Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 13 Min.

ZEICHENTRICK- KINDHEIT TEIL 1: SCIENCE FANTASY


Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 30.07.2021

Animation

Artikelbild für den Artikel "ZEICHENTRICK- KINDHEIT TEIL 1: SCIENCE FANTASY" aus der Ausgabe 4/2021 von Blu-ray Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 4/2021

Da pocht das freudige Kinderherz, wenn Phrasen fallen wie „Bei der Macht von Grayskull!“, Schwerter gen Himmel erhoben werden und Sternen-Sheriffs auf Robo-Pferden durchs All galoppieren. Wer in den 1980ern und 1990ern aufgewachsen ist, für den war klar, dass in fernen Galaxien menschengroße Katzen gegen Mutanten und Mumien kämpfen, die Comet ein hyperraumschnelles, dimensionsspringendes Fluggefährt ist und der Riesenmecha Remrod immer dann die Kontrolle übernimmt, wenn es ums Kämpfen geht. Das waren schöne Zeiten, in denen eingängige Titelmelodien nachgeträllert und die neuesten Weltraumabenteuer auf dem Schulhof debattiert wurden. Dank der DVD- und Blu-ray-Technologie lassen sich einige Bruchstücke dieser glorreichen Kindheitserinnerungen in konservierter und manchmal sogar überarbeiteter Form zurück holen. Einige davon wollen wir Ihnen in diesem Spezial vorstellen. Vielleicht geht es ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Blu-ray Magazin. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Liebe Leser!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leser!
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Mortal Kombat. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mortal Kombat
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Die Legende von Korra. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Legende von Korra
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von THE SUICIDE SQUADE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
THE SUICIDE SQUADE
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von „Essen war der schwierigste Stunt“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Essen war der schwierigste Stunt“
Vorheriger Artikel
Batman The Long Halloween – Teil 1
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Avatar – Der Herr der Elemente
aus dieser Ausgabe

... Ihnen ja wie uns und Sie erfreuen sich an dieser nostalgischen Zeitreise. Doch nun heißt’s erstmal anschnallen und bereit machen für den Phasensprung in längst vergangene Zeichentricktage.

Captain Future

Mit ihrem Entstehungsjahr 1978 ist „Captain Future“ eine der frühsten Science-Fiction-Anime-Serien, die im deutschen Fernsehen liefen. Zugleich ist sie auch eine der gehaltvollsten, da ihr die gleichnamige Pulp-Roman-Reihe von Edmond Hamilton zugrunde liegt. Was deutsche Zuschauer damals vermutlich nicht wussten, ist, dass die japanische Produktion der Toei-Animation-Studios eigentlich aus 52 Episoden be- stand anstatt der vom ZDF ausgestrahlten 40.

Hier wurde kräftig mit der Schere angesetzt, da „Captain Future“ ja eigentlich als Serie für Erwachsene konzipiert war und das ZDF daher zum Beispiel Gewaltszenen entfernte. Teilweise wurden aber auch ganze Handlungsstränge beseitigt, wie aufmerksamere Zuschauer häufig bei der Handlungszusammenfassung vor jeder Episode feststellen konnten. Für viele Eltern war das zwar immer noch nicht genug, denn es starben trotzdem genügend Leute vor den kindlichen Augen der Zuschauer und es gab immer noch gruselige oder sehr tragische Situationen – doch glücklicherweise fand das großartige Science-Fiction-Epos dennoch seinen Weg ins Fernsehen und wurde in den 1990ern auch noch mal auf Sat.1 ausgestrahlt, um eine neue Zuschauergeneration mit spannenden Weltraumabenteuern zu beglücken und deren Fantasie anzuregen.

