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XIAOMI MI MIX3: Tiger auf dem Sprung


connect - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 08.03.2019

Weil die High-Ender von Apple, Huawei und Samsung jedes Jahr teurer werden, wird der Raum für günstige Alternativen größer. Und die werden immer besser, wie das Xiaomi Mi Mix 3 zeigt.


Artikelbild für den Artikel "XIAOMI MI MIX3: Tiger auf dem Sprung" aus der Ausgabe 4/2019 von connect. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: connect, Ausgabe 4/2019

Xiaomi ist seit der Gründung 2010 zu einem der größten Smartphone-Hersteller der Welt aufgestiegen und gilt neben Huawei als eines der Vorzeigeunternehmen, wenn es um die chinesische Aufholjagd im Technologiesektor geht. Die Smartphones mit dem X sind überall Verkaufsschlager, weil kaum ein anderer Hersteller so tief mit den Preisen runtergeht. Das beste Beispiel ist das von uns in Ausgabe 1/19 getestete Pocophone F1, das ...

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... eine gehobene Ausstattung für 350 Euro bietet, ohne bei der Produktqualität einzubrechen. Der neueste Streich der Chinesen ist das Mi Mix 3, das wie das Pocophone neuerdings bei Mediamarkt und Saturn in den Regalen zu finden ist. Die beiden Elektronikketten haben Xiaomi im Dezember 2018 in ihr Sortiment aufgenommen. Das dynamische Unternehmen ist bereits seit Längerem in europäischen Ländern wie Österreich oder Spanien aktiv und dürfte seine Präsenz 2019 in Deutschland noch weiter ausbauen.

Kratzfester Keramikrücken

Für den Kunden sind das gute Nachrichten. Denn während Apple, Samsung und Huawei die Preisschraube immer stärker anziehen, gibt’s bei Xiaomi Alternativen, die ein paar Hundert Euro günstiger sind, aber trotzdem technische Innovationen bieten. Das Mi Mix 3 ist das beste Beispiel. Es ist das einzige aktuelle Smartphone in Deutschland, bei dem die Frontkamera hinter einem Slider-Mechanismus sitzt: Will man ein Selfie schießen, nimmt man das Phone in die Hand und schiebt das Display mit dem Daumen etwa einen Zentimeter nach unten. Dieser Trick erspart dann auch die ungeliebte Notch auf dem Display. Anfängliche Befürchtungen, dass die beweglich gelagerte Oberseite wackelt, bestätigten sich nicht.

Im Einstellungsmenü von MIUI kann man erkennen, dass die Systembasis Android ist.


Abkürzung: Man kann für viele Aktionen, etwa die Taschenlampe, Shortcuts definieren.


Es muss nicht die Selfie-Kamera sein: MIUI bietet vielseitige Einstellungsmöglichkeiten.


Trotz Slider sitzt beim Mi Mix 3 alles bombenfest. Ob die Mechanik auch nach einem Jahr noch zuverlässig funktioniert, muss sich zeigen.

Haptik und Verarbeitung sind generell exzellent. Die glänzende Rückseite mit der herausstehenden Doppeloptik und der Metallrahmen, der an den langen Seiten schmaler wird, erinnern an das Huawei P20.

Das Mi Mix 3 setzt aber nicht auf Glas, sondern auf Keramik. Auf den ersten Blick lässt sich die Oberfläche von Glas nicht unterscheiden, auch, weil sie genauso fingerabdruckanfällig ist. Sie ist aber außerordentlich kratzfest. Leider fehlt dem Gehäuse eine IP-Zertifizierung, was ein klarer Kritikpunkt ist.

Das naheliegendere Problem ist jedoch das hohe Gewicht von knapp 220 Gramm, das in dieser Größenklasse weit über Durchschnitt ist und sich schnell in der Hand bemerkbar macht. Dass das Phone mit neun Millimetern Bauhöhe außerdem etwas dicker ist, hat uns dagegen nicht gestört. Wir waren vielmehr überrascht, dass es den Ingenieuren gelungen ist, trotz Schieber unter zehn Millimeter zu bleiben.

Display randlos, Kamera top

Entschädigt wird man mit einem 6,4-Zoll-Display im gestreckten 19,5:9-Format, das überall bis an den Rand reicht und wie gesagt nirgendwo von einer Einkerbung unterbrochen wird. Die Qualität der Anzeige bewegt sich im Mittelfeld und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck, wohl aber die Symmetrie der Darstellung. Daran gewöhnt man sich sofort und möchte nie wieder zur „Notch“ zurück.

Den Antrieb übernimmt Qualcomms 2018er Spitzenmodell Snapdragon 845, flankiert von üppigen 6 GB RAM. Die Kombi liefert in jeder Situation eine souveräne Performance und ist auch 2019 eine gute Wahl für ein Phone auf dem Preisniveau eines Mi Mix 3. Der Speicher fasst 128 GB, was angemessen ist. Vermisst haben wir allerdings eine Speichererweiterung per Micro-SD. Zwei SIM-Karten kann man nutzen.

