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„ZEIT FÜR DEN NÄCHSTEN SCHRITT“


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 35/2022 vom 01.09.2022

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Artikelbild für den Artikel "„ZEIT FÜR DEN NÄCHSTEN SCHRITT“" aus der Ausgabe 35/2022 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 35/2022

Als der „Vierzylinder“, die Hauptverwaltung des BMW-Konzerns auf der anderen Straßenseite vor 50 Jahren fertiggestellt wurde, dienten Elektromotoren im Automobilbau bestenfalls als Hilfsaggregate , etwa zum Bewegen der Seitenscheiben. Auch in der 2007 errichteten BMW-Welt drehte sich lange alles nur um Benziner und Diesel. Und nun gibt es erstmals sogar das Topmodell mit Elektroantrieb, schießen rund um die Konzernzentrale Ladestationen für Elektroautos aus dem Boden. Der 50-kW-Lader vor der BMW-Welt ist an diesem Morgen allerdings besetzt. Der nagelneue BMW i7 von Stefan Teuchert zieht gerade Strom. Das trifft sich gut.

Herr Teuchert, diesen Stromer habe ich ja noch nie auf der Straße gesehen. Was laden Sie da?

Das ist unser neuestes und innovativstes Fahrzeug – der BMW i7 xDrive 60. Die BMW 7er Reihe ist praktisch komplett neu entwickelt worden. Der BMW i7 ist die erste und einzige ...

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... Luxuslimousine ihrer Art. Darauf sind wir sehr, sehr stolz.

Inwiefern einzigartig? Ich bin mit einem Mercedes EQS nach München gekommen. Das Elektroauto spielt in der gleichen Klasse. Und es war früher auf dem Markt. Den sehen Sie nicht als Wettbewerber an?

An der Dachlinie erkennt man den Unterschied zwischen Coupé und Limousine. Unser Auto wurde als Luxuslimousine gebaut, in der man insbesondere im Fond sehr bequem sitzen kann. Die Kombination mit einem vollelektrischen Antrieb bieten bisher nur wir an.

So gesehen haben Sie recht. Gibt es für klassische Limousinen überhaupt noch einen Markt?

Aber sicher. Auch unsere Kunden in Deutschland und Europa fahren immer noch große und komfortable Autos und lassen sich damit auch gerne chauffieren. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Fahrzeuge wirtschaftlich und umweltverträglich sind. Der i7 entspricht maximal dem aktuellen Zeitgeist. Mit einem elektrischen, lokal emissionsfreien Antrieb und mit luxuriösen, aber nachhaltigen Materialien im Innenraum. Und nicht zu vergessen die Maßnahmen bei Rohstoffbeschaffung, Lieferkette und Produktion.

Also lederfrei und mit Bodenbelägen aus Hunderten recycelten PET-Flaschen?

Letzteres finden Sie auch hier. Die Sitze bei diesem Fahrzeug sind mit einer feinen Mischung aus Merino/Woll-Kaschmir bezogen. Fühlen Sie mal.

STEFAN TEUCHERT

Der gebürtige Leipziger begann seine Karriere in der Autoindustrie als Verkäufer von Scania Trucks. Für BMW ist der 53-Jährige mittlerweile seit 29 Jahren tätig, inzwischen als Leiter Vertrieb bei BMW Deutschland. Zuvor war der passionierte Motorradfahrer und begeisterte Skiläufer Präsident und CEO der BMW Group in Russland. Davor verantwortete er das Thailand-Geschäft.

Der i7 hat einen Elektroantrieb, schön. Es gibt das gleiche Modell aber weiterhin auch mit Benzin- und Dieselmotoren. BMW will sich also jetzt noch nicht auf eine Technik festlegen?

Das ist richtig. Wir bedienen mit dem Fahrzeug weltweit eine ganze Reihe höchst unterschiedlicher Märkte mit ganz unterschiedlichen Anforderungen der Kunden. Wir gehen aber schon davon aus, dass in Deutschland und Europa der Anteil der elektrifizierten Fahrzeuge sehr hoch sein wird. Wir bieten vollelektrische Antriebe aktuell bereits in sechs Baureihen an, in Summe zehn Modelle, im nächsten Jahr werden es zwölf sein, plus diverse Plug-in-Hybride. Und jedes Jahr werden es mehr werden.

Weil es die Politik so will oder der Kunde fordert?

