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Zahlungsausfall: Bei Ausreden sollten die Alarmglocken läuten


IKZ Haustechnik - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.04.2019

Zahlungsausfälle gefährden Unternehmensziele: Wie das Risiko überschaubar bleibt und auf welche Warnsignale Handwerksbetriebe achten sollten


Artikelbild für den Artikel "Zahlungsausfall: Bei Ausreden sollten die Alarmglocken läuten" aus der Ausgabe 7/2019 von IKZ Haustechnik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: IKZ Haustechnik, Ausgabe 7/2019

Verspätete Zahlungen und ein verändertes Bestellverhalten zählen laut Euler Hermes zu den Warnsignalen, um Forderungs ausfälle frühzeitig zu erkennen.


Es ist der Albtraum eines jeden Unternehmens: Ein Handwerksbetrieb erhält einen Auftrag bei einem Bauprojekt – der Auftraggeber bezahlt seine Rechnung jedoch nicht. Mahnläufe bleiben erfolglos und am Ende geht der Auftraggeber in die Insolvenz.

Unverhofft kommt oft, gerade in der Baubranche, auch wenn aktuell der ...

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... Bau-Boom zumindest in Deutschland noch anhält. Doch: Der weltweite Trend zeigt abwärts und auch in Deutschland ist nicht alles eitel Sonnenschein, wie aktuelle Zahlen belegen. Diese deuten darauf hin, dass die Zeit vorbei ist, in der sich die Liquidität und Bonität der Branche Jahr für Jahr verbessert haben. Seit Anfang 2018 steigen nach jahrelangem Rückgang die Pleiten im Bausektor in Deutschland wieder an. Zudem ist die Baubranche weiterhin insgesamt für die meisten Insolvenzen in der Bundesrepublik verantwortlich.

Verlust oft nicht ausgleichbar

Ein Handwerksbetrieb bleibt also auf seinen offenen Forderungen sitzen. Diese können schnell im fünf- oder sechsstelligen Euro-Bereich liegen – eine Summe, die das komplette Jahresergebnis übersteigen kann. Kleine oder mittelständische Unternehmen können sich so binnen kürzester Zeit in einer existenzbedrohenden Situation wiederfinden. Viele Unternehmen verfügen über ein gutes Debitorenmanagement. Überraschungen gibt es jedoch immer wieder – teilweise auch, weil sich Betriebe von gro ßen Namen täuschen lassen und in falscher Sicherheit wiegen.

„Selbst kleinere Schäden summieren sich mit der Zeit zu hohen Beträgen und reißen oft ein erhebliches, existenzbedrohendes Loch in die Kasse, insbesondere bei kleinen oder mittelständischen Unternehmen“, sagt David Nolan, Vorstand für Market Management, Commercial und Distribution bei der Kreditversicherungsgruppe Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Bei einem Schaden von 100 000 Euro und einer Gewinnmarge von 5 % muss ein Unternehmen zusätzliche Umsätze von 2 Mio. Euro erwirtschaften, um einen solchen Verlust auszugleichen. Das ist für viele Unterneh- men binnen eines Jahres gar nicht möglich. Eine Absicherung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ist für Unternehmen deshalb ein Schlüssel zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg.“

Je größer der Auftrag und je länger die Laufzeit, desto höher das Risiko. Denn um die eigene Liquidität zu schonen, nutzen Auftraggeber teilweise die Zahlungsziele der Handwerksbetriebe voll aus – obwohl diese den Auftrag längst abgeschlossen haben. Das kann gerade bei kleineren Betrieben schnell zu Liquiditätsengpässen führen, denn sie bräuchten das Kapital bereits für neue Projekte und Aufträge, bei denen sie in Vorleistung gehen müssen.