Die Kamera-Ausstattung kann problemlos mit den ganz Großen mithalten, die hochauflösende 24- Megapixel-Frontkamera gehört sogar zum Besten, was derzeit zu haben ist. Weil Xiaomi einen zweiten Tiefensensor einbaut, gelingen exzellente Fotos im Porträtmodus. Die Hauptkamera kombiniert eine Standard-Weitwinkel-Brennweite mit einer Zoom-Optik. Die Fotoqualität ist bei allen Lichtverhältnissen exzellent, allerdings gefällt uns das Mate 20 Pro im Nachtmodus besser, auch beim Zoomen hat Huawei die Nase knapp vorn – in beiden Fällen sind die Unterschiede nicht groß. Die Kamera-Oberfläche gefällt mit Übersicht und modernem Look, bietet aber keine besondere Einstellungsvielfalt, so fehlt zum Beispiel eine RAW-Option. Praktisch: Die KI-Automatik lässt sich mit einem Fingertipp deaktivieren.

Guter Software-Support

Als Systembasis dient Android 9, über das Xiaomi seine Benutzeroberfläche MIUI gelegt hat. Die ist genauso stark modifiziert wie Huaweis EMUI und Samsungs Experience UI. Wer von diesen Herstellern zu Xiaomi wechselt, wird sich schnell zurechtfinden, denn die Oberflächen sind allesamt ähnlich komfortabel aufgebaut und zeichnen sich durch eine enorme Einstellungstiefe aus. Stellvertretend dafür steht die Möglichkeit, das Öffnen des Sliders mit einer Aktion zu verknüpfen – ab Werk startet die Kamera-App im Selfie-Modus, man kann aber auch den Browser oder den Rechner anwerfen. Ebenfalls eine Erwähnung verdient das „Zweitprofil“, eine per PIN oder Fingerabdruck geschützte zweite Benutzeroberfläche, mit der sich Privates und Geschäftliches trennen lassen. Auch bei System-Updates fällt der Befund positiv aus: Xiaomi veröffentlicht regelmäßig frische Software bis hinunter in den Einsteigerbereich.

Die aufgeschobene Oberseite bietet viel Platz. Den hat Xiaomi genutzt, um ein Blitzlicht und eine zweite Kamera (für eine bessere Simulation der Unschärfe) einzubauen.


Genauso üppig wie die Software präsentiert sich übrigens der Lieferumfang. Die Chinesen legen ein Qi-Ladepad mit in den Karton, außerdem ein Schnellladenetzteil und eine Schutzhülle. Mit Blick auf den Preis sind das bemerkenswerte Beigaben, die man bei den teuren Herstellern oft vergeblich sucht.

Tolles Gesamtpaket

Aus dem Testlabor kommen überwiegend gute Nachrichten. Zuerst die schlechten: Die niedrige Ausgangsspannung über den Klinkenadapter verhindert, dass hochwertige Kopfhörer ihr volles Potenzial entfalten können. Dieses Problem lässt sich per Bluetooth umgehen.

Den mäßigen Klang über den nach unten abstrahlenden Mono-Lautsprecher muss man dagegen akzeptieren – für audiophile Nutzer ist das Mi Mix 3 also nicht erste Wahl. Die Funkeigenschaften gehen dagegen in Ordnung, nur bei GSM schwächelt das Phone. Vom Akku kann man das nicht behaupten: Trotz einer mit 3200 mAh nur mäßigen Kapazität hielt er 9:55 Stunden durch – das ist spitze. Mit diesem Smartphone machen Käufer nichts verkehrt.

Displaymessung

Die Leuchtkraft und die Kontrastdarstellung gehen nicht über das Mittelfeld hinaus. In einer hellen Umgebung sackt die Darstellung OLE-Dtypisch deutlich ab. Bei unseren Messungen enttäuscht das Mi Mix 3 zwar nicht, es erreicht aber auch nicht die Qualität von Apple oder Samsung.

Aufgepasst: Import

Während Xiaomi-Phones in Deutschland erhältlich sind, gibt es Modelle von Oppo oder Vivo nur per Händler-Import. Das ist dabei zu beachten.

■ Anbieter: Wer über Webseiten wie Gearbest.com, Honorbuy.com oder Tradingshenzhen.com kauft, bewegt sich auf der sicheren Seite. Aliexpress ist ebenfalls eine gute Anlaufstelle – da es sich hier allerdings um eine Meta-Plattform für Shops handelt, ist es wichtig, das Bewertungsprofil des Händlers zu überprüfen.

■ CE-Kennzeichung: Geräte ohne CE-Kennzeichnung kommen nicht durch den deutschen Zoll.

■ Fälschungen: Die Einfuhr gefälschter Markengeräte ist verboten.

■ Funkfrequenzen: In China sind andere Standards als in Deutschland gebräuchlich. Achten Sie darauf, dass das Smartphone folgende Frequenzen unterstützt: UMTS 900/2100 MHz und LTE 800/1800/2600 MHz.

■ Gewährleistung: Gilt nur ein Jahr, zuständig ist der Importeur, die Wahl eines seriösen Shops also entscheidend.