Dabei wurden sogar recht abstrakte Science-Fiction-Themen bemüht wie beispielsweise Kriege um Luft und Wasser, Paralleldimensionen, das menschliche Genom und dessen Rückentwicklung zur Affenform, die Kontrolle über die Materie, kristalline Lebensformen und so weiter. Ein weiterer Anreiz ist die häufig angewandte Krimistruktur, die einen Antagonisten heimlich hinter den Kulissen agieren ließ, nur damit Captain Future diesen am Ende des meist dreiteiligen Handlungskomplexes enttarnen konnte. Stolze Besitzer der Blu-ray Collector’s Edition von „Captain Future“ können ja mal vergleichen, wie völlig anders die japanischen Originalfolgen mit ihrer vollständigen Handlung und der romantischen Japano-Pop-Musikuntermalung gegenüber dem deutschen Pendant wirken. Dieses hat immer- hin den Vorteil, dass sie Christian Bruhns Synthie-Weltraum-Arien als Soundtrack vorweisen können. Ikonischere Klänge hat es bislang in keiner anderen Zeichentrickserie gegeben. Und wer etwas anderes behauptet, wird einfach in einen Affenmenschen verwandelt. Na gut, es gibt auch noch andere eingängige Titelmelodien: Säibaaa Raaiidaaaaa!!!

Saber Rider

Dass die beliebtesten und meist auch besten Zeichentrickserien der 1980er aus Japan stammen, ist allgemein bekannt. „Saber Rider And The Star Sheriffs“ ist eine davon. Wobei – eigentlich sollte man sie eher als japanisch-amerikanische Koproduktion sehen, die einen seltsamen Entstehungsweg ging, bevor sie letztendlich auch nach Deutschland kam. 1984 produzierte das japanische Animationsstudio Pierrot unter der Leitung des Regisseurs Masami Anno die 51 Episoden umfassende Space Opera „Sei Jūshi Bismarck“ mit einer internationalen Sondereinsatztruppe rund um Teamleiter Shinji Hikaril und deren titelgebenden Mecha Bismarck. Als das US-Unternehmen WEP (World Events Production) die Rechte an der Serie kaufte, gestaltete es diese aus Gründen der Zielgruppenerweiterung zur Kinderserie „Saber Rider And The Star Sheriffs“ (1987) um. Das lief also ganz ähnlich ab wie bei „Captain Future“ und doch gänzlich anders: Aus den durchaus sterblichen Aggressoren, den Deathculas, wurden die aus einer anderen Dimension stammenden Phantomkrieger „Outrider“ gemacht, die anstatt zu sterben eben einfach in ihre Dimension zurückkehren. Bismarck wurde zu Ramrod. Und aus Shinji machte man den japanischen Rennfahrer Fireball, der seine Alphastellung nun an den Briten Saber Rider (ehemals Richard Lancelot) abgeben musste. Zudem rückte man den Fokus auch stärker auf die Western-Elemente, wobei der Charakter Bill Wilcox alias Colt eine wichtige Rolle spielte. Selbst der nun zu einem Menschen gewordene Erzfeind Perios verbreitete unter dem Namen Jesse Blue echte Western- Vibes. Dementsprechend wurde die Serie dermaßen umgeschrieben und umgeschnitten, dass etwas völlig neues daraus entstand. Bei dieser Gelegenheit entfernte man auch gleich noch besonders gewalttätige Szenen bzw. den dargestellten Drogenkonsum. Am Ende einer jeden Folge musste (!) zudem auch noch mit der Moralkeule geschwungen werden („Was haben wir aus dieser Folge gelernt?“), ein äußerst seltsames Phänomen, das viele 80er-Jahre Kinderserien heimsuchte – vermutlich um besorgte Eltern zu beruhigen, die ihre Kinder ein Abenteuerformat mit Schießereien und anderen Gewaltarten schauen lassen.

Mehr Folgen als das Original?

