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Zauberhafte Elfenkinder: Feinsinnige Wesen aus einer anderen Welt Fachbeitrag von Gabriele Pohl


LebensGeist Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.04.2019
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Bildquelle: LebensGeist Magazin, Ausgabe 1/2019

In unserer lauten, turbulenten Welt haben anscheinend vor allem durchsetzungsfähige, selbstbewusste Macher das Sagen, diejenigen, die es „drauf haben“, coole Typen eben. In einer Welt, in der in den Kindergruppen, den Schulzimmern, auf den Schulhöfen vor allem die Starken und die Lauten gesehen werden, wo Gewinnen das Ziel ist. In einer Kinderwelt, in der viele Kinder schon früh sich selbst überlassen, unbehütet, ungeborgen sind und sich deshalb besonders im Kampf um den Schoß der Erzieherin, die Zuwendung, die Erfüllung ihrer Bedürfnisse oder überhaupt um das Gesehenwerden behaupten müssen, haben es ...

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... manche Kinder besonders schwer. Ich nenne sie Elfenkinder, weil sie wirken, als seien sie nicht so ganz von dieser Welt oder besser gesagt, noch nicht richtig angekommen.

Es sind zarte, scheue, auf fast unwirkliche Weise hübsche Kinder. Es sind die, die leicht übersehen werden, weil sie weniger laut, weniger präsent, weniger Raum beanspruchend sind.

Meist sind sie von zarter Konstitution, durchscheinend. Leicht auf den Zehenspitzen gehend kommen sie daher, leise, nicht stimmgewaltig, wenig rauflustig, aber leicht kränkbar. Besonders empfindsam, fühlen sie sich schnell angegriffen, ziehen sich zurück, sind weinerlich, voller Selbstmitleid und gleichzeitig mitfühlend und umsichtig.

Sie werden beim Austeilen vergessen

Der kleinste Kratzer ist eine Zumutung des Lebens für das Kind und muss noch lange unter Pflastern verborgen werden. Sie sind empfindlich bei zu viel Wärme, aber vor allem bei zu viel Kälte.

Wolle kratzt ganz unerträglich und die Strümpfe mit dem Gummi sind auch nicht auszuhalten. Essen mögen sie wenig, oft sind sie mäkelig, wählerisch, Süßes wird meist von ihnen bevorzugt. Sie werden beim Austeilen vergessen oder man vermisst sie nicht gleich, wenn sie nicht da sind.

Es sind nicht die offensichtlichen Siegertypen, die mit dem großen Freundeskreis, nicht die, die im Mittelpunkt stehen, oft aber die mit der wirklich echten Freundin, dem wirklichen Freund und Seelenverwandten. Oder jedenfalls die mit der größten Sehnsucht nach einem solchen.

…als ob ihnen der Zugangscode zum Leben fehlte

Sie sind wenig manipulativ in ihren sozialen Beziehungen, man kann sich meist auf ihre Treue verlassen. Sie sind keine Anführer, aber auch keine Mitläufer. Eher die, die beobachtend am Rande stehen oder sich scheinbar um das ganze soziale Durcheinander, das in Gruppen leicht entstehen kann, nicht besonders kümmern.

Oft sind sich diese Kinder selbst genug. Viele sind aber auch von einer großen Sehnsucht erfüllt, so zu sein, wie die anderen. Als Jugendliche artikulieren sie ihre Situation so ähnlich: „Ich hatte immer den Eindruck, dass mir der Zugangscode zum richtigen Leben fehlte“. Sie brechen in Tränen aus über den toten Vogel, können aber auch ganz ungerührt ihrer Beschäftigung nachgehen, während ein anderes Kind neben ihnen einen Wutanfall hat und zornige Tränen vergießt.

Vielen Erziehern bleiben sie ein Rätsel, weil sie sich nicht jedem anvertrauen, sondern sich schnell und eindeutig für „ihre“ Erzieherin entscheiden und diese Beziehung eifersüchtig verteidigen. Alle anderen Erzieher bleiben für sie Luft. Es kann auch sein, dass so ein kleiner Elf ganz für sich bleibt in seiner Kindergartengruppe, womöglich über einen großen Zeitraum von sich aus an keinen der anwesenden Erwachsenen das Wort richtet. Nicht traurig, sondern selbstgenügsam.

