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ZAUBERHAFTE FARBENPRACHT


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 26.05.2021

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Zaubernussblüte im verschneiten Garten, hier ?Advent?.

HDie Gattung Hamamelis L. (Zaubernuss) gehört, neben 14 anderen Gehölzgattungen, zur Familie der Hamamelidaceae (Zaubernussgewächse). Dieser werden nach Erhard et al. (2008) auch so bekannte und gegenwärtig oft als Zukunftsbäume beliebte Gehölze wie Liquidambar (Amberbaum) mit seinen Sorten und Parrotia (Parrotie, Eisenholz oder auch Schein-Hasel) zugeordnet.

TEXT Dr. Andreas Wrede und Thorsten Ufer, LWK Schleswig-Holstein, Abteilung Gartenbau, Ellerhoop, für den AK Bundesgehölzsichtung

Der Trivialname Zaubernuss (engl. witch-hazel = Hexen- Hasel) könnte nach Lane (2005) nicht auf die zauberhafte Wirkung der Blüten zurückgehen, sondern eher auf die Verwendung von Astgabeln der nordamerikanischen Art Hamamelis virginiana L. als Wünschelrute durch Einwanderer aus Europa. Da der Strauch mit seinem Habitus, seinem Laub und seinen Früchten die Einwanderer außerdem an die Haselnuss (Corylus avellana) aus ...

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... Europa erinnerte, könnte sich daraus der Trivialname „witch-hazel“ erklären lassen.

VIER ARTEN UND EINE HYBRIDE

Die Gattung Hamamelis besteht aus vier Strauch-Arten, von denen je zwei aus Nordamerika und aus Asien stammen. Alle blühen etwa vier bis sechs Wochen im Winter beziehungsweise Frühjahr (Dezember bis März), außer Hamamelis virginiana im Herbst (Oktober bis November). Die erste Art, die entdeckt und beschrieben wurde, war die Amerikanische-Zaubernuss (Hamamelis virginiana L.), aus der ein Extrakt destilliert wird, das in pharmazeutischen und kosmetischen Produkten auch heute noch weit verbreitet ist. Die zweite Art aus Nordamerika ist die Frühlings-Zaubernuss (Hamamelis vernalis Sarg). Japanische Zaubernuss (Hamamelis japonica Sieb. & Zucc.) und Chinesische Zaubernuss (Hamamelis mollis Oliv.) sind in Asien beheimatet.

Die heute besonders oft kultivierten Hybriden Hamamelis x intermedia sind vor allem aus natürlichen Kreuzungen von Japanischer und Chinesischer Zaubernuss entstanden. Es sind zumeist mittelgroße bis große, meist mehrstämmige Sträucher. Ihre Blüten bestehen aus vier bandförmigen Blütenblättern, was ihnen ein spinnenartiges Aussehen verleiht. Mit ihren vielen Blüten, die entlang der Zweige angeordnet sind, sorgen sie für eine willkommene Farbenpracht in tristen Wintertagen. Das Farbspektrum der Blüten reicht dabei von Blassgelb und Goldgelb über Orange bis Rot; einige Sorten sind sogar zweifarbig.

Daneben besticht die Blüte bei einzelnen Sorten auch durch Duft, der sich je nach Sorte mit süß bis würzig beschreiben lässt. Neben der Blüte ist bei einigen Sorten auch die schöne Herbstfärbung ein zusätzlicher Hingucker, der oft unterschätzt wird.

70 SORTEN IN KULTUR, 120 BEKANNT

Von der Gattung Hamamelis sind laut Namenliste Gehölze (2021) rund 70 verschiedene Sorten bzw. Cultivare bekannt, die gegenwärtig in Europa mehr oder weniger häufig kultiviert werden. Rund 50 davon werden der Hybridart H. x intermedia zugerechnet. Lane (2021) beschreibt auf seiner Homepage sogar über 120 bekannte Cultivare, 70 allein für H. x intermedia.

Die meisten Cultivare werden in Europa durch am häufigsten verwendete Unterlage darstellt, auf die das Edelreis entweder kopuliert oder seltener Augen okuliert werden.

