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ZANDER AUF NATURKÖDER: DIE ZICKEN IM SEE


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Wer seine Zander bisher nur mit Gummis fängt, verpasst eine wesentlich spannendere Angelmethode. Vorsichtige Bisse, losgelassene Köderfische und letztlich doch der erlösende Widerstand eines großen, unsichtbaren Gegners in tiefer Nacht – das ist Ansitzen!Florian Pippardt undJohannes Radtke zeigen Ihnen die Tricks und Kniffe für erfolgreicheres Köderfischangeln auf Zander.


Artikelbild für den Artikel "ZANDER AUF NATURKÖDER: DIE ZICKEN IM SEE" aus der Ausgabe 80/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 80/2018

Mit kleinen Ködern, sensiblen Montagen und leichtem Gerät lassen sich selbst die zickigsten Sommer-Zettis überreden.


Seit einer gefühlten Ewigkeit wackelt die Knicklichtpose schon auf der Wasseroberfläche. Immer wieder taucht sie ...

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... kurz ab, zieht kurz zur Seite und bleibt stehen. Ich reibe mir die Augen. Bilde ich mir das nur ein? Nein, das kann nicht sein. Jetzt ist Ruhe, die Pose steht einfach auf der Stelle. Ich hole meine Montage ein – das kleine Rotauge hängt noch dran, sieht aber sehr mitgenommen aus: Die meisten Schuppen fehlen, und in der Flanke entdecke ich zwei Löcher. Fehlbiss!

Dieses Szenario erlebt man beim Ansitzangeln mit Köderfisch regelmäßig. Und genau deshalb ist es auch so spannend! Vor allem Zander in stehenden Gewässern sind äußerst vorsichtig. Sie können ihre Beute lange inspizieren. Ihre Kollegen im Fluss müssen sich schnell entscheiden, ob sie das vorbeitreibende Fischchen attackieren. Dementsprechend schwer ist es für uns Angler, die Zettis im See an den Haken zu bekommen.

Auch wenn es Nächte zum Haareraufen gibt – mit den richtigen Mitteln lässt sich das Fehlbiss-Verhältnis deutlich zu unseren Gunsten beeinflussen. Doch vor Biss oder Fehlbiss steht die Wahl der richtigen Methode.

Allem voran ist die Hakenfrage entscheidend. Natürlich können Sie einen Drilling oder gar ein System mit mehreren Haken einsetzen. Wir empfehlen aber unter allen Umständen, es bei einem Einzelhaken zu belassen. Zum einen kommt es häufig vor, dass kleine Zander den Köder schlucken und mit einem Drilling im Magen nicht zu retten sind. Zum anderen lassen erfahrene Zander den Köder nicht selten los, wenn sie einen Drilling im Maul spüren.

Das Ansitzen bietet eine tolle Kombination aus Entschleunigung und Spannung. Jederzeit kann er kommen …


WENN DIE FISCHE AKTIV JAGEN, FRESSEN SIE EINEN SCHWEBENDEN KÖDER LIEBER ALS EIN STÜCK AAS AUF DEM BODEN.“


Wenn schnell angeschlagen werden kann, genügt ein Birnenblei. Es eignet sich vor allem für kleine Köderfische und Fischfetzen. Für letztere ist auch der Wurmhaken ideal.


Eine gute Methode ist die Posenmontage. Sie bietet den Vorteil, dass man den Köder nicht nur auf Grund, sondern auch einige Zentimeter darüber anbieten kann. Vor allem nachts, wenn die Fische aktiv jagen, funktioniert das Zanderangeln mit Köderfisch und Pose sehr gut. Vermutlich passt dann den Räubern die Imitation eines lebenden Fischchens über Grund besser als ein Stück Aas auf dem Boden. Gar nicht so selten lohnt es sich gar, den Köderfisch gleich zwei Etagen höher anzubieten. Insbesondere dicht am Ufer fängt ein Fischchen, das einen Meter über dem Boden hängt, oft mehr Zander als die Grundmontage. Herrscht zusätzlich noch ein wenig Wellengang, bewegt sich die Pose minimal auf und ab – und mit ihr auch unser Köderfisch unter Wasser. Ein toller Zusatzreiz!

POSE ODER GRUND?

Der Fisch spürt beim Posenangeln in Abhängigkeit der Sensibilität der Pose nur wenig Widerstand. Verwenden Sie stets schlanke Modelle, da diese im ersten Moment weniger Wasserwiderstand bieten.

Eine Pose hat aber auch Nachteile. So muss der Angelplatz recht genau ausgelotet werden. Schwerwiegender ist aber, dass eine Posenmontage, sofern sie nicht ganz auf Grund gelegt wird, leicht verdriftet. Dies kann wiederum Vor- und Nachteil sein.

