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Yamahas Jo ke r für die Zukunft?


Top in Sport MotoGP - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 16.08.2019

Ungeachtet seiner Leistungen und der Tatsache, dass weder Rossi noch Yamaha sein momentanes Tief auf das Alter oder ein etwaiges Motivationsdefizit zurückführen wollen: Die Karriere von VR46 ist im letzten Drittel der Zielgeraden. Den durch Vales Renteneintritt unvermeidlichen Marketing-Verlust wird Yamaha nicht auffangen können. Was das Sportliche betrifft, könnte das umso besser gelingen. Dank eines jungen Mannes, den noch zu Saisonbeginn nicht wirklich jemand auf dem Zettel hatte.


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Bildquelle: Top in Sport MotoGP, Ausgabe 5/2019

Quarataro bei der Podest-Party – was nicht zwingend zu erwarten war.


So sehr Valentino Rossi und sein Arbeitgeber Yamaha – ...

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... durchaus glaubwürdig – betonen, dass der Superstar noch längst nicht am Ende seiner Motivation und seiner Kräfte ist: Dass der 40-jährige Italiener keine zukunftsweisende Fahreroption mehr ist, ist ein nicht mehr diskussionswürdiger Fakt. Umso mehr Gesprächsbedarf generiert dafür die Frage, wer sich als neue Galionsfigur bei Yamaha in Position bringen kann; umso mehr, seit Maverick Vinales auf dieser Mission nachhaltig ins Straucheln (wenn auch noch nicht zum Sturz) gekommen ist. Dass ein besonders interessanter Lösungsansatz für das mittelfristig akut werdende Problem aus der Moto2 kommt, ist weitgehend systemimmanent. Dass es mit dem jungen Franzosen Fabio Quartararo aber jemand aus dem Mittelfeld der Mittelklasse (2018 ein Sieg und Gesamtrang zehn) ist, der sich als potenzieller Heilsbringer entpuppt, überrascht dann doch – und fasziniert dementsprechend umso mehr. Noch bemerkenswerter ist vor diesem Hintergrund, dass Quartararo keineswegs als Geheimtipp in die Königsklasse aufgerückt ist – sondern eher aus Mangel an Alternativen. „Normalerweise schauen wir bei der Moto2 nach den Besten“, gibt Diego Gubellin, Quartararos Crew-Chief bei Petronas- Yamaha, das Offensichtliche zu. „Das waren eigentlich Bagnaia, Oliveira und Binder.“ Letzterer zog es jedoch vor, in der Moto2 zu bleiben, während die beiden Erstgenannten bei Pramac- Ducati respektive KTM an Bord gingen. Und so kam Quartararo erst in den Fokus der Yamaha- Satelliten, als die Kategorie „Ferner liefen“ nach besonderen Talenten durchforstet wurde. Und in diesem Kontext fiel der Franzose dann doch endlich auf: „Ich mochte, dass er dieser Herausforderung mit viel Demut begegnete. Diese Qualität erlebt man nicht oft bei einem so jungen Kerl“, erinnert sich Gubellin. „Er ist ein Fahrer, der sich Problemen stellt. Er sucht die Lösung nicht in der Abstimmung oder den Reifen. Die erste Frage, die er sich stellt, ist: Was kann ich tun, um stärker zu werden?“

Wenn alles passt

Angesichts dessen, was Quartararo in seiner Rookie-Saison zeigt – kaum Stürze, tolle Quali-Ergebnisse inklusive wiederholter Pole- Positions und Podestplatzierungen in den Rennen – ist die Annahme, dass er angesichts seiner zarten 20 Lebensjahre in der Tat noch einiges Potenzial nach oben haben dürfte, gleichermaßen ein Versprechen an seinen Arbeitgeber und eine Drohung an die versammelte Konkurrenz. „Momentan gilt es, Vinales und Quartararo zu schlagen“, sagt niemand Geringeres als der souveräne WM-Leader und Seriensieger Marc Marquez – wohlgemerkt nicht über die Zukunft, sondern über den Status Quo. „Ich denke, sie werden in der zweiten Saisonhälfte die Stärksten sein.“

Was Quarataro rein altersbedingt noch fehlt, um auf Dauer und über die Saisondistanz zu einem Marquez-Jäger zu werden, kann sein Vorgesetzter Gubellin ziemlich präzise definieren: „Körperlich ist er sehr gut vorbereitet, aber er hat noch nicht die Struktur oder Widerstandskraft, die er in fünf Jahren haben wird. Er wird sich mit der Zeit ganz sicher steigern. Ihm fehlt Erfahrung, aber er ist scharfsinnig und lernt schnell. Ich sehe keine negativen Aspekte, aber viel Raum für Verbesserung, auch wenn er bereits auf einem sehr hohen Niveau ist.“

In fünf Jahren – bei einem Yamaha-Kundenteam wird sich der Franzose dann wohl nicht mehr verdingen. Die Werksteams werden mit Ansage ihre Fühler nach ihm ausstrecken, wobei Yamaha den größten Anreiz hat, sich ins Zeug zu legen. Nicht nur, dass es immer ein besseres Signal ist, Top-Leute halten zu können und sie nicht ziehen lassen zu müssen; der sich abzeichnende Abgang von Valentino Rossi und ganz akut seine momentan alles andere als spitzenmäßigen Leistungen offenbaren dringenden Handlungsbedarf. Erst recht vor dem Hintergrund, dass Vinales sich zwar momentan im Aufwind befindet, aber dennoch nicht wirklich überragen kann – und es nichtmal muss, um sich gegen Rossi durchzusetzen. Und da Yamaha derzeit nicht mit dem besten Motorrad gesegnet ist, kommt es umso mehr auf einen Piloten an, der in der Lage ist, das Potenzial der Maschine bestmöglich auszuloten und seinerseits selbiges hat, mit der Maschine zu wachsen und diese in seinem Sinne weiterzuentwickeln. Yamaha braucht einen Quartararo.