Im Fall der Fälle wird das Produkt nach China geschickt, Wartezeiten von vier bis acht Wochen sind nicht selten. Die Rücksendekosten werden in der Regel nicht übernommen.

■ Lieferzeiten: Nahezu alle Shops bieten DHL Express an. Auch wenn diese Versandart oft mit einem Aufpreis verbunden ist, empfehlen wir sie uneingeschränkt.

Die Lieferzeiten liegen bei zwei bis fünf Tagen, der Dienstleister kümmert sich auch um die Versteuerung bei den Zollbehörden. Kaufen Sie nur, wenn die Ware bei Bestellung auf Lager ist, im Idealfall wird die geschätzte Lieferzeit mit angegeben.

■ Steuer: Auf Warensendungen aus einem Nicht-EU-Land, die einen Wert von 150 Euro übersteigen, muss eine Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent entrichtet werden. Gute Shops bieten bei vielen Geräten den Versand aus Lagern in der EU an, in diesem Fall muss man sich um die Steuern keine Gedanken machen.

■ Updates: Der Software-Support ist in der Regel schlechter als bei Geräten, die man in Deutschland kauft – Updates kommen entweder selten oder gar nicht.

■ Zoll: Smartphones und Tablets dürfen zollfrei eingeführt werden.

Der größte Smartphone-Markt der Welt

Mit mehr als 1,3 Milliarden Konsumenten ist China der mit Abstand größte Smartphone-Markt der Welt. Wer hier nicht präsent ist, hat es auf Dauer schwer, an der Weltspitze zu bestehen. Und wer hier stark ist, hat es leichter, international zu expandieren. Die Hausmacht in China ist die unverzichtbare Basis für den internationalen Erfolg von Xiaomi, Oneplus und Huawei. Besonders interessant: Hinter den Marken Oneplus, Oppo und Vivo steht mit der BBK Gruppe ein Tech-Konzern der Superlative, der in der Summe fast genauso viele Smartphones verkauft wie Weltmarktführer Samsung. Dabei sind die Schwerpunkte der Marken unterschiedlich gesetzt. Während Oneplus eine anspruchsvolle Premium-Kundschaft außerhalb Chinas bedient, richtet sich Oppo mehr an eine preisbewusste Zielgruppe im Inland. Huawei verfolgt mit Honor ebenfalls eine Mehrmarkenstrategie. In China spielt Honor übrigens eine ungleich größere Rolle als in Deutschland, mehr als die Hälfte aller Huawei-Phones tragen den Honor-Schriftzug. Interessant und wichtig für den globalen Maßstab: Während Samsung in China kaum noch präsent ist, bleibt für Huawei der US-Markt verschlossen. Aus deutscher Sicht ist besonders spannend, wie es mit BBK und Xiaomi international weitergeht. Drängen neben Oneplus auch Oppo und Vivo in unseren Markt? Und wann startet Xiaomi in großem Stil? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die China-Platzhirsche ihre Präsenz in Europa ausbauen. Für kleinere Marken wie HTC und Sony wird die Luft dann noch dünner.

Vivo: Mit Doppel-Display

Das Vivo Nex Dual zeigt eindrucksvoll, wie rasant sich der chinesische Smartphone-Markt auch in technischer Hinsicht entwickelt. Das Hauptdisplay (6,4 Zoll) wird von einem zweiten Screen (5,5 Zoll) ergänzt, der zwei Drittel der Rückseite ausfüllt. Es gibt keine Notwendigkeit, eine Frontkamera einzubauen, das beeindruckende OLED reicht daher überall bis an den Rand. Das rückseitige Display steht dem Hauptbildschirm zwar in nichts nach (es bietet sogar Full-HD-Auflösung), aber es gibt nur selten einen Grund, es zu benutzen. Als Sucher für Selfies natürlich, aber sonst? Es fehlt softwareseitig auch eine gute Einbindung. Wir hätten uns hier E-Ink gewünscht, das wäre eine optimale Ergänzug gewesen. Der Mehrwert ist also begrenzt, eher überwiegen die Nachteile, weil das Phone dicker und schwerer als der Durchschnitt ist. Ein Hingucker und ein interessantes Konzept ist das Nex Dual aber in jedem Fall.

Fazit

Andreas Seeger, Redakteur


Xiaomi ist nicht nur technisch versiert, das Unternehmen hat auch eine faire Vorstellung davon, was ein gutes Smartphone kosten soll. Während sich die etablierten Marken bei ihrer Preisgestaltung jedes Jahr ein Stück weiter in Richtung Mond bewegen, bleibt Xiaomi auf dem Boden der Realität. Man muss keine 1000 Euro für einen modernen High-Ender ausgeben. Die Hälfte reicht locker, das zeigt das Mi Mix 3 deutlich. Hoffen wir, dass Xiaomi dieses Jahr in Deutschland durchstartet. Das ist der vielversprechendste Weg, um Apple, Google, Huawei und Samsung preislich in die Schranken zu weisen.