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ZAUBERHAFTES EILAND


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Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 11.01.2022

ISLAND

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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 2/2022

An einem regnerischen Montag packen wir unsere Utensilien zusammen. Sorgfältig sortiert liegt die Ausrüstung für die große Reise bereit. Wir wissen: Vor uns liegen vier abenteuerliche Wochen, auf die wir uns gut vorbereiten müssen. Sind wir erst einmal auf der Fähre nach Island, wird es schwierig, Vergessenes nachzuholen – oder auf der spärlich besiedelten Insel zu kaufen. Bergegurte eingepackt? Genügend Kanister dabei? Werkzeugkiste, „Futterkiste“ und wetter- feste Klamotten vollzählig? Das Beladen des Arctic Trucks bei schlechtem Wetter stimmt uns nachdenklich: „Was ist, wenn uns auf der Insel nun vier Wochen Regen erwarten?“, gibt mein Partner zu bedenken, während er klitschnass das Dachzelt auf den Träger des Hardtops schraubt.

Nach der akribisch abgearbeiteten Pack- und Ausrüstungsliste prüfen wir noch einmal alle Einreise- und Fährdokumente und bereiten uns mit einem kleinen Nickerchen ...

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... auf unsere nächtli-che Abreise vor. Wir starten gegen 20 Uhr den von Hamburg aus gut sieben Stunden dauernden Ritt nach Hirtshals. Noch etwas verschlafen fahren wir in die Nacht hinein. Der Regen hat sich in der Zwischenzeit in ein Unwetter verwandelt. Je weiter wir in Richtung der dänischen Grenze kommen, desto stürmischer wird es. Nach einem kurzen Grenzstopp (der örtliche Polizist zeigt großes Interesse an unserem umgebauten Isuzu-Pick-up) setzen wir unsere Fahrt bei Starkregen und sekündlichem Blitz- lichthagel mit Tempo 60 auf der dänischen Autobahn in Richtung Hirtshals fort. Um vier Uhr morgens positionieren wir den D-Max windgeschützt hinter einem großen Holzstapel, klappen das Dachzelt auf und fallen müde ins Bett.

ENDLICH AN DER FÄHRE

Nur vier Stunden später frühstücken wir bereits barfuß am Sandstrand unweit des Fährhafens. Den frisch gebrühten Kaffee und ein paar belegte Brötchen gibt es direkt an unserer mobilen Strandbar, der Heckklappe. Wir beobachten aus der Ferne, ob sich im Hafen schon etwas regt – um zehn müssen auch wir uns einreihen. Während der Wartezeit im Hafen knüpfen wir erste Bekanntschaften. Dabei werden Fahrzeuge begutachtet, Routen und Ziele besprochen und wir diskutieren, in welcher Ecke von Island sich wohl die schönsten Wasserfälle und Sehenswürdigkeiten verstecken. Mit einer großzügigen Verzögerung schließt die Crew das Boarding gegen 13 Uhr ab. Dass in Island die Uhren ein wenig langsamer ticken, ist uns schon zu Ohren gekommen – wir freuen uns darauf.

Rund zwei Tage dauert die Überfahrt mit dem Schiff der färöischen Reederei „Smyril Line“. Die knapp 170 Meter lange Fähre liegt ruhig im Fahrwasser und ist mit Bordrestaurants, einem Shop und diversem Entertainment- Programm und Wellness-Bereichen ausgestattet, die einem die Überfahrt so angenehm wie möglich gestalten sollen. Ein Highlight: Die große Panorama-Bar im zwölften Oberdeck bietet nicht nur leckeres isländisches Bier und einen herrlichen Ausblick auf die See, sondern auch abendliche Live-Musik. So vergeht die Schifffahrt mit kurzem Zwischenstopp an den Färöer-Inseln fast wie im Flug und ist an sich schon ein entspannender Start in das bevorstehende, lang ersehnte Abenteuer: unser erster Aufenthalt in Island.

Nach zwei Tagen auf See sind wir froh, wieder Land zu sehen. Souverän steuert der Kapitän die große Fähre durch den engen Fjord bis in die kleine isländischen Hafenstadt Seyðisfjörður. Umringt von schroffen, grauen Felswänden ist die niedliche Ortschaft ein hübscher Farbtupfer in der für uns völlig neuen und unwirklich anmutenden, beeindruckenden Landschaft. Nachdem wir die Zollformalitäten erledigt und den Fährhafen verlassen haben, treffen wir uns mit unserem guten Freund Alex. Als erfahrener Island-Profi bietet er in diesem Jahr zusammen mit einem bekannten deutschen Offroad-Reiseveranstalter seine Qualitäten das erste Mal als Touren-Guide an. Als er uns fragte, ob wir ihn dabei unterstützen könnten, zögerten wir keinen Augenblick und waren sofort „im Boot“.