Muss ein wenig mit dem Anhieb gewartet werden, empfiehlt sich ein Bodentaster. Er wird nach ein bis zwei Metern mittels Schnur- oder Gummistopper auf der Hauptschnur gestoppt. So zieht der Zander das fast schwerelose Gewicht einfach hinterher.


Fischfetzen werden mittels eines Wurmhakens angeködert: einstechen, Haken umdrehen und nochmals durchstechen, fertig.


Das Verdriften ist dann von Vorteil, wenn Sie einen Angelplatz mit gleichbleibenden Tiefen vor sich haben, auf dem die Zander großräumig jagen. Jetzt ist es sogar wünschenswert, dass die Pose treibt und Ihr Köder so mehr Fläche absucht. Wollen Sie hingegen einen Spot genau befischen, ist das Verdriften der Pose unerwünscht. Bei sich rasch verändernden Tiefen am Angelplatz, wie es zum Beispiel bei einer Scharkante der Fall ist, fischt die Pose unter Umständen nur kurze Zeit in fängiger Tiefe. Selbst ein Waggler mit versenkter Schnur hält den Köder bei viel Wind und Unterströmung oft nicht lange an einer Stelle.


„ZANDER TRAGEN GANZE KÖDERFISCHE OFT ERST EINIGE METER WEG, BEVOR SIE SIE VERSCHLINGEN. DADURCH KANN DER ANHIEB INS LEERE GEHEN.“


In solchen Situationen empfiehlt es sich, eine laufende Grundmontage zu benutzen. Hierbei entscheidet die Ködergröße über die Art des Gewichts. Verwenden Sie Fischfetzen oder kleine Köderfische, können Sie ein Birnenblei auf die Schnur fädeln. Zander atmen kleine Beute regelrecht ein. Ein Fischfetzen wird also an Ort und Stelle geschluckt. Beim Biss kann daher sofort angeschlagen werden.

Verwenden Sie größere Köderfische im Ganzen, ergibt es durchaus Sinn, einen Bodentaster zu verwenden, den Sie ein bis zwei Meter über dem Wirbel stoppen können. Größere Brocken werden häufig erst festgehalten, „weggetragen“ und dann gefressen. Entfernt sich der Zander zu weit vom Gewicht am Boden, entsteht oft ein ungünstiger Winkel zwischen Rutenspitze und Fisch. Beim Anhieb wird dann oft nur das Gewicht bewegt – im Fischmaul kommt kein Druck an. Die Lösung: der Fisch muss das Gewicht hinter sich herziehen. Ein Bodentaster ist unter Wasser fast schwerlos und bietet dem Fisch wenig Widerstand. Je nach Wind und zu erreichender Wurfdistanz sollten Sie Gewichte von fünf bis 30 Gramm verwenden.

Die Laufpose mit untenliegender Befestigung (rechts) treibt mit versenkter Hauptschnur kaum ab. Eine feststehende Pose oder eine Laufpose mit obenliegender Befestigung treibt schneller über den Platz – gut, wenn größeres Areal nach Fischen abgesucht werden soll.


An manchen Tagen verschlingen die Zander selbst größere Beute sofort gierig. Wohl dem, der dann einen einzelnen Haken verwendet.


..„DIE GRÖSSE DER KÖDERFISCHE KANN TATSÄCHLICH FANGENTSCHEIDEND SEIN!“


Den Köderfisch hakt man ganz einfach in der Schwanzwurzel, so hält er bombenfest. Das Auffädeln mit einer Ködernadel ist nicht zu empfehlen, da sich das Fischchen bei stärkeren Würfen sofort krümmt. Zudem ist es einfach unnötiger Aufwand.

Die Bissanzeige beim Zanderangeln bringt einige Schwierigkeiten mit sich, doch die beiden Kniffe links machen Ihnen das Leben leichter.

Ein einfacher, empfindlicher Bissanzeiger für normale Angeltage muss kein Hightech sein.


Bei viel Wind empfiehlt es sich, einen Affenkletterer einzusetzen. Sein Bügel wird jedoch nur oben auf den Erdspieß aufgelegt. Beim Biss fällt er herunter und die Schnur ist frei.