Wer sich nun wundert, dass aus den ursprünglich 51 Episoden letztendlich insgesamt 57 Episoden geworden sind, die es auf der zugehörigen Blu-ray zu bestaunen gibt, dem sei folgende Rechnung aufgetan: 46 Episoden der Originalserie wurden fürs westliche Fernsehen adaptiert, 6 Episoden (13: „Blutsbrüder“, 20: „Die Highlander“, 28: „Das Kavallerie-Oberkommando“, 29: „Jesses Rache“, 30: „Goldfieber“, 32: „Saber in der Phantomzone“) wurden von den Amerikanern komplett neu produziert, sodass sich zusammen mit den 5 „verlorenen“ Originalepisoden (22: „Täuschungen“, 25: „Käpt’n Holyday“, 36: „Eine Stadt als Geisel“, 42: „Rettung wider Willen“, 48: „Alles oder nichts“) eine Gesamtzahl von 57 ergibt.

Wohl dem, der die großartige, digital überarbeitete „Kobalt Blaster“-Blu-ray-Edition besitzt, in der sämtliche Episoden in der Reihenfolge der deutschen Erstausstrahlung enthalten sind, während die bis dahin nie ausgestrahlten Episoden direkt aus dem Japanischen übersetzt und von den deutschen Originalstimmen Jahrzehnte später synchronisiert wurden. Würden sich im Bonusmaterial nicht die Featurettes zu den jüngsten Synchronarbeiten befinden, würde vermutlich selbst der größte Fan kaum einen Unterschied merken. In den 1980ern hat man Christian Tramitz, der hier Colt spricht, noch kaum gekannt. Nach der „Bullyparade“ samt megaerfolgreicher Kinofilme sowie „Hubert und/ohne Staller“ ist er heute als Schauspieler eine feste Größe in der deutschen TV- und Kinolandschaft. Aber auch die Stimme von Ekkehardt Belle (Saber Rider) ist u. a. durch diverse Steven-Seagal-Streifen und Animationsfilme wie „Die Legende der Wächter“, „Gnomeo und Julia“, aber auch durch hunderte weitere Sprechrollen ziemlich bekannt. Florian Halm (Fireball) kennt man vorrangig als deutsche Stimme von Jude Law, Colin Farrell, David Oyelowo und Pedro Pascal. Zu guter Letzt bleibt noch Katrin Fröhlich (April), die regelmäßig Cameron Diaz, Kristen Wiig und Gwyneth Paltrow ihre wunderbare Stimme leiht. Alles in allem lässt sich die Synchronqualität also als sehr hochwertig einstufen, weshalb die markanten Stimmen auch stark zum Coolness-Faktor der Serie beitragen. Lässt sich nun rückblickend behaupten, WEP habe ein bereits vollendetes Werk verstümmelt oder gar zerstört, weil sie es unbedingt auf ihre Zielgruppe anpassen mussten? Auch wenn die Vorgehensweise sicherlich nicht zur Nachahmung empfohlen wird, entstand daraus glücklicherweise ein smarter Weltraum-Western mit nicht zu verachtendem Humor, den unglaublichen japanischen Charakter- und Mecha-Designs, extrem coolen Weltraumabenteuern und einer Animationsqualität, die im Vergleich zu anderen Trickserien der 1980er wie beispielsweise „He-Man“ positiv herausstach. Und seien wir einmal ehrlich, wer liebt nicht den schmissigen „Saber Rider“-Song, der sich melodisch nur grob am japanischen Titelsong „Fushigi Call Me“ orientiert?