SELBST IST DER GUIDE

Unsere erste Besprechungsrunde verbringen wir in einem gemütlichen Café in der kleinen Hafenstadt. Alex erklärt uns Island-Erstlingen ein wenig die lokalen Gepflogenheiten und stimmt uns auf das bevorstehende Abenteuer ein. Vor uns liegt ein gewaltiger Anstieg: Nur eine Straße führt uns aus dem Tal von Seyðisfjörður heraus. Während unsere Fahrzeuge die Serpentinen im zweiten und dritten Gang hinaufschnaufen, passieren wir emsige Radfahrer. Wir zollen dieser sportlichen Höchstleistung zwar vollen Respekt, sind uns aber alle einig, dass wir lieber im gemütlichen Pick-up sitzen. Inzwischen sind wir vollends in den Wolken versunken, die Sichtweite ist gleich null. Den Pass im Rücken, eröffnet sich aus dem Wolkennebel heraus der erste fantastische Blick auf das isländische Panorama: Berge, Flüsse und eine atemberaubende Weite. Langsam schlängelt sich die Straße dann wieder abwärts. Da unsere Vorräte aufgrund der strengen Zollvorschriften noch aufgefüllt werden müssen, halten wir in der Ortschaft Egilsstaðir. Mit genügend Proviant im Gepäck führt uns Alex weiter auf einer F-Piste ins Hochland. Während wir uns in immer höhere Gebiete schrauben, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus – sind wir auf dem Mond gelandet? Wenige grüne, rote und gelbe Flecken stechen aus der Felswüste hervor. Das besondere Panorama wirkt mit seinen Pastelltupfern fast wie gemalt. Langsam und mit schweifendem Blick setzen wir unsere Tagestour fort bis zu unserem Tagesziel, dem rund 200 Kilometer entfernten Akureyri.

EIN WENIG GESCHICHTE

Die kleine Stadt wurde vor rund 400 Jahren als dänischer Handelsposten gegründet und zählt heute rund 20 000 Einwohner. Während wir uns dazu entschließen, hier ein paar Tage in einer Pension einzukehren, genießt Alex die Stille und Einsamkeit des Hochlandes zur Vorbereitung der geführten Tour. Nach einigen Tagesausflügen, einer Bootstour mit Wal-Begegnung und dem Besuch des isländischen Handelsfestes „Frídagur Verslunarmanna“ schließen wir uns wieder Alex an. Exakt eine Woche nach unserer Ankunft sammeln wir uns zusammen mit den Tourteilnehmern auf einem Parkplatz. Nach kurzer Vorstellungsrunde brechen wir mit sieben von acht Fahrzeugen zum Tanken auf. Das Team Numero acht treffen wir wie verabredet direkt beim Tankstopp.

Von nun an rollen wir als kleine Blechkarawane durch die wunderschöne Landschaft. Unser erstes Etappenziel: Über die F- Straße 909 an den Fuß des größten Gletschers vordringen, des Vatnajökull. Im Kriechgang mit Tempo 20 arbeitet sich der Konvoi langsam durch die schmalen Gebirgspfade. Dabei macht es Spaß, dem sechsrädrigen Pinzgauer beim Verschränken zuzusehen. Wie eine Raupe kraxelt der luftgekühlte Offroad-Exot tapfer durch jedes Terrain. Mit Funk ausgerüstet ist das Fahren im Konvoi ohnehin ein Erlebnis für sich und die vier Stunden bis zum Gletscher vergehen wie im Flug. Auf den letzten Kilometern vor unserem Ziel können wir den Vatnajökull dank der sinkenden Temperaturen bereits aus der Ferne spüren. Je näher der blau-graue Riese am Horizont rückt, umso imposanter wird er. Auf einem kleinen Parkplatz am Fuße des Gletschers treffen wir eine andere 4x4-Reisegruppe, die sich gerade im Aufbruch befindet und im Vorbeifahren mit flotter Gangart freundlich grüßt. Nach einer halbstündigen Erkundung, Pause und kurzem Fotoshooting vor den gewaltigen Eismassen treten auch wir den Rückzug ins Nachtlager an. Nach einiger Zeit auf der Rüttelpiste treffen wir dann auf einen Liegenbleiber der kürzlich getroffenen Reisegruppe. Der schwer beladene Toyota hat ein Rad verloren. Erst haben sich die Muttern gelöst, danach hat das Rad die Bolzen abgeschert. Wir bieten unsere Hilfe an, doch der erfahrene Tourguide winkt dankend ab. Eine Stunde später treffen wir uns im Camp wieder – die OP ist geglückt, der Patient wohlauf. Müde, glücklich und vom Erlebten überwältigt schlagen wir unser Nachtlager auf. Wir beschließen für den nächsten Tag einen behutsamen Fahrstil, um das Material zu schonen und idealerweise keine Räder zu verlieren.