Ich denke, beides treibt die Entwicklung. Der Kunde entscheidet aber letztlich, welches Fahrzeug er für welchen Einsatzzweck braucht und welchen Antrieb er sich zutraut. Wir merken im Vertrieb allerdings deutlich, dass Umweltaspekte für unsere Kunden immer wichtiger werden. Dass sie sich Gedanken darüber machen, wie sie ein Fahrzeug einsetzen und welcher Antrieb dazu am besten passt.

Es gibt aus Ihrer Sicht also nicht nur einen Weg?

Nein. Viele setzen auf einen Plug-in-Hybrid, weil sie mit dem Auto hin und wieder auch größere Strecken zurücklegen und dabei nicht so abhängig sein möchten von der Ladeinfrastruktur. PHEV sind ideal für Pendler.

Viele legten sich einen PHEV abert auch nur deshalb zu, weil es steuerliche Vorteile brachte.

Sicher. Aber die heutigen Plug-in-Hybride sind mit denen der ersten Generation nicht vergleichbar. Statt 20 Kilometer können sie 60 bis 80 Kilometer stromern. Viele können damit die ganze Woche über vollelektrisch fahren. Dann macht das Antriebskonzept Sinn.

Trotzdem ist der Ruf der Technik aufgrund der nicht artgerechten Nutzung der Fahrzeuge durch viele Dienstwagenfahrer schwer beschädigt.

Ja, leider. Tatsächlich ist es wichtig, dass die Kunden das Konzept mit einem hohen Elektroanteil fahren. Sonst macht es keinen Sinn. Das haben nach meinen Feststellungen inzwischen auch die Nutzer verstanden: Sie sind stolz auf die Technik und machen einen Sport daraus, in der Woche möglichst oft und möglichst weit elektrisch zu fahren. Und am Wochenende, wenn es auf eine längere Tour geht, muss der Verbrenner ran. Dann hat das Fahrzeuge eine ordentliche Leistung und ist trotzdem sparsam unterwegs.

Apropos große Tour: Was fasst der Akku des i7?

Er speichert 101 Kilowattstunden Strom. Wir können damit im gesetzlichen Testzyklus Reichweiten zwischen 590 und 625 Kilometer darstellen. Immer mehr Fachleute bestätigen, dass unsere Angaben sehr realitätsnah sind. Und auch die Ladeleistung ist vernünftig: Bis zu 22 kW an einer Wechselstrom-Wallbox und bis zu 195 kW an einem Gleichstrom-Lader.

„Der Anteil der E-Autos könnte bereits vor 2030 rund 50 Prozent erreichen.“

Wann hatten Sie eigentlich persönlich Ihren ersten Kontakt mit einem Elektroauto?

Als 2013 der BMW i3 auf den Markt kam, das Auto, das da gerade an uns vorbeifährt. Es war faszinierend.

Inwiefern?

Die beinahe lautlose Form der dynamischen Fortbewegung, die Beschleunigung, das entspannte Fahren.

Der letzte BMW i3 wurde im Juni produziert. Tut Ihnen das nicht leid?

Ein bisschen schon. Der i3 war seiner Zeit weit voraus. Er hat in neun Jahren Produktionszeit eine große Fangemeinde gewonnen. Aber es ist jetzt auch Zeit, den nächsten Schritt zu tun. Mit dem neuen iX1, einem fantastischen Elektroauto in der Kompaktklasse.

Wir sind dann aber bei Preisen jenseits von 55 000 Euro. Der i3 begann bei 39 000 Euro!

Der iX1 hat aber auch eine größere Reichweite, eine ganz andere Nutzbarkeit, ein nochmals größeres Raumangebot. Die Kunden wollen das. Und wem der iX1 zu teuer ist: Wir haben ja auch noch den Mini, den es bald als vollelektrischen Countryman geben wird. Und Mini wird ab 2030 bekanntlich nur noch vollelektrische Fahrzeuge anbieten – ebenso wie Rolls-Royce.

Und wann folgt BMW auf dem Weg?

Später. Wir gehen derzeit davon aus, dass wir bis 2030 weltweit mindestens die Hälfte aller Fahrzeuge mit einem Elektroantrieb verkaufen werden. Unsere Neue Klasse wird 2025 auf einer vollelektrischen Basis auf den Markt kommen. Auch das Thema Kreislaufwirtschaft wird bei der Modellgeneration eine herausragende Rolle spielen. Das wird ein revolutionärer Schritt werden, auf den wir uns sehr freuen.

Wann erwarten Sie den Kipppunkt, ab dem BMW in Deutschland mehr Autos mit Elektroantrieb verkauft als mit Verbrennungsmotoren?

