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Xmas ohne Stress


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Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 24.11.2022
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Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 12/2022

Die Vorfreude aufs Weihnachtsfest ist riesengroß. Schon die Vorweihnachtszeit soll möglichst stimmungsvoll ablaufen, mit gemeinsamem Plätzchenbacken, Bastelnachmittagen und ganz viel Familienzeit. In der Theorie klingt das harmonisch, in der Realität aber vor allem nach sehr viel Stress. Denn plötzlich finden wir uns Mitte Dezember doch im eigentlich verhassten Kaufhaus oder in den Tiefen des Internets wieder, weil wir unbedingt noch Kleinigkeiten besorgen wollen. Dabei hatten wir uns eigentlich geschworen, dieses Jahr die Anzahl der Überraschungen klein zu halten.

Zu hohe Ansprüche verderben die Stimmung

Kommt euch das bekannt vor? Was Familien stresst, ist individuell unterschiedlich, aber es lässt sich doch auf einen Nenner bringen: „Viele haben sehr hohe Ansprüche an das Weihnachtsfest und an sich selbst. Auch gegenüber den Gästen soll alles perfekt sein“, sagt Psychotherapeutin Lena Kuhlmann. ...

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... Es gibt zahlreiche To-dos, gleichzeitig starten viele aber schon ausgelaugt in die Adventszeit, weil der letzte Urlaub oder die letzte Auszeit schon längere Zeit her ist. „Hinzu kommt dann der verschobene Tagesrhythmus durch die Feiertage und Ferien der Kinder. Das sind viele Faktoren, die das Stresslevel in die Höhe treiben“, erklärt Kuhlmann.

Bilderbuchfamilien sind nicht die Normalität

Auch für Bloggerin Alexandra Achenbach ist das der Knackpunkt. Der Anspruch, in der Weihnachtszeit müsse alles perfekt und harmonisch sein, erzeugt den größten Stress. „Befeuert wird das Ganze durch all die Bilder, die ab spätestens Ende November auf uns einprasseln. Glückliche Bilderbuchfamilien in aufgeräumten Wohnzimmern und glänzendem Licht“, sagt Achenbach. Klar wissen wir, dass das nichts mit der Realität zu tun hat, aber dennoch löst es irgendwie den ungesunden Wunsch aus, diesem Bild entsprechen zu wollen.

Deshalb kann es schon entlastend sein zu wissen, dass dieser vorweihnachtliche Stress kein Problem ist, das nur uns betrifft, sondern eines, das die meisten von uns Eltern kennen. Da sitzen wir alle im selben Boot. Außerdem: Wenn wir den Hang zum Perfektionismus auch nicht komplett ablegen können, helfen kleine Auszeiten, um runterzukommen. „Ob Yoga, Musikhören oder in den Boxsack schlagen – Stressabbau sieht bei jedem anders aus.

Selbstfürsorge sollte gerade in dieser Zeit nicht zu kurz kommen“, rät Lena Kuhlmann. Wem allerdings die Selbstfürsorge schon im normalen Familienalltag schwerfällt, für den wird es an Weihnachten sicher nicht leichter. „Selbstreflexion ist hier der Schlüssel“, sagt Kuhlmann. „Hört in euch hinein: ‚Wie geht es mir gerade? Was brauche ich? Wo habe ich vielleicht noch alte, überzogene und destruktive Glaubenssätze, die ich überarbeiten sollte?‘“

Aufgaben untereinander verteilen

Im zweiten Schritt ist es ratsam, Prioritäten zu setzen und To-dos abzugeben. Statt sich gegenseitig unter den Erwachsenen das nächste Teelicht zu schenken, kann man auch vereinbaren, sich zu entlasten, indem man sich um den Wein kümmert, die Kinder vor den Feierlichkeiten betreut oder den Nachtisch beisteuert. Dass es Sinn macht, andere mit ins Boot zu holen, weiß auch Daniela Gaigg. Die Autorin des Buches „Selfcare für Mamas“ möchte an das viel zitierte Dorf für Familien erinnern, das in der Vorweihnachtszeit unter die Arme greifen kann. „Vielleicht gibt es in der Nachbarschaft eine ältere Dame, die sich freuen würde, das Backen der Kekse in diesem Jahr zu übernehmen“, sagt Daniela Gaigg.

