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Zecken – Kleine Blutsauger


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Pets - Dein Haustier-Ratgeber Sonderheft - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 18.05.2022
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DERGEMEINEHOLZBOCK kommt in Deutschland am häufigsten vor

Zecken, so manch einer fragt sich, was eigentlich ihr natürlicher Nutzen ist. Fakt ist jedoch, sie können gefährliche Krankheiten übertragen und das keineswegs nur in Bezug auf uns Menschen.

Insbesondere bodennah gebaute Haustiere oder deren Vorliebe für Erkundungen mit der Nase sind für die kleinen Blutsauger wie eine Passagierbrücke zum All-You-Can-Eat-Buffet. Sie benötigen für gewöhnlich nur 2–3 solcher Mahlzeiten in ihrem Leben, eine pro Entwicklungsstadium und die Weibchen eine weitere vor der Eiablage.

Sie können ihr Körpergewicht beim Schmaus um das 100-bis 200-fache erhöhen. Die Männchen sterben nach der Paarung.

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ZECKENHAKEN eignen sich im Vergleich zu Zeckenzange & Co. besonders für ungeübtere Hände
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RICHTIGE ENTFERNUNG

Ob Zeckenhaken, -karte oder -zange, verwenden Sie für die kleinen Blutsauger stets nur eigens dafür vorgesehene Werkzeuge. Andernfalls riskieren Sie nicht nur einen verbleibenden Zeckenkopf, sondern auch ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Fühlt sich die Zecke bedrängt, kann sie sich in ihren Wirt erbrechen und so eventuell Krankheitserreger in ihrem Speichel auf die Überholspur befördern. Für ungeübtere Hände empfehlen sich meist Zeckenhaken.

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NIEMALS eine Zecke an ihrem vollgesogenen Körper greifen, sondern immer in ihrer Halsregion, nahe der Hautoberfläche ihres Opfers. So wird verhindert, dass sie sich bedroht fühlt und mit ihrem Speichel abrupt gefährliche Erreger in den Wirt erbricht

Schieben Sie den Haken einfach vorsichtig zwischen Zeckenkopf und -körper, ohne ihn dabei zu kippen. Wichtig, der Griff sollte während der gesamten Prozedur im 90°-Winkel von der Haut Ihres Tieres abstehen. In genau dieser Haltung bewegen Sie ihn nun ganz langsam senkrecht von Ihrem Tier weg. Der kleine Blutsauger wird loslassen, wenn auch nicht gern. Dies kann mitunter einige Sekunden dauern. Haben Sie alles richtig gemacht, halten Sie anschließend eine unwillig zappelnde Zecke im Haken.

KRANKHEITSÜBERTRÄGER

Sie lassen sich nicht ninjagleich von Bäumen fallen, sondern lauern geduldig auf Grashalmen und lassen sich dann unbemerkt abstreifen, sobald ein passend erscheinender Wirt mit diesem in Kontakt kommt.

Sogar im Wasser sind sie mitunter zu finden. Zwar begeben sie sich keineswegs freiwillig dort hinein, Zecken können nicht schwimmen, doch dafür bis zu vier Wochen unter Wasser überleben. Es braucht nur einen einzigen Wirt in greifbarer Nähe und das winzige Spinnentier krabbelt still und heimlich los, um eine möglichst gute Andockstelle für sich zu finden. Besonders beliebt sind dabei Achseln, Bauch, Gesicht oder auch (je nach Tierart) die Zehenzwischenräume. Besonders tückisch: der Stich einer Zecke ist komplett schmerzfrei und in den allermeisten Fällen ist der Stelle hinterher nicht anzusehen, ob eine Infektion stattgefunden haben könnte oder gar welche genau (oder ob da je eine Zecke war). Wenn überhaupt, bildet sich einige Tage später manchmal ein etwa erbsengroßer Knubbel, eine normale und zugleich meist selbstlimitierende Immunantwort. Ebenfalls ein gutes Warnzeichen ist die sogenannte Wanderröte, eine rote ringförmige Hautverfärbung, die immer größer wird und auf eine mögliche Borreliose hindeuten kann. Jedoch tritt sie nur in etwa der Hälfte aller Fälle auf und ist besonders beim Tier leicht zu übersehen. Die gute Nachricht, Zecken selbst sind nicht gefährlich, nicht jede trägt gefährliche Krankheitserreger in sich und nicht jeder Erregerkontakt führt auch zu einer Erkrankung. Kommt es aber zur Infektion, hat man es mit starken Gegnern zu tun.

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AM AUGE bietet das lichte Fell Zecken stets einen guten, wenn auch sensiblen, Angriffspunkt
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FIEBER ist ein häufiges Begleitsymptom vieler von Zecken übertragbarer Krankheiten, oft das erste ohne Blutcheck erkennbare Symptom

NICHT NUR IM URLAUB

Während Borreliose und FSME fast jedem ein Begriff sind, werden Anaplasmose, Ehrlichiose oder auch Babesiose gedanklich oft eher mit Auslandsaufenthalten verknüpft. Spätestens aber bei der Rickettsiose tauchen dann meist die ersten Fragezeichen auf. Die von Zecken übertragbaren Infektionen zählen zu den sogenannten Vektorerkrankungen und kommen nahezu überall vor. Das kleine Spinnentier, die Zecke, ist dabei der Vektor. Ein lebender Organismus, der ähnlich einem Trojanischen Pferd Krankheitserreger von einem Wirt zum nächsten transportiert, wenn auch gänzlich unabsichtlich. Dass manche dieser Infektionskrankheiten in südlicheren Regionen häufiger anzutreffen sind, liegt in erster Linie daran, dass Zecken es eher warm bis feucht-warm mögen. Nicht alle Arten fühlen sich auch im kühleren Norden wohl, während Krankheitserreger bevorzugt in feuchtwarmem Klima residieren. Daher nutzen sie auch so gern Lebendtaxis wie beispielsweise Zecken.