He-Man – The Masters Of The Universe

Apropos „He-Man“: Die „Masters Of The Universe“-Zeichentrickserie entstand 1983 und damit gerade mal ein Jahr vor „Sei Jūshi Bismarck“. Es war in erster Linie als werbeträchtige, mediale Ergänzung zu Mattels Action-Figurenreihe gedacht. Dementsprechend wurde hier stärker bei den Animationen gespart, was sich beispielsweise in der Wiederverwendung gleicher Szenen (zum Beispiel die Verwandlungssequenz, das Auftauchen der Sorceress, den oft gleichen Kampfanimationen) oder auch in der partiellen Animation der Mundbewegungen niederschlug, während der Rest des Bildes unbewegt blieb. Die Grundidee der Serie bzw. des „He-Man“- Franchise stammt vom ursprünglichen Gedanken, eine Action-Figurenreihe zum martialischen Fantasy-Realfilm „Conan, der Barbar“ (1982) herauszubringen, der damals ziemlich erfolgreich in den Kinos lief und Arnold Schwarzenegger zu seiner Bekanntheit verhalf. Doch Conan ist ein recht rabiater Kerl und der Film nur für Erwachsene geeignet. Daher machte man aus dem dunkelhaarigen einen blonden Barbaren mit dem simplen wie funktionalen Namen He-Man und ließ diesen in einer Conan-ähnlichen Welt ganz eigene familientaugliche Abenteuer gegen seinen Erzfeind Skeleton bestreiten, der nicht ohne Grund der Thulsa-Doom-Darstellung aus den Robert-E-Howard-Geschichten ähnelt. Hier wurde demnach kräftig geklaut, während die Charakterentwicklung der He-Man-Geschichten für die damals veröffentlichten Mini-Comics genauso stringent und stereotyp durchgeführt wurde wie deren auf simple Zweckbezeichnungen reduzierte Namensfindung (z. B. Man At Arms, Sorceress, He-Man, Beast-Man, Faker etc.). Für die späteren DC-Comics (in denen Superman auf dem Planeten Eternia landet) und die Animationsserie „He-Man And The Masters Of The Universe“ verlieh man dem Protagonisten eine etwas edlere, weniger barbarische Note, indem man ihm einen royalen Hintergrund schenkte. Prinz Adam hatte plötzlich mehr Kleidung über den Muskelbergen. Statt einer Axt drückte man ihm das zuvor zweigeteilte magische Schwert in die Hände. Und ja, scheinbar erkannte niemand seiner Angehörigen, dass sich hinter dem superstarken, faustbewährten He-Man ebenjener faule bis dekadente Königssohn befand, der sich noch nicht einmal um eine Maske oder ähnliches zur Wahrung seiner Geheimidentität bemühte. Auch seine im Vorspann zitierte Vorgeschichte verweist einfach auf das magische Schwert der Sorceress, die offenbar zufällig ausgesprochenen Worte „Bei der Macht von Grayskull!“ und die damit verbundene Verwandlung seiner selbst sowie des zitternd ängstlichen, schimmelgrünen, sprechenden Haustigers Cringer in … na was wohl? … Battle Cat.

Doch das Konzept ging auf. Die He-Man-Actionfiguren waren ein großer Erfolg und sind unter Sammlern auch heute noch beliebt. Die Zeichentrickserie präsentierte simple Gut-gegen- Böse beziehungsweise He-Man-gegen-Skeletor- Geschichten mit einem damals obligatorischen moralischen Fazit am Ende der Kindersendung. Aus heutiger Sicht sind die hanebüchenen Dialoge kaum mehr tragbar, meistens sogar unfreiwillig komisch. Logik sollte man hier nirgends suchen, denn sowohl die Helden als auch die Bösewichter verhalten sich alles andere als nachvollziehbar. Die Gestaltung von „He-Mans“ Fantasy-Welt hingegen lässt sich auch nach aktuellen Maßstäben als schön einstufen und bietet einen ästhetischen Mix aus barbarischer Ursprünglichkeit und fantasiereicher Märchenwelt. Wer sich unbedingt den trashigen Nostalgie-Kick geben möchte, der kann die beiden Staffeln auf Bluray erstehen, die die jeweils über 60 Episoden in durchschnittlicher SD-Qualität auf einer Disc anbieten.

Konzeptuell entwickelte sich „He-Man“ im Laufe der Zeit weiter, um die Zielgruppe zu vergrößern, weshalb statt des „Red Sonja“-Verschnitts Teela – der Findlingstochter von Man-At-Arms – nun Prinz Adams verloren geglaubte Zwillingsschwester Prinzessin Adora alias She-Ra in den Fokus rückte und sogar eine eigene TV-Serie erhielt. Der Kinofilm von 1987 mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle schloss wiederum den Kreis, vom Realfilm zum Spielzeug zum Comic zur Zeichentrickserie zum Realfilm, scheiterte jedoch durch sein ungünstig umgesetztes Konzept, die Fantasy-Charaktere in die irdische Alltagswelt hereinbrechen zu lassen. Neben dem Zeichentrick-Reboot von 2002 ist derzeit auch immer noch eine Neuverfilmung mit einem Drehbuch von Christopher Yost und David S. Goyer im Gespräch. Im Juli startete zudem die wirklich gut aussehende Netflix-Animationsserie „Masters Of The Universe: Revelation“.

