiedenen lateinischen Texten nachweislich erwähnt. Die heute üblichen orangefarbigen Möhren wurden vermutlich in den Niederlanden gezüchtet. Erste Bildbelege finden sich auf niederländischen Gemälden von Marktszenen, die Ende des 17. Jahrhunderts entstanden sind.

Durchlässige Böden, sonnige Plätze

Am besten wachsen Möhren auf durchlässigen, sandigen und humosen Böden. Hat man im Hausgarten einen tonig-lehmigen Untergrund, dann sollte der Boden vor der Aussaat tiefgründig gelockert und möglichst mit Sand aufgearbeitet werden. Ist der Boden zu stark verdichtet, so entwickeln sich keine schönen Wurzeln. Sie spalten sich auf und das Resultat sind „beinige“ Möhren. Bei sehr feuchten oder zu lehmigen Böden hat es sich bewährt, die Karotten auf Dämmen anzubauen.

Ein sonniger, windoffener Platz ist von der Lage her optimal. Einige Sorten eignen sich auch für den Anbau im Halbschatten wie etwa ‘Rothild’, ‘Purple Haze’ oder ‘Lange rote stumpfe ohne Herz’. Wer im Gemüsegarten nur einen schattigen Standort zur Verfügung hat, sollte es mit der süßen, gold-gelben Sorte ‘Yellowstone’ versuchen. Möhren zählen von ihrem Nährstoffbedarf her zu den mittelstark zehrenden Gemüsearten. Sie mögen keine frisch gedüngten Böden. Frischer Mist kann für die Möhren schädliche Würmer enthalten. Man plant die Karotten deshalb in der Fruchtfolge am besten im zweiten Jahr nach Starkzehrern wie Kartoffeln, Kohlgewächsen, Zucchini oder Zuckermais ein.

Frühe oder späte Ernte

Je nach Entwicklungszeit unterscheidet man zwischen Frühmöhren, mittelfrühen Sommermöhren und späten Herbst-und Lagermöhren. Die Angaben, welche Sorte von wann bis wann ausgesät und ab wann sie geerntet werden kann, steht auf der Saatgutpackung guter Anbieter. Früh-und Treibmöhren werden nicht einfach nur früher ausgesät, es gibt auch Sorten, die für die gewünschte Verwendung besonders geeignet sind. Die ersten können schon ab Februar ausgesät und nach neun bis zehn Wochen geerntet werden. Gut geeignet sind hier zum Beispiel die ‘Gonsenheimer Treib’ und die zarte runde ‘Pariser Markt’.

Sommermöhren werden ab Anfang März in Folgesätzen bis Juni ausgesät und können von Juli bis September geerntet werden.

Herbst-und Lagermöhren sind erst nach etwa einem halben Jahr erntereif. Sie haben je nach Sorte eine Entwicklungszeit von 130 bis 160 Tagen. Je nach Region werden sie von März bis Anfang Mai ausgesät, um vor den ersten Frösten erntereif zu sein. Lagermöhren entwickeln erst im Laufe des Winters ihr volles Aroma. Einige Sorten wie ‘Nantaise 2’ und ‘Purple Haze’ können mit gutem Erfolg über die ganze Saison angebaut und auch eingelagert werden.

Fein aussäen

Die meisten Möhrensorten werden abhängig vom regionalen Klima Ende Februar bis Anfang März ins Freiland ausgesät. Wer ein Frühbeet zur Verfügung hat (siehe auch Seite 70), kann mit der Aussaat geeigneter Sorten auch schon Anfang Februar beginnen. Für die Aussaat zieht man im Abstand von mindestens 25 bis 40 Zentimetern Rillen mit ein bis zwei Zentimeter Tiefe in die gut vorbereiteten Beete.

Frühmöhren haben weniger Platzbedarf als Lagermöhren, die zu dicken, walzenförmigen Rüben heranwachsen. Je nach Abfülldatum muss man das Saatgut nicht im ersten Jahr verbrauchen – es ist bei kühler und trockener Aufbewahrung zwei bis drei Jahre lagerfähig.