Das kann schnell passieren. Unsere Prognosen gehen davon aus, dass der Anteil der Elektroautos an den Auslieferungen bereits vor 2030 rund 50 Prozent erreicht.

Was fahren Sie eigentlich privat – wenn Sie gerade nicht mit einem i7 unterwegs sind?

Den BMW iX. Erst den iX 40, jetzt den iX 50. Das habe ich bewusst gemacht. Denn ich wollte verstehen, wie Elektromobilität im Alltag funktioniert.

Was gab es da für Sie noch zu verstehen?

Ich wollte wissen, wie das auf langen Strecken mit dem Laden funktioniert. Ich war überrascht, denn man macht da ja durchaus seine Erfahrungen.

BMW I7 XDRIVE 60

Mit einer Leistung von 400 kW oder 544 PS ist der allradgetriebene BMW i7 das Spitzenmodell der neuen 7er-Baureihe. Die Türen zur Executive Lounge mit Liegesitz öffnen sich elektrisch, aus dem Dachhimmel fährt auf Wunsch ein riesiger „Theatre Screen“ heraus. Ab 135 900 Euro.

Sie haben Reichweitenangst kennengelernt?

Nein, Angst hatte ich zu keinem Zeitpunkt. Aber man muss seine Fahrten anders planen, mit Blick auf das Zeitfenster, die Ladeleistung und die Verfügbarkeit der Infrastruktur entlang der Strecke. Auch wurden die Pausen mal 20 Minuten länger. Aber wenn man sich darauf einstellt, dann ist Elektromobilität eine schöne Form der Entschleunigung. Bei Fahrten nach Österreich haben wir das eine oder andere schöne Restaurant kennengelernt, an dem wir sonst vorbeigefahren wären.

Aber demnächst steigen Sie auf den i7 um.

Erst einmal müssen unsere Kunden bedient werden. Wir gehen davon aus, dass das Auto in Europa, aber auch in Asien und Nordamerika eine hohe Akzeptanz findet.

In Deutschland polarisierte das Design.

Wir haben das Fahrzeug inzwischen auf vielen Events präsentiert. Das Feedback war überall eindeutig: Die Leute sind begeistert vom Design. Man muss das Auto in natura sehen. Bei dem Fahrzeug stimmt alles, die Proportionen, das Ambiente im Innenraum: Man spürt in allen Details, dass das hier eine innovative und gleichermaßen luxuriöse Welt ist.

Wie groß wird der Anteil des i7 am Absatz der Siebener-Baureihe sein?

Wir gehen von einem überwiegenden Anteil von vollelektrischen Fahrzeugen und Plug-In Hybriden aus. Denn aus Kundensicht sind elektrischen Antriebe in eine immer attraktivere Alternative.

Einen Umweltbonus gibt es für den i7 nicht. Aber bei den kleineren E-Autos könnten die geplanten Kürzungen schon eine Rolle spielen, oder?

Ich persönlich glaube, dass eine Förderung immer gut tut, wenn es gilt eine neue Technik in die Köpfe der Menschen und in den Markt zu bringen. Aber die Förderung kann ja nicht ewig erfolgen.

„Irgendwann muss es einmal gut sein“, wie Bundesfinanzminister Lindner sagte.

So würde ich es nicht formulieren. Aber man muss natürlich schauen, wie man Steuermittel einsetzt. Mir erscheint es wichtig, mehr Mittel in die Ladeinfrastruktur zu stecken, weil die Akzeptanz der Elektromobilität wesentlich davon abhängen wird, dass ein Elektroauto überall problemlos und schnell geladen werden kann. Bei Fahrzeugen der Mittel- und Oberklasse ...

... mit Preisen über 65 000 Euro ...

... hat die Förderung nie eine große Rolle gespielt. Da sind geldwerte und andere steuerliche Vorteile wichtiger. Im unteren Marktsegment ist der Bonus sinnvoll.

Das hört sich ja fast so an, als würden Sie die Neuregelung begrüßen.

Wir haben immer gesagt, dass man die Förderung nicht zu abrupt beenden darf. Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist den Kunden Verlässlichkeit sehr wichtig. Der Fahrplan der Bundesregierung ist durchaus nachvollziehbar.

Manche erwarten, dass die Autoindustrie nun die Elektroautos preiswerter anbieten wird. Gibt es dafür Spielraum?

Unser Pricing machen wir immer fair. Spielraum für Preissenkungen sehe ich nicht, schon gar nicht beim Blick auf die massiven Kostensteigerungen bei Rohstoffen, in der Logistik und bei der Energie.

Das komplette Interview lesen Sie auf www.edison.media/teuchert