Thundercats

Überhaupt erblühte das Konzept „Zeichentrickserie zur Spielzeugreihe“ in den 1980ern so richtig mit Marken wie „Transformers“ (1984), „M.A.S.K.“ (1985) sowie „Thundercats“ (1985). Während die einen auf Autos mit Verwandlungsfunktion setzten und zuerst das Spielzeug und dann die Animation realisierten, verweilte die japanisch-amerikanische Koproduktion „Thundercats“ im Sektor der martialischen Science-Fantasy und erschien zuerst als Trickserie, die erst später von entsprechendem Merchandise begleitet wurde. Die barbarisch anmutenden Katzen-Helden wurden in eine Heavy-Metal-Fantasy-Welt versetzt, wo sie sich mittels magisch-mystischer Gegenstände (z. B. das Auge von Thundera) und modernster Technologie (Thundermobil) gegen monströse Gegner behaupten müssen. Als Hauptantagonist fungiert hier der wie Skeleton den Untoten angehörige Mumion, dessen oberstes Ziel das heilige Schwert der Thundercats (samt magischem Auge) ist, da es ihm unvorstellbare Macht verleihen könnte. Die Produzenten Arthur Rankin Jr. und Jules Bass hatten schon in den 1970ern und Anfang der 1980er Jahre wertvolle Erfahrungen im Animationssektor sammeln können, als sie unter anderem „Der Hobbit“ (1977) oder „Das letzte Einhorn“ (1982) zusammen mit dem japanischen Animationsstudio Topcraft (aus dem nach dessen Bankrott Studio Ghibli und Pacific Animation Corporation – kurz PAC – entstanden) erstellten. Für die Serie „Thundercats“ bemühten sie also die gleichen Künstler unter dem PAC-Label. Und das Ergebnis ist eine herausragende Serie mit einigen Elementen, die auch schon „He-Man“ beliebt machten, sowie mit vielen neuen Ideen, die das ganze noch stimmiger erscheinen ließen. Zum einen waren die Animationen samt der Hintergründe wesentlich besser. Die Action sah auch wirklich wie temporeiche Action aus und nicht wie ein Zusammenschnitt aus einzelnen Lauf und Schlag- Animationen aus der Animationsbibliothek. Statt nur eines martialischen Schwertschwingers samt weniger Sidekicks gibt es hier ein ganzes Helden- Team, das ähnliche Kräfte besitzt wie der Hauptheld Leo, sich in den Schlüsselfähigkeiten jedoch unterscheidet – Panthro, der starke Mechaniker mit den Nunchucks, Tigro, der weise Vertrauenslehrer und Architekt mit der Peitsche, Geparda, die blitzschnelle und hellseherische Kriegerin mit dem Kampfstab, sowie die beiden Knirpse Mini-Kit und Mini-Kat, deren Streiche und Bomben stets für allerlei Chaos sorgen. Die Protagonisten sind Tiermenschen, was sie visuell interessanter macht und zusätzlich mit den entsprechenden Eigenschaften versieht. Der Held selbst ist ein Kind, das während des Kryoschlafs körperlich erwachsen geworden ist, während sein geistiges Alter noch dem eines 12-jährigen entspricht – also der perfekte Perspektivgeber für