Für die Aussaat empfiehlt es sich, den feinen Samen mit Sand zu mischen, um ihn dann aus der Hand „zwischen zwei Fingern“ gleichmäßiger ausstreuen zu können. Ein Abstand von etwa zwei Zentimetern pro Saatkorn ist anzustreben, damit man später weniger Arbeit mit dem Vereinzeln hat. Gute Dienste leistet auch eine Aussaathilfe: ein kleines Gerät, mit dem man das Saatgut dosieren kann. Wer es sich einfach machen möchte, kauft das Saatgut als fertig vorbereitetes Saatband, das es sogar schon als „Möhren-Radieschen-Kombination“ im Handel gibt. Ein hilfreiches Angebot: Da Möhren sehr langsam keimen, sind die wesentlich schnelleren Radieschenkeime ideal dafür, die Reihen zu markieren, um Unkraut jäten zu können. Auch einzelne Steckzwiebeln in der Reihe eignen sich gut für diesen Zweck.

Hilfreiches Vlies

Nach der Aussaat werden die Rillen einen halben bis einen Zentimeter hoch mit feinkrümeligem Boden oder auch mit Sand bedeckt. Ein spezielles Vlies gegen Gemüsefliegen hält nicht nur später die gefürchtete Möhrenfliege ab, es schützt auch das Saatbeet von Anfang an vor Verscharren durch Vögel, Katzen und andere Gartenbewohner. Auch bietet es Schutz vor zuwandernden Schnecken.

Während der Keimung darf das Beet nicht austrocknen und sollte bei Bedarf vorsichtig mit einer feinstrahligen Brause gegossen werden. Auch eine regelmäßige Kontrolle auf Schnecken empfiehlt sich, da diese gern das junge Laub fressen. Sobald die Sämlinge drei bis vier Blätter ausgebildet haben, sollte man sie auf einen Abstand von mindestens vier Zentimetern ausdünnen, damit sich die einzelnen Möhren gut entwickeln können. Lagermöhren entwickeln sich bei einem Abstand von etwa zehn Zentimetern besser. Die ausgezupften Pflänzchen lassen sich gut als Suppengrün verwenden.

Jäten, Anhäufeln, Wässern

Möhren sind keine Diven, dennoch wollen sie während der Wachstumsphase gepflegt werden. In erster Linie bedeutet dies Hacken und Jäten. Das feine Laub der Möhren lässt viel Licht an den Boden, sodass sich in den Reihen gern unerwünschtes Begleitgrün breitmacht. Wenn sich später die Wurzeln aus dem Boden schieben, sollten sie bis zum Blattrand angehäufelt werden. Diese Maßnahme verhindert sowohl den „Grünkragen“ der Karotten, die dadurch bitter werden können, als auch die Eiablage der Möhrenfliege. Eine gleichmäßige Wasserversorgung beugt dem Aufplatzen der Möhren vor. Sind die Pflanzen schon kräftig entwickelt, kann man die Reihen mit lockerem Material wie z. B. gut angetrocknetem Rasenschnitt vorsichtig mulchen, um der Austrocknung oder Verschlämmung des Bodens vorzubeugen.

Möhrenfliege und Wühlmaus

Die bewährteste Maßnahme gegen die gefürchtete Möhrenfliege ist der Anbau unter einem Kulturschutznetz mit einer Maschenbreite von maximal 1x1 mm, das von der Aussaat bis zur Ernte auf den Möhrenbeeten verbleibt. Praktisch ist es, das Netz am Rand der Beete mit Dachlatten oder Stangen zu beschweren, denn zum Jäten und Vereinzeln muss es wieder entfernt werden. Da die Möhrenfliege bevorzugt am späten Nachmittag fliegt, sollte man dies am Vormittag erledigen, um das Netz wieder rechtzeitig auszulegen.

Der gegen die Möhrenfliege oft empfohlene Anbau in Mischkultur ist nicht immer von Erfolg gekrönt. In windoffenen Lagen mag diese Maßnahme jedoch zur Vorbeugung sinnvoll sein. Wer kein Netz oder Vlies im Garten haben möchte, kann die Möhren jede Woche mit stark riechenden Pflanzenaufgüssen aus Holunderblättern, Tomatenblättern, Zwiebelschalen, Knoblauch oder Kamille überbrausen, um den Geruchssinn der Möhrenfliege zu verwirren. Auch zwischen die Reihen gepflanzte Tagetes können hilfreiche Begleiter der Kultur sein. Kurz vor der Erntezeit interessieren sich Wühlmäuse sehr für die süßen Wurzeln. Regelmäßige Kontrollen und entsprechende Gegenmaßnahmen schützen vor bösen Überraschungen. Fängt das Laub in einer Möhrenreihe plötzlich an zu welken, so liegt das oft an Mäusefraß – hier heißt es gut aufzupassen, schnell zu handeln und die Ernte vorsorglich einzubringen.