IM SCHNECKENTEMPO

Den nächsten Tag beginnen wir mit einem kurzen Frühstück, um 8:00 soll der Konvoi starten. Vor uns liegt eine achtstü ndige Mammut-Etappe über felsige Pisten. Alex hat nicht zu viel versprochen: Im Sc hritttempo kraxeln Defender, Mercedes G und Suzuki wacker vorweg. Mit 1,5 Bar Luft in den Reifen wird das holprige Terrain einigermaßen erträglich, aber dennoch eine Herausforderung für Mensch und Maschine. Dabei wandeln sich Untergrund und Farbe der felsigen Umgebung stetig. Das Spektrum reicht vom ockerfarbenen Sandboden über eisenhaltige Rottöne bis hin zu silbern schillernden Aschebrocken, die der Askja-Vulkan vor knapp 100 Jahren kilometerweit ins Land schleuderte. Nach einem Stopp am wunderschönen Kratersee des Askja-Vulkans, dem Öskjuvatn, lassen wir uns am Fuße des erloschenen Riesen an der Drachenschlucht „Drekagil“ auf der Camp-Area nieder.

Von der berühmten Drachenschlucht ausgehend, fährt unser kleines Rudel an den kommenden zwei Tagen eine kleine Schleife in Richtung Norden. Bei heiterem Himmel und Sonnenschein baden wir in einem der beliebten Hotpots, einem natürlichen Pool, der von heißem Quellwasser gespeist wird. Nach einem Abstecher zum gewaltigen Goðafoss-Wasserfall füllen wir unsere Vorräte auf und bereiten uns am Lagerfeuer gemeinsam auf die Hochland-Querung in Richtung des Fjallabak-Reservats vor. Die Route führt uns noch einmal vorbei am Vatnajökul-Gletscher. Highlight des Tages: Mit dem MAN Kat 8x8 geht’s auf den mehrere Hundert Meter dicken Gletscher hinauf. Dieses einmalige Erlebnis wird dann durch die anschließende Gletscher-Tunnel-Besichtigung noch einmal getoppt.

Unser gemeinsames Abenteuer neigt sich nach zwei Wochen allmählich dem Ende zu. Wir setzen unseren Ritt nach Landmannalau gar über staubige Pisten und tiefe Wasserquerungen fort. Zwei Mal ziehen wir den Jimny, der keinen Schnorchel hat, bei ausgeschaltetem Motor durch eine Flussquerung – ein echtes Offroad-Highlight für alle Mitreisenden. Aber nur so können wir sicher sein, dass der Motor kein Wasser ansaugt. Wer das Camp bei Landmannalaugar erreichen möchte, kommt nicht um eine Flussquerung herum. Auch Wandersleute nehmen das Durchwaten des knapp dreiviertelmetertiefen Flusslaufes in Kauf. Die heißen Quellen und ein wunderschöner Ausblick auf die farbenprächtigen Berge entschädigen für sämtliche Unbequemlichkeiten.

EIN BLEIBENDER EINDRUCK

Mit dem Aufbruch beginnt langsam die Rückreise zur Fähre, die wir entlang der südlichen Ringstraße in mehrere Etappen gliedern. Nach dem Ende der zweiwöchigen, geführten Tour trennt sich der Weg der Teilnehmer. Wir gehen die letzten Kilometer gemütlich an und schmücken die verbleibenden Tage auf der Insel mit Sehenswürdigkeiten wie der gewaltigen Basaltschlucht Fjaðrárgljúfur und einem Besuch am berühmten und gut besuchten Flugzeugwrack der DC3. Die atemberaubenden Eindrücke, Panoramen und unvergesslichen Erlebnisse wirken noch weit über die Rückkehr mit der Fähre hinaus. Die Erinnerungen an Island und die tolle Gesellschaft der Gruppe lösen bis heute Fernweh in uns aus. ■

T | | Y. Rousseau