Verlasst eingetretene Pfade und „definiert Weihnachten für euch als Familie neu“, rät Alexandra Achenbach: „Mütter und Väter sollten sich fragen: ‚Was macht uns glücklich, was kann delegiert werden?‘“ Für die Biologin ist ganz klar, dass das Glück nicht allein auf den Schultern einer Person lasten sollte. Deshalb: Teilt die Pflichten auf. Das Weihnachtsessen kann als Eventkochen mit der ganzen Familie vorbereitet werden, der Baum ebenso gemeinsam geschmückt und selbst der Adventskalender kann dieses Jahr doch auch mal alternativ gestaltet werden (dazu findet ihr auf Seite 16 einen schönen Tipp).

Ohne Geschenke ist es genauso schön

Ein großer Stressfaktor sind nach wie vor die Geschenke. Hier ist weniger oft mehr. Warum nicht deshalb mal die Dreier-Geschenkeregel für die Liebsten ausprobieren? Sie besagt: Ein Geschenk, das sie wollen. Ein Geschenk, das sie brauchen und ein Geschenk zum Lesen. Oder ihr verzichtet komplett auf Geschenke. Das klingt im ersten Moment sehr radikal, aber wenn wir überlegen, was Kinder brauchen, ist das vor allem gemeinsame Zeit. Kinderpsychotherapeutin Kuhlmann erinnert daran: „Entspannte Zeit zusammen ist oft ein viel größeres Geschenk als das Rennauto unterm Tannenbaum.“ Man sollte sich immer wieder vor Augen führen: Gute Elternschaft hängt nicht von materiellen Gegenständen ab, und Kinderaugen strahlen hoffentlich nicht nur am Heiligen Abend.

Unsere Expertinnen

Lena Kuhlmann

… ist approbierte Kinderund Jugendlichenpsychotherapeutin mit tiefenpsychologischem Schwerpunkt und Autorin. Ihr neues Buch „Eine gute Frage für Eltern“ ist ein bindungstheoretisch basiertes Selbstreflexionsbuch. Sie wohnt und arbeitet in eigener Praxis in Frankfurt am Main.

Dr. Alexandra Achenbach

… ist promovierte Biologin und schreibt als Autorin („Zero Waste Weihnachten“) und Bloggerin über ihr nachhaltiges Familienleben. Die Zweifach-Mama lebt mit ihrer Familie in München. Mehr Infos:

Daniela Gaigg

… bloggt auf „diekleine “ über Achtsamkeit und Nachhaltigkeit im Mama-Alltag. Die Mutter zweier Kinder hat als Co-Autorin u. a. den Ratgeber „Selfcare für Mamas“ geschrieben. Sie wohnt mit ihrer Familie in in der Nähe von Wien.

Auch Alexandra Achenbach ist sich sicher: „Weihnachten wird nicht schöner, nur weil man sich mehr schenkt.“ Denn oft artet die Bescherung in eine wahre Geschenkeschlacht aus. Am Ende bleiben Berge von Verpackung, unnötig viel Zeug und überforderte und genervte Kinder zurück. Das möchte auch Daniela Gaigg verhindern. Sie hat mit ihrer Familie entschieden, maßvoll zu schenken: „Die Kinder können sich einen Spiel- oder Buch-Adventskalender aussuchen und wissen, dass das Teil des Weihnachtsgeschenks ist.“ Daniela Gaiggs Kinder dürfen natürlich eine Wunschliste schreiben, aber davon wird nur ein Wunsch erfüllt. Oma und Opa bringen dann noch einen weiteren der aufgeschriebenen Wünsche mit.

Mit Geschenken etwas kompensieren?

Wenn ihr auf (größere) Geschenke nicht verzichten möchtet, dann stellt euch die Frage nach dem Warum. „Warum werden die Geschenke immer größer? Geht es darum, etwas zu kompensieren? Geht es darum, das Kind vor Frustrationen zu schützen?“, erklärt Lena Kuhlmann. Aber: Frustrationen und Wunschversagen gehören leider zum Leben dazu. Eltern können darin Vorbild sein, ihre Kinder emotional auffangen und begleiten, wenn sie an Weihnachten vielleicht doch nicht das bekommen haben, was sie sich wünschen. Es ist eben auch Realität, dass Eltern beim Geschenkekauf nicht immer einen Volltreffer landen. Oder sich das Wunschgeschenk schlicht nicht leisten können. „Kinder brauchen keine teuren Geschenke, sondern tragende Beziehungen, gute Kommunikation und Begleitung auch bei negativen Gefühlen, um gut aufwachsen zu können“, weiß die Kinderpsychotherapeutin.