Gute Pflanzpartner

Mischkultur und eine weite Fruchtfolge beugen Erkrankungen durch Pilze (z. B. Möhrenschwärze), Bakterien (z. B. Bakterienfäule) und Schädlingen wie Nematoden (Wurzelälchen) vor. Eine Fruchtfolge von vier Jahren ist mindestens einzuhalten, besser ist ein Abstand von sechs Jahren. In der Zeit dürfen auch keine anderen Doldenblütler auf dem Beet angebaut werden. Lauch, Zwiebeln oder Schwarzwurzeln sind vom Platz-und Nährstoffbedarf her gute Partner für die Mischkultur. Auch Schnittsalat passt gut als Nachbar in der nächsten Reihe. Mit Roter Bete jedoch sollen sich Möhren nicht gut vertragen.

Richtig einlagern

Die Herbsternte der Lagermöhren sollte an trockenen Tagen stattfinden, dann lässt sich das Wurzelgemüse leichter aus der Erde ziehen. Ist der Boden während der Ernte sehr nass, steigt die Gefahr von Pilzbefall während der Lagerzeit. Vor dem ersten Frost sollte die Ernte abgeschlossen sein.

Eine Grabegabel ist für die Arbeit besser geeignet als ein Spaten, um Wurzelverletzungen zu verhindern. Das Laub wird nun vorsichtig knapp über dem Wurzelhals abgeschnitten. Nur gesunde, unverletzte Möhren eignen sich für die Lagerung. Offene Holz-oder Kunststoffkisten werden zuerst mit Papier ausgeschlagen, in großen Eimern kann man gleich mit einer Schicht feuchtem Sand oder lockerer Gartenerde beginnen und schichtet die ungewaschenen Karotten abwechselnd mit dem Substrat ein. In einem kühlen, frostfreien Keller können sie sich bis zum Frühjahr halten. Trocknet das Substrat mit der Zeit stark ein, so hilft vorsichtiges Überbrausen – zu viel des Guten führt allerdings schnell zu Fäulnis. Gewaschene Karotten halten bis zu vier Wochen im Kühlschrank. Sie sollten nicht mit Äpfeln zusammen lagern, da sie sonst einen bitteren Geschmack annehmen können.

DIE WILDE MÖHRE

Am lichten Waldrand, auf Feldwegen und Wiesen blüht von Mai bis September die heimische Verwandte unserer Gartenmöhre: die Wilde Möhre Daucus carota ssp. carota.

Die zweijährige krautige Pflanze bildet im zweiten Standjahr ihre hohen Blütenstängel mit den charakteristischen weißen Doldenblüten aus. Von ihren giftigen Verwandten, dem Schierling und der Hundspetersilie, lässt sie sich durch ihren eindeutigen Geruch nach Karotte unterscheiden. Zur Blütezeit wird die Unterscheidung noch einfacher, denn nur die Wilde Möhre zeigt – wenngleich nicht auf allen Blüten – in der Mitte der Dolde eine größere schwarzrote Lockblüte. Dieser Trick der Evolution soll der Insektenwelt vorgaukeln, dass sich bereits ein Interessent auf dieser guten Nahrungsquelle niedergelassen hat. Nach der Blüte rollen sich die Samenstände der Wilden Möhre in der Form eines Nestes zusammen, weshalb sie im Volksmund auch den Namen „Vogelnest“ bekommen hat.

AUCH IM GARTEN

Die Wilde Möhre ist ein Insektenmagnet und lockt viele Nützlinge an, weshalb sie auch einen Platz im naturnah gestalteten Garten verdient hat. Ihre weißen, bis zu 30 Zentimeter langen und verzweigten Wurzeln können im ersten Jahr verzehrt werden. Das Kraut kann als Suppen-und Salatzutat verwendet werden und auch der Samen findet als Brotgewürz oder Zutat für einen Tee den Weg in die Küche. In der Antike und der Volksheilkunde wurde die Wilde Möhre als Heilpflanze verwendet. Das zerriebene Kraut wurde zur Wundbehandlung eingesetzt, die Wurzeln dienten als Mittel gegen Würmer und Durchfall, die Samen als entwässerndes und harntreibendes Mittel.

Text: Barbara Ehlert,