Sie sind häufig der Beobachter

Oft bleiben diese Kinder das ganze erste Kindergartenjahr beobachtend am Rande der Gruppe stehen, ohne sich in das Spiel der anderen einzuklinken. Am liebsten richten sie sich eine kleine Höhle, ein kleines Reich ein, wo sie ganz für sich sein können.

Ich kenne ein solches Kind, inzwischen sechsjährig, das in seinem Zimmer einen Pappkarton stehen hat, in den es sich von Zeit zu Zeit verkriecht, obwohl es kaum noch hineinpasst, so als bräuchte seine zarte Haut ein äußere Begrenzung, damit es sich besser spüren kann und einen Schutz, damit es weniger verletzbar ist. Gerne bleiben die Elfenkinder zu Hause, haben kein Bedürfnis, bei Freunden zu übernachten oder sich auf Rummelplätzen zu tummeln. Schnell ist alles zu laut, zu viel, zu anstrengend.

Obwohl ängstlich, auch im Sozialen, erlebt man immer wieder, dass sie dann doch bereit sind, für einen Freund einiges zu wagen, wenn er in Not ist. Sie überraschen mit philosophischen Fragen über Gott und die Welt und offenbaren eine erstaunliche seelische Tiefe und Nachdenklichkeit.

Es gilt bei diesen Kindern, ihnen zu helfen, sich besser in der Welt zu verankern, aber auf keinen Fall um den Preis, ihre Zartfühligkeit abzulegen zugunsten größerer Robustheit.

Hingegen müssen sie darin unterstützt werden aus dem möglichen Gefangensein in sich selbst, für den anderen Menschen offen zu werden. Denn gerade im Mitmenschlichen liegen ihre Qualitäten. Sie brauchen viel seelische Hülle, Reizarmut und einen Erwachsenen, der ihnen Zuversicht in die Welt vorlebt und vermittelt.

Sie brauchen im Kindergarten behütete und behütende Gruppensituationen mit verlässlichen Menschen, mit klaren Strukturen, mit Rhythmus und Ritualen, mit einer konstanten Gruppe, in der sie Sicherheit und Vertrauen erleben. Das gilt zwar prinzipiell für alle kleinen Kinder, aber insbesondere für die Elfenkinder.

Alles Unbestimmte, Offene, zu Laute überfordert sie

Manchen Kindern mag das Konzept der offenen Gruppen in den Kindergärten mit den vielen täglichen Wahlmöglichkeiten entgegen kommen, aber – wenn überhaupt – sicher erst denen, die kurz vor dem Schulanfang stehen und bis dahin in „ihren“ Gruppen ein festes Fundament an Verlässlichkeit, Wärme und Behü tetsein erleben konnten.

Vielleicht sind in diesem Sinne die Elfenkinder auch Seismographen für das, was kleinen Kindern überhaupt angemessen ist, was sie wirklich brauchen, weil sie uns deutlicher zeigen wo Überforderung entsteht, weil Konzepte und Erwachsenenideen nicht kindgemäß sind.

Grundsätzlich gilt natürlich:
Es ist immer genau hinzuschauen, weshalb sich ein Kind so verhält, wie es sich verhält. Möglicherweise steckt bei einem solchen Elfenkind eine große Kränkung dahinter, eine Not, eine schwierige häusliche Situation, vielleicht fühlen sie sich allein gelassen, werden nicht gesehen oder erleben zu große Strenge oder zu wenig Halt. Dann muss dem Kind geholfen werden.

Ist aber eine das Kind bedrängende äußere Situation auszuschließen und es gelingt, einen objektiven Blick auf das Kind zu werfen, sich auf es einzulassen, dann kann die Qualität einer solchen friedliebenden, nachdenklichen, empathischen Existenz zu Tage treten und sich entfalten. Und auf solche sind wir in unserer oft kalten Welt doch insbesondere angewiesen.

Autorin: Gabriele Pohl ist Erziehungswissenschaftlerin und Kindertherapeutin Drei ihrer Bücher erschienen im Springer-Spektrum und bei ObersteBrink-Verlag


Foto: Arthur - aldyrkhanov - unsplash


Foto: Maria Lupan • unsplash