Welche Traditionen sind uns wichtig

Nicht jedes Weihnachtsfest läuft wie geplant. Spontane Zu- oder Absagen sorgen genauso für Unruhe wie geänderte Essgewohnheiten (die Schwester ernährt sich jetzt nur noch vegan) oder die strengen Blicke der Schwiegereltern, wenn man als Familie einen neuen, eigenen Weg gehen möchte. „Da macht eine Bestandsaufnahme Sinn“, sagt Lena Kuhlmann und schlägt vor, Resümee zu ziehen: „Welche Traditionen aus meinem eigenen Elternhaus möchte ich gern übernehmen und welche nicht. Abgrenzung und das Ablegen von Altlasten erfordern natürlich Mut und können Konflikte auslösen.“ Allerdings: Man muss aber nicht alles über sich ergehen lassen, nur weil man „das schon immer so gemacht hat“. Am Ende geht es darum, dass das Weihnachtsfest kein weiteres To-do wird, sondern gemeinsam verbrachte Zeit voller Liebe und Lachen.

5x nachhaltig verpacken

1 Geschenktüten selbst nähen: Stoffreste oder Bettzeug übrig? Daraus lassen sich innerhalb von Minuten Geschenktüten nähen. Einfach den Stoff an drei Seiten zusammennähen und eine Öffnung oben lassen. Wer noch Henkel drannäht, verschenkt einen Beutel, der den Alltag begleiten kann.

2 Geschenk ist Teil der Verpackung: Wer Kleidung verschenkt, kann andere Präsente super darin einwickeln.

3 Alltagsmaterialien nutzen: Ob ein Schuhkarton oder Kinderzeichnungen, die meisten Geschenke lassen sich sehr gut in Dinge einpacken, die sowieso zu Hause rumliegen und eigentlich nicht gebraucht werden.

4 Furoshiki-Technik: Stoffreste oder ungenutzte Tücher bekommen mit dieser japanischen Wickel-Technik ein neues Leben. Einfach bei Youtube nach „Furoshiki“ suchen und Geschenke aller Art in Stoff verpacken.

5 Nachhaltiges Papier: Die Firma Pápydo bietet kompostierbare Geschenkverpackungen aus Grasfasern an, die klimaneutral in Deutschland hergestellt werden. Alle Designs sind handillustriert, und das Geschenkpapier lässt sich natürlich auch wiederverwenden.

Grüne Weihnachten Tipps für Umweltbewusste

Weihnachten ohne Adventskalender? Irgendwie undenkbar. Aber wie wäre es, wenn es statt Geschenken oder Schokolade jeden Tag einen gemeinsamen Moment oder einfach eine Geschichte zum Vorlesen gibt? So gibt’s viel weniger Müll.

Brauchen wir überhaupt einen Weihnachtsbaum? Als Alternative könnte ein Baum aus Büchern, Holzlatten (siehe links) oder Zweigen gebastelt werden. Oder ihr investiert einmalig in einen Lichterbaum, den ihr jedes Jahr wieder hervorholen könnt.

Beim Baumschmuck muss es nicht jedes Jahr eine neue Stilrichtung sein – investiert lieber in Dekoelemente, die euch mehrere Jahre Freude bereiten. Alternativ könnt ihr auch hier gemeinsam mit den Kindern aus nachhaltigen Materialien basteln, beispielsweise Faltsterne. Eine Anleitung findet ihr zum Beispiel bei Daniela:

Sinnvolle Geschenke für die ganz Kleinen. Daniela Gaigg rät in den ersten Lebensjahren zu praktischen Dingen. „Ein neuer Autositz, ein Dreirad oder auch Winterzubehör für den Kinderwagen, das waren dann die Geschenke der Großeltern. Ab etwa zwei oder drei Jahren sind Spielsets wie Bausteine oder Holzeisenbahn toll, die können dann immer mal wieder erweitert werden und machen lange Freude.“

Vorgeliebt statt neu: Wenn Herzenswünsche erfüllt werden, ist es oft nicht wichtig, ob diese Dinge schon einen Vorbesitzer hatten. Es lohnt sich, auf Secondhand-Plattformen nach Geschenken zu suchen. Das entlastet die Umwelt – und den Geldbeutel.

Deshalb: Habt Mut zur Lässigkeit, auch wenn mal etwas nicht nach Plan läuft, es muss nicht alles 100 Prozent perfekt sein! Und Alexandra Achenbach hat noch einen Tipp, der Mut macht: „Jeder Schritt zählt. Hauptsache, es kommt am Ende statt zusätzlichem Stress viel Spaß am Ausprobieren und Andersmachen heraus.“

Wie eure Kids entspannter durch die Adventszeit kommen, lest ihr ab Seite 38