Passt Quartararo in seine Fußstapfen?


Quartararo hat noch viel zu lernen, aber auch beachtlich viel Grund, guter Dinge zu sein.


Und Yamaha hat vorerst noch einen Quarataro – und weiß ihn entsprechend zu schätzen. „Für mich sieht es so aus, als passe unser Motorrad sehr gut zu seinem Fahrstil“, sagte Massimo Meregalli, Team-Manager des Werksteams, das natürlich in solchen Angelegenheiten denkbar eng am Kundenteam ist. „Yamaha kann sich glücklich schätzen, ihn in der Familie zu haben. Er beweist nicht nur, dass er schnell ist, sondern die Situation unter Kontrolle hat. Denn in der Art und Weise, wie er die Trainings angeht, sieht es so aus, als hätte er immer noch etwas Spielraum.“ Yamahas Teamchef Lin Jarvis schlägt in die gleiche Kerbe: „Er kann das Motorrad ohne Angst fahren, und offenbar auch ohne Risiko, denn er ist in der MotoGP nur zweimal gestürzt. Es ist erstaunlich, dass Fabio diese Geschwindigkeit hat, ohne zu viele Fehler zu machen.“ Was Fabio als legitimen Rossi-Nachfolger angeht, hält sich Jarvis zwar noch vergleichsweise bedeckt – aber wohl eher, um dem Franzosen nicht durch eine zu hohe Erwartungshaltung eine Blockade einzuimpfen: „Das bleibt abzuwarten“, sagt Jarvis. „Bislang finde ich ihn sehr aufregend, ein junger Fahrer mit viel Potenzial, der Großes leisten kann, aber wir müssen auf dem Boden bleiben und er auch … Manchmal gibt es eine außergewöhnliche Kombination von Faktoren, bei der sich der richtige Mann auf dem richtigen Motorrad ohne Druck gut fühlt und alles einfach funktioniert. Ich sehe Fabio im Moment ein wenig so.“ Womit er gleich einmal hat fallen lassen, dass die Yamaha aus seiner Sicht ein Faktor für Quartararos Auftrumpfen sei. „Ich denke, er hat eine sehr gute, aufregende Zukunft“, sagt Jarvis. „Hoffentlich mit Yamaha. Wir werden unser Bestes tun, um ihn zu behalten.“

Vinales will alles

Yamahas Chancen, Quartararo als zukunftsträchtigen Joker halten zu können, dürften auch nicht schlecht stehen – Ducati hat genug Optionen in der eigenen Satellitenumlaufbahn, und ob er sich den heißen Stuhl neben Marc Marquez ohne Not antun würde, sollte etwa ein Jorge Lorenzo das Handtuch schmeißen, scheint zumindest fraglich. Weniger aus Angst vor dem direkten Vergleich mit dem aktuellen Referenzpiloten, sondern vielmehr, weil er mit der Yamaha ganz offensichtlich bestens zurechtkommt, und die Honda neben einem ganz anderen Charakter auch den Haken hat, dass Honda kaum gewillt ist, sie für jeden Piloten (außer Marquez) neu zu konfigurieren.

Acht lassen sollte man bei all diesen Gedankenspielen Maverick Vinales. Denn auch er hat sowohl die grundsätzlichen Skills als auch mit 24 Jahren noch die jugendliche Frische, um Yamaha in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Und er sitzt bereits im Werksteam recht fest im Sattel und somit genau an der Quelle, um sich den Status als Säule des Teams zu erarbeiten. In den letzten Rennen schaffte er nach teilweise verheerenden Ergebnissen im ersten Saisondrittel eine Wende und in Assen den ersten Saisonsieg für Yamaha. Auf dem Sachsenring feierte der Spanier mit Platz zwei ein weiteres Erfolgserlebnis. Damit hält er Quartararo in der Tabelle zwar auf Distanz, aber auf der Strecke sind sich die beiden mitunter näher, als es das Punktekonto alleine zum Ausdruck bringt. Dementsprechend gibt der, im Vergleich zum Franzosen, routinierte Spanier offen zu, sich von seinem Markenkollegen inspirieren zu lassen: „Man kann immer etwas lernen“, sagt Maverick. „Und wenn es nur in einer Kurve ist. Ich versuche jeden Vorteil mitzunehmen, den ich kriegen kann. Fabio fährt das Motorrad auf eine andere Weise, er nimmt viel Tempo mit in die Kurven. Er versucht, das Bike nicht so hart abzubremsen. In einigen Kurven macht sich das wirklich bezahlt. Daraus kann ich jede Menge lernen.“

Im Idealfall lernen die beiden Hoffnungsträger also gegenseitig voneinander – und wenn das bei Yamaha geschieht, stehen die Chancen ziemlich gut, dass die beiden und allen voran der momentane Überflieger Fabio Quartararo das Lernen sowie das Auskosten des Gelernten bei diesem Hersteller durchziehen wollen. Denn so sehr ohne jedes Wenn und Aber der in nicht allzu ferner Zeit unvermeidliche Abschied von Valentino Rossi in aus marketingtechnischer Sicht ein nicht auszugleichender Einschnitt werden wird: In sportlicher Hinsicht sind die Weichen für die Zukunft deutlich zielführender gestellt.

Henning Sonnenschein


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