Sie werden spä- ter meist als zwei- bis vierjährige Veredelungen im C3 bis C10 stehend vermarket. Veredelung vermehrt, wobei H. virginiana die

STANDORTE – FEUCHT ABER OHNE STAUNÄSSE

Die Zaubernuss bevorzugt feuchte, aber gut dränende Böden ohne Neigung zu Staunässe. Tritt regelmäßig Staunässe am gewählten Standort auf, kommt es insbesondere bei noch frisch gepflanzten Exemplaren leicht zu einem Befall mit Wurzelfäule (Phytophthora), was nicht selten mit dem Ausfall der befal- lenen Pflanzen endet. Hamamelis bevorzugt im Boden einen pH-Wert zwischen 4,5 und 6,5. Stimmen die Standortbedingungen, so ist sie eine sehr robuste Pflanze, die in Mitteleuropa selten von Krankheiten und Schädlingen befallen wird. Einzig Kaninchen und Rehe fressen offenbar gerne an der Zaubernuss.

Auch Frostschäden treten an am Standort eingewachsenen Pflanzen eher selten auf, da Winterfrost bis –20 °C kein Problem darstellt, genau wie Spätfrost. Auch hohe Sommertemperaturen werden gut ertragen, wobei dann besonders auf eine stetige, ausreichende Durchfeuchtung des Bodens zu achten ist. Trotzdem kann extreme Hitze das Wachstum reduzieren. Im folgenden Winter fällt die Blüte weniger üppig aus, da die Sträucher vorwiegend am neu gebildeten Holz der zuletzt abgeschlossenen Vegetationsperiode blühen. Auch ein milder Witterungsverlauf des Winters soll die Blühfreudigkeit der Zaubernuss negativ beeinflussen, die dann zudem erst später zur Blüte kommt.

Um unterschiedlichen Standortbedingungen Rechnung tragen zu können, wird im Rahmen der Bundesgehölzsichtung an bis zu zwölf deutschen Standorten ein gemeinsames Sortiment getestet. Abschließend werden die Sorten mit einem, zwei oder drei Sternen benotet, je nachdem, ob sie sich gut, sehr gut oder ausgezeichnet entwickelten. Auch spezielle (meist für Liebhaber) oder entbehrliche Sorten werden gekennzeichnet.

GEDULD ZAHLT SICH AUS

Die Blüte ist bei großen beziehungsweise älteren Zaubernusssträuchern besonders imposant. Folglich musste für diese Sichtung der sonst übliche Zeitraum von insgesamt vier Jahren verlängert werden. Gleichwohl beschreiben die vorliegenden Ergebnisse primär die Anfangsjahre nach der Pflanzung. Diese fand im Herbst 2015 mit überwiegend 40–60 cm großer Ware aus 4-und 5-Liter-Containern statt. Die beteiligten Standorte wa- ren Bad Zwischenahn, Dresden, Ellerhoop, Hannover, Quedlinburg, Stuttgart- Hohenheim und Weihenstephan-Triesdorf. Auf besondere Kulturmaßnahmen wurde über den gesamten Zeitraum der Sichtung bewusst verzichtet. Schnittmaßnahmen entfielen oder wurden nur in einem sehr geringen Umfang vorgenommen. Lediglich der Wildaustrieb der Veredelungsunterlagen musste von Zeit zu Zeit entfernt werden.

Blühzeitraum (inklusive Auf- und Verblühphase) der geprüften Zaubernusssorten im Mittel über alle deutschen Sichtungsstandorte. Die Farbe der Balken steht für den Hauptfarbton der jeweiligen Blüten.

Mit den ersten Strahlen der Frühjahrssonne Anfang März bringen die Hamamelis Zauber in den winterlichen Garten.

Die Bewertung der Pflanzen begann im Winter 2016/17, nachdem eine Vegetationsperiode zur Etablierung der Sträucher abgewartet wurde. Im Herbst 2019 erfolgte die Endauswertung der Wachstumsparameter. Der darauf folgende Winter bot noch die Möglichkeit einer letzten Blütenbonitur, was sich bei zum Teil schon über zwei Meter großen Exemplaren in einem entsprechend hohen Zierwert niederschlug.

33 SORTEN GEPRÜFT

Das 33 Sorten/Cultivare umfassende Sortiment, das vom Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung geprüft wurde, bestand überwiegend aus der Hamamelis x intermedia-Gruppe. Abweichend waren nur die Sorten ‘Amethyst’, ‘Quasimodo’ (Zwergform), ‘Sandra’ und ‘Washington Park’ der nordamerikanischen Art H. vernalis zuzuordnen. Insgesamt 14 Parameter wurden bei jeder Sorte erfasst.