Ohne Absicherung im Risiko

Noch ist die Zahlungsmoral in der deutschen Baubranche besser als der bundesweite Durchschnitt – aber sie hat sich zuletzt verschlechtert. 2016 erhielten Unternehmen der Baubranche nach durchschnittlich 47 Tagen ihr Geld. 2017 mussten sie mit 51 Tagen schon vier Tage länger warten. Der bundesweite Durchschnitt der Zeitspanne zwischen Rechnungslegung und Bezahlung (Days of Sales Outstanding, DSO) über alle Branchen hinweg hat sich hingegen im gleichen Zeitraum von 53 Tagen im Jahr 2016 auf 54 Tage in 2017 nur leicht verschlechtert. Im Durchschnitt erfolgt die Bezahlung in der Baubranche also nach 51 Tagen – in manchen Fällen können es aber auch mal 90 Tage sein. Und so lange ist der Betrieb ohne Absicherung im Risiko.

Damit dieses Risiko kalkulierbar bleibt, sind ein effizientes Debitorenmanagement und eine entsprechende Absicherung die Schlüssel zum Erfolg. Dabei haben Unternehmen unterschiedliche Möglichkeiten: von einer Warenkreditversicherung, über Factoring (Finanzierungsform, bei der offene Forderungen eines Unternehmens verkauft werden und so die Liquidität steigt) bis hin zu Forfaitierung (Ankauf von Forderungen unter Verzicht auf einen Rückgriff gegen den Verkäufer bei Zahlungsausfall des Schuldners) oder in einigen Fällen auch Asset Backed Securities (ABS), also die Verbriefung von Forderungen. Im Liquiditätsmanagement von Handwerks- und Baubetrieben spielen zudem auch Avalkreditlinien (Bürgschaften und Garantieerklärungen, die Kreditversicherer zugunsten eines Kunden abgeben) und Gewährleistungen eine große Rolle.

Der bürokratische Aufwand, der mit dem Plus an Sicherheit verbunden ist, ist bei Online-Lösungen wie den Euler Hermes „Smart“- Lösungen, die auf die Bedürfnisse von kleineren und mittelständischen Unternehmen zugeschnitten sind, laut dem Unternehmen gering. Hier seien nur wenige Klicks notwendig, um nicht mehr im Risiko zu sein.


Selbst kleinere Schäden summieren sich mit der Zeit zu hohen Beträgen und reißen oft ein erhebliches, existenzbedrohendes Loch in die Kasse. David Nolan, Euler Hermes


Keine Bilanzrisiken, keine Katze im Sack – Gewinn auf der sicheren Seite

„Eine Warenkreditversicherung sichert Unternehmen gegen Zahlungsausfälle seiner Kunden ab und nimmt dem Unternehmen selbst dieses Risiko“, erklärt Nolan. „Zudem erhalten Firmen über Kreditinformationen Einblick in die Risikosituation ihrer Kunden – sie wissen genau, mit wem sie Geschäfte machen und kaufen nicht die Katze im Sack.“ Nicht nur die Liquidität sei über eine Warenkreditversicherung gesichert, sondern in der Folge auch der Gewinn. Existenzgefährdende Risiken schließe das Unternehmen so von vorneherein aus und könne sich stärker auf wertschöpfende, operative Themen konzentrieren: wie beispielsweise die Akquisition neuer Aufträge, den Ausbau von Marktanteilen, Kundenbeziehungen oder die Erschließung von Neugeschäften.

Auch bei der Finanzierung könne eine Warenkreditversicherung den Betrieben Vorteile bieten: Versicherte Forderungen könnten den Zugang zu Bankkrediten zu besseren Konditionen erleichtern.

Liquiditätsmanagement auf Knopfdruck via Online-Factoring

Wenn Rechnungen allerdings genau dann bezahlt werden sollen, wenn das Unternehmen es will, ist Factoring laut Euler Hermes das Mittel der Wahl im Debitorenmanagement. Beim Verkauf einzelner Forderungen entscheide der Unternehmer selbst, welche Rechnung umgehend zu Geld wird – online und innerhalb eines Bankarbeitstags, ohne Rahmenvertrag, Mindestumsatz oder Fixkosten und ohne, dass der Abnehmer davon erfährt. Zahle ein Kunde verspätet oder gar nicht, entstehe dem Unternehmer kein Schaden.