SYMPTOME & DIAGNOSE

Die meisten Symptome der von Zecken übertragbaren Erkrankungen sind relativ unspezifisch, sie kommen auch bei einer Vielzahl anderer Erkrankungen vor. Zu den häufigsten Merkmalen zählen jedoch Fieber, Lahmheiten, Neurologisches, auffällige Leberwerte oder auch eine deutliche „Unruhe” im roten Blutbild. Sind andere mögliche Ursachen für die Beschwerden oder Blutwerte bereits sicher ausgeschlossen oder zeigen sich direkt mehrere der Merkmale, die prinzipiell zu einer Vektorerkrankung passen würden, lohnt sich oft ein entsprechender Blick in jene Richtung und sei es nur, um diese Krankheiten sicher ausschließen zu können. Der vielen als Mittelmeerkrankheiten-Test oder Reiseprofil bekannte Blutcheck existiert in verschiedenen Ausführungen. Jedes der Profile deckt eine kleine Ländergruppe mit den dort vorkommenden Erregern ab, darunter gibt es auch eines mit Deutschland.

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ERREGERNACHWEISE in einer Zecke per Laboranalyse ermöglichen keine Diagnose für das Wirtstier
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DIE BRAUNE HUNDEZECKE ist vor allem in Südeuropa anzutreffen

VERSCHIEDENE ZECKENARTEN

Der Gemeine Holzbock (Ixodus ricinus) fühlt sich nahezu überall gleichermaßen wohl, nur nicht an überwiegend trockenen Orten, denn dort kann er trotz seiner Robustheit nicht allzu lange überleben. Er ist die am weitesten verbreitete Zeckenart in Deutschland, kommt dabei flächendeckend vor und ist besonders einfach an seinem leuchtend rotbraunen Rumpf, der sich farblich klar vom schwarzen Kopf und Rückenschild abhebt, zu erkennen. Sobald er sich satt gefuttert hat, gleicht aber auch er eher einer gräulich grünen Erbse mit Adipositas. Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatis) mit ihrem auffallend hell gemustertem Rückenschild wiederum bevorzugt vor allem warme Regionen mit waldnahen höheren Wiesen oder ähnlicher Vegetation und tritt überwiegend lokal begrenzt (Hotspot) auf. Im Zuge des Klimawandels erkundet sie jedoch mittlerweile zunehmend auch nördlichere Gefilde. Eine Besonderheit: Im Gegensatz zum blinden Holzbock verfügt die Auwaldzecke über Augen und obwohl sie sich naturgemäß vor allem an Wildschein, Reh und Co. hält, zeigt sie auch eine Vorliebe für Hunde. Sie ist somit einer der Hauptüberträger der „Hundemalaria“ (Barbesia canis), doch auch Rickettsien gehören zu ihrem Repertoire.

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DIE AUWALDZECKE hat sich in den letzten Jahren in Deutschland stark ausgebreitet

BESONDERE EXEMPLARE

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) erinnert mit ihrem einheitlichen mittleren Braunton optisch ein wenig an Leinsamen und man trifft sie für gewöhnlich nur in südlicheren Habitaten an. Sie stammt ursprünglich aus Nordafrika und fühlt sich entsprechend, ganz anders als der Gemeine Holzbock, auch in trockeneren Gebieten heimisch. Dadurch gelingt es ihr sogar über längere Zeit in Häusern und Wohnungen zu überleben. Im Gegensatz zum Holzbock lauert sie zudem nicht nur auf ihre Opfer, sie geht auch jagen, lässt sich also nicht als Lauerjäger von einem Grashalm, Zweig oder Totholz unauffällig auf den Wirt abstreifen. Sie ist bekannt für die Übertragung von vor allem Anaplasmose, Babesiose, Hepatozoonose, Rickettsiose und Ehrlichiose, bietet also ähnlich dem Holzbock ein beeindruckend breites Spektrum an heimlichen Passagieren, bevorzugt aber grundsätzlich Hunde als Wirt und gilt in Deutschland bislang eher als Ausnahmeerscheinung.

Ein weiterer, wenn auch bisher extrem seltener, Exot in Deutschland ist die Hyalomma-Zecke (Hyalomma marginatum). Ähnlich der Auwaldzecke erobert auch sie zunehmend neue Lebensräume und es gibt sogar erste Hinweise darauf, dass sie hierzulande möglicherweise auch erfolgreich überwintern kann. Die Hyalomma zählt zu den sogenannten Riesenzecken, sie ist mit ihren bis zu 6,6 mm Körperlänge (adultes Weibchen) etwa doppelt so groß wie der hier deutlich bekanntere Gemeine Holzbock. Farblich ähnelt sie der Braunen Hundezecke, hat aber hell gesprenkelte Beine und fällt vor allem durch ihre Körpergröße auf. Ähnlich der Hundezecke verfügt dieses tropische Spinnentier über gute Augen und nutzt diese auch gezielt für die aktive Jagd nach einem geeigneten Wirt. Im Gegensatz zum Holzbock lauert sie dafür aber nicht geduldig auf einem Grashalm oder vergleichbar niedriger Vegetation, sondern verfolgt ihren potenziellen Wirt ausdauernd und vergleichsweise flink bis zu mehrere hundert Meter.

Text: Annika Appel

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