Die Zusammenfassung aller Ergebnisse und Eigenschaften ergab ein insgesamt qualitativ sehr hochwertiges Sortiment, in dem kaum wirklich entbehrliche Sorten ausgemacht werden konnten. Das zeigte auch die abschließende Eingruppierung in die Sterne-Kategorien. Diese resultierten aus einer finalen Abstimmung der beteiligten Sichtungsgärten. Um das vielfältige Sortiment aufzufächern, bietet sich ein deutschlandweiter Blühkalender an, der aus den gewonnenen Daten aller Standorte erstellt werden konnte (Abb. S. 38). Der dargestellte Blühzeitraum beinhaltet die Phase des Aufblühens ebenso wie der Abblüte. Die Vollblüte war häufig etwa zwei bis drei Wochen nach Blühbeginn zu verzeichnen. Der genaue Blühbeginn hängt naturgemäß unter anderem stark von Region, Einzelstandort und Jahr ab.

Deutlich vor allen anderen Sorten starten ‘Robert’ und ‘Rochester’ mit ihrer Blüte bereits Anfang Dezember. Während ‘Robert’ orange bis rötliche Petalen aufweist, sind diese in der stark duftenden Blüte von ‘Rochester’ eher blass orange und deutlich kürzer. Auch wenn der Blütenansatz sehr gut ist, verschwinden sie leider in dem noch sehr stark anhaftenden, vertrockneten Laub, das im Herbst noch auffallend attraktiv gefärbt war. Bei ‘Robert’ bleibt die Sicht auf die Blüten dagegen weitgehend ungestört.

Die spätesten Sorten im Test waren ‘Duftzauber’ und, besonders spät Mitte Februar, ‘Sandra’. ‘Doerak’ verblüht erst Ende März bis Anfang April und ‘Ostergold’ schließt seine Blüte sogar erst Anfang bis Mitte April ab. Eine besonders lange Blühdauer von rund zwölf Wochen zeigen die bereits früh im Winter aufblühenden Sorten ‘Moonlight’, ‘Old Copper, ‘Robert’ und ‘Rochester’, die alle bereits im Dezember aufblühen.

Eine Ausnahme in der Gruppe der „Marathon-Blüher“ ist die Sorte ‘Orange Beauty’‚ die allerdings auch noch relativ früh im Januar mit ihrer Blüte beginnt. Das kürzeste Durchhaltevermögen zeigen im geprüften Sortiment die Blüten der spätesten Sorte ‘Sandra’, die sich durchschnittlich nur etwas länger als sechs Wochen pro Saison zeigten.

VIER SORTEN AUSGEZEICHNET

Der Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung hat die vier Sorten ‘Angelly’, ‘Barmstedt Gold’, ‘Jelena’ und ‘Orange Beauty’ mit drei Sternen als ausgezeichnet bewertet. Diese vier Cultivare dürfen damit künftig das Gütezeichen „Premiumgehölz der Bundesgehölzsichtung“ tragen, das dem Verbraucher das Auffinden von Gehölzsorten mit hoher Qualität auch im Handel erleichtern soll.

Auch die meisten anderen geprüften Sorten zeigten sich als äußerst hochwertig. 17 Sorten wurden mit „sehr gut“ bewertet (**), acht mit „gut“ (*), zwei als „Liebhabersorte“ (s) und lediglich zwei als „entbehrlich“ (o) eingestuft. Die Übersicht aller geprüften Sorten und Bewertungen findet sich unter www.gehoelzsichtung.de.

WEG ZUR GUTEN ZAUBERNUSS

Demjenigen, der auf der Suche nach einem winterlichen Farbspektakel in seinem Garten ist, kann die Zaubernuss wärmstens ans Herz gelegt werden. Auch der wenig fachkundige Laie findet im Sichtungsergebnis des Arbeitskreises Bundesgehölzsichtung einen Leitfaden, der ihn zu den hochwertigsten Sorten im umfangreichen Sortiment an Zaubernüssen führt. Dabei findet er unter den ausgezeichneten Sorten mit ‘Angelly’ und ‘Barmstedt Gold’ zwei gelbe und mit ‘Jelena’ und ‘Orange Beauty’ zwei orange blühende Sorten, so dass auch unter den Premiumsorten für jeden Geschmack die passende zu finden ist.