BISSANZEIGER-FINESSE

Der Bissanzeiger muss zwei Herausforderungen bewältigen: Natürlich soll er jeden Biss zuverlässig anzeigen, doch der Fisch darf keinen Widerstand spüren – ein offener Rollenbügel gehört somit immer dazu. Bequem ist das Angeln natürlich mit einem elektronischen Bissanzeiger. Doch gerade günstige elektronische Bissanzeiger in Verbindung mit einem offenen Bügel geben selbst bei zügig ablaufender Schnur keinen Ton von sich, es fehlt die Spannung. Ein sehr leichtes, eingehängtes Gewicht (zum Beispiel ein geöffneter Wirbel) strafft sie ausreichend. Allerdings hätte der abziehende Fisch nur wenig Spielraum. Daher wird die Hauptschnur mit einem Gummiband am Blank dicht bei der Rolle fixiert und der Bügel geöffnet. Der Zander zieht zuerst den geöffneten Wirbel nach oben, der elektronische Bissanzeiger gibt Laut, dann wird die Schnur aus dem Gummiband gezogen und der Fisch kann abziehen. Bei viel Wind ist eine solche Konstruktion aber nicht zu empfehlen. Zudem mögen einige Angler grundsätzlich kein Gepiepse am Wasser oder wollen sich keine E-Bissanzeiger anschaffen. Alternative dazu: ein Affenkletterer, dessen beweglicher Bügel nur oben auf den dazugehörigen Erdspieß gelegt wird. Der Rollenbügel ist auch hier geöffnet, die minimal auf Spannung stehende Schnur wird durch den Kletteraffenbügel fixiert. Es reicht ein kleiner Anstupser und der Kletteraffe fällt, das Knicklicht verschwindet im Gras. Licht aus – Biss an! Selbst wenn der Fisch wieder loslässt, sehen Sie, dass etwas los war.

Biss und Anhieb waren eins, dennoch sitzt der schöne Zander. Das ist beim Angeln mit Fetzen oft der Fall.


DIE KÖDERFRAGE

Die Größe der Köderfische kann tatsächlich fangentscheidend sein. Sie ist abhängig von der Jahreszeit und damit der zu erwartenden Beute der Zander. Zum Saisonstart im Juni ist die junge Brut der Rotaugen und Ukelei noch zu klein und nicht relevant für den Zander. Dementsprechend fressen die Fische in dieser Zeit eher größere Beute, das kann die Brut des Vorjahres sein oder auch kleinwüchsige Arten. Köderfische von etwa acht bis 15 Zentimetern Länge sind optimal. Später, gegen Ende August, haben die Rotaugen und Ukelei des aktuellen Jahres dann die perfekte Beutegröße für Zander erreicht.

Die Räuber schießen sich vom Spätsommer bis Anfang Oktober auf die junge Brut ein. Der Köderfisch an der Posenmontage sollte jetzt etwa fünf bis sieben Zentimeter lang sein. Von Mitte Oktober bis Ende November verwende ich dann wieder größere Köder, da sich die Zander für den Winter Speck anfressen. Und zwar nach dem Maximalprinzip – wenig Aufwand, viel Ertrag. Ein zehn bis zwölf Zentimeter langer Köfi, der regungslos über Grund schwebt oder darauf liegt, passt dann genau ins Beuteschema.

Neben einem ganzen Köfi lege ich fast immer eine zweite Rute aus, an der ein Fischfetzen montiert ist. Ich schneide ganz einfach das Rückenfilet eines Rotauges heraus und steche den Haken zweimal hindurch.

An manchen Tagen liegt aus unerfindlichen Gründen der Fetzen deutlich vorn. Insbesondere bei sehr hohen Wassertemperaturen im Hochsommer funktioniert er oft besser. Zudem bietet ein Fischfetzen mir die Möglichkeit, kleinere Happen anzubieten, selbst wenn ich nur große Köderfische zur Verfügung habe.

EINFACHES WERKZEUG

Die Frage nach dem geeigneten Gerät ist schnell geklärt: Stationärrollen werden mit 0,20er bis 0,30er Mono bespult, ansonsten müssen Sie eigentlich nicht viel drauf haben. Leichte Posen- oder Spinnruten in Längen von 2,70 bis 3,90 Metern sind ideal. Fürs Grundangeln wählen Sie kurze Modelle, Posen fischen sich besser mit längeren Ruten. Das Wurfgewicht sollte zwischen zehn und 50 Gramm liegen. Fans des leichten Fischens können Match- oder Feederruten verwenden – eine Offenbarung für diese Angelei. Der Drill eines 70er Fisches an der 15-Gramm-Match ist ein Erlebnis!


„TOP-PLÄTZE SIND STRUKTUREN WIE LANDZUNGEN, SEEROSENFELDER UND SCHILFKANTEN MIT HARTEM GRUND.


FOTO: L. BERDING

FOTOS: F. PIPPARDT

FOTOS: ARCHIV, F. PIPPARDT, A. SEIBERLICH

FOTOS: J. RADTKE, F. PIPPARDT, L. BERDING