Zuschauer im Teenager-Alter. Warum die gleichaltrigen Mini-Kit und Mini-Kat in diesem Zeitraum nicht auch erwachsen wurden, bleibt ein ungelöstes Geheimnis. Fakt ist, dass Leo (natürlich ein majestätischer Löwe) noch viel lernen muss und offenbar auch eher aufgrund seiner Erbfolge zum Träger des Schwertes von Omen bzw. zum Anführer ernannt wurde als wegen seiner fehlenden Erfahrung. Auch hier bleiben die Zuschauer freilich nicht vor klaffenden Logiklücken und den 80er-typischen Moralpredigten verschont. Und doch merkt man der Serie an, dass ein gewisser inhaltlicher und formeller Anspruch gewahrt bleiben sollte. Die Einführung der Berbils – kleine Ewok-ähnliche Robo-Bären, die gut im Häusle bauen und Nahrung anpflanzen sind – rückt die Serie wie auch der Schnuff-Charakter in die kindlichere Richtung, während das Weltraumepos um Leos Bestimmung und die lange Irrfahrt vom zerstörten Heimatplaneten samt Thunderas Erbe Teenager sowie Erwachsene anspricht. Begleitet von einem eingängigen in den Hardrock gleitenden Soundtrack schlugen die 65 Episoden der ersten Staffel international ein wie eine Bombe. Weitere drei Staffeln mit je 20-25 Episoden folgten. Und natürlich gab es auch noch weitere Überlebende der Thundercats, sodass beispielsweise Geparda nicht die einzige erwachsene Frau ihrer Spezies bleiben musste, da die zweite Staffel die Heilerin Pumyra vorstellte. Als Ur-Gegner gelten die drei Mutanten Affenmann, Schakal und Schleim, die mit Mumion eine unheilvolle Allianz bilden. Im Laufe der Serie gesellen sich aber noch zahlreiche weitere Charaktere hinzu, sodass im Dschungel der von den Thundercats besiedelten Erde-3 (ehemals unsere Erde) zahlreiche Abenteuer stattfinden. Interessant ist übrigens auch, dass der Anführer der Katzenbande seinen zuvor komplett nackt herumlaufenden Schützlingen verschiedene Kleidung verpasst, bevor ihr Raumschiff auf dem ihnen fremden Planeten zerschellt. Scheinbar macht man das auf der Erde so. Der Erfolg der „Thundercats“ führte dazu, dass Rankin/Bass, noch während ihre Donnerkatzen liefen, weitere Zeichentrickserien mit Tiermenschen aus der Traufe hoben. Die „Silverhawks“ (1986) und „Tigersharks“ (1987) feierten aber beileibe nicht solch große Erfolge wie deren schnurrende Kollegen, weshalb diese es auf jeweils nur eine Staffel brachten. 2011 – ganze 12 Jahre nach dem Ende der Ursprungsserie – wagte man sich noch einmal an ein Reboot der „Thundercats“, das sehr hochwertige Animationen im Anime-Stil bot und daher nicht nur den alteingesessenen Fans empfohlen sei. Durch die aktuell erschienene Pidax-DVD-Reihe lässt sich die 1985er-Serie noch einmal in recht ansehnlicher SD-Qualität Revue passieren. Das erste Volume bietet 33 Episoden, was der Hälfte der ersten Staffel entspricht.