„Häufig gibt ja der Kunde vor, wann ein Unternehmen für seine Leistungen bezahlt wird – und das ist oft alles andere als pünktlich“, gibt Nolan zu bedenken. „Dann hilft meist nur Geduld, wenn man eine Kundenbeziehung nicht belas ten will, oft mit Gefahr für die eigene Liquidität. Doch selbst mit zuverlässigen Kunden kann es immer mal zu Engpässen im Cashflow kommen. Factoring-Lösungen schaffen genau für solche Fälle Abhilfe: Damit wird aus offenen Rechnungen im Handumdrehen Liquidität – auf Wunsch auch schon zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung.“


Eine Absicherung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ist für Unternehmen ein Schlüssel zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg. David Nolan, Euler Hermes


Bürgschaften: Auf der sicheren Seite

Ein weiterer Baustein im Liquiditätsmanagement in der Baubranche seien Avalkredite und Bürgschaften – von Bietungsoder Anzahlungsavalen, über Lieferungsbzw. Leistungs-, Vertragserfüllungs- und Mängelgewährleistungsavalen bis hin zu Bürgschaften für Arbeitsgemeinschaften. Durch Hinterlegung einer Bürgschaft oder Garantie zahle der Auftraggeber beispielsweise vertraglich vereinbarte Anzahlungen oder gesetzlich erforderliche Sicherungseinbehalte aus und erhöhe damit die Liquidität des Handwerksbetriebs. Zudem biete diese Finanzierungslösung die Möglichkeit, den Bankkreditrahmen zu entlasten – jedenfalls bei unabhängigen Bürgen, die in vielen Fällen eine größere Finanzstärke aufweisen als die Banken selbst. Die zusätzliche Liquidität können die Unternehmen an anderen Stellen investieren.

Um Forderungsausfälle zu minimieren, empfi ehlt die Kreditversicherungsgruppe Euler Hermes u. a., Zahlungstermine festzulegen. So werde der Abnehmer mit Ablauf des genannten Tages automatisch in Verzug gesetzt. Zudem bestünden dann Ansprüche auf Verzugszinsen.


Wann Gefahr droht

Unabhängig von diesen Absicherungsmöglichkeiten im Liquiditätsmanagement gibt es noch einige „goldene Regeln“, die helfen, Forderungsausfälle zu erkennen und zu minimieren. Und Indizien, die einer sich anbahnenden Insolvenz eines Geschäft spartners vorausgehen. Wenn Betriebe auf diese Signale achten, können sie sich laut Euler Hermes in einigen Fällen vor möglichen Folgeschäden schützen. „Jeder Forderungsausfall erzählt vom ersten Warnsignal bis zum letzten Schritt eine Geschichte“, sagt Nolan. „Erfahrungsgemäß sollten Unternehmen insbesondere bei verspäteten Zahlungen, veränderten Finanzprozessen, betrieblichen Änderungen, einem veränderten Bestellverhalten, einem insgesamt ungewöhnlichen Verhalten, häufi gen Kreditprüfungen oder Geschäft en mit fragwürdigen Abnehmern hellhörig werden. Auch Ausreden über Ausreden sollten die Alarmglocken läuten lassen.“ Erkennen Betriebe diese Warnzeichen frühzeitig, könnten sie noch reagieren: beispielsweise die Zahlungsziele anpassen oder auch Eigentumsvorbehalte oder Sicherheiten vereinbaren, um ihre Forderungsausfälle zu minimieren.

„Nicht von großen Namen täuschen lassen“

„Außerdem gilt: Nicht von großen Namen täuschen lassen“, sagt Nolan. „Ein bekannter Name schützt nicht vor fi nanziellen Problemen. Und auch, wenn die Fallzahlen bei den Insolvenzen in den Vorjahren rückläufi g waren, sollte das nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass sich die durchschnittlichen Schäden durch Pleiten in den vergangenen Jahren verdoppelt haben. Das lässt auch Rückschlüsse darauf zu, dass so manches Unternehmen vielleicht etwas zu sorglos war oder den Dominoeff ekt innerhalb einer Lieferkette unterschätzt hat. Unverhofft kommt eben doch relativ oft .“

Bilder: Euler Hermes

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