Galaxy Rangers & Bravestarr

Wie vorzüglich sich das in den 80ern erneut aufblühende Western-Genre mit der Science- Fiction kombinieren ließ, bewiesen Anime-Serien wie „Saber Rider“ und „The Adventures Of The Galaxy Rangers“ (1986) nur zu gut. Wurde „Saber Rider“ nahezu vollständig in Japan kreiert und erst 1987 in Amerika zum Space-Western umgemünzt, erschuf Drehbuchschreiber Robert Mandell („Thunderbirds 2086“) mit den „Galaxy Rangers“ ein amerikanisches Original, das größtenteils in den Staaten konzipiert bzw. designt wurde, um dann vom japanischen Studio Tokyo Movie Shinsha animiert zu werden. Ähnlich wie die ebenfalls von Mandell und TMS produzierte Serie „Die Sechs-Millionen-Dollar-Familie“ (1987) verfügt jeder der vier Galaxy Rangers über ein spezielles Bionik-Implantat, was ihm bzw. ihr besondere Kräfte verleiht. Man baute also eher auf Science-Fiction-Technik denn auf Fantasy-Elemente, um die Tricks der Helden zu begründen. Die Fähigkeiten der außerirdischen Begleiter und Widersacher hingegen wurden über die ferne Herkunft definiert. Ein weiterer interessanter Space-Western ist „Bravestarr“ (1987). Statt der üblichen weißen Helden, die im Namen der Zivilisation den Status Quo erhalten wollen, bildet hier der Cheyenne Marshall Bravestarr den Protagonisten, der mehr Indianer als Cowboy ist. Statt reiner Technokratie verfolgt er den mythologischen, spiritistischen Weg, indem er je nach Bedarf die Kräfte des Bären, die Geschwindigkeit des Pumas, die Augen des Falken oder die Ohren des Wolfes ruft bzw. diese von den Naturgeistern erbittet. An seiner Seite agiert das Techno-Pferd Thirty-Thirty, das sich nach belieben in seine anthropomorphe Gestalt – ein großkalibrig bewaffnetes, aufrecht gehendes, sprechendes Pferd – verwandeln kann. Aha, Bravestarr BESITZT also kein Reittier, er be- trachtet Thirty-Thirty als gleichberechtigten Partner, der ihn freundlicherweise dann und wann auf seinem Rücken trägt. Und auch sonst bietet die Trickserie neben bekannter Moralfragen und deren Antworten eine etwas liberalere Perspektive auf den sonst so imperialen Heldentypus im Western-Genre. Hier wird auf die Umwelt Rücksicht genommen, es werden Aliens unterschiedlichster Herkunft beschützt und die Schurken sind vermenschlichte Sinnbilder für die Gier der Gold… – Entschuldigung – Keriumschürfer. Ein Oberbösewicht ist der ehemals menschliche und nun (wer hätte das gedacht!) untote Ex-Siedler Tex-Hex, der sich wie die unsichtbare Hand des Kapitalismus in Luft auflösen kann und daher unmöglich zu greifen bzw. festzusetzen ist. Mit seinen Waffen verwandelt er harmlose Alltagsgegenstände in gefährliche Monster. Hinter Tex-Hex hält der noch machtgierigere Broncosaurus (!) Stampede die Fäden in der Hand. Nachdem seine Gier den eigenen Heimatplaneten samt seiner Spezies komplett auslöschte, versucht sich der spirituelle Dinosaurier nun in New Texas daran, seinen Erzfeind Shaman und dessen Schützling Bravestarr ein für alle mal auszulöschen, sämtliche Siedler zu vertreiben und die Alleinherrschaft über das Gebiet zu erlangen. Und was macht er dann, wenn keiner mehr da ist, der seine Macht bezeugen kann? Dann sitzt er da, der blöde Stampede. Als Fazit aus all diesen wunderbaren Zeichentrickserien lässt sich ziehen, dass 1980er-Jahre-Gegenspieler häufig aus dem Totenreich stammen, das Verderben und den Tod an sich verkörpern und ebenjenes herbeiführen wollen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Wenn ein Held mit reiner Weste auf einen Untoten oder ein Geisterwesen schießt, bleibt er weiterhin moralisch einwandfrei – da man den abstrakten Bösewichtern ja im Prinzip nicht mehr schaden oder sie gar töten kann. Sie fliegen einfach in ihre Dimension, ihren Sarg oder ihr Schloss zurück, regen sich auf und schwören ewige Rache, bis sie in der nächsten Folge erneut besiegt werden. Lernfähig scheinen die düsteren Jungs nicht gerade zu sein, auch wenn Schurken wie Tex-Hex oder auch Jesse Blue durchaus zu minimal menschlichen Regungen bereit sind.

FALKO THEUNER

SCIENCE-FANTASY-ZEICHENTRICK AUF BLU-RAY & DVD